H. Seehofer VS. W. Faymann – Runde 1 in der Flüchtlingsdebatte

Seehofer Vs FaymannNach seinem Vorrunden-Aus gegen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel holt er zum großen Gegenschlag über die Landesgrenzen hinweg aus. Sein neues Feindbild heißt Werner Faymann, Bundesparteivorsitzender der österreichischen SPÖ (Pendant zur deutschen SPD) und auf Polit-Kurs mit der vielkritisierten Angela Merkel. Mit 1. November laufen die Kontrollen an den Grenzen zwischen Deutschland und Österreich aus und es drängt um eine Lösung für die Zeit danach zu finden. Doch wie viel Handlungsspielraum hat die Kritik eines Horst Seehofers über die eigenen Grenzen hinaus? Und wie reagieren der Kanzler und die Kanzlerin auf seine Kritik?

Tausende überqueren beinahe täglich die deutsche Grenze von Österreich kommend. Dieser Zustand ist laut Horst Seehofer und seinem Innenminister Joachim Herrmann nicht weiter duldbar. Laut Herrmanns Worten werden die Flüchtlinge von Österreich nur durchgeschleust und dass, obwohl laut geltenden EU-Recht alle Flüchtlinge ab erstmaligen Betreten von Boden eines EU-Mitgliedslandes zu registrieren sind. Da sich Länder mit EU-Außengrenzen, wie Griechenland und Italien schon nicht daran halten und Flüchtlinge nur auf schnellsten Weg weitergeschoben werden, wird das Problem nur verschleppt – meist bis das Wunschland Deutschland erreicht ist!

In einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ kritisiert Horst Seehofer zum wiederholten Male die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und neuerdings auch das österreichische Pendant, Werner Faymann:

„Dieses Verhalten Österreichs belastet die nachbarschaftlichen Beziehungen. So kann und darf man nicht miteinander umgehen“

Und im Nachsatz:

„Da wird nur auf möglichst schnellen Durchzug geschaltet, und das können wir so nicht akzeptieren“

Natürlich ist die Vorgehensweise Österreichs, das das letzte Durchzugsland einer langen Kette an EU-Ländern für Flüchtlinge ist, kritikwürdig, jedoch ist eine dermaßen harsche Kritik den Umständen anzupassen und zu hinterfragen. Wie wäre die Situation, würden die östlichen EU-Länder die Dublin-Vereinbarungen durchsetzen und die Flüchtlinge registrieren? Es wäre wohl vieles leichter. Doch diese fühlen sich nicht verantwortlich und suchen ihr Heil in einer schnellen Weitergabe der Flüchtlinge an andere Länder. Frei nach dem Motto: Ich bitte nicht, wird sich schon jemand dafür finden! Freilich ist die Situation prekär, eine emotional geladene Kritik wird es aber auch nicht lösen! Sicherlich ist Seehofers Kritik nicht von der Hand zu weisen, und es steht überdies außer Frage, dass Bayern eine besonders hohe Last zu tragen hat. Trotzdem könnte man auch andere Länder kritisieren, die schlußendlich genau die selben Praktiken im Umgang mit Asylanten an den Tag legen! Eine Schließung der Grenze zu Österreich wird zwar immer wieder angedroht, jedoch ist sich auch Horst Seehofer durchaus bewusst, dass es dadurch lediglich zu einem Rückstau kommen würde. Landeshauptmann Günther Platter hat unter Androhung dieser Maßnahme unzweifelhaft klargemacht, dass bei einer Grenzschließung Deutschlands, die Grenze zwischen Österreich und Slovenien ebenfalls dicht gemacht werde. Nicht nur Deutschland, auch Österreich ist an der Kapazitätsgrenze angelangt, sodass Innenministerin Mikl Leitner an eine „baulichen Maßnahme“ an der Grenze zu Slovenien denkt. Also ein „Zaun der Menschlichkeit“? Dies wird sicherlich für reichlich weiteren Zündstoff in der Debatte sorgen.

