TTIP ist tot

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Sein Wahlsieg war nicht nur ein Unerwarteter, sondern sorgte für eine regelrechte weltweite Schockstarre. Donald Trump: Immobilientycoon, Celebrity und 45. Präsident der Vereinigten Staaten! Seit der Wahl ist nun mehr als ein Monat vergangen, erste Schreckenszenarien sind einer Art Zweckoptimismus gewichen und die Welt versucht sich langsam mit dem neuen Status quo zu arrangieren. Nur die offenen Fragen sind geblieben. Welche Auswirkungen wird ein Donald Trump auf die Weltwirtschaft haben? Wie wird sein Umgang mit Russland, China und Nordkorea sein? Und ganz besonders, wird TTIP unter ihm noch eine Zukunft haben?

Trotz aller Verunsicherung, die mit der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten einherging, war sich die EU-Kommission schnell einig, dass dieses historische Ereignis zugleich den Verhandlungsstopp für das Freihandelsabkommen TTIP bedeutet. Für die EU-Außenhandelskommissarin Cecilia Malmström herrscht große Unklarheit, was unter einem Präsidenten Donald Trump passieren wird und erwartet daher keine weiteren TTIP-Verhandlungen in absehbarer Zukunft. Laut Diplomaten sagte Cecilia Malmström vor Ministern, dass sie zurzeit nicht wisse, ob nach ein, zwei oder drei Jahren weiterverhandelt wird, oder dies überhaupt irgendwann noch geschehen werde. Frankreich, das bereits vor der US-Wahl einen sofortigen Abbruch der Verhandlungen forderte, sieht sich in der eigenen Einschätzung voll bestätigt und erklärte ihrerseits TTIP für nun endgültig gescheitert.
Frankreichs Außenhandelsstaatssekretär Matthias Fekl, fordert die Verhandlungen nun endgültig zu stoppen. Nach über drei Jahren und 15 Verhandlungsrunden sieht er keine bis nur wenige Vertragseckpunkte auch nur annähernd abgeklärt und bezeichnet den jetzigen Vertragsentwurf als völlig inakzeptabel. Neben Frankreich fordern Österreich und zuletzt auch der deutsche Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Verhandlungsstopp. Offiziell unterstützt die deutsche Bundesregierung das Freihandelsabkommen aber weiterhin.

Ähnlich wie die Bundeskanzlerin Merkel, eine der großen Befürworter des transatlantischen Freihandelsabkommens, spricht auch der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig von lediglich einer Verhandlungspause. In Angesicht des Macht- und womöglich politischen Richtungswechsels in den USA wird es zwar keine Vertragsunterzeichnung bis zum Ende der Regierungsperiode von Barack Obama mehr geben, aber nach Trumps Regierungsantritt im Jänner möchte er alle verfügbaren Optionen prüfen. Wann und ob eine nächste Verhandlungsrunde angesetzt wird, weiß auch er noch nicht einzuschätzen.

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Und er konnte doch nicht! Unter der Amtszeit von Barack Obama wird es keine TTIP-Vertragsunterzeichnung mehr geben und selbst über die Zukunft des bereits fertig ausverhandelten TPP-Abkommens lässt er Donald Trump frei entscheiden.

Auch Vertreter der Europäischen Union in Brüssel wollen in Hinblick auf die Zukunft von TTIP und anderen Handelsabkommen in denen die USA verstrickt ist, keine voreiligen Schlüsse ziehen und sehen sich mit der Kritik konfrontiert, die Augen vor vollendeten Tatsachen zu verschließen. Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen sieht in der Schaffung neuer Jobs und einem besseren Investitionsklima weiterhin beste Voraussetzung für einen Abschluss der TTIP-Verhandlungen. Obwohl durch den Regierungswechsel in Washington eine Verhandlungspause über mehrere Monate eintreten wird, möchte er auf die bislang fehlende Stellungnahme Donald Trumps verweisen, die klar gegen TTIP sprechen würde.

„Ich persönlich habe keine starken Worte gegen TTIP gehört.“

– EU-Kommissionsvizepräsident Jyrki Kotainen

Bereits im Wahlkampf zeigte sich Donald Trump wiederholt ablehnend gegen die Handelsabkommen TPP und CETA und stellte auch die Option in den Raum, das Handelsabkommen NAFTA von 1994 nochmals neu verhandeln zu wollen. Besonders das von der US-Seite angestrebte TPP-Handelsabkommen mit den Pazifik-Anrainerstaaten stand unter seiner wiederholter Kritik, da er die Vernichtung heimischer Arbeitsplätze infolge einer Auslagerung von einzelnen wirtschaftlich bedeutenden Produktionszweigen in Billiglohnländer befürchtete. Eine Angst, die auch von europäischer Seite mit TTIP geteilt wird, aber bisher von Trump wenig Beachtung geschenkt wurde. Im Gegensatz zu den Großen, mit unabsehbaren Risiken für die eigene Wirtschaft festgeschriebenen Vertragsklauseln, bevorzugt Donald Trump den zukünftigen Fokus maximal auf wesentlich kleinere bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten oder Wirtschaftsnationen zu setzen. Damit ist es wesentlich einfacher auf nationale Belange einzugehen und letztendlich einen soliden und qualitativen Vertrag aufzusetzen.
Ob die großen US-Konzerne um jeden Preis auf ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA nach der Inkraftsetzung von CETA noch angewiesen sind, wird sich erst zeigen müssen. Seit fast jeder namhafte Konzern in den USA auch über eine Niederlassung in Kanada verfügt, kommen sie auch ohne die USA und ohne Gegenleistung in den Genuss aller Vorteile. Da im CETA-Abkommen auf ausdrücklichen Wunsch der EU (!) die Schiedsgerichte nicht herausgenommen wurden, können EU-Staaten von US-Konzernen auch ohne TTIP verklagt werden. Eine Paralleljustiz, die in solchem Umfang leicht zu vermeiden gewesen wäre.

Wenn auch die Republikaner unter Donald Trump eine wesentlich umfassendere Regierungsfreiheit als der scheidende demokratische US-Präsident Barack Obama genießen wird, könnte die Skepsis aus den eigenen Reihen zum Stolperstein des nicht allzu gut vernetzten neuen Präsidenten werden. In den USA ist die Fraktionsdisziplin mitunter nur schwach ausgeprägt und viele Abgeordnete fühlen sich den Wählern mehr verpflichtet als der eigenen Partei. Neben der wiederholten Kritik gegen frühere Präsidentschaftskandidaten aus den eigenen Reihen, sowie seinen verbalen Ausschweifungen gegen Einzelpersonen aus den Kreisen der Republikanischen Partei, halten viele Republikaner äußert wenig von seinem Vorschlag, eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko zu errichten oder aus bereits ausgehandelten Handelsabkommen auszusteigen. Dementsprechend zeichnet der neue Chef des IHS (Institut für höhere Studien) Martin Kocher ein weit weniger düsteres Bild einer USA unter Donald Trump. Er glaube nicht, dass Donald Trump allzu forsch in diese großen Themen einsteigen wird und tatsächlich geltende Handelsabkommen aufkündigt. Überdies profitierte seiner Meinung nach die US-Wirtschaft von Handelsverträgen bisher enorm. An eine Fortsetzung der Verhandlungen zu einem TIPP in der jetzigen Form glaubt aber auch er nicht. Zumindest nicht in absehbarer Zeit.

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Sein Vorschlag eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, ist innerparteilich sehr umstritten.

Es steht außer Frage, dass durch die Wahl von Donald Trump die Forcierung großer Abkommen stark ins Stocken geraten ist und sich die EU darum vorerst mit wirtschaftlich kleineren Partnern wie Japan, Ecuador und Kanada begnügen muss. So werden über ein Freihandelsabkommen des Andenstaates mit der EU die Einfuhrzölle für das wichtigste Exportgut Bananen von derzeit 124 Euro pro Tonne bis 2020 auf 75 Euro sinken. Obwohl darüber wenig in den Medien berichtet wird, werden zurzeit für CETA alle Weichen gestellt, damit das ebenfalls umstrittene Abkommen zwischen der EU und Kanada im März vorläufig in Kraft treten kann. Auch wenn zuletzt der Sozialausschuss im Europaparlament dazu eine kritische Stellungnahme abgab, erwartet man am zweiten März im Plenum eine klare Mehrheit.

Welche weitreichende Folgen bereits ein Rückzug der USA aus vergleichbar kleineren internationalen Abkommen hat, zeigt sich beim Dienstleistungsabkommen TiSA. Während TTIP bereits lange vor der US-Wahl keine merkbaren Verhandlungsfortschritte mehr verzeichnete und beinahe jeder Annäherungsversuch der beiden Wirtschaftsgroßmächte ins Leere lief, glaubte man bei TiSA noch vor wenigen Wochen kurz vorm finalen Durchbruch zu stehen. Seit 2012 verhandelt die EU mit 22 anderen Staaten wie Japan und den USA um eine Öffnung der Services. Es handelt sich hierbei um die Schaffung eines annähernd barrierefreien Marktes für Notare, Architekten und viele weitere Branchen. Anstatt die Verhandlungen zum Vertrag zu führen, haben die USA „den Stecker gezogen“, berichtet ein ranghoher Beamter in Brüssel. Ohne die USA fehle der wichtige Gegenpol und ein Abschluss ohne Washington wird in Brüssel als nicht zielführend erachtet.

Obwohl Donald Trump noch nicht einmal offiziell angelobt wurde, wirft er bereits erste Schatten voraus. Erst kürzlich wurde beschlossen, dass das bereits ausgehandelte TTP-Abkommen nicht mehr zur Ratifizierung vorgelegt wird und es somit dem zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump obliegt, ob es zum Beschluss kommt, oder nicht. In Hinblick auf seine bisher ablehnende Haltung gegenüber multinationalen Handelsabkommen ist das eher unwahrscheinlich. Auch in Asien gibt es bereits erste Auflösungserscheinungen und so ließ Pablo Kuczynski, der Staatschef des TPP-Unterzeichnerlandes Peru unlängst mit einer neuen Idee aufhorchen: Er fände ein Asien-Pazifik-Abkommen am besten, in dem auch die beiden Großmächte China und Russland vertreten wären. Ein Aufruf zur rechten Zeit? Eine ähnliche Drohung in Richtung Westen gab es erst vor kurzem von China selbst – wenn sich die USA weiterhin in ihre „nationale Interessen“ einmischen sollten. Provokationen, wie das Telefonat zwischen dem designierten US-Präsidenten Donald Trump und Tsai-Ing Wen, Präsidentin der Inselrepublik Taiwan werden vermutlich auch noch in Zukunft für genügend Zündstoff zwischen den beiden Staaten sorgen.

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Seine politische Unerfahrenheit macht ihn für viele unberechenbar und bereitet Politikern weltweit große Sorgen.

Gegner von multinationalen Freihandelsabkommen mögen vielleicht zurzeit allen Grund zum Jubel haben, wissen aber selbst, dass der Unsicherheitsfaktor Donald Trump noch allerhand an Überraschungen mit sich bringen kann. So hielten sich die vehementesten Gegner – Umweltschutzorganisationen und Grüne – bislang auffällig zurück, denn wer von denen möchte schon gerne bei einem US-Präsidenten Donald Trump in öffentlichen Jubel ausbrechen?

