TTIP ist tot

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Sein Wahlsieg war nicht nur ein Unerwarteter, sondern sorgte für eine regelrechte weltweite Schockstarre. Donald Trump: Immobilientycoon, Celebrity und 45. Präsident der Vereinigten Staaten! Seit der Wahl ist nun mehr als ein Monat vergangen, erste Schreckenszenarien sind einer Art Zweckoptimismus gewichen und die Welt versucht sich langsam mit dem neuen Status quo zu arrangieren. Nur die offenen Fragen sind geblieben. Welche Auswirkungen wird ein Donald Trump auf die Weltwirtschaft haben? Wie wird sein Umgang mit Russland, China und Nordkorea sein? Und ganz besonders, wird TTIP unter ihm noch eine Zukunft haben?

Trotz aller Verunsicherung, die mit der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten einherging, war sich die EU-Kommission schnell einig, dass dieses historische Ereignis zugleich den Verhandlungsstopp für das Freihandelsabkommen TTIP bedeutet. Für die EU-Außenhandelskommissarin Cecilia Malmström herrscht große Unklarheit, was unter einem Präsidenten Donald Trump passieren wird und erwartet daher keine weiteren TTIP-Verhandlungen in absehbarer Zukunft. Laut Diplomaten sagte Cecilia Malmström vor Ministern, dass sie zurzeit nicht wisse, ob nach ein, zwei oder drei Jahren weiterverhandelt wird, oder dies überhaupt irgendwann noch geschehen werde. Frankreich, das bereits vor der US-Wahl einen sofortigen Abbruch der Verhandlungen forderte, sieht sich in der eigenen Einschätzung voll bestätigt und erklärte ihrerseits TTIP für nun endgültig gescheitert.
Frankreichs Außenhandelsstaatssekretär Matthias Fekl, fordert die Verhandlungen nun endgültig zu stoppen. Nach über drei Jahren und 15 Verhandlungsrunden sieht er keine bis nur wenige Vertragseckpunkte auch nur annähernd abgeklärt und bezeichnet den jetzigen Vertragsentwurf als völlig inakzeptabel. Neben Frankreich fordern Österreich und zuletzt auch der deutsche Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel einen Verhandlungsstopp. Offiziell unterstützt die deutsche Bundesregierung das Freihandelsabkommen aber weiterhin.

Ähnlich wie die Bundeskanzlerin Merkel, eine der großen Befürworter des transatlantischen Freihandelsabkommens, spricht auch der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig von lediglich einer Verhandlungspause. In Angesicht des Macht- und womöglich politischen Richtungswechsels in den USA wird es zwar keine Vertragsunterzeichnung bis zum Ende der Regierungsperiode von Barack Obama mehr geben, aber nach Trumps Regierungsantritt im Jänner möchte er alle verfügbaren Optionen prüfen. Wann und ob eine nächste Verhandlungsrunde angesetzt wird, weiß auch er noch nicht einzuschätzen.

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Und er konnte doch nicht! Unter der Amtszeit von Barack Obama wird es keine TTIP-Vertragsunterzeichnung mehr geben und selbst über die Zukunft des bereits fertig ausverhandelten TPP-Abkommens lässt er Donald Trump frei entscheiden.

Auch Vertreter der Europäischen Union in Brüssel wollen in Hinblick auf die Zukunft von TTIP und anderen Handelsabkommen in denen die USA verstrickt ist, keine voreiligen Schlüsse ziehen und sehen sich mit der Kritik konfrontiert, die Augen vor vollendeten Tatsachen zu verschließen. Kommissionsvizepräsident Jyrki Katainen sieht in der Schaffung neuer Jobs und einem besseren Investitionsklima weiterhin beste Voraussetzung für einen Abschluss der TTIP-Verhandlungen. Obwohl durch den Regierungswechsel in Washington eine Verhandlungspause über mehrere Monate eintreten wird, möchte er auf die bislang fehlende Stellungnahme Donald Trumps verweisen, die klar gegen TTIP sprechen würde.

„Ich persönlich habe keine starken Worte gegen TTIP gehört.“

– EU-Kommissionsvizepräsident Jyrki Kotainen

Bereits im Wahlkampf zeigte sich Donald Trump wiederholt ablehnend gegen die Handelsabkommen TPP und CETA und stellte auch die Option in den Raum, das Handelsabkommen NAFTA von 1994 nochmals neu verhandeln zu wollen. Besonders das von der US-Seite angestrebte TPP-Handelsabkommen mit den Pazifik-Anrainerstaaten stand unter seiner wiederholter Kritik, da er die Vernichtung heimischer Arbeitsplätze infolge einer Auslagerung von einzelnen wirtschaftlich bedeutenden Produktionszweigen in Billiglohnländer befürchtete. Eine Angst, die auch von europäischer Seite mit TTIP geteilt wird, aber bisher von Trump wenig Beachtung geschenkt wurde. Im Gegensatz zu den Großen, mit unabsehbaren Risiken für die eigene Wirtschaft festgeschriebenen Vertragsklauseln, bevorzugt Donald Trump den zukünftigen Fokus maximal auf wesentlich kleinere bilaterale Vereinbarungen mit einzelnen Staaten oder Wirtschaftsnationen zu setzen. Damit ist es wesentlich einfacher auf nationale Belange einzugehen und letztendlich einen soliden und qualitativen Vertrag aufzusetzen.
Ob die großen US-Konzerne um jeden Preis auf ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA nach der Inkraftsetzung von CETA noch angewiesen sind, wird sich erst zeigen müssen. Seit fast jeder namhafte Konzern in den USA auch über eine Niederlassung in Kanada verfügt, kommen sie auch ohne die USA und ohne Gegenleistung in den Genuss aller Vorteile. Da im CETA-Abkommen auf ausdrücklichen Wunsch der EU (!) die Schiedsgerichte nicht herausgenommen wurden, können EU-Staaten von US-Konzernen auch ohne TTIP verklagt werden. Eine Paralleljustiz, die in solchem Umfang leicht zu vermeiden gewesen wäre.

Wenn auch die Republikaner unter Donald Trump eine wesentlich umfassendere Regierungsfreiheit als der scheidende demokratische US-Präsident Barack Obama genießen wird, könnte die Skepsis aus den eigenen Reihen zum Stolperstein des nicht allzu gut vernetzten neuen Präsidenten werden. In den USA ist die Fraktionsdisziplin mitunter nur schwach ausgeprägt und viele Abgeordnete fühlen sich den Wählern mehr verpflichtet als der eigenen Partei. Neben der wiederholten Kritik gegen frühere Präsidentschaftskandidaten aus den eigenen Reihen, sowie seinen verbalen Ausschweifungen gegen Einzelpersonen aus den Kreisen der Republikanischen Partei, halten viele Republikaner äußert wenig von seinem Vorschlag, eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko zu errichten oder aus bereits ausgehandelten Handelsabkommen auszusteigen. Dementsprechend zeichnet der neue Chef des IHS (Institut für höhere Studien) Martin Kocher ein weit weniger düsteres Bild einer USA unter Donald Trump. Er glaube nicht, dass Donald Trump allzu forsch in diese großen Themen einsteigen wird und tatsächlich geltende Handelsabkommen aufkündigt. Überdies profitierte seiner Meinung nach die US-Wirtschaft von Handelsverträgen bisher enorm. An eine Fortsetzung der Verhandlungen zu einem TIPP in der jetzigen Form glaubt aber auch er nicht. Zumindest nicht in absehbarer Zeit.

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Sein Vorschlag eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu errichten, ist innerparteilich sehr umstritten.

Es steht außer Frage, dass durch die Wahl von Donald Trump die Forcierung großer Abkommen stark ins Stocken geraten ist und sich die EU darum vorerst mit wirtschaftlich kleineren Partnern wie Japan, Ecuador und Kanada begnügen muss. So werden über ein Freihandelsabkommen des Andenstaates mit der EU die Einfuhrzölle für das wichtigste Exportgut Bananen von derzeit 124 Euro pro Tonne bis 2020 auf 75 Euro sinken. Obwohl darüber wenig in den Medien berichtet wird, werden zurzeit für CETA alle Weichen gestellt, damit das ebenfalls umstrittene Abkommen zwischen der EU und Kanada im März vorläufig in Kraft treten kann. Auch wenn zuletzt der Sozialausschuss im Europaparlament dazu eine kritische Stellungnahme abgab, erwartet man am zweiten März im Plenum eine klare Mehrheit.

Welche weitreichende Folgen bereits ein Rückzug der USA aus vergleichbar kleineren internationalen Abkommen hat, zeigt sich beim Dienstleistungsabkommen TiSA. Während TTIP bereits lange vor der US-Wahl keine merkbaren Verhandlungsfortschritte mehr verzeichnete und beinahe jeder Annäherungsversuch der beiden Wirtschaftsgroßmächte ins Leere lief, glaubte man bei TiSA noch vor wenigen Wochen kurz vorm finalen Durchbruch zu stehen. Seit 2012 verhandelt die EU mit 22 anderen Staaten wie Japan und den USA um eine Öffnung der Services. Es handelt sich hierbei um die Schaffung eines annähernd barrierefreien Marktes für Notare, Architekten und viele weitere Branchen. Anstatt die Verhandlungen zum Vertrag zu führen, haben die USA „den Stecker gezogen“, berichtet ein ranghoher Beamter in Brüssel. Ohne die USA fehle der wichtige Gegenpol und ein Abschluss ohne Washington wird in Brüssel als nicht zielführend erachtet.

Obwohl Donald Trump noch nicht einmal offiziell angelobt wurde, wirft er bereits erste Schatten voraus. Erst kürzlich wurde beschlossen, dass das bereits ausgehandelte TTP-Abkommen nicht mehr zur Ratifizierung vorgelegt wird und es somit dem zukünftigen US-Präsidenten Donald Trump obliegt, ob es zum Beschluss kommt, oder nicht. In Hinblick auf seine bisher ablehnende Haltung gegenüber multinationalen Handelsabkommen ist das eher unwahrscheinlich. Auch in Asien gibt es bereits erste Auflösungserscheinungen und so ließ Pablo Kuczynski, der Staatschef des TPP-Unterzeichnerlandes Peru unlängst mit einer neuen Idee aufhorchen: Er fände ein Asien-Pazifik-Abkommen am besten, in dem auch die beiden Großmächte China und Russland vertreten wären. Ein Aufruf zur rechten Zeit? Eine ähnliche Drohung in Richtung Westen gab es erst vor kurzem von China selbst – wenn sich die USA weiterhin in ihre „nationale Interessen“ einmischen sollten. Provokationen, wie das Telefonat zwischen dem designierten US-Präsidenten Donald Trump und Tsai-Ing Wen, Präsidentin der Inselrepublik Taiwan werden vermutlich auch noch in Zukunft für genügend Zündstoff zwischen den beiden Staaten sorgen.