Wie dem auch sei: Nach außenhin blieb Angela Merkel trotz dieser neuen Drohungen gewohnt gelassen. Beide (A. Merkel und W. Faymann) betonten lediglich, dass die Zusammenarbeit und die Abstimmung der gemeinsamen Tätigkeiten im Bezug auf die aktuelle Flüchtlingssituation, wie gewohnt in gemeinsamer Absprache koordiniert werden. Es ist sicherlich mit weiteren Provokationen aus Bayern zu rechnen jedoch im Anbetracht der sehr geringen Handlungsfähigkeiten, werden diese kaum Konsequenzen mit sich bringen. Horst Seehofer ist keine entscheidende europäische Handlungsfigur und somit nicht weiter von Bedeutung! Nach dem Wahlsieg von Werner Faymanns SPÖ in Wien sind auch dort kaum Veränderungen in der aktuellen Vorgehensweise zu erwarten. Lediglich aus Oberösterreich schallte Kritik über die deutsche Grenze: Landespolizeidirektor Andreas Pilsl klagte am Dienstag, dass lediglich 50 Personen pro Stunde die Grenze nach Deutschland passiert hätten und somit ein Rückstau zu befürchten sei. Diese Kritik, ob Zufall oder nicht, kommt ausgerechnet aus Oberösterreich mit einer (seit wenigen Tagen) besiegelten (rechten) FPÖ Regierungsbeteiligung! Somit ist der Vorwurf eines Rückstaus meiner Meinung nach ein ideales Kanonenfutter für rechte Gruppierungen in Österreich und ebenso idealer Zündstoff für einen weiteren Seitenhieb Seehofers in Anbetracht der Kritik daran!

Wie ist eure Meinung dazu? Versucht man hier lediglich noch das letzte Öl in ein loderndes Feuer zu gießen um den Super-Gau hervorzurufen? Oder versucht Horst Seehofer nur aufopfernd und verzeweifelt das Land mittels Transitzonen zu schützen?  Sind Transitzonen die Lösung? Lassen sich die Menschenmassen über einen längeren Zeitraum überhaupt von deren Freiheitsbestreben abbringen? Sagt mir eure Meinung dazu –  in den Kommentaren!


Weiterführende Links:
Bericht in „Kurier“ (28.10.2015, 08:29) – Deutsch
Hauptquelle aus dem Online-Magazin „gmx.de“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Bericht in „Welt.de“ (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht in „Passauer Neue Presse“ (09.10.2015, 13:31) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild:
http://www.tagesspiegel.de/politik/newsblog-fluechtlinge-horst-seehofer-will-grundsatzrede-zu-fluechtlingen-halten/12346592.html (28.10.2015, 08:25)
http://www.news.at/a/nationalratswahl-breites-komitee-faymann-4035996 (28.10.2015, 08:27)
Bericht in „Kurier“ (28.10.2015, 08:29) – Deutsch
Hauptquelle aus dem Online-Magazin „gmx.de“ (28.10.2015, 08:31) – Deutsch
Bericht in „welt.de“ (28.10.2015, 08:32) – Deutsch
Bericht in „Passauer Neue Presse“ (28.10.2015, 13:43) – Deutsch
 
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Südkoreanische Schwestern nach Jahrzehnten wieder vereint

SOrphanSistersEs klingt wie ein schönes Märchen aus der Feder von Walt Disney: Zwei Halbschwestern, nach der Adoption getrennt aufgewachsen, finden sich durch Zufall nach beinahe 4 Jahrzehnten in den USA wieder. Obwohl in Familien in 500 km voneinander entfernten Städten aufgewachsen, brauchte es einen Jobwechsel zur beinahe selben Zeit, an das selbe Krankenhaus um diesen unwahrscheinlichen Zufall erst möglich zu machen.