Wie es tatsächlich mit TTIP weitergehen wird, entscheidet schätzungsweise die wohl erst Mitte kommenden Jahres festgelegte Handelspolitik von Trump. Bis dahin versuchen die Verhandlungspartner die Zeit bis zum Amtsende Barack Obamas bestmöglich zu nutzen, um möglichst viel vom Vertragstext fertigzubekommen. Beim EU-Handelsrat soll danach der derzeitige Verhandlungsstand dargelegt werden. Über die Haltung von Donald Trump zum Thema Freihandelsabkommen, im Speziellen zu TTIP, gibt es selbst einen Monat nach seinem Wahlsieg kaum etwas Neues zu berichten. Einzig seine ablehnende Haltung gegenüber TPP und NAFTA in Hinblick auf die Undurchsichtigkeit und Komplexität des Vertragstextes, ist bislang bekannt. Trotzdem ist eines ganz gewiss: Wenn TrumpAmerika wieder groß machen möchte“, wird er weiterhin Maschinen und Produkte aus Europa brauchen. Die Wirtschaft der USA wird auch in Zukunft auf ein Wohlwollen der EU angewiesen sein. Welche Zukunft TTIP und andere Freihandelsabkommen tatsächlich noch haben, zeigt sich wohl frühestens im Jänner.

Das war der dritte Teil des großen TTIP-Spezials! Wie ist deine Meinung zur Zukunft von TTIP? Plant der Hardliner Donald Trump TTIP und TPP endgültig zu Grabe tragen oder wird er gemeinsam mit der Europäischen Union womöglich ein neues Abkommen forcieren? Welche positiven oder negativen Auswirkungen wird der zukünftige US-Präsident auf unser Leben in Europa haben? Schreibt mir eure Meinung in den Kommentaren!   
Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten und das damit verbundene womögliche Aus von TTIP ist unserer Beitragsserie unverhofft dazwischengekommen. Momentan ist kein weiterer Beitrag zu TTIP geplant, sollte das geplante Handelsabkommen aber nochmals neuen Schwung bekommen, werden wir davon hier exklusiv für dich berichten. Bis dahin verbleiben wir auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

Weitere Artikel im Rahmen des TTIP-Spezials:

TTIP – Wo liegt das Problem?
TTIP: Das Ende unserer Landwirtschaft

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Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2016/04/22/13/02/ttip-1345714_960_720.jpghttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9b/Republicanlogo.svg/600px-Republicanlogo.svg.png (17.12.2016, 23:03) – Logo Ortstafel TTIP Vs. Demokratie (Abänderung auf „Trump mit Elefant der Republikaner Vs. TTIP“ und Farbänderung mit Photoshop)


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/48/2016-04-23_Anti-TTIP-Demonstration_in_Hannover%2C_%2810028%29.jpg/800px-2016-04-23_Anti-TTIP-Demonstration_in_Hannover%2C_%2810028%29.jpg (17.12.2016, 23:10) – Mann hält Schild mit „Yes We Can – Stop TTIP“. Bild wurde von Bernd Schwabe aufgenommen.
https://www.flickr.com/photos/16216900@N00/174045778 (17.12.2016, 23:15) – Mauer zwischen Mexiko und den USA. Bild wurde von EdmontMeinfelder aufgenommen.
https://www.flickr.com/photos/gageskidmore/8566717881 (17.12.2016, 23:18) – Donald Trump während der „Concervative Political Action Conference 2013“. Rechte obliegen Gage Skidmore.

 

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Wenn das Walt Disney wüsste…

Endlich ist es soweit: Shanghai hat seit Juni diesen Jahres ein eigenes Disneyland! Trotz aller Neuigkeit, ist ein chinesischer Themenpark mit Goofy, Mickey Maus und Donald Duck nichts Neues – existiert ein Disney-Park in Peking unter dem Namen Shijingshan Freizeitpark doch bereits seit dem Jahr 1986. Eine Welt voller Wunder in der nichts so ist wie es scheint und Urheberrechte keinerlei Gültigkeit besitzen.
Schloss Shijingshan

Im Jahr 1986, als der Shijingshan Freizeitpark (北京石景山游乐园) in Chinas Hauptstadt Peking eröffnet wurde, war dies vermutlich einer der ersten offensichtlichen Annäherungen an der westlichen Definition von Freizeitvergnügen. Um was es sich bei diesem Park nun tatsächlich handelt, weiß scheinbar trotz jahrelangem Bestehen nicht einmal der Betreiber selbst. Irgendetwas zwischen einem ganzjährigen Jahrmarkt und Disneyland des schlechten Geschmacks. Wie unverschämt man sich hierbei am Original bediente, zeigt bereits das weithin sichtbare Wahrzeichen des Freizeitparks, das Dornröschenschloss.

Schneewittchen Shijingshan

Nicht viel besser wird es, sobald man den Hauptboulevard erst einmal verlassen hat. Besonders in den Mai-Feiertagen wurden die Parkwege von einer Vielzahl von Mitarbeitern in Kostümen nachgebildeter bekannter Figuren gesäumt. Sei es Schneewittchen und die sieben Zwerge eine Frau und sieben Zwerge,

Ente im Matrosenanzug Peking 2008

Donald Duck eine Ente im Matrosenanzug neben dem Maskottchen für die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking,

Fake Shrek

ein grüner Oger, der nicht zufällig Shrek aus dem gleichnamigen Film ist,

Fake Goofy

Goofy ein Cartoon-Hund,

Fake Doremon

ein katzenähnliches Wesen, das natürlich nichts mit der beliebten japanischen Figur Doraemon gemeinsam hat

Fake Hello Kitty

und eine weiße Katze mit einer Masche auf dem Kopf.

Epcot Shijingshan

Und was muss ein Fake-Disneyland neben all den Figuren und einem Märchenschloss noch haben? Natürlich ein Epcot Center – wenn es auch etwas kleiner ausgefallen ist, als das Original.

Shijingshan Park Touristen

Erst als 2007 ein Reporterteam von Japans Fuji TV den Shijingshan Freizeitpark besuchte, wurde dieser über Nacht einem großen Publikum außerhalb Chinas bekannt. Es waren natürlich nicht die Attraktionen, die auf den ersten Blick durchaus unterhaltsam erscheinen, sondern die Vielzahl an Urheberrechtsverletzungen die ihn berühmt machten. Bereits der Slogan „Disney ist zu weit weg, darum besuche den Shijingshan Freizeitpark“ lässt vermuten, dass Ähnlichkeiten mit den bekannten Figuren um Mickey Maus, Donald Duck und Shrek nicht nur beabsichtigt sind, sondern das Kernkonzept des Parks darstellen. Selbst der weltweit operierende Disney-Konzern wusste bis dahin nichts von der Existenz dieses Parks, obwohl dieser zum damaligen Zeitpunkt bereits beinahe 30 Jahre lang existierte.

Shijingshan verlassen

Trotz aller offensichtlichen Urheberrechtsverletzungen war die Einsicht vonseiten des stellvertretenden Geschäftsführers nicht sonderlich groß. Dieser räumte zwar ein, dass es keine Verträge zwischen Disney und dem Shijingshan Freizeitpark gäbe und die Figuren auch Ähnlichkeiten zu bekannten Vorbildern zeigten, aber bestritt vehement, dass es sich hierbei um Kopien handle. Obwohl seither nicht mehr viel über den Park berichtet wurde, zeigen aktuelle Bilder, dass Darstellungen von Mickey, Donald und Co mittlerweile mehrheitlich aus dem Park verschwunden sind, aber seither auch die Besucher ausbleiben und viele der Attraktionen völlig überaltert oder mittlerweile überhaupt geschlossen wurden.

Dumbo Ride Shijingshan

Der Eintritt beträgt heute umgerechnet 1,50€ und ist in Relation zu den Preisen eines Disneyland-Resorts fast geschenkt, müsste man nicht für jede Attraktion weitere 1.40€ – 8.00€ zahlen. Und was bekommt man dafür geboten? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Dumbo Elefanten Karussell?

Shrek Fake

Eine Fahrt mit der Shrek King Kong Schaukel?

Bugs Bunny Shijingshan

Oder Bugs Bunny auf einem LSD-Trip? Wobei es sich hier „natürlich“ nur um einen Hasen im Frack handelt und Ähnlichkeiten zu der Figur von Looney Tunes völlig von der Hand zu weisen sind.

Dreamworld Map Laos

Betrug ist zeitlos und Geschichte wiederholt sich in regelmäßigen Abständen! Genauso ergeht es dem Disneykonzern seit das südasiatische Land Laos verkündete, innerhalb eines neuen städteplanerischen Großprojekts mit dem Namen „Thaklek Dreamworld City“ ein eigenes Disneyland namens „Disney Laos“ zu errichten. Um die geltenden Copyright-Gesetze zu umgehen, ist man sich auch in Laos keiner Ausrede zu schade. Einem offiziellen Statement zufolge sieht Somijith Aliyaphaphone, einer der Vorstandsmitglieder und Miteigentümer des zukünftigen Parks, keine Konflikte mit den bestehenden Gesetzen, da seiner Meinung zufolge der geschützte Name „Disneyland“ hier keine Verwendung findet und „Disney Laos“ auch etwas gänzlich anderes sei und die Aufmachung sowie die Namensgebung  des Parks nichts mit dem bekannten Konzern gemeinsam haben. Es darf bezweifelt werden, dass Disney seiner Auslegung des geltenden Patentschutzes folgen wird.

Schloss Disney Shanghai

Zumindest in China dürfte sich die Diskussion um Urheberrechtsverstöße weitgehend beruhigt haben, seit das offizielle Disney nicht nur Produkte im Reich der Mitte verkauft, sondern im Juni 2016 ein eigenes Disney Resort in Shanghai eröffnet hat. Damit erhofft man sich neben einem großen Geldsegen, die Marke gegen Fälschungen und Fake-Resorts zu stärken. Dass der neue Markt mitunter durchaus Schwierigkeiten bereiten kann, beweisen wohl diese Bilder.

Trotz aller offensichtlichen und umfangreichen Verstöße gegen geltende Urheber- und Markenrechte bleibt die Frage, wie man sich als Unternehmen gegen staatlich genehmigte Fälschungen entgegenstellen kann. In der Musik- und Filmindustrie wurden uns die Entwicklungen sehr deutlich gezeigt: Um Ideen und Waren zu fälschen braucht es seit vielen Jahren keine gut organisierte Banden mehr, sondern lediglich einen Computer mit Internetanschluss. Das illegale Kopieren von Musik und der Betrug am Künstler sind längst zum Massenphänomen geworden, an dem P2P-Netzwerke wie Limewire oder Torrent gut verdienen. Wie weit darf ein Staat wie im Fall des Shijingshan Freizeitparkes gehen, um das Volk zu einem leistbaren Preis zu unterhalten? Und welche Qualität darf dabei erwartet werden? Welcher Preis ist hier fair und wieviel sind wir selbst bereit zu zahlen? Deine Meinung – wie immer ab in die Kommentare!