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Seine politische Unerfahrenheit macht ihn für viele unberechenbar und bereitet Politikern weltweit große Sorgen.

Gegner von multinationalen Freihandelsabkommen mögen vielleicht zurzeit allen Grund zum Jubel haben, wissen aber selbst, dass der Unsicherheitsfaktor Donald Trump noch allerhand an Überraschungen mit sich bringen kann. So hielten sich die vehementesten Gegner – Umweltschutzorganisationen und Grüne – bislang auffällig zurück, denn wer von denen möchte schon gerne bei einem US-Präsidenten Donald Trump in öffentlichen Jubel ausbrechen?

Wie es tatsächlich mit TTIP weitergehen wird, entscheidet schätzungsweise die wohl erst Mitte kommenden Jahres festgelegte Handelspolitik von Trump. Bis dahin versuchen die Verhandlungspartner die Zeit bis zum Amtsende Barack Obamas bestmöglich zu nutzen, um möglichst viel vom Vertragstext fertigzubekommen. Beim EU-Handelsrat soll danach der derzeitige Verhandlungsstand dargelegt werden. Über die Haltung von Donald Trump zum Thema Freihandelsabkommen, im Speziellen zu TTIP, gibt es selbst einen Monat nach seinem Wahlsieg kaum etwas Neues zu berichten. Einzig seine ablehnende Haltung gegenüber TPP und NAFTA in Hinblick auf die Undurchsichtigkeit und Komplexität des Vertragstextes, ist bislang bekannt. Trotzdem ist eines ganz gewiss: Wenn TrumpAmerika wieder groß machen möchte“, wird er weiterhin Maschinen und Produkte aus Europa brauchen. Die Wirtschaft der USA wird auch in Zukunft auf ein Wohlwollen der EU angewiesen sein. Welche Zukunft TTIP und andere Freihandelsabkommen tatsächlich noch haben, zeigt sich wohl frühestens im Jänner.

Das war der dritte Teil des großen TTIP-Spezials! Wie ist deine Meinung zur Zukunft von TTIP? Plant der Hardliner Donald Trump TTIP und TPP endgültig zu Grabe tragen oder wird er gemeinsam mit der Europäischen Union womöglich ein neues Abkommen forcieren? Welche positiven oder negativen Auswirkungen wird der zukünftige US-Präsident auf unser Leben in Europa haben? Schreibt mir eure Meinung in den Kommentaren!   
Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten und das damit verbundene womögliche Aus von TTIP ist unserer Beitragsserie unverhofft dazwischengekommen. Momentan ist kein weiterer Beitrag zu TTIP geplant, sollte das geplante Handelsabkommen aber nochmals neuen Schwung bekommen, werden wir davon hier exklusiv für dich berichten. Bis dahin verbleiben wir auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

Weitere Artikel im Rahmen des TTIP-Spezials:

TTIP – Wo liegt das Problem?
TTIP: Das Ende unserer Landwirtschaft

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Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2016/04/22/13/02/ttip-1345714_960_720.jpghttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/9b/Republicanlogo.svg/600px-Republicanlogo.svg.png (17.12.2016, 23:03) – Logo Ortstafel TTIP Vs. Demokratie (Abänderung auf „Trump mit Elefant der Republikaner Vs. TTIP“ und Farbänderung mit Photoshop)


https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/48/2016-04-23_Anti-TTIP-Demonstration_in_Hannover%2C_%2810028%29.jpg/800px-2016-04-23_Anti-TTIP-Demonstration_in_Hannover%2C_%2810028%29.jpg (17.12.2016, 23:10) – Mann hält Schild mit „Yes We Can – Stop TTIP“. Bild wurde von Bernd Schwabe aufgenommen.
https://www.flickr.com/photos/16216900@N00/174045778 (17.12.2016, 23:15) – Mauer zwischen Mexiko und den USA. Bild wurde von EdmontMeinfelder aufgenommen.
https://www.flickr.com/photos/gageskidmore/8566717881 (17.12.2016, 23:18) – Donald Trump während der „Concervative Political Action Conference 2013“. Rechte obliegen Gage Skidmore.

 

Die unendliche Katastrophe von Bhopal

Wir schreiben die Nacht zum 3. Dezember 1984: In der Chemiefabrik der Union Carbide im indischen Bhopal kommt es aufgrund technischer Mängel infolge massiver Kosteneinsparungen zur größten Chemiekatastrophe aller Zeiten. Binnen zwei Stunden breitete sich über die Millionenstadt eine Decke aus Giftgas aus, die innerhalb der ersten 48 Stunden Tausende Todesopfer fordert. Der Chemiekonzern hat sich anschließend aus der Verantwortung zurückgezogen und hinterließ Krankheit und Elend in der Bevölkerung.
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Bhopal, die Hauptstadt des indischen Bundesstaats Madhya Pradesh war ein idealer Produktionsstandort für das indische Tochterunternehmen der amerikanischen Pestizidfabrik Union Carbide: Umweltstandards waren kaum vorhanden, Arbeiter als Tagelöhner gab es genug in den benachbarten Slums und staatliche Sicherheitsstandards galten im internationalen Vergleich als besonders niedrig. P. M. Butsch, einstiger Stadtplaner von Bhopal legte fest, dass giftige Industrien weit nordöstlich der Stadt zu platzieren seien, um Bewohner im Stadtzentrum im Falle eines Unfalls zu schützen. Das zuständige Management hatte enge verwandtschaftliche und freundschaftliche Kontakte zur Regierung und überging aus wirtschaftlichem Interesse seinen Ratschlag. P. M. Butsch wurde daraufhin strafversetzt und die Union Carbide durfte in der Stadt bauen. 1969 wurde die Produktion auf einem rund 35 Hektar großen Gelände, nur unweit der Bahnstrecke und den angrenzenden Slums errichtet.

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Ab 1977 hatte der Konzern nur etwa 2.500 Tonnen des Schädlingsbekämpfungsmittels Sevin produziert, obwohl die Anlage für eine Produktion von bis zu 5.000 Tonnen ausgelegt war. Da die Nachfrage in Indien Anfang der 80er Jahre stark rückläufig war, versuchte man über Kostensenkungen die Anlage weiterhin rentabel zu betreiben. Längere Wartungsintervalle, die Verwendung billiger Ersatzteile (Stahl statt Aluminium), Einsparung im Personalbereich, indem sukzessive Fachleute durch Hilfsarbeiter ersetzt wurden und zuletzt die Entsorgung der giftigen Chemikalien in Mulden der unmittelbaren Umgebung sorgten dazu, dass das Grundwasser stark mit krebserregenden Giftstoffen angereichert wurde und es zu mehreren gravierenden Zwischenfällen mit Verletzten und sogar Toten kam. Sogar eine Schließung der Fabrik wurde in Erwägung gezogen.

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1984 geschah das Undenkbare: Kurz nach Mitternacht des 3. Dezember entdeckte ein Kontrolleur ein Gasleck in einer der Anlagen und meldete dies der Leitstelle. Das Leck, das sich im Bereich mit den gefährlichsten Chemikalien der Anlage befand, wurde umgehend untersucht. Neben Phosgen, das im 1. Weltkrieg als chemische Waffe zum Einsatz kam, lagerte dort in riesigen unterirdischen Tanks der Pestizidbestandteil MIC. Aus einen der Rohre trat Gas aus, aber kleine Lecks und Störungen in der 15 Jahre alten Anlage gehörten mittlerweile zum Alltag. Da auch die Messinstrumente keine besorgniserregenden Druckänderungen in den Tanks anzeigten, kehrte man wieder unverrichteter Arbeit zurück zum Kontrollraum. Innerhalb weniger Minuten erfolgte ein zweiter Anruf. Die Überprüfung der Messinstrumente zeigte, dass der Druck in einem der MIC-Tanks innerhalb kurzer Zeit ins unermessliche gestiegen war. Um 20 Minuten nach Mitternacht eilten Arbeiter in den Lagerbereich, um den Grund für den plötzlichen Druckanstieg zu eruieren. Doch da war es bereits zu spät: Durch eine chemische Reaktion des MICs mit in den Tank eingedrungenem Wasser, ging das Flüssiggas in den gasförmigen Aggregatzustand über, erhitze sich und dehnte sich schlagartig aus. Der dicke Betonmantel um den Tank begann stark zu vibrieren und bekam Risse, bis das Sicherheitsventil dem Druck nachgab und das Gas unkontrolliert in das Röhrensystem der Anlage strömte.

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Zehn Minuten später läutete man die ersten Notfallmaßnahmen ein: Ein Gaswäscher sollte das austretende Gas neutralisieren. Aber infolge massiver Kosteneinsparungen war dieser seit einiger Zeit ausgeschalten und somit funktionsunfähig. Da MIC leicht entzündlich ist, sollte das Gas an einem weiteren Sicherheitssystem, einer Gasfackel vorbeiströmen. Da nur wenige Tage vor dem Unglück infolge von notwendig gewordenen Reparaturarbeiten ein rostiges Rohr ausgebaut wurde und seither nicht ersetzt worden war, strömte das Gas auch daran ungehindert vorbei und entwich in den Nachthimmel Bhopals. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit, um die Bevölkerung Bhopals vor dem Gifttod zu bewahren: Mit Wasser das austretende Gas binden, bevor es die angrenzenden Wohnviertel der Metropole erreicht. Doch auch das allerletzte Sicherheitssystem konnte das Unglück nicht mehr abwenden. Da der Wasserstrahl der Sprinkleranlagen um den Auslass zu schwach war und somit das ausströmende Gas am oberen Schlotende nicht erreichte, traten 25-40 Tonnen MIC unter hohem Druck ungehindert in die Atmosphäre und legten sich wegen der höheren Masse als Luft wie ein todbringendes Tuch über die schlafende Stadt.