Auf den ersten Blick klingt es nach einer typischen Geschichte, von einer durch den Korea-Krieg und der anschließenden Landesteilung getrennten Familie. Doch die Lebensgeschichte der Halbschwestern Holly Hoyle O‘ Brien (Geburtsname: Pok-Nam Shin) und Meagan Hughes (Geburtsname: Euk-Soon) könnte in Vergleich dazu nicht unterschiedlicher sein. Beide Schwestern sind in Seoul, der Hauptstadt von Südkorea geboren. In ihren Adoptionspapieren stand lediglich, dass die Eltern sie verließen und dadurch zu Vollwaisen wurden. Wie die „Sarasota Herald-Tribune“ rekonstruierte, verlor Holly Hoyle O‘ Brien schon sehr früh ihre Mutter. Fortan lebte sie bei ihrem Vater, der Alkoholiker war und ein Lebensmittelgeschäft besaß. Ihr Vater fand bald darauf eine neue Frau und bekam mit ihr ein Kind. Nur zwei Jahre nach Holly erblickte ihre Schwester Euk-Soon (Heute: Meagan Hughes) das Licht der Welt. Doch eines Nachts erwachte sie aus dem Schlaf als ihre Stiefmutter die Sachen packte und gemeinsam mit ihrer Halbschwester Euk-Soon für immer die gemeinsame Wohnung verließ. Als sie fünf Jahre alt war, kam der nächste Schicksalsschlag: Ihr Vater nahm sich das Leben. Er wanderte auf den Gleisen eines herannahenden Zuges und wurde von diesem erfasst. Die Polizei brachte Holly zum Ort des Geschehens, um die sterblichen Überreste ihres Vaters zu identifizieren – dieses schreckliche Erlebnis prägte ihre Zukunft für lange Zeit. Sie wurde zur Vollwaisen, die nächsten Jahre von Fremden, aber liebevollen Leuten betreut und mit neuen Jahren von einer amerikanischen Familie adoptiert. Dort wuchs sie gemeinsam mit den Söhnen und Töchtern der Adoptiveltern auf. Immer wieder wurde sie von Alpträumen um ihren toten Vater heimgesucht, in denen die Erinnerungen an ihre Halbschwester wieder hervorgerufen wurde. Sie sagte, sie habe eine Schwester und man müsse sie finden – doch alle Bemühungen verliefen ins Nichts. In all den Aufzeichnungen war kein Hinweis auf eine Schwester zu finden, kein Schimmer von Hoffnung.

Holly Hoyle gemeinsam mit ihren amerikanischen Adoptiveltern

Holly Hoyle gemeinsam mit ihren amerikanischen Adoptiveltern. COURTESY PHOTO

Ganz anders erging es ihrer Schwester Meagan Hughes. Sie kann sich an ihre Schwester und den leiblichen Eltern nicht erinnern. Mit 5 Jahren wurde sie aus dem Waisenhaus von einer amerikanischen Familie adoptiert. Ihr Adoptivvater ist mittlerweile schon gestorben und den Kontakt zu ihrer Adoptivmutter hat sie verloren. Sie ist bereits zweimal geschieden, lebt aber mittlerweile wieder in einer Beziehung. Ab 2002 arbeitete sie als Krankenbetreuerin eines Hospiz-Programmes für alte Leute. Privates von der Arbeit in der Krankenpflege zu trennen, ist ein muss – für Meagan war es eine sehr schwierige Zeit.

Anfang dieses Jahres trat Holly Hoyle eine neue Stelle als Krankenschwester in Sarasota (Florida) an. Nur zwei Monate später traf sie auf Meagan Hughes zum ersten Mal – die zuvor ebenfalls im selben Krankenhaus zu arbeiten anfing. Eine Patientin erzählte Holly von einer anderen Krankenschwester, die ebenfalls aus Korea sei. Sie solle doch mit ihr einmal reden – vielleicht stammt sie sogar vom selben Ort in Korea? Gesagt getan. Schnell freundeten sich die beiden – zuerst kulturell und herkunftsbedingt, an. Je mehr Zeit sie miteinander verbrachten, umso mehr Ähnlichkeiten machten sich in ihren Lebensläufen bemerkbar. An den unwahrscheinlichen Zufall, es könnte tatsächlich die eigene Schwester sein, glaubten sie nicht wirklich. Da sich Meagan Hughes an ihre frühere gemeinsame Zeit nicht erinnern konnte und die Aufzeichnungen aus dem Waisenhaus nicht schlüssig waren, wurde es schwierig einen eindeutigen Beweis zu finden. Die beiden Frauen bestellten einen DNA-Test in Kanada und schickten Speichelproben Anfang August ein.