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Weiterführende Links:
Bericht zum Freizeitpark vom japanischen Fernsehsender Fuji TV (08.08.2016, 01:18) – Japanisch, Deutsche Untertitel
Informationen über den Shijingshan Freizeitpark für Touristen (HP, Adresse, Telefon) (08.08.2016, 01:54) – Deutsch
CNN: Bericht zu den Hintergründen der Urheberrechtsstreeitigkeiten um den pekinger Freizeitpark (08.08.2016, 01:57) – Englisch
China Highlights: Touristeninformationen rund um Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise und den einzelnen Attraktionen. China-freundlich! (08.08.2016, 01:59) – Englisch
Vielzahl an Bilder auf Flickr, die den Zustand des Parks nach 2008 dokumentieren (08.08.2016, 02:01)
Reisebericht eines Bloggers zum Shijingshan Park aus dem Jahre 2013 (08.08.2016, 01:29) -Englisch
Asiaobscura: Der Freizeitpark heute mit all den vorhandenen (Disney-Like) Attraktionen (08.08.2016, 01:31) – Englisch
Englischsprachiger Artikel, der alle Fernsehausschnitte zum Park nochmls zeigt und diese erläutert (08.08.2016, 01:33) – Englisch
Dailymail: Hintergründe zu den Urheberechtsverstößen (08.08.2016, 01:36) – Englisch
Leitartikel zum „Disney Laos“ mit Bezugname auf den pekinger Freizeitpark (08.08.2016, 01:38) – Englisch
Weitere seltsame Vergnügungsparks weltweit (08.08.2016, 02:08) – Englisch
Offizielle Seite der „Thaklek Dreamworld City“ (08.08.2016, 01:42) – Englisch
Aktuelle Bilder zu den Attraktionen des Shijingshan Vergnügungsparks (08.08.2016, 02:13) – Portugiesisch
Bericht eines Besuchers des Shanghai Disney-Resorts (08.08.2016, 02:15) – Enlisch
Probleme im Disney-Resort Shanghai mit Müll und Urin (08.08.2016, 01:48) – Englisch

Quellenangaben:
Titelbild: http://blog-imgs-96.fc2.com/n/i/w/niwaka2pow/691_20160504095105d82.jpghttp://www.disneyeveryday.com/wp-content/uploads/2011/02/N7-51_8x50973521-819×1024.jpg (07.08.2016, 20:47) – Mickey Maus im Disney  Resort im Vergleich zur Fake Maus im Shijingshan Freizeitpark / Bild mit Photoshop zugeschnitten.

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/31/Beijing_Shijingshan_Amusement_Park.JPG (07.08.2016, 20:50) – Dornröschenschloss im Shijingshan Freizeitpark in Peking.
https://i.yomyomf.com/wp-content/uploads/2011/05/Shijingshan-Amusement-Park-400×300.jpg (07.08.2016, 21:01) – Schneewittchen und die sieben Zwerge im Fake Disneyland.
http://www.japanprobe.com/2007/01/fake-donald-beijing.jpg (07.08.2016, 21:06) – „Donald Duck“ mit Maskottchen der olympischen Sommerspiele 2008 im pekinger Freizeitpark Shijingshan.
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:08) – Shrek-änliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 0:27).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:17) – Goofy-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 0:24).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:21) – Doraemon-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 2:54).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:24) – Hello Kitty-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 2:56).
http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956996.jpg (07.08.2016, 21:28) -EPCOT Center im Shijingshan Freizeitpark.
http://english.cri.cn/mmsource/images/2009/04/27/4354shijingshan.jpg (07.08.2016, 21:35) – Der Park während der Mai-Feiertage.
http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956891.jpg (07.08.2016, 21:37) – Geschlossene Verkaufsstände im Freizeitpark / Bildgröße weicht vom Original ab.
http://i2.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/dumboride.jpg?w=640 , http://i0.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/dumboride2.jpg?w=640 (07.08.2016, 21:41) – „Elephant Ride“ / Bilder mit Photoshop zugeschnitten.
http://i1.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/shrekride.jpg?w=640 (07.08.2016, 21:43) – King Kong Schaukel im Shijingshan Freizeitpark.
http://i1.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/bugsbunnycloseup.jpg?w=640 , http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956961.jpg (07.08.2016, 21:46) – Bugs Bunny mit roten Augen / Bilder mit Photoshop zugeschnitten.
https://mothersdirt.files.wordpress.com/2016/08/98370-laos-thakhek2bdream2bworld2bcity-1-plan-akanedevelopemntcom-702104.png , http://www.akanedevelopment.com/images/content__images/image_460x300a.jpg (07.08.2016, 21:56) – Plan der „Thaklek Dreamworld City“.
https://backpackerlee.files.wordpress.com/2016/06/shanghaidisney7.jpg?w=768&h=510 (07.08.2016, 21:57) – Dornröschenschloss im Disney-Resort Shanghai.

 

Die vielen Gesichter des Eiffelturms

Der Eiffelturm, ein einmaliges Bauwerk? Keinesfalls! Inmitten von Hochhäusern, auf Dächern, in Parkanlagen oder sogar mitten auf dem Feld – kaum ein Monument wurde so oft kopiert und neu interpretiert wie das Paris Wahrzeichen. Mittlerweile sind manche Kopien selbst zu architektonischen Ikonen geworden.
Eiffelturm_Paris

Seit 1889 steht er am westlichen Ende des Champ de Mars und lockt jährlich Massen an Touristen an. Dass der „300 Meter Turm“ auch heute noch Millionen an Touristen in seinen Bann zieht ist keinesfalls selbstverständlich, sahen doch die ursprünglichen Pläne vor, den Turm nach bereits 20 Jahren wieder abzubauen.

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Seit seiner Erbauung zählt der Eiffelturm als öffentliches Gut – jeder darf das Monument ohne Erlaubnis kopieren, vervielfältigen oder neu interpretieren. Lediglich der Name „Eiffelturm“, sowie die aufwendige Beleuchtung des Designers Pierre Bideau sind geschützt. Wer sein Restaurant oder Hotel danach benennen will, muss je nach Größe eine Gebühr entrichten. Trotzdem steht das Pariser Monument keineswegs für sich allein: Schon kurz nach der Eröffnung am 31. März 1889 wurde das 324 Meter hohe Monument in zahlreichen Ländern nachgebaut. Google Maps Link hier

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Diese 165 Meter hohe Kopie des Pariser Vorbilds ist nicht nur eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Glücksspielstadt, sondern noch dazu die größte Replik des Eiffelturms überhaupt. Gemeinsam mit anderen Wahrzeichen wie dem Louvre, dem Triumphbogen, einer Miniaturausgabe des Montgolfier Ballons und der Pariser Oper bildet er, umrahmt von noblen Casino- und Hotelanlagen ein Gesamtensemble Pariser Sehenswürdigkeiten ab. Ursprüngliche Pläne sahen sogar vor, die Kopie größer als das Original zu bauen. Doch die Nähe zum Flughafen durchkreuzte dieses Vorhaben und man beließ es bei einem Modell im Maßstab 1:2. Die feierliche Eröffnung des „Paris Las Vegas“ genannten Areals erfolgte 1999. Google Maps Link hier

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Sogar in der afghanischen Hauptstadt steht eine Replik des Pariser Wahrzeichens – wenn auch in nicht ganz so zentraler Lage wie das Original. Google Maps Link hier

Parizh

Ganze 50 Meter Höhe misst der Sendeturm im sibirischen Dorf Parizh (Paris) in der russischen Provinz Tscheljabinsk. Den Namen erhielt das Dorf 1842 von russischen Kosaken, als Erinnerung an den siegreichen Kampf der Truppen unter dem Zaren  Alexander I. gegen die französische Armee Napoleons. Viele Touristen werden sich in das kleine idyllische Dorf am Ural wohl nicht verirren. Deshalb wird der Turm im Maßstab 1:5 bislang nur als Handymast genutzt. Google Maps Link hier

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Im Parque Europa der spanischen Ortschaft Torrejon de Ardoz bei Madrid stehen neben der Miniaturausgabe des französischen Originals noch 17 weitere Kopien bekannter europäischer Monumente. Die Gesamtfläche der Parkanlagen misst insgesamt 230.000m². Google Maps Link hier

Tokyo_Tower

Das Tokioer Wahrzeichen, der Tokyo Tower überstrahlt nicht nur die japanische Hauptstadt, sondern ist mit einer Gesamthöhe von 333 Metern sogar noch größer als das französische Vorbild. Als NHK als erster nationaler Fernsehsender im Jahr 1953 die erste Sendung ausstrahlte, brauchte man einen leistungsstarken Sendemast. Da nach damaligem technischen Standard der Glaube herrschte, dass die Hauptstadt sehr bald von einer Vielzahl an Sendemasten bebaut sein würde, entschloss man sich zu einen großen und leistungsstarken Sendeturm. 2012 wurde das weltberühmte Wahrzeichen vom nur unweit entfernt gelegenen 634 Meter hohen Tokyo Skytree als höchstes Gebäude der Stadt abgelöst. Google Maps Link hier

Hangzhou

Besonders beeindruckend ist die 108 Meter hohe Kopie im „Little Paris“ der chinesischen Metropole Hangzhou in der Provinz Zhejiang. Hier beließ man es nicht bei einem Turm alleine, sondern kopierte ab 2007 mehr oder weniger erfolgreich die gesamte Parkanlage, mitsamt der umliegenden Wohnhausarchitektur. Heute ist dieser rund 31km² große Stadtteil im „chinesischen Paris-Style“ von gerade einmal 2.000 Menschen bevölkert und mittlerweile wie viele andere Planstädte Chinas zu einer Geisterstadt verkommen. Ehemalige Geschäfte sind längst geschlossen, die ersten Siedler  längst weitergezogen und die eben erst errichteten Gebäude verfallen nach und nach. Das Zentrum um den Eiffelturm zieht heute neben frisch verheirateten Hochzeitspaaren, deren Geldbeutel nicht für ein romantisches Foto vor dem Original reichte, auch wieder mehr Bauern an, die die angelegten Felder in direkter Umgebung um den Turm bewirtschaften. Google Maps Link hier

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Diese im Dorf Filiatra entstandene Eiffelturm Replik im Maßstab 1:18 ist von rein privater Hand erschaffen worden. Scheinbar konnte der griechische Arzt Harris Fournarakis (Harry Fornier), der überwiegend in den USA arbeitete, dem französischen Original nicht nahe genug sein. Aus diesem Grund baute er sich am Ortseingang von Filiatra seine eigene 26 Meter hohe Kopie. Google Maps Link hier

La_Dolce_Vita_Caffe

Zu einer Plakatwand zweckentfremdet wurde der Eiffelturm in Brisbane, Australien. Passend dazu der Name der Lokalität, vor der die oben gezeigte Plakatwand steht: La Dolce Vita Caffe. Google Maps Link hier

Fes_Tour_Eiffel

Ein besonders skurril anmutendes Beispiel zeigt sich dem Besucher in der marokkanischen Stadt Fès. Um die freundschaftliche Verbundenheit zwischen Frankreich und Marokko zu verdeutlichen, entschloss sich die Gemeinde zum Bau dieses Eiffelturms neben einer Hauptstraße der Stadt. Das etwas abgelegene Monument war lange Zeit im Bau und wurde erst vor kurzem mit einem Stern an der Turmspitze vollendet.