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Direkt neben der Fabrik der Union Carbide lagen bereits die ersten Wohnhäuser der 500.000 Einwohner zählenden Stadt, die infolge eines Südwestwindes als Erstes vom tödlichen Nebel erfasst wurden. Hustend und nach Luft ringend erwachten die Bewohner. Panik machte sich breit. Groß und Klein, Jung und Alt strömten in alle Richtungen der Stadt, um das nächstgelegene Krankenhaus zu erreichen. Die Menschen erbrachen, husteten oder kollabierten und viele starben noch auf der Straße. Hinzu kam, dass es durch die Einsparungen der vergangenen Jahre keinen Katastrophenschutzplan gab und somit viele Menschen in ihrer Unwissenheit direkt in die hochverdichtete weiße Gaswolke liefen. Die Ärzte in den anliegenden Krankenhäusern waren mit der Situation und dem plötzlichen Ansturm von derart vielen Patienten völlig überfordert. Dazu fehlten genauere Informationen, um welche Art von Gas es sich handelte und wie den Opfern geholfen werden kann. Innerhalb von nur zwei Stunden breitete sich das MIC auf einer Fläche von 65 eng besiedelten Quadratkilometern aus. In der Stadt herrschten apokalyptische Zustände.

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Was ist MIC? MIC steht für Methylisocyanat und ist eine stark reaktive chemische Verbindung. Diese flüchtige und farblose Flüssigkeit weist in hoher Konzentration einen stechenden Geruch auf und ist stark tränenerregend. Es ist ab einer Temperatur von -7 °C leicht entflammbar und geht ab einer Temperatur von 38 °C in den gasförmigen Zustand über. Da MIC schwerer als Luft ist, legte es sich wie ein Leichentuch über die schlafende Stadt und tötete vorrangig Personen, die sich in Bodennähe aufhielten. Methylisocyanat verursacht schwere Verätzungen der Schleimhäute, Augen und Lungen. Darüber hinaus wurde in Bhopal überraschenderweise festgestellt, dass besonders viele Opfer starke Verätzungen der inneren Organe aufwiesen. MIC reagierte mit dem körpereigenen Wasser der Opfer und drückte Blut in die Lungenbläschen. Viele ertranken qualvoll an den eigenen Körperflüssigkeiten.

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Am Tag nach dem Unglück verflüchtigte sich das Gas über der Stadt und das ganze Ausmaß des Unglücks wurde sichtbar: In der Nacht vom zweiten auf den dritten Dezember 1984 starben vermutlich mehr als 3.000 Personen am ausströmenden MIC und mehr als 300.000 erleiden qualvolle Schmerzen. Noch am selben Tag beauftragte die indische Regierung die Sicherung des Fabrikgeländes und die Frage zu klären, ob womöglich noch weiteres Gas ausströmen könnte. Es bewahrheitete sich die schlimmste Befürchtung! Da aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln die Produktion zeitweise eingestellt wurde und sich der Betrieb der Anlage auf Erhaltungsarbeiten beschränkte, lagerten in den unterirdischen Tanks noch riesige Mengen an unaufbereitetem MIC. Im Unglückstank Nr. 610 lag der Füllstand zuvor bei 75 %, obwohl die empfohlene Menge lediglich 50 % beträgt. Insgesamt verdampften in der Unglücksnacht mehr als 40 Tonnen MIC! Doch der Schrecken war noch nicht vorbei: Im Tank Nr. 611 lagerten weitere 30-35 Tonnen des tödlichen Gases!

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Die Frage war: Wenn Gas aus dem Tank Nr. 610 entwich, kann das auch bei dem anderen Tank passieren? Um jegliche Gefahr auszuschließen, entwickelten die Ingenieure einen mutigen wie auch riskanten Plan. Die Idee sah vor, die Produktion in der Fabrik wieder zu starten und das verbliebene MIC innerhalb weniger Tage zu verarbeiten. Dabei konnte selbst nach ihrer Einschätzung ein neuerliches Unglück nicht ausgeschlossen werden. Manche Experten erachteten ein zweites Bhopal sogar als sehr wahrscheinlich. Die Bewohner Bhopals empfanden diesen Plan, nur wenige Tage nach dem Unglück als ungeheuerliches Vorhaben und verließen daraufhin fluchtartig die Stadt. Selbst die Kranken zogen die Flucht dem Risiko vor, sofern sie nicht bettlägerig waren. Mit meterhohen feuchten Stoffbahnen versuchte man die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, und eventuell austretendes Gas innerhalb der Anlage zu halten. Die Stadt war zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wie ausgestorben und die wenigen Verbliebenden auf das Schlimmste vorbereitet. Es dauerte lange sieben Tage, bis das gesamte MIC zu Sevin verarbeitet werden konnte und die Bewohner in die Stadt zurückkehrten. Eine weitere Katastrophe konnte zum Glück abgewendet werden.

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Bereits wenige Tage nach dem Unglück entschloss sich Warren Anderson, der Vorstandsvorsitzende des US-amerikanischen Chemiekonzerns Union Carbide selbst nach Bhopal zu fliegen. Als die dortigen Behörden erfuhren, dass er die Verantwortung für die Fabrik trägt, ließ man ihn noch am Flughafen festnehmen – zumindest offiziell und medienwirksam. Tatsächlich brachte man ihn zum Union Carbide Gästehaus, das damals eines der schönsten Häuser Bhopals war, und ließ ihn bereits wenige Stunden später gegen eine Kaution von lediglich 18.000 Dollar frei. Noch am selben Tag trat er die Rückreise an. Viele indische Journalisten sahen darin eine Inszenierung der Regierung. Warren Anderson lebte bis zu seinem Tod im Jahre 2014 auf Long Island bei New York (USA) und wurde nie für die Katastrophe zur Verantwortung gezogen. Viele der Opfer sehen in ihm bis zum heutigen Tag einen Massenmörder, der für den Profit leichtfertig Zehntausende Todesopfer in Kauf nahm.

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Viele der Opfer wurden nach einem vergleichbar kurzen Krankenhausaufenthalt wieder entlassen. Meist lautete die Diagnose in den Krankenakten „Pneumonitis“ – Lungenentzündung. In Klammern wurde dann noch „dem Gas ausgesetzt“ beigefügt. Am Ende des Dokuments wurde das Wort „Improved“ angefügt.  Diese „Gebesserten“ fühlten sich oftmals zu schwach, um eigenständig vom Krankenhaus zurück nach Hause zu gehen! Hatten sie den Rückweg doch geschafft, konnten sie sich oft vor Schmerzen die nächsten drei Tage nicht mehr vom Bett erheben. Wirksame Medikamente für eine adäquate Nachbehandlung wurden nur selten oder in unzureichenden Mengen mitgegeben. Für die Behörden erhöhte jeder weitere akzeptierte Langzeitpatient den Druck, das Ausmaß der Krankheiten öffentlich zugeben zu müssen. Um die Auswirkungen vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu verbergen, wurde nur wenige Tage nach dem Unglück die Meldung, 1.064 Personen seien aufgrund des ausgetretenen MIC erblindet, dementiert. Der Regierung von Madhja Pradesh zufolge handelte es sich in all diesen Fällen nur um „vorübergehende Sehverluste“, aber keinesfalls um langfristige Schäden. Auch der Leiter des staatlichen Hamidia-Hospitals, Professor N. R. Bhandari konnte sich die vielen Haut-, Magen-, Leber- und Milzschmerzen nicht erklären. Der Chef des Krankenhauses, in dem mehr als 80.000 Gasopfer behandelt wurden, meinte: „Die Armen schieben alles aufs Gas!“

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Welches skandalöse Verhalten die Behörden von Bhopal an den Tag legten und wie gering die gesicherten Fakten selbst nach mehr als 30 Jahren sind, zeigte sich im Fall eines Medikaments mit Natriumthiosulfat. Dieses Mittel wurde damals kurz nach dem Unglück von Bhopal von US-Experten der Union Carbide als wirksames Behandlungsmittel gegen die Krankheitssymptome empfohlen. Da sich die Firmenleitung in Bhopal zum damaligen Zeitpunkt mit der US-Führung geeinigt hatte, dass es sich beim ausgetretenen Gas um MIC handelte, machte die Empfehlung keinen Sinn mehr, da das Mittel bei Vergiftungen mit Cyanid, einer tödlichen Blausäure eingesetzt wird. Ein interessanter Fakt, da erste Untersuchungen zeigten, dass beim Unglück womöglich auch Cyanid eine Rolle spielte und sich im Körper infolge des Kontakts, etwa mit Schwefel, zu einem Giftcocktail verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine erste Sendung des Medikaments nach Bhopal unterwegs, die anschließend verschwand. Jüngere Ärzte glauben auch zu wissen wie: Sie vermuten, dass das Behandlungsmittel vorrangig an Minister und die elitäre Bevölkerung verteilt wurde.

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 Besonders die Slums, in denen sich die Armenhäuser wie an einer Perlenkette aneinanderreihen, eingepfercht zwischen den Werksmauern der Union Carbide und dem Bahndamm, traf es am schnellsten und schwersten. Dort hausen die ärmsten der Armen, vorwiegend Moslems, Personen der niedrigsten Kaste und die keiner Kaste zugeordneten Unberührbaren, denen man höchstens das Leben im Dreck und den Fäkalien zugesteht. Ein Job in der Düngemittelfabrik galt für viele als hohes Gut, oftmals die einzige Möglichkeit die Familie mit dem Nötigsten zu versorgen und den Kindern eine Zukunft außerhalb der Slums zu ermöglichen. Ihnen blieben die zahlreichen Missstände, die sich selbst im toxischen Trinkwasser vor der eigenen Armenhütte zeigten, nicht verborgen. Viele wussten über die zahlreichen Mängel der Fabrik und befürchteten schon seit längerer Zeit einen chemischen Super-GAU.

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Während Warren Anderson bis zuletzt auf die These beharrte, ein unzufriedener Mitarbeiter hätte die Anlage sabotiert und somit absichtlich das Wasser dem hochreaktiven MIC zugeführt, gingen unabhängige Experten davon aus, dass das Unglück auf von Menschen herbeigeführte technische Fehler zurückzuführen sei. Einer unabhängigen Expertenkommission wurde weder vonseiten der indischen Regierung ein Arbeitsvisum erteilt, noch von Union Carbide der Zutritt zum Werksgelände erlaubt. Somit konnte das Unglück bis heute nicht restlos aufgeklärt werden. Aufzeichnungen und Befragungen von in der Unglücksnacht tätigen Arbeitern legen die Vermutung nahe, dass in der Nacht während einer Leitungsspülung einer chemischen Aufbereitungsanlage unbemerkt größere Mengen Wasser mit MIC in Verbindung kam. Dieses begann anschließend mit explosiver Kraft zu kochen und wechselte infolge eines Temperaturanstiegs in den gasförmigen Aggregatzustand. Eigentlich hätte Wasser niemals mit dem gefährlichen MIC in Verbindung kommen dürfen, da im Normalfall die Wasser und MIC-Leitung voneinander getrennt zu führen sind. Um dennoch bei einer Zweifachnutzung der Leitungen ein solches Unglück zu verhindern, hätte zwischen den Rohren eine einfache Steckscheibe wie hier im Bild, genügt. Doch diese fehlte in der besagten Nacht. Da einfachste Sicherheitsmechanismen entweder fehlten oder abgeschalten waren, blieb dieser chemische Vorgang bis zum kritischen Punkt unbemerkt. Aber selbst die Frage, ob es sich bei dem ausgetretenen Gas „nur“ um MIC handelte, oder womöglich auch andere chemische Verbindungen im Spiel waren, konnte bis heute nicht gänzlich bewiesen werden.