Am 17. August bekam sie die Ergebnisse per Post. Der Test war tatsächlich positiv! Holly Hoyle beschrieb, dass sie am ganzen Leib zitterte und es nicht fassen konnte. Sie schickte ihrere Schwester Hughes eine SMS, die jedoch zu dieser Zeit  am Weg in den Urlaub nach Kalifornien war, aber sich gleich nach ihrer Rückkehr mit ihr traf. „Ich war geschockt, wie taub. Ich habe eine Schwester“, erzählte Hughes noch Wochen später von diesem Tag, der ihr Leben von Grund auf veränderte. Aber nicht nur die beiden Schwestern waren verblüfft, sondern auch deren Freunde und Arbeitskollegen. So gab der Abteilungsleiter Bennett zu Protokoll: „Wir sehen, wie das Leben der Menschen ganz plötzlich sich verändert. Jeden Tag gibt es einige unglaublich emotionale Geschichten. Aber normalerweise mit Patienten, nicht mit dem Personal“.

Habt auch ihr einen Freund, Verwandten oder sogar Elternteil den ihr aus den Augen verloren hattet und später durch Zufall wieder gefunden habt? Oder seid ihr sogar noch auf der Suche nach dieser Person? – lasst uns an eurer Geschichte teilhaben. Wie habt ihr euch verloren, und warum? Oder wie habt ihr euch wieder gefunden? Ich freue mich auf eure persönliche Geschichte, oder eure Kommentare zu den Schwestern aus Korea!

Ps.: Der komplette Beitrag der Sarasota Herald-Tribune ist hier nochmals verlinkt! LINK dazu hier


Weiterführende Links:
Bericht: „Sarasota Herald-Tribune“ mit Interview (16.10.2015, 00:58) – Englisch
Bericht in „NTV-Panorama“ (16.10.2015, 01:00) – Deutsch
Bericht in „GMX-Magazin“ (16.10.2015, 01:01) – Deutsch
Artikel in „20 Minuten“ (16.10.2015, 01:05) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild:
http://www.gmx.at/magazine/panorama/schwestern-jahrzehnten-zufall-wiedervereint-30990764  – MITARBEITER FOTO / DAN WAGNER (16.10.2015, 01:08)
Bild zu Text:
http://extra.heraldtribune.com/2015/10/10/orphaned-sisters-reunite-while-working-on-same-floor-at-sarasota-hospital/ (16.10.2015, 01:08)
Bericht: „Sarasota Herald-Tribune“ mit Interview (Hauptquelle( (16.10.2015, 00:58) – Englisch
Bericht in „NTV-Panorama“ (16.10.2015, 01:00) – Deutsch
Artikel in „20 Minuten“ (16.10.2015, 01:05) – Deutsch

Drogeriemarke DM: Hier bin ich Mensch, in China kaufe ich ein!

fake DM China
Nach Ikea, Apple und Golman Sachs hat es nun auch die deutsche Drogeriemarktkette DM erwischt. Plagiatoren zufolge wurde in einem Einkaufszentrum der chinesischen Metropole Shenyang eine detailgetreue Nachbildung einer DM Filiale entdeckt. Im Gegensatz zum „IFONE“,  „Dolce & Banana“, „Adadas“ oder „SQNY“ hat man sich nichteinmal die Mühe gemacht vom Original ein kleinwenig, und sei es dem Namen, abzuweichen. Sogar der bekannte Werbeslogan „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“ prangt über den Eingang. Perfektion im High-End Bereich. Diese Qualität zeigt sich nicht nur in der Aufmachung, sondern auch im inneren des Geschäftes und nicht zuletzt an den Artikeln. Im Gegensatz zu Chinas gefälschten Apple-Produkten, finden sich in der DM-Kopie überwiegend die Originalwaren der deutschen Drogeriekette.

Die Beliebtheit der Marke DM in China ist auch hierzulande kein großes Geheimnis mehr. Spätestens seit dem Skandal um verunreinigtes Baby-Milchpulver in China, wuchs die Sorge um das wohl des eigenen Kindes. Die Mütter der zahlungskräftigen Mittelschicht decken sich daher mit Babynahrung der Marke „Made in Germany“ ein. Da es in China keine DM-Filialen gibt, wird das Säuglingsmilchpulver, bevorzugt von der Marke „Aptamil“, im großen Stil nach China verschickt.