Hiiumaa_Eiffel_Tower

Nur das Beispiel aus Estland dürfte den Vorgängerbau in Skurrilität noch deutlich übertreffen. Abgelegen an der Küste der estnischen Insel Hiiumaa in der Ortschaft Reigi steht diese komplett aus Holz errichtete Interpretation eines Eiffelturms. Sicherheitsbedenken beschäftigen die dortigen Behörden schon seit Jahren, ein Umstand der beim Anblick der waghalsig anmutenden Konstruktion niemanden verwundern dürfte. Google Maps Link hier

torre_reformador

Das in der guatemaltekischen Hauptstadt gebaute, und als Reformationsturm bekannte Eiffelturm-Imitat erhebt sich 71,85 Meter über eine darunter befindliche Straßenkreuzung. Die in den USA aus galvanisierten Stahl hergestellte Konstruktion wurde bereits 1935 zu Ehren des Präsidenten Justo Rufino Barrios errichtet. Ursprünglich trug das an eine Rakete erinnernde Design an der Turmspitze eine Glocke, die 1986 durch einen Scheinwerfer ersetzt wurde. Google Maps Link hier

Petrin_Tower

Inmitten des gleichnamigen Parks entstand bereits im Jahr 1891, der als Petřín Lookout Tower bekannte achteckige Miniatur-Eiffelturm mit einer Gesamthöhe von 63,5 Metern Höhe. Anders als das Original wird der Turm nicht von vier stählernen Schrägstützen getragen, sondern von einem eigenen Geschoß, das als Zugangsbereich dient. Früher als Sendeturm in Verwendung, ist der Turm heutzutage eine beliebte Touristenattraktion. Alleine im Jahr 2014 zählte man auf der Aussichtsplattform mehr als 557.000 Besucher. Google Maps Link hier

Suzhou_Dong_Wu

Um die Summe von umgerechnet 537.000 Euro gibt es in der chinesischen Großstadt Suzhou ein besonders grell beleuchtetes Beispiel einer Eiffelturm-Interpretation zu bewundern. Entworfen vom französischen Designer Patrick Ferenczi erstrahlt der Dong-Wu Tower in 30.000 Farben aus über 3.600 Lampen.

Sucre_Eiffel_Turm

Sollte es ein Original-Imitat geben, dann steht dieses zweifelsfrei in Bolivien. Gustave Eiffel, der Erbauer des Eiffelturms in Paris entwarf 1906 eine dem Eiffelturm nachempfundene Stahlkonstruktion, die drei Jahre später fertiggestellt wurde. In den ersten Jahren nach der Erbauung diente der Turm als Wetterstation und ist heute eine beliebte Touristenattraktion. Google Maps Link hier

Blackpool_Tower

Ideengeber war auch beim britischen Blackpool Tower der Eiffelturm in Paris. Nach dem Besuch der Pariser Weltausstellung gab der Bürgermeister John Bickerstaffe den Turm in Auftrag. Der in weiten Zügen an das französische Vorbild ähnelnde Turm  wurde im Jahr 1894 fertiggestellt. Die wohl größten Unterschiede zum Original liegen im Größenverhältnis von 1:2 und, dass der Turm nicht freistehend ist, sondern auf ein Gebäude aufgesetzt wurde. Google Maps Link hier

New_Brighton_Tower

Der New Brighton Tower in England wurde irgendwann zwischen 1898 und 1900 eröffnet und diente vorrangig zur Überwachung. Mit einer Gesamthöhe von 173 Metern galt er als höchster Turm Englands und musste bereits 1919 aufgrund von für den Eigentümer nicht aufzubringender Geldmittel für entstandene Instandhaltungskosten, abgetragen werden. Das darunter befindende vierstöckige Backsteingebäude stand bis zum Jahr 1969, als dieses durch einen Großbrand bis auf die Grundmauern niederbrannte und in Folge darauf ebenfalls abgerissen werden musste.

Ismaning

Der hölzerne Radio-Sendeturm nahe Ismaning ging bereits 1932 in Betrieb und wies eine Höhe von 156 Metern auf. Hierbei waren die ausfahrbaren Arme an der Turmspitze noch nicht mitgerechnet. 1977 sollte der Turm erneut generalüberholt werden, jedoch wurde er stattdessen aus Gründen der Rentabilität am 16. März 1983 abgerissen. Google Maps Link hier

Watkins_Tower

Um im Höhenwettbewerb mit der französischen Hauptstadt mitzuhalten, entschlossen sich auch die Briten zum Bau eines eigenen Stahlturms in der Hauptstadt Londons. Die Pläne waren von Ehrgeiz getrieben, sollte der Turm das Pariser Vorbild letztlich sogar um ganze 100 Meter Höhe (Gesamthöhe 358 Meter) übertreffen. 1891 begonnen, wurden die Bauarbeiten am Watkins Tower nach nur 47 Metern erreichter Höhe eingestellt und der unvollendete Turm bereits zwischen den Jahren 1904 und 1907 wieder abgerissen. Heute befindet sich an genau dieser Stelle das weltbekannte Wembley Stadion.

Funkturm_Berlin

Der Berliner Funkturm ist ein ehemaliger Sendeturm der vom Architekten Heinrich Straumer geplant und  zwischen den Jahren 1924 und 1926 erbaut wurde. Rechtzeitig zur Berliner Funkausstellung  wurde der Sendeturm mit dem Nicknamen „Langer Lulatsch“ eingeweiht und ist heute ein geschütztes Objekt und beliebter Touristenmagnet in der deutschen Hauptstadt. 1935 folgte eine ganz große Premiere: Von den dortigen Sendeanlagen wurde das erste offizielle Fernsehprogramm ausgestrahlt. Entgegen der ursprünglichen Verwendung befinden sich heute in etwa 52 Metern Höhe ein Restaurant und auf geschätzten 152 Metern eine Aussichtsplattform. Zuletzt wurde der Turm 1987 rundumerneuert – zum 750 Jahr-Jubiläum der Hauptstadt Berlin. Google Maps Link hier

Window_Of_The_World

Das „Window Of The World“ im westlichen Teil der chinesischen Stadt Shenzhen ist ein 48 Hektar großer Themenpark mit über 130 Nachbildungen weltbekannter Touristenattraktionen. Der 1997 eröffnete Park wird von einem 108 Meter hohen Eiffelturm dominiert. Google Maps Link hier

Lahore_Eiffel_Tower

Der Eiffelturm in Bahria Town im pakistanischen Lahore ist mit einer Höhe von rund 80 Meter der dritthöchste Eiffelturm der Welt. Der Turm lässt sich in drei Zonen gliedern: Restaurant, Kaffee und eine Aussichtsplattform. Leicht mit einem eingebauten Lift bis zur Plattform erreichbar, steht einem Dinner im Restaurant mit Weitblick nichts mehr in Weg.

Eiffel_Turm_Gomez_Palacio

Dieses Exemplar im Maßstab 1:6 in der mexikanischen Ortschaft Durango steht im Vergleich zum Original, in einer etwas unattraktiveren Umgebung. Das im Jahr 2007 von der französischen Gemeinschaft gespendete Monument empfängt auf der Aussichtsplattform bis zu maximal 16 Besucher gleichzeitig. Die Gesamthöhe beträgt immerhin rund 58 Meter und wird ähnlich wie das Original bei Nacht hell erleuchtet. Leider häufen sich auch die Fälle von Vandalismus in den letzten Jahren, der sich vermehrt in den Stützen zeigt und schlussendlich die gesamte Konstruktion schwächt.

Neben dem Eiffelturm wurde kürzlich auch das österreichische Dorf Hallstatt sowie die Skyline von Manhattan in China kopiert. Wie stehst du dem Nachbau von Wahrzeichen gegenüber?  Wie weit sollte man gehen und wann hat man die Grenze des guten Geschmacks überschritten? Welche Faszination verbirgt sich, dass besonders der Eiffelturm so oft kopiert / neu interpretiert wurde? Und wie ist deine persönliche Meinung im Bezug zur Nachhaltigkeit und Nachnutzung in Anbetracht der teils brachen Umgebung beziehungsweise der entstandenen Geister (-plan) städte im Speziellen in China? Deine Gedanken – Ab in die Kommentare!


Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: http://www.spiegel.de/fotostrecke/pariser-eiffelturm-nachbauten-aus-aller-welt-fotostrecke-112422-3.html (02.07.2016, 02:17) – Feldarbeit im chinesischen Hangzhou neben der Eiffelturm-Replik.

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f7/Eiffelturm,_Paris,_France.jpg (02.07.2016, 02:21) – Zentraler Blick auf den Eiffelturm in Paris.
http://momentum-magazin.de/de/125-jahre-eiffelturm-bauwerksgeburtstag/ (02.07.2016, 02:22) – Die einzelnen Bauphasen des Pariser Eiffelturms (Beide Bilder in Photoshop noch manuell zusammengeschnitten).
http://d1vmp8zzttzftq.cloudfront.net/wp-content/uploads/2012/05/replica-of-eiffel-tower-at-the-paris-hotel-on-las-vegas-boulevard-las-vegas-nevada-1600×1066.jpg (02.07.2016, 02:24) – Paris Las Vegas.
http://lollitop.magicgate.eu/media/LollitopMagicgate_003/lollitop_10__afghanistan_october_2010_files_a10_25587471.jpg (02.07.2016, 02:25) – Turm in Kabul im Nebel.
http://s00.yaplakal.com/pics/pics_original/3/7/7/6938773.jpg (02.07.2016, 02:27) – Sendeturm im sibirischen Dorf Parizh.
http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.1884257.1392053963/900×600/eiffelturm-plagiate-nachbau-turm-eiffel-tower-tour.jpg (02.07.2016, 02:29) – Eiffelturm des Parque Europa in Spanien.
https://okayadrienne.files.wordpress.com/2013/09/img_2093.jpg (02.07.2016, 02:30) – Tokyo Tower in Japan.
http://www.foynd.com/wp-content/uploads/2015/05/paris-in-china-2.jpg (02.07.2016, 02:32) – Blick auf „Little Paris“ in China mit Eiffelturm-Kopie.
http://static.panoramio.com/photos/large/59660816.jpg (02.07.2016, 02:35) – Eiffelturm in Filiatra/GRE.
1.bp.blogspot.com/-28EdbLnUGtw/VQwh71fDWII/AAAAAAAAFaQ/eMbbYAZyYco/s1600/SAM_6296.JPG (02.07.2016, 02:37) – Plakatwand des „La Dolce Vita Caffe“ bei Nacht.
http://www.heberger-image.fr/data/images/67894_4288324003565148727618759431097135811n.jpg (02.07.2016, 02:39) – Eiffelturm-Replik in Marokko nach Fertigstellung.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4d/Hiiumaa_Eiffeli_torn_2013.jpg (02.07.2016, 02:41) – Hölzerner Eiffelturm auf der Insel Hiiumaa in Estland.
http://static.panoramio.com/photos/original/61335791.jpg (02.07.2016, 02:43) – Der „Torre Reformador“ in Guatemala.
http://www.theladytravels.com/wp-content/uploads/2012/11/Prague-Petrin-Tower-.jpg (02.07.2016, 02:45) – Petrin Lookout Tower im Prager Petrin Park.
http://www.hindustantimes.com/rf/image_size_800x600/HT/p1/2014/01/29/Incoming/Pictures/1177929_Wallpaper2.jpg (02.07.2016, 02:47) – Dong-Wu Tower in der chinesischen Stadt Suzhou.
http://static.panoramio.com/photos/large/45169183.jpg (02.07.2016, 02:48) – Torre Eiffel von Gustave Eiffel in Bolivien.
http://www.hotelsblackpool.net/userfiles/blackpool_tower.jpg (02.07.2016, 02:51) – Blick vom Meer auf den britischen Blackpool Tower.
https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/originals/41/5c/0a/415c0ad36702f9d58c7defcff6545493.jpg (02.07.2016, 02:52) – Alte Fototgrafie des New Brighton Towers.
https://files1.structurae.de/files/photos/2328/ismaning02.jpg (02.07.2016, 02:47) – Schwarz-weiß Fotografie des Radio-Sendeturms nahe Ismaning.
http://static.messynessychic.com/wp-content/uploads/2016/02/Watkin_tower_first_stage-2.jpg (02.07.2016, 02:56) – Unvollendeter Watkins Tower.
http://www.funkturm-messeberlin.de/media/de/ccg/ccg_media/ccg_image/ccg_apps/ccg_mam/ccg_bildergalerien_funkturm/ccg_funkturm_aussichtsplattform/mam_192535_304775_Fancybox_1200px.jpg (02.07.2016, 02:58) – Blick auf den Berliner Funkturm.
https://tominshenzhen.files.wordpress.com/2012/03/img_9636.jpg (02.07.2016, 02:59) – Eiffelturm-Replik im chinesischen „Window of The World“ in Shenzhen.
http://67.media.tumblr.com/75feba0f7434650d26ef146ead861150/tumblr_nw3dmcoz3f1uck9lto1_1280.jpg (02.07.2016, 03:01) – 80 Meter hoher Eiffelturm im pakistanischen Lahore.
http://www.milenio.com/region/Jorge-Herrera-Caldera-Durango-Campillo_MILIMA20141003_0137_3.jpg (02.07.2016, 03:02) – Eiffelturm im mexikanischen Durango bei Nacht.