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Schon kurz nach dem Unglück begann das Feilschen um die Opferzahlen und somit die Registrierung der Verletzten und Toten. Die Landesregierung des Staates Madhja Pradesh gab zunächst die Opferzahl mit 1.400 an, eine Zahl über die sich selbst die Zentralregierung wunderte und ihrerseits die Zahl von 2.500 bereits kurz nach der Todesnacht nicht mehr dementierte. Heute gehen Schätzungen unabhängiger Experten von 5.000 bis 10.000 Opfer aus, die unmittelbar oder innerhalb weniger Tage zu Tode kamen. Viele Personen flohen damals in Panik und bereits schwer gezeichnet in andere Städte und verstarben dort oder wurden auf Ladeflächen von Lastfahrzeugen geladen und in anonyme Massengräber beerdigt. Da die Beweislage oftmals unzureichend ist, es keinen Totenschein gibt, die Bestätigung eines Leichenschauhauses fehlte oder Opfer aus anderen Gründen nicht anerkannt wurden, blieb vielen jegliche Entschädigungszahlung verwehrt.

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Erst fünf Jahre nach der Katastrophe stimmte die Union Carbide America einer Entschädigungszahlung in der Höhe von 470 Millionen Dollar zu. Das entspricht etwa 500 Dollar für jeden Verletzten und 1.100 Dollar für jedes Todesopfer. In Anbetracht eines erwirtschafteten Jahresumsatz von etwa neun Milliarden Dollar kam damit der Konzern sehr glimpflich davon, zumal ein Passus die Forderung zukünftiger Entschädigungszahlungen im Vorhinein ausschließt. Im Jahre 2010 wurden ehemalige Manager der indischen Tochterfirma Union Carbide wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von lediglich je 2.000 Dollar verurteilt.

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Selbst mehr als 30 Jahre nach dem Unglück scheint die Stadt Bhopal nicht wieder zum gewohnten Leben zurückgefunden zu haben. Zu groß sind Not, Angst und Krankheit. Die Fehlgeburtenrate ist um einiges höher als im indischen Durchschnitt und besonders viele Kinder kommen mit Fehlbildungen zur Welt: Ohne Beine, ohne Hände, ohne Augen, … die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. In den Jahren nach dem Unglück, starben nach Schätzungen der indischen Regierung weitere 15.000-25.000 Menschen an den Folgen des ausgetretenen Gases und mehr als 150.000 leiden bis heute an massiven Gesundheitsschäden. Die Beschwerden umfassen Erblindung, Atembeschwerden, Krebserkrankungen, Hirnschädigungen und schwere Organschäden sowie Missbildungen bei Neugeborenen. Selbst mehr als 30 Jahre danach stirbt jede Woche zumindest eine Person an den Spätfolgen des größten Chemieunfalls der Geschichte. Zuvor gesunde Männer, die tagtäglich in der Fabrik Schwerarbeit verrichteten, waren bereits kurz nach der Katastrophe zu schwach, um beispielsweise ein Fahrrad über einen kleinen Hang zu schieben. Nicht wenige sehen in den Toten des dritten Dezembers die Glückseligen, die Überlebenden als die wahren Opfer.

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2001 wurde die Union Carbide vom US-amerikanischen Chemieriesen DOW übernommen. Geändert hat sich seither nichts! Trotz zahlreicher Versprechen, die Umgebung von den hochgiftigen Altlasten zu befreien, rostet die Anlage weiterhin vor sich hin und sickern ungehindert Unmengen an austretende Chemikalien ins Grundwasser. Einer Studie des indischen Instituts für toxische Studien bestätigte, dass sich weiterhin rund 8.000 Tonnen Giftmüll auf dem ehemaligen Gelände der Union Carbide befinden. Obwohl einer Schweizer Expertenkommission zufolge die Reinigung und der Rückbau des gesamten Areals lediglich rund 30 Millionen Euro kosten würde und sich die indische Regierung vor Jahren bereit erklärte die Sache selbst in die Hand zu nehmen, hat sich bis heute am Status quo nichts geändert.

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Viele der Opfer sehen in den täglichen Qualen nur noch einen Antrieb: Die Verantwortlichen des Unglücks zur Rechenschaft zu ziehen. Teilerfolge gibt es sogar zu verbuchen, wenn auch die Ziele über die Jahre bescheidener wurden. So gibt es seit 2014 einmal alle zwei Tage für eine halbe Stunde Zugang zu sauberem Trinkwasser in den Slums. Mittlerweile fordert die Zentralregierung von Delhi unter dem Druck von Menschenrechtsaktivisten, zusätzliche 1,2 Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen von den USA. Dieser Rechtsstreit wird vermutlich noch Jahre dauern – Ausgang ungewiss.

Erst vor wenigen Wochen erlebten wir in Deutschland die Gefahr, die von großen Chemiekonzernen ausgeht, als drei Arbeiter bei BASF infolge einer Explosion starben. Wie realistisch ist nun die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Bhopals und wie können wir uns im Ernstfall schützen? Was können wir (Deutschland) aus 1984 lernen und besser machen? Nach der Bhopal-Katastrophe gab es kaum Unterstützung für die vielen Opfer und die Fabrikruinen sind selbst 30 Jahre nach dem Unglück noch tickende Zeitbomben: Welche Chancen siehst du für die Zukunft der Opfer und deren Nachfahren? Wie und was hätte Union Carbide, DOW und die Behörden anders machen sollen bzw. was würde bei einer Katastrophe dieser Größenordnung in Deutschland anders/besser ablaufen? Sind wir überhaupt darauf vorbereitet, oder sind die Anlagen heutzutage sicher genug, dass ein Unglück dieser Größenordnung auszuschließen sei? Deine Meinung – wie immer ab in die Kommentare!


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Weiterführende Links:
Srf: Artikel, Fotostrecke und Video-Clips zum Unglück von 1984. (05.11.2016, 07:52) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zum Unglück von Bhopal. (05.11.2016, 07:53) – Deutsch
Spiegel-Online: Fotostrecke zum Bhopal Unglück. (05.11.2016, 07:54) – Deutsch
The Toronto Star: Ausführlicher Artikel zu den Hintergründen und Ursachen der Katastrophe und dem Leben der Bewohner. Inklusive beeindruckender 360° Aufnahmen aus den Fabrikruinen. (05.11.2016, 07:56) – Englisch
India Environmental Portal.org: Eigene Seite mit (fast) allen Infos zum Unglück vor und nach 1984. Inklusiver Berichte der Opfer und erklärender Grafiken. (05.11.2016, 07:59) – Englisch
Spiegel-Online: Bericht zum Bhopal-Unglück aus dem Jahre 1985. Mit dem Stand der Ermittlungen und Mutmaßungen von damals. (05.11.2016, 08:01) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0014.jpg (05.11.2016, 00:09) – Erblindeter Mann infolge des Gasunglücks von Bhopal. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen.

 