dm-China

Aufnahme der DM-Filiale in China

Und wie es meist ist, folgt auf eine Nachfrage auch ein Markt mit einem Netzwerk von Geschäftsleuten an deren Spitze. Eine dieser Marktstrategien wird über die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten des Internets abgewickelt. Chinesische Studenten, die in Österreich oder Deutschland studieren dienen dabei als Versuchskanninchen für die „Big Player“ am chinesischen Markt. Das einzige, dass benötigt wird ist das Internet. Über bekannte chinesische Gratis-Bloganbieter wird ohne allzugroße Vorkenntnisse ein eigener Blog erstellt. Normalerweise als eine Art Tagebuch im Gebrauch, wird dieser als Verkaufsoberfläche aufgebaut. Vernetzt mit anderen Blogs und Social Media Diensten aus China tritt man mit tausenden Müttern aus ganz China in Kontakt. Das einzige, dass man jetzt noch machen muss ist, sich mit denen in Verbindung zu setzen (Mobile Chat Apps) um dem potentiellen Kunden die Produkte anzupreisen. Angeboten wird hier mehr als reine Säuglingsnahrung: Schuhe, Kleidung usw. Aber das große Geschäft wird trotzdem vor allem mit dem bekannten Milchpulver aus Deutschland gemacht. Da Milchpulver nicht vom Ausfuhrverbot betroffen ist und darüberhinaus Pakete bis zu einem Gewicht von etwa 8 Kilogramm ohne weiteres verschickt werden dürfen, ist das Geschäft auch nicht als illegal zu bezeichnen. Geschützt ist nur das Höchstgewicht – hindert aber niemanden 20 oder mehr Pakete an einem Tag an unterschiedliche Adressen zu verschicken. Die Ware wird in China oftmals um den doppelten deutschen Einkaufspreis weiterverkauft und ist mit den dortigen Marktpreisen für deutsches Milchpulver der Marke „Aptamil“, trotzdem noch sehr günstig. In Anbetracht der zahlreichen Lebensmittelskandale und der damit verbundenen Unsicherheit, ist das Geschäft trotz allen Aufwands als Win-Win Situation für alle Beteilgite zu sehen. Den Eltern werden die Sorgen um ihren Säugling (etwas) genommen und für die Studenten dient die erwirtschaftete Gewinnspanne als gute Finanzierungsmöglichkeit des Auslandsstudiums.

Viele DM Filialen in Deutschland haben auf den Andrang bereits reagiert und eine pro Kopf Höchstabnahme-Quote eingeführt, um sich vor einem plötzlichen Leerstand der eigenen Filiallager zu schützen. Der Anonymität wegen, weichen auch immer mehr auf Onlineplattformen wie „Amazon“ und dergleichen aus. Hier kann man im Schutze der Anonymität auch größere Bestände kaufen – vor allem bei Angeboten. Ist der Verkauf einmal gut angelaufen, bleibt das dem einen oder anderen  Marktbeobachter in China nicht verborgen und diese versuchen im nächsten Schritt diesen Markt im großen Stil zu erobern. Wenn der Markt vorhanden ist, die errechnete Gewinnspanne groß ist, und sogar der Markt mit all seinen Risiken bereits im Vorfeld ausgetestet wurde, gibt es immer wieder genügend skruppellose Geschäftemacher, die trotz Copyright-Bestimmungen die lizensierten Hersteller um Millionenbeträge hintergehen.

Der Schaden für die deutsche Marke DM dürfte nicht unerheblich ausfallen, vor allem, da die Marke ein großes Vertrauen unter nationalen sowie internationalen Kunden genießt. DM Chef Erich Harsch zeigte sich von der Kopie der Filiale überrascht. Laut seiner Aussage erwägt DM in nächster Zeit keinerlei Expansionspläne nach China, noch wurde um Erlaubnis gefragt, Drogeriemärkte mit dem Dm – Logo und Claim in China zu betreiben. Ob gegen das Plagiatgeschäft vorgegengen wird, ist zur jetzigen Zeit noch offen. Wie ähnliche Fälle bereits zeigten, sind die Erfolgsausichten im Falle einer Klage als ohnehin sehr gering einzustufen.