 

Wikipedia-Artikel über den Tokyo Tower (02.07.2016, 03:37) – Englisch
Wikipedia-Artikel zum Torre del Reformador (02.07.2016, 03:39) – Englisch

Der Tag, als London starb

Police Constable with Protective Mask in Fog Polizist mit Atemmaske

London war schon immer bekannt für Nebelschwaden, die oftmals tagelang, den Städtern die Sicht und Luft raubten. Doch der Todesnebel von 1952 war mit keinem anderen Ereignis vergleichbar. Anfangs ein dichter Dunst aus Ruß führte er zur größten Katastrophe der Stadt seit der industriellen Revolution. Insgesamt starben innerhalb von fünf Tagen mehr als 4.000 und 8.000 weitere an den Folgen.

Nebel galt in London als nichts Besonderes und gehört zur Stadt fast genauso wie die Tower Bridge und der Big Ben einfach dazu – vor allem zwischen 1825 und 1925, als London die weltweit größte Stadt war, hatte sie mit großen Umweltproblemen zu kämpfen. Nach dem zweiten Weltkrieg, als sich die Bürger wieder Kohle zum Heizen leisten konnten und die zuvor elektrisch betriebenen Straßenbahngarnituren durch Omnibusse mit Verbrennungsmotoren ersetzt wurden, nahmen auch die Umweltbelastung und einhergehende Wetterphänomene wie der Smog, merkbar zu. Früher als Wintersmog bezeichnet, wandelte sich der Begriff  bis zum Ereignis von 1952 zur „Pea Soup“, Erbsensuppe. Der Name, den die Londoner diesem Wetterphänomen gaben, wenn  der Rauch der über eine Million zählenden privaten Kohleöfen über die Kamine ins Freie stieg, sich dieser mit den Rauch aus dem der Industrieanlagen und mit den feuchten Nebelschwaden über der Themse zu einem dichten, giftigen, nach Schwefel riechenden Cocktail vermischte. Und so war auch anfangs des 5. Dezember 1952 die Verwunderung nicht allzu groß, als zum wiederholten Mal dichte Nebelschwaden infolge einer Inversionswetterlage über der Stadt aufzogen. Zunächst von den Londonern als ortsüblicher Nebel abgetan, verringerte sich die Sichtweite bis zum 7. Dezember auf wenige Zentimeter. Streckte man den Arm aus, verbarg der Smog die Hände. Infolge des aufziehenden Smogs wurden Freiluftkonzerte abgesagt, da selbst der hellste Tag von der Dunstglocke über London verdunkelt wurde. Mittlerweile war man beinahe nirgends mehr vom Smog sicher. Selbst durch kleinste Spalten in Fenstern und Türen drang der Nebel in Innenräume, dass selbst die Vorstellung von „La Traviata“ im Sadler’s Wells aufgrund der eingeschränkten Sicht im Inneren des Gebäudes (!) bereits nach dem ersten Akt abgebrochen werden musste.

Skyline London 1953

Blick auf  London im Jahre 1953

Doch trotz aller apokalyptischen Vorzeichen, ahnten nur die wenigsten schlimmeres. Eines der ersten Anzeichen war, als den Bestattern die Särge und den Floristen die Blumen ausgingen. Ohne es zu merken, setzte auf den Straßen Londons ein Massensterben ein. Die Ambulanzen füllten sich mit Patienten, die über Atemwegs- sowie Herz-Kreislaufbeschwerden klagten. Inzwischen war auf den Straßen der Verkehr nahezu komplett zusammengebrochen, dass auch Krankenwagen nicht mehr eingesetzt werden konnten und die Patienten sich keuchend und hustend zum Krankenhaus aufmachten. Viele schafften den beschwerlichen Weg in der Giftwolke nicht mehr bis zur Notaufnahme und starben draußen. Ihre Lippen waren blau angelaufen, als wären sie erstickt – allein und in vom Smog verhüllter Dunkelheit.

Piccadilly Smog London im Smog

Nichts geht mehr am Londoner Piccadilly Circus

Bevor sie in dieser Nacht auf die Todeswolke stießen, begann der Abend für Barbara Fewster zusammen mit ihrem Verlobten und einem befreundeten Dirigenten mit einem netten Dinner in der Londoner Innenstadt. Doch kaum als sie das Restaurant auf dem Nachhauseweg nach Kingston verlassen hatten, geschah es: Der mittlerweile aufgezogene Nebel umgab sie wie eine dichte Mauer. Häuser, Autos, Menschen – es schien als wäre die ganze Stadt verschwunden. Einzig die Scheinwerfer der Autos wurden vom Nebel reflektiert. Fewster stieg aus dem Wagen aus und ging den Weg von 25 Kilometern Länge in ihrem Abendkleid vor dem Wagen her, um ihren Verlobten am Steuer durch die Nebelsuppe zu leiten. Manchmal entfernte sie sich nur wenige Meter vom Wagen und war für ihn im dichten Nebel  nicht mehr auszumachen. Aber auch nur kurz anzuhalten, war viel gefährlicher als irrend durch die Straßen Londons zu rollen, da die Rücklichter der Autos nicht früh genug zu erkennen waren, um einen Auffahrunfall zu verhindern.  Andere Augenzeugen berichteten, dass der Nebel so dicht war, dass sie nicht einmal mehr ihre Schuhe erkennen konnten. Die Sichtweite betrug demnach maximal 30 Zentimeter!

Bus Nebel

In Straßen von London ging die Sicht auf null

Fewster tastete sich stundenlang  Zentimeter um Zentimeter voran, ohne auch nur einen Anhaltspunkt in der Ferne auszumachen. Ein anderer Wagen tauchte fast aus dem Nichts auf und überholte sie. Nur einmal erspähten sie die Umrisse eines Baumes und etwas Merkwürdiges daneben. Es handelte sich um den Wagen, der sie zuvor überholte und scheinbar ohne Sicht auf den Baum aufgefahren war. Erst um etwa fünf Uhr morgens erreichten sie ihr Haus in Kingston. Als sie dort das Licht anmachten, trauten sie ihren Augen kaum. Ihr Gesicht, ihre Haare und komplette Kleidung waren vollkommen bis auf die Unterwäsche vom Nebel schwarz gefärbt.

Zu diesen Zeitpunkt ahnten die Londoner noch nicht, dass dieser Nebel, der in der Geschichte als „The Big Smoke“  – der große Rauch –  eingehen sollte, noch bis zum 9. Dezember andauern sollte und schlussendlich bis zu 12.000 Todesopfer forderte. Trotz der hohen Anzahl an Todesopfern brach während dieser schicksalhaften fünf Tage nie Panik unter der Bevölkerung aus, da diese an ähnliche Smogereignisse durchaus gewöhnt waren und die Folgen bis zum Aufklaren des 9. Dezembers völlig unterschätzten.

„Überall erkrankten die Leute. Sie sind einfach zusammengebrochen und konnten nicht mehr atmen.“

– Steve Deacon, Busfahrer (Zitat aus der BBC-Dokumentation „Killer Fog“ frei ins Deutsche übersetzt)

In einem Interview aus 2002 schilderte der damals als Bestattungsunternehmer arbeitende Stan Cribb die Geschehnisse der damaligen Tage. Zunächst ärgerten sich die Autofahrer über die schlechte Sicht. Es wirkte, als hätte jemand in unmittelbarer Nähe Autoreifen in Brand gesetzt. Als der Nebel immer dichter wurde und die Sicht gegen Null war, musste Cribb einen Trauerzug während der Fahrt abbrechen. Es war als wäre man blind gewesen. Man konnte sich laut seinen Schilderungen höchstens noch an den Rücklichtern des Vordermanns orientieren.

„Einer unserer Lieferwagen kam von einer Fahrt zurück. Dummerweise war ihm der ganze Verkehr von der Commercial Road auf den Brauereihof gefolgt – sogar Doppeldeckerbusse. Es habe Stunden gedauert, die Sackgasse wieder zu räumen.“

– ein Lastwagenfahrer der Charrington’s Brauerei

Obwohl Barry Lynch damals gerade einmal vier Jahre alt war, hat auch er die Nacht des 5. Dezembers noch gut in Erinnerung. Er machte sich mit seinen Eltern auf dem Weg vom Haus seiner Großeltern in Kentish Town nach Hampstead. Aufgrund der schlechten Sicht hielten sie brennende Fackeln in der Hand, die ihnen den Weg ausleuchteten. Die damals noch vorhandenen Ruinen des Bombenangriffs durch die Truppen Hitlers, der damals nur geringfügig vorhandene Individualverkehr und die allgemein unheimliche Stimmung waren für ein kleines Kind schon sehr beeindruckend.