http://www.indiaenvironmentportal.org.in/media/iep/infographics/Bhopal%20Gas%20Disaster/images/hot_spot.jpg (05.11.2016, 00:11) – Karte der Fabrikanlage von union Carbide; Kartenmaterial stammt von Google.maps (Bearbeitung beider Karten mit Photoshop).
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14705037464/in/album-72157645812162402/ (05.11.2016, 00:16) – Safety First – Warnung in der Pestizidfabrik von Bhopal (Bildgröße in Photoshop angepasst).
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14119398488/in/photolist-nvFBfY-nN1x89-nvHu7V-nNd2Ea-nLcJTC-7tKnXA-aKJLFF-7tDY3z-aKJnUz-632CHE-fuZ8Da-62XoVX-632EK5-7tFqvk-632FGs-7tDYgZ-aKJnkX-7tKobh-65A2Ty-7tHVME-7tFqLt-7tDYmD-FDiJMZ-65A5P5-7tKo2Y-62Xks2-cRjKTE-fuZ8Cz-65vAJ2-62XqS8-7tFqfi-5SEbhX-7tDYbF-7tDYek-632Cps-65A6Eo-7tKo7s-7tDYsz-7tFqEZ-7tFq88-kL4oWx-qSCSHH-nN9A7b-nvGMpp-kMQgZS-nvFp6M-nvJVWb-rPqRtz-nvJWz5-DyM37 (05.11.2016, 00:18) – Union Carbide Fabrik in Bhopal im Jahre 1985 (Bildgröße in Photoshop angepasst).
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/83d1693652.gif (05.11.2016, 00:20) – Grafik der Sicherheitssysteme, die das Unglück 1984 hätten verhindern können (Bildgröße in Photoshop angepasst). Vielen Dank an Bhopal.org!
Bild von Bhopal.org mit Erlaubnis zur Verfügung gestellt (05.11.2016, 00:27) – Mehrere Schwerverletzte in weiße Tücher gewickelt. (Bildgröße in Photoshop angepasst) Vielen Dank an Bhopal.org
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0014.jpg (05.11.2016, 00:30) – Erblindeter Mann infolge des Gasunglücks von Bhopal. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a2/Bhopal_Plant_7.JPG (05.11.2016, 00:33) – Tank Nr. 610. Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0 (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/dalbera/16944288732/in/photolist-rPiUHb-DyLUn-62Xsaz-DyLWB-DyLw9-7tDY52-632C4f-nN7WzE-632zTN-DyLsV-62XpGz-DyLe7-65zTxu-DyLk6-62XsEx-DyLHG-7tKnUf-7tHVYo-632yUL-DyLhf-7tFqGv-632Dxf-632yAA-DyLMP-aKJmQz-nvHABS-nN9BWd-nN3sso-nvFBfY-nN1x89-nvHu7V-nNd2Ea-nLcJTC-5SEbhX-7tKnXA-DyLRL-aKJLFF-7tDY3z-aKJnUz-sjPpug-632CHE-fuZ8Da-62XoVX-632EK5-DyLQq-7tFqvk-632FGs-DyLyY-DyLbM-7tDYgZ (05.11.2016, 00:39) – Mann vor seiner Hütte in einem Slum von Bhopal. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Bhopal_Gas_Warren_Anderson.jpg (05.11.2016, 00:41) – Warren Anderson vor einer Gruppe protestierender Inder. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://ndsharma.files.wordpress.com/2011/12/bhopalgas11.jpg (05.11.2016, 00:43) – Blinder Mann mit Kinder. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0007.jpg (05.11.2016, 00:45) – Opfer des Bhopal-Unglücks auf der Straße sitzend. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14305405224/in/photolist-nN7WzE-DyLsV-DyLe7-DyLk6-DyLHG-rPiUHb-DyLhf-DyLMP-62Xsaz-7tDY52-632C4f-632zTN-62XpGz-65zTxu-62XsEx-7tKnUf-7tHVYo-632yUL-7tFqGv-632Dxf-632yAA-aKJmQz-DyLRL-DyLQq-DyLyY-DyLbM-nvHABS-nN9BWd-nN3sso-nvFBfY-nN1x89-nvHu7V-nNd2Ea-nLcJTC-5SEbhX-7tKnXA-aKJLFF-7tDY3z-aKJnUz-sjPpug-632CHE-fuZ8Da-62XoVX-632EK5-7tFqvk-632FGs-7tDYgZ-7L1b2L-aKJnkX-7tKobh (05.11.2016, 00:48) – Alltagsszene aus einem Slum Bhopals. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.youtube.com/watch?v=7B4BiFeBKuQ (05.11.2016, 00:51) – Fehlende „Steckscheibe“: Abbildung aus der Dokumentation „51 – Sekunden vor dem Unglück – Der Chemie-Supergau von Bhopal.“ (Bildgröße in Photoshop angepasst)
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0009.jpg (05.11.2016, 00:55) – Opfer des Gasunglücks werden abtransportiert. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/dalbera/16325581883/in/photolist-qSCSHH-7tFqBe-7hRyLA-7tDYwg-nN9A7b-nvGMpp-7hMBEg-7tFqjp-nvFp6M-7tDYBM-7tDYzZ-65vFCv-nvJVWb-65vLkX-rPqRtz-65A5nq-7tDY78-nvJWz5-7tKodf-632BFE-65A7cs-7tHVJ1-8TxDMQ-65vCqx-9QA9Au-65zXnq-65vRVB-dTSiZP-DyM37-65vDxK-4RmM5C-65A3v3-62XmUa-65A2uW-7hMBCz-65vPZc-65vNSR-65vMrt-65zZgq-65A6Wh-65vG6i-boppu4-7tDYqt-kMQgZS-7tHVrW-65A7Xd-4RmMLA-dpsDm9-4RmM2G-65A8LL (05.11.2016, 00:57) – Graffiti auf der Fabriksmauer von Union Carbide / DOW. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bhopal_plant?uselang=de#/media/File:Bhopal_Plant_5.JPG (05.11.2016, 01:00) – Verlassenes Fabriksgelände von Bhopal. Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0 (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bhopal_Plant_1.JPG?uselang=de (05.11.2016, 06:59) – Chemikalien im Labor der verlassenen Fabrik in Bhopal. Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0 (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14120158967/in/photolist-nvKvjF-nNb7b7-nN14fW-nL89BE-bctxFM-bcty4R-bctzn2-bctAUH-b49q8p-b49pzp-bctyDP-b49par-bctzDP-bctADz-b49oYK-bctyxD-bctyZt-b49pRD-bctyhZ-bctycF-khHwWn-mZpUF-4C3Kon-6qruBT-95FmHf-fwugza-ynSjzh-cSQuA9-bctAk4-bctA7a-bctzee-bctzKg-bctA2p-bctz5H-vxnjy4-vfm3AJ-vfpFhL-vuFKKy-vfpU7b-dc2KVr-hKBoVD-nPWY74-nMZEZd-nMSXza-8L6DEc-nL7NS9-8qrNDT-nNecji-2PhBQ8-zuiSSu (05.11.2016, 07:02) – Frühe Proteste in Bhopal gegen Union Carbide USA. (Bildgröße in Photoshop angepasst)

 

TTIP: Das Ende unserer Landwirtschaft

ttip_landwirtschaftEuropas Landwirtschaft steckt in der Krise! Die Milchpreise sind im Keller und kleinere unrentable Bergbauernbetriebe müssen dem großen Konkurrenzdruck nachgeben und schließen. Darüber hinaus sorgen EU-Sanktionen gegen Russland für große Absatzschwierigkeiten. Das könnte aber erst der Anfang vom Ende bedeuten: Sollten tatsächlich derzeit gültige Standards der Agrar- und Landwirtschaftsindustrie auf beiden Seiten des Atlantiks infolge von TTIP angeglichen werden, droht ganzen Produktionszweigen der Landwirtschaft das Aus. Die irreversiblen Folgen von TTIP trifft die Landwirtschaft, die Lebensmittelerzeugung, den Lebensmittelhandel und schlussendlich die Konsumenten selbst.

Geht es nach einer Studie von „UnternehmensGrün„, einem Verband der grünen Wirtschaft, kann niemand auch nur annähernd so günstig produzieren wie die USA. Die Gründe liegen an den niedrigen Grenzwerten bei chemischen Rückständen, den größeren Anbauflächen und dem verbreiteten Einsatz von Gentechnik. Diesem Konkurrenzdruck wären Kleinbauern nicht gewachsen und würde eine weitere Industrialisierung der europäischen Landwirtschaft zur Folge haben. Die EU plane zwar tierische Nahrungsprodukte, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert wurden zu kennzeichnen, aber dies verstoße nach Abschluss von TTIP gegen die Regeln des freien Wettbewerbs und würde von US-Seite Klagen in Milliardenhöhe gegen die EU-Agrarwirtschaft mit sich bringen.
So hat der US-Landwirtschaftsminister erst kürzlich einen genveränderten Apfel zugelassen, der mehr oder weniger nie verrottet und dessen Apfelspalten nie braun werden können. Trotz aller praktischen Vorteile sollte sich jeder ernsthaft fragen, ob man dieses und ähnliche Angebote auch hierzulande im Supermarkt haben möchte.

Die Befürworter beschwichtigen und preisen den sogenannten Investorenschutz als Win-Win Klausel an. Gegner dagegen sehen in dieser Paralleljustiz die existenzielle Gefahr für Klein- und Mittelbetriebe. Mario Ohoven, Präsident des Mittelstandverbandes schätzt, dass eine Klage vor dem Schiedsgericht im Mittel eine Summe von sechs Millionen Euro verschlingt. Eine Summe, die Großkonzerne vor keine Probleme stellt, aber das Gros an Klein- und Mittelbetriebe sich schlicht und einfach nicht leisten kann. Zudem spezialisierten sich mittlerweile internationale Großkanzleien auf diese Verfahren, um Unternehmen gezielt Möglichkeiten einer Klage aufzuzeigen. Obwohl es bereits jetzt über 1.400 sogenannte bilaterale Investitionsverträge zwischen einzelnen EU-Ländern, sowie neun Abkommen zwischen Mitgliedsstaaten und den USA gibt, sind sie erst durch die mögliche Aufnahme geheimer Schiedsgerichtsverfahren in TTIP in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Mithilfe der umstrittenen Schiedsgerichte könnten selbst schon geltende Verbote wieder rückgängig gemacht werden und mit einem Schlag im Zeitraum von mehreren Jahrzehnten mühsam erkämpfte Erfolge im Natur- und Umweltschutz zu Nichte machen.

„Europas Landwirte sind nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten unterlegen (…) für Teile der Landwirtschaft bedeutet das fast automatisch der Niedergang.“

– Studie von „UnternehmensGrün“

Die Studie von „UnternehmensGrün“ beruft sich auf eigene Analysen sowie Befragungen von kleinen und mittleren Betrieben. Das Fazit: TTIP in der jetzigen Fassung würde lediglich die großen Konzerne der Agrar- und Lebensmittelindustrie stärken. Durch Niederlassungen in beinahe allen Erdteilen der Welt haben sie ohnehin schon so gut wie alle Handelsbarrieren für sich überwunden und auch ohne zusätzliche Handelsabkommen gelangen mehr als die Hälfte aller US-Exportgüter nach Europa. Die restlichen 99% der kleineren Unternehmen werden in den Annahmen der EU-Kommission komplett ausgespart, kritisieren die Autoren der Studie. Aber auch in den USA würde TTIP das mögliche Szenario des Niederganges von Kleinst-und Mittelbetrieben um ein Stück näher bringen, weil TTIP die Bevorzugung regionaler Waren als Handelshemmnis ansieht und somit diese in Konkurrenz mit Großkonzernen in Bezug auf Menge und Preis treten müssten.

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Ist das die Zukunft der europäischen Landwirtschaft? In den USA werden in 1 x 1,5 Meilen großen Freiluftgehegen, den sogenannten „Feedlot“ pro Jahr bis zu 500.000 Bullen innerhalb von drei bis vier Monaten schlachtreif gemästet. Normalerweise brauchen diese Tiere auf Weiden drei Jahre um schlachtreif zu werden.

Derzeit beträgt das Volumen im Export von Agrarprodukten und Nahrungsmitteln in die USA etwa 15 Milliarden Euro und der Import lediglich acht Milliarden. Doch dies könnte sich infolge von TTIP ändern, sobald alle Zölle und insbesondere die nichttarifären Handelshemmnisse wegfallen. Der unbegrenzte Zugang zum europäischen Markt würde vor allem den US-Großkonzernen nutzen, die im Mittel eine Fläche von 169 Hektar bewirtschaften und somit um ein 14-Faches größer als die der europäische Produzenten ausfallen. Im Gegensatz zu US-Firmen, deren Ausrichtung bereits jetzt zu einem großen Teil auf den Export ausgerichtet ist, beliefern mittelgroße europäische Unternehmen erstrangig den heimischen, regionalen Markt. Das würde die großen Konzerne, die schon lange mittels Massentierhaltung und Fütterung mit gentechnikverändertem Futter zu Mächten am globalen Wirtschaftsmarkt zählen, noch zusätzlich stärken.