Wie dieser Fall zeigt kann ein hohes Wirtschaftswachstum auf vielen Wegen erreicht werden. Die Produktion und der Verkauf von Plagiaten ist ein beteutender Wirtschaftszweig im Reich der Mitte geworden, welcher entscheidend zum Haushalt des Landes beiträgt. Offiziel ist diesem der Kampf angesagt worden, aber eigentlich ist ein hohes Wirtschaftswachstum das Standbein für Macht, Reichtum und Schutz vor sozialer Unzufriedenheit und sichert der pekinger Regierung die Macht und Kontrolle im Lande.

Um euch ein ungefähres Gefühl zu geben, welche Ausmaße die Verbreitung der Plagiate bereits annehmen, habe ich darunter noch ein paar Statistiken als Überblick zusammengestellt:

Wirtschaftlicher Schaden:
2006: 5 Milliarden Euro
2007: 7 Milliarden Euro
2009: 6,4 Milliarden Euro
2011: 7,9 Milliarden Euro
2013: 7,9 Milliarden Euro
Quelle: VDMA
Was wird plagiiert?
Komponenten: 64 %
Design: 56 %
Komplette Maschinen: 51 %
Ersatzteile: 44 %
Kataloge, Broschüren: 35 %
Bedienungsanleitungen: 16 %
Verpackungen: 12 %
Quelle: VDMA

Und darüberhinaus hat sich das Geschäftsfeld der Plagiatvertreiber ebenfalls stark geändert. Die Herstellung sowie der Verkauf finden nicht in kleinen abgelegenen Häusern, irgendwo im Asien oder Südamerika statt – sondern unter uns. Ganz selbstverständlich werden diese Waren auch in Ö. und D. auf Jahrmärkten angeboten oder in der Türkei, Spanien und Süditalien in eigenen Hotelshops zum Verkauf angeboten. Ganz offensichtlich und öffentlich! Daher ist der Plagiatsmarkt einer der aufstrebendsten Tätigkeitsfelder für viele Unternehmen. Die Frage stellt sich daher, wie man den Fluss an Fälschungen austrockenen könne. Und macht es Sinn, die Unternehmer zu verfolgen. Oder sollte man besser beim Endabnehmer (auch  in Europa) zuerst ansetzen, die den Markt als Abnehmer erst ermöglichen? Wie sollten die geschädigten Unternehmen reagieren? Könnte ein Fall wie der von DM auch als guter Test gesehen werden? – Noch bevor man tatsächlich in den ausländischen Markt expandiert, kennt man die Bandbreite an Interessenten und kann die Marktchancen für ein bestimmtes Produkt sehr genau abschätzen. Oder ist es einfach Betrug, an dem nichts gutgeheißen werden kann und deshalb mit aller Härte zu prozessieren sei?

Bin wie immer sehr auf eure Meinung gespannt, daher schickt mir eure Antwort unten als Kommentar! Braucht ihr weitere Informationen zu diesem Thema? – Dann folgt meinen links unten!


Weiterführende Links:
Wikipedia (09.10.2015, 00:02) – Deutsch
Bericht in „Die Welt“ (09.10.2015, 00:03) – Deutsch
Artikel in „Die Wirtschaftswoche“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Weiterführender Artikel „Die Wirtschaftswoche“ mit Statistik (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht über Goldman Sachs in „The Guardian“ (09.10.2015, 00:08) – Englisch
Leitartikel von „Handelsblatt“ mit Hintergründen und dem Video von NTV (09.10.2015, 00:10) – Deutsch
Hintergründe zum Goldman Sachs-Plagiat in China im „Manager Magazin“ (09.10.2015, 00:11) – Deutsch
Video auf „Focus Online“ (09.10.2015, 00:14) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild:
https://diggerfortruth.wordpress.com/2015/09/14/fake-leaders-for-fake-people/ (09.10.2015, 00:18)
http://www.auhofcenter.at/shops/dm-drogerie-markt/ (09.10.2015, 00:18)
Bericht in „Die Welt“ (09.10.2015, 00:03) – Deutsch
Artikel in „Die Wirtschaftswoche“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Weiterführender Artikel „Die Wirtschaftswoche“ mit Statistik (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht über Goldman Sachs in „The Guardian“ (09.10.2015, 00:08) – Englisch
Leitartikel von „Handelsblatt“ mit Hintergründen und dem Video von NTV (09.10.2015, 00:10) – Deutsch