Fakel in London

Polizisten versuchen mit Fackeln den Verkehr zu regeln

Am 9. Dezember wurden die Bewohner der Stadt endlich durch aufkommenden Wind aus Süd-West erlöst. Vor allem ältere Menschen fielen infolge der Ablagerungen von Rußpartikel und Schwefeldioxid in ihren Lungen dem Smog zum Opfer. Die Todeszahlen zwischen 55- und 65-jährigen stieg um 142 Prozent, die der 65- bis 75-jährigen auf bis zu 235 Prozent. Die Angehörigen brachten den Tod der zumeist in Vorfeld bereits chronisch Kranken nicht sofort mit dem Nebel der vergangenen Tage in Verbindung.  Erst allmählich zeigte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe: Gerichtsmediziner stellten fest, dass die Sterberate innerhalb dieser fünf Tage exorbitant angestiegen war. Insgesamt starben über 4.000 Menschen direkt und später weitere 8.000 an den Folgen. Über 100.000 erlitten Atemwegserkrankungen. Ein Ausmaß das mit der Cholera-Epidemie von 1854 und der Grippe-Epidemie von 1918 vergleichbar ist. Eine unbequeme Wahrheit, der sich die Regierung nur ungern stellen wollte.

Monet

Claude Modet: Das Parlament in London, 1904

Was machte aber den Wintersmog von 1952 so besonders? Wer kennt sie den nicht – Bilder von London, deren Abbildungen von einem Schleier getrübt scheinen. Bereits seit dem 13. Jahrhundert sind Probleme mit der Luftqualität in der Hauptstadt bekannt. So trieb es sogar Künstler wie den Maler Claude Monet in die Stadt um sich davon ein Bild zu machen – wortwörtlich!

Zwar waren auch an vergangenen Tagen besonders hoher Luftverschmutzung bereits viele Menschen gestorben, dies aber meist erst nach wochenlanger Erkrankung im Krankenbett. Ein Nebel, der die Menschen scheinbar in wenigen Minuten regelrecht zu Tode würgt, hatte man bisher noch nicht gesehen. Kein einziges Einzelereignis des 2. Weltkriegs forderte in London so viele Todesopfer wie der „Great Smog“. Innerhalb einer einzigen Woche starben in Folge offizieller Aufzeichnungen 4.703 Personen, verglichen mit 1.852, die in derselben Woche des vorhergegangenen Jahres zu Tode kamen.

Um die genauen Umstände von 1952 zu verstehen, muss man zu allererst zwischen zwei Arten von Smog unterscheiden. Der eine ist der in London berühmte und auch für 1952 verantwortliche Wintersmog und der andere wird als Sommersmog, Photosmog oder auch Los Angeles-Smog bezeichnet, da er dort als erstes beobachtet wurde. Diese Form des Smogs ist zwar weniger gefährlich, tritt aber weitaus häufiger auf.

Damit überhaupt ein Wintersmog wie im Jahr 1952 entstehen kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Es muss eine Inversionswetterlage bestehen
  2. Die Luft muss knapp über dem Gefrierpunkt liegen
  3. Die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein
  4. Die Luft muss einen hohen Schwefeldioxidgehalt aufweisen
  5. Die Luft muss äußerst staub- und rußhaltig sein.

Infolge einer Inversionswetterlage kehrt sich das atmosphärische Temperaturgefälle in einer Höhe zwischen 800 und 1.000 Metern um. Warm Luft von unten steigt auf und kann infolge der noch wärmeren höher liegenden Luftschichten nicht mehr nach oben steigen und entweichen. Der Abtransport von Schadstoffen aus den Kohleöfen wird dadurch behindert und bleibt unter der warmen Luftschicht in Talnähe hängen. Es bildet sich eine giftige Smog-Wolke deren Wirkung sich infolge Windstille nochmals beträchtlich verstärkt. Normalerweise löst sich der Smog tagsüber wieder auf, sobald die Sonnenstrahlen den Boden erwärmen. Der Nebel von 1952 war jedoch so dicht, dass diese Strahlen die rußhaltige Nebeldecke nicht durchdringen konnten und sich der Nebel erst am 9. Dezember auflöste.

Inversionswetter

Entstehung einer Inversionswetterlage

Ein Hauptgrund dieser damals besonders schwerwiegenden Folgen liegt der eingesetzten minderwertigen Kohle zugrunde. Da sich die wirtschaftliche Lage Englands nach dem 2. Weltkrieg als besonders schwierig darstellte, wurde die geförderte hochwertige Kohle  ins Ausland exportiert und die Minderwertige in den Industrien und privaten Öfen Englands verheizt. Zusätzlich zum Temperatursturz infolge der Inversionswetterlage, hatte die Stadt bereits Tage zuvor mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen zu kämpfen, die den Ausstoß von Kohlendioxid infolge der zusätzlichen Anfeuerung der Öfen erhöhte.

SO2 Konzentration

Anstieg der SO2 Konzentration in den Dezembertagen 1952

Ein vom Minister MacMillan in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht kam elf Monate nach dem Smogereignis zum Schluss, dass das Unglück insgesamt 12.000 Todesopfer forderte. Da diese Zahl den Beamten des Gesundheitsministeriums zu hoch und unvertretbar erschien, verkürzte man den Beobachtungszeitraum auf die Tage zwischen 5. und 20. Dezember, damit alle nachfolgenden ungewöhnlichen Todesfolgen infolge von Atemwegserkrankungen nicht mehr in der Statistik aufschienen. Ebenso fürchtete man, dass rußarme Kohle für die breite Masse unerschwinglich sei und daher versuchte man von offizieller Seite den kurzzeitigen Anstieg an Todesopfer auf eine damals angeblich besonders starke Grippewelle zu schieben.

Smog Masks Paar mit Atemmasken

Nach dem Unglück von 1952 war das öffentliche Bewusstsein für das Problem geschärft – und Fotografen inszenierten Atemmasken sogar als Modeaccessoire.

Obwohl Tests zeigten, dass sie keinerlei Schutz vor dem giftigen Smog bieten, begann die Regierung in den Wintermonaten nach 1952 regelmäßig Gasmasken in der Bevölkerung zu verteilen. Vor allem um dem Anschein des Nichtstun und der Hilflosigkeit entgegen zu wirken. Als 1953 das London County Council einen umfassenden Bericht über die Smog-Katastrophe vorlegte, entgegnete der Kommunalminister Harold Macmillan, dass weitere Gesetzesänderungen nicht notwendig wären. Erst 1956 folgte mitunter aufgrund weiterer kleinerer Smogereignisse und dem wachsenden Druck der Bevölkerung zum „Clean Air Act“. Das Papier verbietet den privaten Gebrauch von pechhaltiger Kohle und führte sogenannte „Smokeless zones“ ein. Dies waren Stadtzonen in denen es den Privathaushalten verboten war den Rauch über den Schornstein zu entlassen – es sei den man verwende einen offiziell autorisierten raucharmen Brennstoff. Im zweiten „Clean Air Act“ wurde dieses Regelwerk nochmals verschärft, das unter anderem höhere Schornsteine vorschrieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten zeichnete sich dann auch tatsächlich eine Wirkung dieser Regelungen ab.

Heute gehören die Nebelschwaden über der Themse genauso wie die zahlreichen Regentage nach wie vor zum alltäglichen Stadtbild, aber infolge viele weiterer Maßnahmen die, die Nutzung von privaten Schornsteinen verbietet, den Berufsverkehr aus der Innenstadt verbannt und selbst die Verwendung von Kohlegrills im Sommer unter Strafe stellt , die extrem hochgiftigen Dunstglocken über der Hauptstadt der Vergangenheit an. Einzig die Fassaden mancher unsanierten Gebäude der Stadt erinnern noch an den schwarzen Ruß der sich klebrig an jede Oberfläche haftete.

Obwohl es mittlerweile weltweite Bestrebungen gibt, die Luft in den Millionenmetropolen zu verbessern, wird trotzdem jedes Jahr von neuen C02 Rekordwerten in Städten Asiens, Amerika und Europa berichtet. Besonderes Augenmerk wurde in den letzten Jahren auf das wirtschaftlich aufstrebende China gelegt, aber auch auf, als sauber geltend europäische Metropolen wie Paris. Versuche der Verschmutzung Herr zu werden gibt es mittlerweile bereits genügend, aber welche bringt auch den tatsächlichen Wandel mit sich? Wie realistisch gestalten sich eurer Meinung nach festgelegte Feinstaubgrenzwerte? Was kann jeder Einzelne machen und welchen Weg sollten die großen Industrienationen in Zukunft gehen? Lass mich an deinen Ideen und Gedanken teilhaben und teile sie mit uns in den Kommentaren.


Weiterführende Links:
Spiegel Online – Fünf Tage im Todesnebel (23.03.2016, 00:33) – Deutsch
Wikiedia: Smog Katastrophe in London 1952 (23.03.2016, 00:35) – Deutsch
Artikel der BBC News – Days of Toxic darkness (23.03.2016, 00:36) – Englisch
Science-Blogs: Der Tag, als London starb (23.03.2016, 00:39) -Deutsch
Artikel auf MetOffice.gov (23.03.2016, 00:42) – Englisch
Bericht auf WDR.de (23.03.2016, 00:46) – Deutsch
The Guardian: 60 Jahre nach the Big Smoke – in Bildern (23.03.2016, 00:48) – Englisch
Artikel in „The Guardian“ zur Luftverschmutzung in London heute (23.03.2016, 00:51) – Englisch
Youtube-Dokumentation zum „Great Smog“ 1952 (23.03.2016, 00:52) – Englisch, Youtube
Artikel der „HistoryToday“ (23.03.2016, 08:24) – Englisch
Artikel des „The Telegraph“ (23.03.2016, 08:30) – Englisch
Fotostrecke des „Spiegel Online“ (23.03.2016, 08:31) – Deutsch
Audiobeitrag auf Bayern2 (23.03.2016, 08:33) – Deutsch
Die Londoner Luftqualität während d. olympischen Sommerspiele in der „Westdeutschen Zeitung“ (23.03.2016, 08:34) – Deutsch
Youtube-Dokumentation „The Killer Fog“ (23.03.2016, 08:36) – Englisch
Wikipedia-Artikel zur Innenstadtmaut (23.03.2016, 08:37) – Deutsch
Artikl zur Luftqualität in Manchester auf „Manchester Evening News“ (23.03.2016, 08:39) – Englisch
Wikipedia-Artikel zu Harold MacMillan (23.03.2016, 08:41) – Englisch
Wikipedia-Artikel zum Smog (23.03.2016, 08:42) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: http://cdn1.spiegel.de/images/image-641350-galleryV9-wsjv-641350.jpg (23.03.2016, 08:44) -Polizist mit Atemschutzmaske regelt den Verkehr in London 1953

 

http://www.theguardian.com/environment/gallery/2012/dec/05/60-years-great-smog-london-in-pictures (23.03.2016, 08:48) – Blick auf die Skyline von London im Jahre 1953
http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-great-smog-von-1952-toedlicher-nebel-ueber-london-fotostrecke-107685-11.html (23.03.2016, 08:50) – Piccadilly Circus im Nebel 1952
http://www1.wdr.de/stichtagdezembernullfuenf100~_v-TeaserAufmacher.jpg (23.03.2016, 08:51) – Londons Doppeldeckerbusse
http://i3.manchestereveningnews.co.uk/incoming/article8873511.ece/ALTERNATES/s1227b/h_00135633.jpg (23.03.2016, 08:53) – Polizist in London mit Fackel
http://scienceblogs.de/frischer-wind/2010/01/25/die-londoner-smogkatastrophe-von-1952/2/ (23.03.2016, 08:55) – Das Parlament in London von Monet
http://www.seewetter-kiel.de/bilder/wetter/hochwinter.jpg (23.03.2016, 12:25) – Grafik zur Entstehung einer Inversionswetterlage
http://scienceblogs.de/frischer-wind/2010/01/25/die-londoner-smogkatastrophe-von-1952/2/ (23.03.2016, 12:27) – Grafik zur SO2-Konzentration im Dezember 1952
http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-great-smog-von-1952-toedlicher-nebel-ueber-london-fotostrecke-107685-8.html (23.03.2016, 12:30) -Smogmaske als Mode Accessoire

 

Leitartikel zur Geschichte Fewster: Spiegel Online – Fünf Tage im Todesnebel (23.03.2016, 00:33) – Deutsch
Wikiedia: Smog Katastrophe in London 1952 (23.03.2016, 00:35) – Deutsch
Augenzeugenberichte aus dem Artikel der BBC News – Days of Toxic darkness (23.03.2016, 00:36) – Englisch
Leitartikel: Science-Blogs: Der Tag, als London starb (23.03.2016, 00:39) -Deutsch
Artikel auf MetOffice.gov (23.03.2016, 00:42) – Englisch
Bericht auf WDR.de (23.03.2016, 00:46) – Deutsch
The Guardian: 60 Jahre nach the Big Smoke – in Bildern (23.03.2016, 00:48) – Englisch
Artikel der „HistoryToday“ (23.03.2016, 08:24) – Englisch
Fotostrecke des „Spiegel Online“ (23.03.2016, 08:31) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zu Harold MacMillan (23.03.2016, 08:41) – Englisch
Wikipedia-Hintergründe zur Entstehung des Wintersmogs(23.03.2016, 08:42) – Deutsch

Chinesische Touristen unerwünscht!