Die Macht der US-amerikanischen Großbauernbetriebe lässt sich nicht nur mit ihrer schieren Größe erklären, sondern auch mit den im Vergleich zu Europa niedrigen Verbraucher- und Produktionsstandards. Während in Europa eine strenge Kennzeichnungspflicht herrscht und der Anbau beziehungsweise Import von gentechnisch veränderten Pflanzen nur beschränkt erlaubt ist, liegt in den USA dieser Anteil für Mais und Soja bei beinahe 100%.
In den USA gelten gentechnisch veränderte Organismen (GVO) als gleichwertig. Sie wachsen schneller, sind resistenter gegen Schädlinge und letztendlich ertragreicher wie auch gewinnbringender. Um der europäischen Landwirtschaft gegen die Konkurrenz aus Übersee das Überleben zu sichern, müsste den Tieren zumindest Genfutter verabreicht werden. Damit wäre der Kampf gegen genmanipulierten Mais, wie er besonders stark in den österreichischen Medien vertreten ist, mit einem Schlag verloren.

Überdies hinaus würde TTIP den Anbau und Handel von Bioprodukten besonders hart treffen: Während in Mitteleuropa trotz zumeist höherer Preise immer mehr Menschen auf Lebensmittel aus regionalem und biologischem Anbau setzen, würde eine Aufhebung der Kennzeichnungspflicht genmanipulierter Lebensmittel einen ganzen Wirtschaftszweig zugrunde richten und der Endverbraucher hätte letztendlich nicht einmal die Möglichkeit diese Produkte bewusst zu meiden. Besonders umstrittene Großkonzerne wie Monsato (der erst kürzlich vom Chemieriesen Bayer übernommen wurde), aber auch die US-amerikanische Farmlobby wird in Zukunft darauf drängen, gentechnisch verändertes Saatgut und Lebensmittel auf den europäischen Markt zu bringen. Die großen Konzerne schaffen damit zwar neue und billige Arbeitsplätze, aber auf der Gegenseite wird die Konkurrenz aus dem Wettbewerb direkt in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Diese Einschätzung zeigt auch die Studie der Tufts University, die von einem branchenübergreifenden langfristigen Verlust von bis zu 600.000 Arbeitsplätzen in der Europäischen Union ausgeht, da für einen Jobwechsel in eine fremde Branche oftmals die dafür nötige Qualifikation fehle und diese, wenn überhaupt, nur noch schwer nachzuholen sei. Die zukünftige Vernichtung bereits besetzter Arbeitsplätze kann daher nicht unbedingt mit zukünftigen neuen offenen Stellen kompensiert werden.

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NAFTA hat es gezeigt: Die soziale Gerechtigkeit lässt sich mit einem Abkommen, dass den ohnehin schon reichen Großkonzernen weitere Sonderrechte einräumt, nicht erfüllen.

Versucht man den Argumentationen der TTIP-Befürworter zu folgen, treten auffallend viele Parallelen zum folgenschweren NAFTA-Abkommen von 1994 zutage. Auch damals wurden eine Erhöhung des Realeinkommens und die Schaffung neuer Arbeitsplätze versprochen, aber tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten. Diesen und anderen Gefahren sind zukünftig sowohl europäische Biobauern, wie auch Mitarbeiter in landwirtschaftlichen Kleinst- und Mittelbetrieben ausgesetzt. Hier ein paar Beispiele:

Um den Ertrag zu steigern, ist es in den USA gängige Praxis Tiere mit Wachstumshormonen zu füttern. Mehrere Studien in Europa sehen die „Zucht“ von lebenden Fleischbergen als sehr kritisch und nicht wenige befürchten dadurch schwerwiegende gesundheitliche Risiken für den Endverbraucher. Um den europäischen Markt beliefern zu können, fordern Vertreter der US-amerikanischen Fleischindustrie infolge von TTIP jegliche Handelshemmnisse zu beseitigen. Das bedeute einen herben Rückschlag für die in der europäischen Gesellschaft beachteten Tierschutzorganisationen und nicht zuletzt für unsere Lebensmittelsicherheit.
Um hohe europäische Standards zu lockern bedarf es keine neuen Abkommen. Erst kürzlich erlaubte die Europäische Kommission die Einfuhr von mit Milchsäure behandeltem Fleisch aus den USA. Den Hintergrund dieser Einigung bildeten der langjährige Streit und die letztendliche erfolgreiche WTO-Beschwerde der USA, das Verbot um die Einfuhr von mit Hormonbehandelten Rindfleisch aus den USA aufzuheben. Die EU hielt letztendlich am Verbot fest, obwohl die WTO befand, dass es gegen mehrere Vertragsbestimmungen verstieß. Das US-Landwirtschaftsministerium feierte diese Einigung als „großen Sieg der Nahrungsmittelverarbeitung„. Fleisch aus den USA, aber auch aus Europa darf fortan mit Milchsäure dekontaminiert werden und bedarf keiner Kennzeichnungspflicht. Somit werden bereits jetzt Schutzmechanismen nach und nach abgebaut. In einem weiteren Schritt wurde die Überprüfung von Schweinefleisch auf Krankheiten gelockert, zeitgleich mit den in den USA gemachten Vorschlägen, die Standards für Geflügelfleisch zu modifizieren. Dies beinhaltete die Reduzierung von staatlichen Fleischinspektoren und eine Geschwindigkeitsanhebung der Fließbänder in den Schlachtbetrieben von 140 auf 170 Hühner pro Minute.

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Kleinstbetriebe wie Tirols Bergbauern sichern nicht nur die Versorgung der Region, sondern tragen auch einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege bei.

Der Schaden für den Endverbraucher ist aber beileibe nicht nur auf den europäischen Kontinent zu suchen: Vehement setzen sich die europäischen Unterhändler dafür ein, das US-Verbot für Rinder, Rindfleischprodukte und Futtermittelprodukte, welche Wiederkäuerzutaten enthalten und für den Rinderwahn verantwortlich gemacht werden, aufzuheben. Eine Maßnahme, die auf den BSE-Ausbruch in Europa ergriffen wurde.

Besonders im deutschsprachigen Raum wurde erst vor wenigen Jahren der Ruf der Fleischindustrie infolge mehrerer Lebensmittelskandale hart zur Probe gestellt. Letztendlich sind es die straffen Kontrollen und Qualitätsmerkmale wie das AMA-Gütesiegel, das Vertrauen auf beiden Seiten gibt. Sollte tatsächlich der europäische Markt für Billigfleisch aus den USA geöffnet werden, würden heimische Produzenten auf dem teureren Fleisch sitzen bleiben und das Qualitätsmerkmal eines AMA-Gütesiegels vom Markt nach und nach verdrängt werden. Gesunde Lebensmittel werden immer einen gewissen Preis haben. Geiz ist nicht immer geil – besonders bei der eigenen Gesundheit!

Neben Qualitätsbezeichnungen würden auch bisher geschützte Herkunftsbezeichnungen zu Opfern des Freihandels werden. Sollte in der nächsten Zeit das CETA-Abkommen tatsächlich ratifiziert werden, würden von vormals 1450 geschützten Herkunftsbezeichnungen, nur noch 160 weiterhin Bestand haben. In Österreich von 15 sogar nur noch drei. Infolge von TTIP würde sich diese Zahl kaum verbessern. Das könnte bedeuten, dass zum Beispiel in Zukunft die Kerne für das hochgelobte steirische Kürbiskernöl nicht nur auf den traditionsreichen Anbauflächen Österreichs geerntet werden, sondern unter der gleichen Bezeichnung aus dem Mittleren Westen der USA importiert werden dürfen.

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Die gegenseitige Anerkennung von Standards ist auch in den USA ein großese Streitthema.

In den USA verlässt man sich schon lange nicht mehr auf die Gentechnik alleine, um Pflanzen gegen Schädlinge widerstandsfähiger zu machen. Die Rückstände der dabei verwendeten Pestizide dürfen in den USA bis zu 500-mal so hoch sein wie in der EU. Von den 1.349 in den USA erlaubten Chemikalien sind heute in der EU nur noch deren elf erlaubt. Um dennoch einen Export in den europäischen Wirtschaftsraum zu ermöglichen sieht der Anfang 2015 veröffentlichte Vertragsentwurf der EU-Kommission eine Erhöhung europäischer Grenzwerte vor. Das würde bedeuten, dass anstatt elf, alle ihrer 1.349 Chemikalien auch auf unseren Feldern versprüht werden dürfen, da ein Verbot dessen in der Logik des TTIP-Abkommens als Handelshemmnis verstanden wird und bekämpft werden muss. Man darf annehmen, dass Schädlinge dadurch noch robuster und schneller widerstandsfähig gegen die eingesetzten Gifte werden und die Industrie bald nach noch höheren Dosen verlangen wird. Die Rückstände der Giftcocktails werden infolge zunehmen und durch die Nahrungsaufnahme in den körpereigenen Verdauungskreislauf geschickt. Von der schwangeren Frau, dem Kleinkind bis zum Greis.

„Wenn die EU-Regelung (Verbot der Einfuhr von Nahrungsmitteln mit Restbeständen hochschädlicher Pestizide) wie geplant umgesetzt wird, könnten damit US-amerikanische Landwirtschaftsexporte im Wert von über vier Milliarden USD in die EU blockiert werden, dazu kämen noch die Exporte von Pflanzenschutzwirkstoffen. Solche Maßnahmen gefährden die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft …“

– CropLife (USA)

Sollte es sich infolge von Untersuchungen herausstellen, dass eingesetzte Chemikalien in der EU, obwohl in den USA zugelassen, schwerste gesundheitliche Risiken darstellen, kann ein Verbot hierzulande eine Schadensersatzklage durch die USA in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Das wiederum bedeute, dass aus wirtschaftlichen Überlegungen etwaige notwendige Überprüfungen in Hinblick auf mögliche fällige Entschädigungszahlungen erst gar nicht veranlasst und somit demokratische Prozesse ausgehebelt werden. Die bloße Androhung möglicher kostspieliger Gerichtsverfahren schwebt somit über jeder staatlichen Regulierungsmaßnahme. Die Sprache aller bisherigen Freihandelsabkommen ist nicht bindend: Regierungen „sollten“ keine Maßnahmen zur Unterwanderung ergreifen und kein einziges Abkommen beinhaltet Mechanismen, die die Konzerne in die Pflicht nehmen, ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrzunehmen. Das internationale Menschenrecht ist weich, die Handelsabkommen hart.