Touristen unerwünschtSeit einer werbewirksamen Partnerschaft zwischen dem schweizer Berg Rigi und dem chinesischen Pendant Emei Shan haben sich die Besucherzahlen aus Fernost um ein vielfaches gesteigert. Wie auch in der Physik folgte auch hier auf „Actio“ die „Reactio“. Viele Schweizer Individualtouristen fühlten sich vom daraus gefolgten touristischen Massenansturm bedrängt, sodass sich das Management der Rigi-Bahnen zu unkonventionellen Schritten veranlasst sah. Das Ergebnis war eine „Separation“ zwischen den Touristen aus Asien und den Einheimischen Gästen. Kritik ließ bei dieser Ankündigung nicht lange auf sich warten.

Seit 2004 warben die Betreiber der Rigi-Bahnen verstärkt um Touristen in China. Dieses Werben um das reisewütige Volk aus dem Osten mündete infolge einer Delegationsreise ins Reich der Mitte in einer Partnerschaft zwischen den Rigi-Bahnen und der chinesischen Tourismusregion Emei Shan und Leshan. Die Wahl der Berge in den Partnerschaftsregionen mit den verbundenen Ähnlichkeiten in Größe und Form war sicherlich weniger Zufall, als vielmehr ein wirtschaftliches Kalkül. Der letzte Schritt der Werbemaschinerie erfolgte 2011 als ein etwa 8 Tonnen schwerer Felsbrocken aus Emei Shan auf dem Rigi ankam und seither als beliebtes Fotosujet für chinesische Touristen dient.

Touristen aus Asien erreichen den Rigi Kulm

Touristen aus Asien erreichen den Rigi Kulm

Diese Werbetätigkeit blieb nicht ohne Folgen. Mittlerweile stammt schon mehr als jeder dritte Besucher aus Asien – Tendenz steigend. Aber nicht nur die Gästezahlen und die damit verbundenen neuen Einnahmequellen, sondern auch der Unmut zwischen den Einheimischen und den „Neuen“ Gästen steigt.

„Die Chinesen haben eine spezielle Mentalität und Mühe, sich an bestimmte Ordnungsregeln zu halten“

-Michael Bähler (29), Fahrdienstleiter bei den Rigi-Bahnen-

Bahnreisende berichteten in der schweizer „Blick“ von Chinesen, die in der Bahn auf dem Boden spucken – und dabei beinahe die Schuhe der anderen Gäste treffen. Eine Urlauberin aus der Schweiz berichtete davon, wie ein Asiate sie im Gedränge gegen die Bahntür drängte. Als ihr Mann ihn darum bat, doch etwas zurück zu treten, hob er drohend seinen Arm und rief etwas Unverständliches.

Rigi-Bahnen-Direktor Peter Pfenninger sind diese Probleme durchaus bekannt, betont aber, dass Touristen aus Asien sehr dankbare Gäste sind. Während der Einheimische nur bei Schönwetter die Rigi besucht, trotzt der Chinese weder Wind noch Wetter um seine Urlaubfotos zu schießen. Um diese Konfrontationen und Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden, richtete die Rigi-Bahn einen „speziellen Service für internationale Besucher“ ein. Besonders am Morgen kommen vermehrt Touristen auf der Rigi an. Deshalb hat man zu diesen Stoßzeiten extra Züge für asiatische Touristen eingeführt, um die Ankunftszahlen von 3000 auf etwa 1500 Fahrgäste zu halbieren und die Menschenströme nach deren Bedürfnissen zu leiten. Doch nicht nur Touristen untereinander, sondern auch die Hotel- und Restaurantbetreiber sehen sich mit den negativen Effekten konfrontiert. So wird berichtet, dass viele Urlauber aus Fernost nicht mehr ihr Essen in den Restaurants auf dem Berg konsumieren, sondern dieses bereits bei der Abfahrt vom Tal mitbringen. Deshalb sah man sich veranlasst, nur noch den zahlenden Gästen einen Sitzplatz im Restaurant zu gewähren.

Piktogram Toilette

Toilettenpiktogram für Touristen – Aufklärung oder Häme?

Christina Käppeli (31), stellvertretende Geschäftsführerin des Hotel-Restaurants ‘Rigi Kulm‘ glaubt zu wissen, warum sich viele Schweizer Urlauber von den neuen Gasten gestört fühlen: Im Gegensatz zu dem Schweizer Individualtouristen, stellt Sigi Kulm nur ein Zwischenstopp im Reisemarathon durch Europa dar. Aus diesem Grund ist der Gast aus China lediglich daran interessiert, den Aufenthalt im Schnelldurchlauf zu erledigen. Er hat keine Zeit um sich für das schöne Panorama zu interessieren! Auf diesen Geschwindigkeitstrip kommt es natürlich zu Konfrontationen und kulturellen Missverständnissen. Aber trotz aller Schwierigkeiten, hat man es dem Touristen aus Asien zu einem großen Stück zu verdanken, dass die Urlaubsregion rentabel bleibt.

Um diese großen Massen ungestört voneinander Urlauben zu lassen, beschloss man die Gruppen zu trennen bzw. zu leiten. Es wurden die Wegweiser an den beliebten Reiserouten auf Chinesisch beschildert, eigene Fotopoints (am Felsen des Mount Emei auf der Rigi Kulm) eingerichtet und die Reinigungsintervalle der öffentlichen Toiletten verkürzt.

Vor allem die Nachricht der „Zugwaggons für chinesische Touristen“ in Verbindung mit eigener Bildbeschreibung als Gebrauchsanweisung der Toiletten sorgte für einen regelrechten „Shitstorm“ im Ausland – vor allem in China. Dort wurde natürlich mit der „Rassismuskeule“ wieder kräftig geschwungen und Medien schrieben davon, dass die Schweizer doch der zahlreichen zahlenden Gäste froh sein müssten!

Internet

Internet „do your thing!“ – Die ersten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten

Informiert man sich unabhängig der Nachrichten und stolpert dabei auf die offizielle Aussendung der Homepage von Rigi Kulm, erscheint allein durch die Formulierung die Angelegenheit bereits in einem etwas anderen Licht:

Das höhere Gästeaufkommen bedingt erhöhte Anforderungen und Anpassungen an die lokale Infrastruktur bei den Talstationen in Vitznau, Weggis und Goldau sowie an die Gästelenkung vor-wiegend auf Rigi Kulm.

In diesem Zusammenhang haben die Rigi Bahnen ihre Betriebsabläufe an die neue Situation an-gepasst und folgende Massnahmen (i. Anm.: Maßnahmen) umgesetzt:
•    Erhöhung der Reinigungs-Frequenzen
•    Piktogramme zur korrekten Benutzung der Sanitäranlagen
•    Signalisation öffentlicher Toiletten auf Rigi Kulm
•    Anbringen von zusätzlichen und grösseren (i. Anm.: größeren) Abfall-Eimern
•    Proaktive Parkplatz-Information an Bus-Chauffeure und Tourguides
•    Entlastung der Talstation Vitznau durch Volumenlenkung über die Talstationen Goldau und Weggis
•    Information der Tourguides, dass Restaurations-Einrichtungen nur bei Konsumation benutzt werden dürfen
•    Bereitstellung von Informationen auf Tischen in Restaurants in chinesischer Sprache

In Anbetracht der sicherlich kritikwürdigen Vorgehensweise, aber auch der aus dem Zusammenhang gerissenen Berichterstattung so mancher Medien, versuchte man sich vonseiten Rigi um Aufklärung und Aussöhnung. In der Schweiz, wie auch in China. Nun sprach man nicht mehr von „Sonderzüge für chinesische Touristen“ sondern von der „Trennung der zahlreichen Reisegruppen von den Individualtouristen“. Diese Maßnahme sei keine Schikane, sondern ein verbesserter Service für alle. Und vor allem: Diese Sonderzüge sind für alle Gruppenreisenden aus aller Welt (China, England, USA, Deutschland…) gedacht und es stehe jedem frei, auch in Zukunft die regulären Zugverbindungen zu nutzen!

Ob diese „Richtigstellung“ das Bild des rüpelhaften, verschmutzenden und sich laut unterhaltenden chinesischen Touristen nachhaltig verändert hat, ist wohl sehr zweifelhaft – Der Urlaubsregion hat es zumindest nicht weiter geschadet. Es ist eben doch „Business as Usual„. Aber Ist die Kritik an den Touristen aus Asien überhaupt generell gerechtfertigt? Wie sollte man in dieser Situation besser reagieren? Ist es noch Kritik – Oder Rassismus? Lasst es mich bitte wissen – in den Leserkommentaren! Weitere Informationen – wie immer in den Links unten!