Und da wäre noch das viel diskutierte Chlorhuhn, das die Unterschiede der Lebensmittelsicherheitsstandards zwischen der EU und den USA klar und deutlich zeigt. Während europäische Produzenten auf der gesamten Produktionslinie Sicherheit und Hygiene sicherstellen müssen, werden in den USA im letzten Produktionsschritt rohe Fleischwaren, wie Geflügelfleisch mit einer mikrobiellen Lösung (meist Chlordioxid) eingesprüht, um gefährliche Krankheitserreger abzutöten. Zahlreiche Berichte Betroffener zeugen von den Gesundheitsrisiken, die vom Kontakt der eingesetzten Gifte ausgehen. Von Haut- und Lungenkrankheiten ist die Rede, sowie auch von ätzenden Eigenschaften, die mitunter sogar Beton angreifen und zerfressen. Nicht selten wird die Chemikalie mit dem Abwasser entsorgt und kann in höheren Dosen zu Umweltschäden führen.

Selbst wenn der DBV (Deutscher Bauernverband) betont, dass infolge von TTIP regionale Bezeichnungen weiterhin geschützt werden und es keinen unkontrollierten Import von Fleischprodukten aus den USA geben wird, gibt es ob dieser beruhigend klingenden Worte noch genügend Zweifler. Viele Interessensgruppen, etwa die der Milchbauern, sehen eine schwindende Unterstützung durch den Bauernverband. Produzieren für den Weltmarkt, Handel als Allheilmittel ist nicht im Sinne kleiner und mittlerer Betriebe. Sie sehen im DBV vorrangig einen Interessensvertreter für die BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) und ein Machtinstrument der Bundesregierung, die unermüdlich betont, dass infolge TTIP die in Europa gültigen Standards nicht gesenkt werden und das Freihandelsabkommen als Wachstumsmotor für Beschäftigung und Wirtschaft fungieren wird.

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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Obgleich die US-Präsidentschaftswahl derzeit die Medien dominiert und TTIP bis nach der Wahl eine kurze Verschnaufpause einlegt, werden 2017 die Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen mit den USA unvermindert fortgesetzt werden.

Welche Auswirkungen TTIP auf die europäische Landwirtschaft tatsächlich hat, bleibt abzuwarten. Trotzdem: Studien, die sich diesem Thema gewidmet haben, zeigen ein düsteres Bild für europäische Bauern. Sei es in Europa oder den USA, Studien beider Seiten gehen gesamtheitlich von einem Verlustgeschäft für den EU-Raum aus, während die US-Agrarwirtschaft wachsen wird. Bereits der europäische Binnenmarkt und die Einheitswährung wurden im Namen der Arbeitsplätze verkauft. Warum sollte es bei TTIP anders sein? Eine weitere Deregulierung und erneute Senkung sozialer und ökologischer Standards wird kaum für eine wirtschaftliche Erholung beitragen.
Peter Pascher vom Bauernverband versucht zu beruhigen: All diese Studien beruhen auf derzeitige Annahmen. TTIP ist noch nicht ausverhandelt und daher mögliche Auswirkungen noch nicht vorhersehbar. Man müsse abwarten, bis TTIP steht!

Oder anders gesagt: Warten, bis die Würfel gefallen sind und die Entscheidungen als Schicksal annehmen!

In Mexiko warten die Menschen schon seit 1994 auf wirtschaftliche Verbesserungen, die der Mittelschicht damals versprochen wurde und sich als Utopie erwiesen. NAFTA, die Vertragsblaupause für TTIP ist auch als Warnung an Europa zu verstehen: Während in der US-amerikanischen Fertigungsindustrie infolge der Abwanderung großer Automobilkonzerne ins Billiglohnland Mexiko, Millionen von Arbeitsplätzen vernichtet wurden, schuften Mexikaner tagtäglich für einen Hungerlohn in deren Fabriken. Die soziale Ungerechtigkeit wurde seither massiv vorangetrieben, die regionale Landwirtschaft zerstört und Millionen von Migranten auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in den Norden vertrieben. Während Mexiko in der Liga der Entwicklungsländer massiv zurückgeworfen wurde, leben amerikanische Großkonzerne den Traum der jährlich erwirtschafteten Rekordgewinne auf den Rücken der mexikanischen Billiglöhner. Daraus sollten wir lernen, dass es nicht unser vorrangiges Ziel sein kann, die Vertragstexte von TTIP und zukünftigen Handelsabkommen umzuschreiben, sondern die Konzernermächtigungsabkommen im vollen Umfang zu verhindern. Die Erfahrungen von Staaten wie Australien und Indonesien sollten uns lehren, wie schwer es fällt einmal beschlossene Regeln in Freihandelsabkommen im Nachhinein wieder auszusetzen.

Hier geht es zum 1.Teil des TTIP-Spezials: TTIP – Wo liegt das Problem?

Das war der zweite Teil des großen TTIP-Spezials! Wie denkst du über TTIP in Verbindung mit der europäischen Agrarpolitik? Welche Gedanken, Befürchtungen umgeben dich, oder bist du selbst in der Landwirtschaft tätig und somit direkt davon betroffen? Dieser Tage spricht fast jeder nur noch über CETA: Wie wird es nun deiner Meinung nach weitergehen und kann dieses Abkommen überhaupt noch gekippt werden? Deine Meinung, wie immer in die Kommentare!
Das nächste TTIP-Spezial gibt es in wenigen Wochen wieder und widmen uns dann erneut den genauen Inhalten der einzelnen Verhandlungspunkte und welche Auswirkungen diese auf unsere Zukunft haben könnten. Bis dahin verbleiben wir auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

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Weiterführende Links:
Zeit Online: Mehr Wachstum durch TTIP ist ein Märchen. (16.10.2016, 22:04) – Deutsch
Attac: Grundlegende Informationen zu TTIP. (16.10.2016, 22:05) – Deutsch
Informationsbroschüre der internationalen Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café-, und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften (UIL): Handelsabkommen, die die Demokratie gefährden. (16.10.2016, 01:24) – Deutsch/PDF
TTIP-stoppen: Menschenrechte sind unverhandelbar. (16.10.2016, 01:29) – Deutsch
Umweltinstitut.org: Auswirkungen von TTIP auf den Umweltschutz. (16.10.2016, 01:31) – Deutsch
Umweltinstitut.org: Folgen von TTIP für Wirtschaft und Beschäftigung. (16.10.2016, 01:32) – Deutsch
Zeit-Online: Bedrohung Europas Bauern und Verbraucher durch TTIP (16.10.2016, 01:35) – Deutsch
Umweltinstitut.org: Allgemeine Informationen im Bezug zu TTIP und der Demokratie. (16.10.2016, 22:04) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zum transatlantischen Freihandelsabkommen. (16.10.2016, 22:16) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zum nichttarifärem Handelshemmnis. (16.10.2016, 22:18) – Deutsch
European Commission: Fakten zu TTIP von Seiten der Befürworter. (16.10.2016, 22:19) – Deutsch/PDF
LobbyPedia: Gemeinnützige Organisation, die sich intensiv mit allen Bereichen rund um TTIP befassen. (16.10.2016, 22:29) – Deutsch
Stellungnahme des DBV (Deutscher Bauernverband) zum Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. (16.10.2016, 22:31) – Deutsch/PDF
Konrad Adenauer Stiftung: Die Auswirkungen von TTIP – Teil2 (16.10.2016, 22:32) – Deutsch/PDF
Informationen zur Studie von „UnternehmensGrün“. (16.10.2016, 22:33) – Deutsch
Die Presse: Laut einer US-Studie kostet TTIP bis zu 600.000 Arbeitsplätze in Europa. (16.10.2016, 22:35) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2016/04/22/13/02/ttip-1345714_960_720.jpg (16.10.2016, 01:39) – Logo Ortstafel TTIP Vs. Demokratie (Abänderung auf „Landwirtschaft“ und Farbänderung mit Photoshop)


https://de.wikipedia.org/wiki/Feedlot#/media/File:Feedlot-1.jpg (16.10.2016, 21:46) – Feedlot in Texas.
https://de.wikipedia.org/wiki/Armut#/media/File:Jakarta_slumlife55.JPG (16.10.2016, 21:52) – Slum-Bewohner in Jakarta.
https://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaft#/media/File:Bauernhaus_Entlebuch_01.JPG (16.10.2016, 21:54) – Schweizer Bauernhof in Entlebuch.
https://stop-ttip.org/wp-content/uploads/2015/07/11350917_10155972919990107_1040364319490926793_n.jpg (16.10.2016, 21:58) – Handshake zwischen der EU und den USA.
https://stadtrabe.wordpress.com/2015/10/10/ttip-demo-berlin-2015/#jp-carousel-1180 (16.10.2016, 22:00) – Foto der TTIP-Demo in Berlin 2015. © Carlo Wanka.

 

TTIP – Wo liegt das Problem?

TTIP GrundlagenAm 17. Juni 2013 starteten am Rande des G8-Gipfels in Nordirland die Verhandlungen zum wohl bedeutendsten völkerrechtlichen Vertrag zweier Staatengemeinschaften. Mehr als drei Jahre sind nun vergangen, aber die Verunsicherungen sind nicht abgeebbt. Nachrichten weltweit kennen seither nur noch ein Thema, oder besser gesagt vier Buchstaben: TTIP. Es ist die Rede vom Wirtschaftsaufschwung, billigen Exporten über den großen Teich und Chlorhühnern im Supermarkt. Aber was ist TTIP genau und wie berechtigt sind unsere Ängste?

Bereits am 18. und 19. Juni 2013 folgte ein erneutes Treffen zwischen Merkel und Obama. Diesmal in der deutschen Hauptstadt Berlin. Neben dem Thema der atomaren Abrüstung wurde erstmals medienwirksam für das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen geworben. Außenminister Westerwelle sah in dem historischen Besuch den „symbolischen Startschuss“ für TTIP. Eine Annäherung, die zukünftig für mehr Wachstum und Beschäftigung auf beiden Seiten sorgen soll und von beiden Parteien ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen voraussetzt. Die Vertrauenskrise folgte fast zeitgleich mit den ersten TTIP-Protesten, als durch die, von Edward Snowden erbeuteten WikiLeaks-Dateien zutage kam, dass Deutschland und andere Staaten der europäischen Union schon seit Jahren im großen Stil von der NSA ausgespäht wurden. Während die deutsche Regierung noch mit einem nie unterzeichneten „No-Spy Abkommen“ zwischen der europäischen Union und der USA versuchte, die kritischen Stimmen im eigenen Land zu besänftigen, erhärtete sich infolge der WikiLeaks Veröffentlichungen der Verdacht, dass der gläserne Mensch bereits zur Realität geworden war und Datenschutz nur noch am Papier seine Gültigkeit besitzt.