Weiterführende Links:
BBC – Special trains for Chinese tourists (12.11.2015, 13:33) – Englisch
Bericht in „Weixin“ (12.11.2015, 13:37) – Chinesisch
Leitartikel in der „Blick“ (12.11.2015, 13:39) – Deutsch
Offizielle Aussendung der Rigi-Bahnen (12.11.2015, 13:40) – Deutsch
Berichtigung auf der Seite „ECNS.cn“ von Seite der Rigi-Bahnen (12.11.2015, 13:42) – Englisch
Bericht über die Partnerschaft mit Emei Shan und dem Steintausch (SRF) (12.11.2015, 13:45) – Deutsch
Bericht über den Steintausch zw. Rigi und Emei Shan (Neue Luzerner Zeitung) (12.11.2015, 13:46) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild:
https://c2.staticflickr.com/2/1267/4680944526_06a0baed68_b.jpg (12.11.2015, 13:48)

 

http://f.blick.ch/img/incoming/origs4095856/8320141784-w980-h653/rigi00001.jpg (12.11.2015, 13:51)
http://f.blick.ch/img/incoming/origs4095858/0388639870-w980-h653-q70/rigi00003.jpg (12.11.2015, 13:52)

http://mmbiz.qpic.cn/mmbiz/wlCrBZoK8HFHNpI5rR2D9kcLEDN7l9Nic4LZ7NSTIJMliaIfa1mr3TpBI3EK28hEpvXdncpAZIBBx3I7a1JMJIYA/640?wx_fmt=jpeg&wxfrom=5&wx_lazy=1 (12.11.2015, 13:53)

 
BBC – Special trains for Chinese tourists (12.11.2015, 13:33) – Englisch
Leitartikel in der „Blick“ (12.11.2015, 13:39) – Deutsch
Offizielle Aussendung der Rigi-Bahnen (12.11.2015, 13:40) – Deutsch
Berichtigung auf der Seite „ECNS.cn“ von Seite der Rigi-Bahnen (12.11.2015, 13:42) – Englisch
Bericht über die Partnerschaft mit Emei Shan und dem Steintausch (SRF) (12.11.2015, 13:45) – Deutsch
Bericht über den Steintausch zw. Rigi und Emei Shan (Neue Luzerner Zeitung) (12.11.2015, 13:46) – Deutsch
 

Drogeriemarke DM: Hier bin ich Mensch, in China kaufe ich ein!

fake DM China
Nach Ikea, Apple und Golman Sachs hat es nun auch die deutsche Drogeriemarktkette DM erwischt. Plagiatoren zufolge wurde in einem Einkaufszentrum der chinesischen Metropole Shenyang eine detailgetreue Nachbildung einer DM Filiale entdeckt. Im Gegensatz zum „IFONE“,  „Dolce & Banana“, „Adadas“ oder „SQNY“ hat man sich nichteinmal die Mühe gemacht vom Original ein kleinwenig, und sei es dem Namen, abzuweichen. Sogar der bekannte Werbeslogan „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“ prangt über den Eingang. Perfektion im High-End Bereich. Diese Qualität zeigt sich nicht nur in der Aufmachung, sondern auch im inneren des Geschäftes und nicht zuletzt an den Artikeln. Im Gegensatz zu Chinas gefälschten Apple-Produkten, finden sich in der DM-Kopie überwiegend die Originalwaren der deutschen Drogeriekette.

Die Beliebtheit der Marke DM in China ist auch hierzulande kein großes Geheimnis mehr. Spätestens seit dem Skandal um verunreinigtes Baby-Milchpulver in China, wuchs die Sorge um das wohl des eigenen Kindes. Die Mütter der zahlungskräftigen Mittelschicht decken sich daher mit Babynahrung der Marke „Made in Germany“ ein. Da es in China keine DM-Filialen gibt, wird das Säuglingsmilchpulver, bevorzugt von der Marke „Aptamil“, im großen Stil nach China verschickt.

dm-China

Aufnahme der DM-Filiale in China

Und wie es meist ist, folgt auf eine Nachfrage auch ein Markt mit einem Netzwerk von Geschäftsleuten an deren Spitze. Eine dieser Marktstrategien wird über die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten des Internets abgewickelt. Chinesische Studenten, die in Österreich oder Deutschland studieren dienen dabei als Versuchskanninchen für die „Big Player“ am chinesischen Markt. Das einzige, dass benötigt wird ist das Internet. Über bekannte chinesische Gratis-Bloganbieter wird ohne allzugroße Vorkenntnisse ein eigener Blog erstellt. Normalerweise als eine Art Tagebuch im Gebrauch, wird dieser als Verkaufsoberfläche aufgebaut. Vernetzt mit anderen Blogs und Social Media Diensten aus China tritt man mit tausenden Müttern aus ganz China in Kontakt. Das einzige, dass man jetzt noch machen muss ist, sich mit denen in Verbindung zu setzen (Mobile Chat Apps) um dem potentiellen Kunden die Produkte anzupreisen. Angeboten wird hier mehr als reine Säuglingsnahrung: Schuhe, Kleidung usw. Aber das große Geschäft wird trotzdem vor allem mit dem bekannten Milchpulver aus Deutschland gemacht. Da Milchpulver nicht vom Ausfuhrverbot betroffen ist und darüberhinaus Pakete bis zu einem Gewicht von etwa 8 Kilogramm ohne weiteres verschickt werden dürfen, ist das Geschäft auch nicht als illegal zu bezeichnen. Geschützt ist nur das Höchstgewicht – hindert aber niemanden 20 oder mehr Pakete an einem Tag an unterschiedliche Adressen zu verschicken. Die Ware wird in China oftmals um den doppelten deutschen Einkaufspreis weiterverkauft und ist mit den dortigen Marktpreisen für deutsches Milchpulver der Marke „Aptamil“, trotzdem noch sehr günstig. In Anbetracht der zahlreichen Lebensmittelskandale und der damit verbundenen Unsicherheit, ist das Geschäft trotz allen Aufwands als Win-Win Situation für alle Beteilgite zu sehen. Den Eltern werden die Sorgen um ihren Säugling (etwas) genommen und für die Studenten dient die erwirtschaftete Gewinnspanne als gute Finanzierungsmöglichkeit des Auslandsstudiums.

Viele DM Filialen in Deutschland haben auf den Andrang bereits reagiert und eine pro Kopf Höchstabnahme-Quote eingeführt, um sich vor einem plötzlichen Leerstand der eigenen Filiallager zu schützen. Der Anonymität wegen, weichen auch immer mehr auf Onlineplattformen wie „Amazon“ und dergleichen aus. Hier kann man im Schutze der Anonymität auch größere Bestände kaufen – vor allem bei Angeboten. Ist der Verkauf einmal gut angelaufen, bleibt das dem einen oder anderen  Marktbeobachter in China nicht verborgen und diese versuchen im nächsten Schritt diesen Markt im großen Stil zu erobern. Wenn der Markt vorhanden ist, die errechnete Gewinnspanne groß ist, und sogar der Markt mit all seinen Risiken bereits im Vorfeld ausgetestet wurde, gibt es immer wieder genügend skruppellose Geschäftemacher, die trotz Copyright-Bestimmungen die lizensierten Hersteller um Millionenbeträge hintergehen.

Der Schaden für die deutsche Marke DM dürfte nicht unerheblich ausfallen, vor allem, da die Marke ein großes Vertrauen unter nationalen sowie internationalen Kunden genießt. DM Chef Erich Harsch zeigte sich von der Kopie der Filiale überrascht. Laut seiner Aussage erwägt DM in nächster Zeit keinerlei Expansionspläne nach China, noch wurde um Erlaubnis gefragt, Drogeriemärkte mit dem Dm – Logo und Claim in China zu betreiben. Ob gegen das Plagiatgeschäft vorgegengen wird, ist zur jetzigen Zeit noch offen. Wie ähnliche Fälle bereits zeigten, sind die Erfolgsausichten im Falle einer Klage als ohnehin sehr gering einzustufen.

Wie dieser Fall zeigt kann ein hohes Wirtschaftswachstum auf vielen Wegen erreicht werden. Die Produktion und der Verkauf von Plagiaten ist ein beteutender Wirtschaftszweig im Reich der Mitte geworden, welcher entscheidend zum Haushalt des Landes beiträgt. Offiziel ist diesem der Kampf angesagt worden, aber eigentlich ist ein hohes Wirtschaftswachstum das Standbein für Macht, Reichtum und Schutz vor sozialer Unzufriedenheit und sichert der pekinger Regierung die Macht und Kontrolle im Lande.

Um euch ein ungefähres Gefühl zu geben, welche Ausmaße die Verbreitung der Plagiate bereits annehmen, habe ich darunter noch ein paar Statistiken als Überblick zusammengestellt:

Wirtschaftlicher Schaden:
2006: 5 Milliarden Euro
2007: 7 Milliarden Euro
2009: 6,4 Milliarden Euro
2011: 7,9 Milliarden Euro
2013: 7,9 Milliarden Euro
Quelle: VDMA
Was wird plagiiert?
Komponenten: 64 %
Design: 56 %
Komplette Maschinen: 51 %
Ersatzteile: 44 %
Kataloge, Broschüren: 35 %
Bedienungsanleitungen: 16 %
Verpackungen: 12 %
Quelle: VDMA

Und darüberhinaus hat sich das Geschäftsfeld der Plagiatvertreiber ebenfalls stark geändert. Die Herstellung sowie der Verkauf finden nicht in kleinen abgelegenen Häusern, irgendwo im Asien oder Südamerika statt – sondern unter uns. Ganz selbstverständlich werden diese Waren auch in Ö. und D. auf Jahrmärkten angeboten oder in der Türkei, Spanien und Süditalien in eigenen Hotelshops zum Verkauf angeboten. Ganz offensichtlich und öffentlich! Daher ist der Plagiatsmarkt einer der aufstrebendsten Tätigkeitsfelder für viele Unternehmen. Die Frage stellt sich daher, wie man den Fluss an Fälschungen austrockenen könne. Und macht es Sinn, die Unternehmer zu verfolgen. Oder sollte man besser beim Endabnehmer (auch  in Europa) zuerst ansetzen, die den Markt als Abnehmer erst ermöglichen? Wie sollten die geschädigten Unternehmen reagieren? Könnte ein Fall wie der von DM auch als guter Test gesehen werden? – Noch bevor man tatsächlich in den ausländischen Markt expandiert, kennt man die Bandbreite an Interessenten und kann die Marktchancen für ein bestimmtes Produkt sehr genau abschätzen. Oder ist es einfach Betrug, an dem nichts gutgeheißen werden kann und deshalb mit aller Härte zu prozessieren sei?

Bin wie immer sehr auf eure Meinung gespannt, daher schickt mir eure Antwort unten als Kommentar! Braucht ihr weitere Informationen zu diesem Thema? – Dann folgt meinen links unten!


Weiterführende Links:
Wikipedia (09.10.2015, 00:02) – Deutsch
Bericht in „Die Welt“ (09.10.2015, 00:03) – Deutsch
Artikel in „Die Wirtschaftswoche“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Weiterführender Artikel „Die Wirtschaftswoche“ mit Statistik (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht über Goldman Sachs in „The Guardian“ (09.10.2015, 00:08) – Englisch
Leitartikel von „Handelsblatt“ mit Hintergründen und dem Video von NTV (09.10.2015, 00:10) – Deutsch
Hintergründe zum Goldman Sachs-Plagiat in China im „Manager Magazin“ (09.10.2015, 00:11) – Deutsch
Video auf „Focus Online“ (09.10.2015, 00:14) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild:
https://diggerfortruth.wordpress.com/2015/09/14/fake-leaders-for-fake-people/ (09.10.2015, 00:18)
http://www.auhofcenter.at/shops/dm-drogerie-markt/ (09.10.2015, 00:18)
Bericht in „Die Welt“ (09.10.2015, 00:03) – Deutsch
Artikel in „Die Wirtschaftswoche“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Weiterführender Artikel „Die Wirtschaftswoche“ mit Statistik (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht über Goldman Sachs in „The Guardian“ (09.10.2015, 00:08) – Englisch
Leitartikel von „Handelsblatt“ mit Hintergründen und dem Video von NTV (09.10.2015, 00:10) – Deutsch