„Ausspähen unter Freunden – Das geht gar nicht!“

-Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Ausspäh-Vorwürfen durch die NSA-

Das Verschweigen vollendeter Tatsachen und Merkels angeblicher Wunsch einer Verhältnismäßigkeit, mit der die Überwachungsprogramme betrieben werden sollten, aber nie wurden, wirkten sich in puncto Vertrauen nicht sonderlich förderlich aus. Die Auswirkungen zeigten sich in einer gestiegenen Verunsicherung und einer Vertrauenskrise zwischen der Regierung und dem Volk auf beiden Seiten des Atlantiks, die wiederum anhaltend zu einer Vielzahl von Gerüchten und Mutmaßungen führten. Letzteres ausgelöst, da bis zum heutigen Tag wenig gesicherte Informationen zu den Verhandlungsinhalten bekannt sind. Aber was ist nun TTIP, was macht es und was weiß man explizit darüber?

Wer von TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) spricht, setzt vermutlich historisch an jenen Sommertagen des Juni 2013 an, um die Ursprünge und Vorkommnisse seither zu erklären. Aber das ist nur die halbe Wahrheit! In Wirklichkeit begann die Geschichte des Freihandels und im weiterem Sinne auch die von TTIP mit Adam Smith, dem Begründer der modernen Ökonomie. Für ein Abkommen, dass diese Tage Tausende auf die Straße treibt, schuf er vor etwa 200 Jahren die Grundidee. Das Wesen des Freihandels basiert auf der Lehre des freien Wirtschaftsliberalismus. Demzufolge ist der Reichtum eines Landes umso größer, je weniger es sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischt. Das Gegenteil des Freihandels ist der Protektionismus – eine totale Abschottung nach außen, wie wir sie am deutlichsten in Nordkorea sehen, und die Abkehr davon in China und Südkorea beobachten konnten. Anfang des 19. Jahrhunderts machte Smiths Idee Schule. In England gründete sich eine Vereinigung gegen Getreidezölle, die die „Corn Laws“ zu Fall brachten. 1834 gründete sich der deutsche Zollverein, aus dem der innerdeutsche zollfreie Binnenmarkt hervorging, der wiederum als Grundpfeiler eines später geeinigten Deutschlands gilt. Weitere ähnliche Abkommen in Europa folgten, bis ein Netzwerk aus unterschiedlichen Freihandelsabkommen den Kontinent umspannte. Seither wurden Freihandelsunionen immer wieder neu gegründet und auch wieder aufgelöst – meist verursacht durch internationale Krisen wie militärische Konflikte und Finanzchrashs. Diese Vielzahl an Freihandelszonen mündete zunächst in einer Idee der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft), später der EG (Europäische Gemeinschaft) und schlussendlich der EU (Europäische Union). Nicht zuletzt wegen der Abschaffung der Zölle und dem freien Warenverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten, gilt dieses Bündnis als großer Erfolg.

Adam Smith Portrait

Adam Smith, der Ur-Vater von TTIP.

Die Idee, der alle Freihandelszonen, Wirtschafts– und Währungsunionen unterliegen ist der Abbau von Handelshemmnissen sowie von Import-Export Kontingenten zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten. Somit können sich die einzelnen Länder vermehrt auf ihre eigenen Stärken konzentrieren und müssen nicht alles selbst produzieren. Das mündet in Produkte besserer Qualität, die Preise für Konsumenten werden gesenkt und der Wettbewerb unter den Herstellern über Ländergrenzen hinweg garantiert Investitionen in die Forschung und führe schlussendlich zu Innovationen – zumindest im Idealfall. Der Aufstieg der Wohlstandsnationen begann damit, dass sich die Industrien gegen die Konkurrenz aus dem Ausland mit Schutzzöllen abschotteten. Ein Szenario, dass auch im Streit mit Chinas Überproduktion am Rohstoffmarkt als Option am Verhandlungstisch bereit liegt, um Produkte der europäischen– und US-amerikanischen Metallverarbeitungsbranche vor dem Wertverfall zu bewahren. Die Schutzzölle von Ländern wie zunächst Großbritannien und den USA, sowie später von  Japan und auch der Bundesrepublik Deutschland wurden erst gelockert und andere Staaten zum Freihandel gedrängt, als sie den Wettbewerb nicht mehr fürchten mussten. Aufsteiger wie China oder Südkorea folgten später dem britischen Beispiel. Jedoch vielen Ländern Afrikas blieb dieser Weg versperrt, weil sie überschuldet waren. Um weitere Gelder zu erhalten, machte der IWF (Internationaler Währungsfond) die Liberalisierung des Handels zur Bedingung. Anstatt eine eigene konkurrenzfähige Wirtschaft aufzubauen, kamen westliche Konzerne bei Aufträgen zum Zug und trieben die ohnehin schon wirtschaftlich ausgehungerten Länder in die Abhängigkeit des Westens. Nationale sowie internationale Konflikte am afrikanischen Kontinent trugen zur weiteren Verschuldung bei und förderten den Ausverkauf der Rohstoffe an die wohlhabende westliche Welt.

Sei es in der Arbeitswelt oder im Konsum: Durch die Globalisierung und dem Wettbewerb gilt es selbst eine Vorreiterrolle in der Welt einzunehmen oder zumindest mit den anderen Staaten Schritt zu halten. Fachleute halten es daher für zeitlich notwendig in Hinblick auf die Weltwirtschaftskrise, der hohen Arbeitslosigkeit und den neuen Wirtschaftsmächten in Ostasien, die unter anderem von eigenen, erst vor wenigen Jahren gegründeten Freihandelszonen profitierten, aufzuschließen. Ihnen zufolge müsse Europa jetzt nachziehen und sollten nicht länger zusehen, wie andere die Regeln für die Weltwirtschaft von morgen schreiben.

Das geplante EU-US Handelsabkommen (oder „TTIP„, Transatlantic Trade and Investment Partnership) ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen der europäischen Union und der USA, der eine umfassende Zusammenarbeit in vielen Wirtschaftsbereichen vorsieht. Obwohl ein Großteil der verhandelten Inhalte nach über drei Jahren noch immer nicht veröffentlicht wurde, gibt es mehrere bekannte Eckpunkte, auf die der Vertrag aufbauen soll. Dabei ist es laut Verhandlungsparteien das oberste Ziel Wirtschaftswachstum und ein Mehr an Arbeitsplätzen auf beiden Seiten des Atlantiks zu schaffen. Um einen Austausch von Waren und Personal zu ermöglichen ist, ganz im Interesse der EU, ein Diskriminierungsverbot vertraglich festzuschreiben. Das heißt: Was für Inländer gilt, soll auch für Ausländer gelten –  laut Verhandlungspartner besonders wichtig bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Regelung die nicht unumstritten ist, obwohl sie innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten schon lange zur Normalität gehört. Dies soll es mittelgroßen Firmen und Konzernen wie VW, die noch immer mit Handelsbarrieren am US-Automarkt zu kämpfen haben, erleichtern dort aktiv zu werden. Diese Barrieren beginnen schon beim Verzollen von Waren. Zwar sind die US-amerikanischen Zölle niedrig, aber bei Handelsvolumen von vielen Milliarden Dollar pro Jahr, ein durchaus ernstzunehmender wirtschaftlicher Faktor. Ein Handicap, mit dem bislang vor allem deutsche Firmen zu kämpfen haben, betragen doch deren EU-Exporte in die USA stolze 30 Prozent!

Containerschiff_Hanjin

Mit dem Wegfall der Zölle hofft die EU die Wirtschaft kräftig anzukurbeln und sich mit Waren „Made in EU“ am lukrativen US-Markt stärker zu etablieren.

Ein noch größerer Einschnitt in nationale Reglungen und sogleich Auslöser für eine Vielzahl von öffentlichen Massenkundgebungen auf beiden Seiten betrifft die geplante Vereinheitlichung von Standards und Regelungen. Grundsätzlich haben Regulatoren auf beiden Seiten des Atlantiks dieselben Ziele, erfüllen diese aufgrund von Traditionen aber oftmals unterschiedlich in Form und Qualität. Daraus entstehen Hürden auf beiden Seiten, die den Austausch von Waren und Dienstleistungen untereinander erheblich erschweren. Besonders gut zeigt sich dies am Begriff des Architekten: Während in Deutschland, Italien und Frankreich der Begriff geschützt ist und die damit verbundene Qualifikation nur durch ein Hochschulstudium mit anschließender mehrjähriger Praxis zu erreichen ist, kann sich in Schweden und Dänemark im Prinzip jeder als Architekt bezeichnen. Die Überprüfung derer erfolgt erst bei Einreichung des Bauantrages. In den USA ist es zwar sehr ähnlich zu unserem System, der Titel jedoch wird von einer ganz anderen Stelle vergeben. Diese unterschiedlichen Begriffsdefinitionen, die es selbst in der bereits stark regulierten europäischen Union gibt, zeigen die Schwierigkeiten mit denen man bei einer schriftlichen Festlegung von Regulatoren des TTIP-Vertrags konfrontiert ist. Experten der TTIP-Befürworter sehen darin zwar einen mühsamen Prozess, um einerseits die Interessen beider Seiten zu wahren und andererseits einen gemeinsam gültigen Text zu formulieren, aber eben auch den großen Vorteil bei der Entwicklung zukünftiger Standards von Beginn an zusammenzuarbeiten und somit mögliche Barrieren von Anfang an zu vermeiden. Gegner befürchten hingegen, dass demokratische Prozesse in den jeweiligen Ländern zuerst an international gültige Richtlinien (TTIP) angepasst werden müssen und somit internationales Recht über nationale Interessen gestellt wird. Eines dieser zukünftigen Themen könnte die Vereinheitlichung von Ladesteckern bei Elektroautos betreffen. Speziell darin sehen beide Handelsmächte in TTIP ihren großen zukünftigen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber die immer mächtiger und an Einfluss gewinnenden Wirtschaftsgröße Ostasiens. Zieht man in Anbetracht, dass immerhin fast 40 Prozent des globalen Welthandels zwischen der EU und der USA stattfindet, könnten unsere Firmen Vorreiterrollen für zukünftige Standards einnehmen, die anschließend auf anderen Märkten der Welt übernommen werden.

Die EU bestätigte erst unlängst, dass etwa 93% der Gespräche in den Vorverhandlungen mit Vertretern der Großkonzerne und Lobbys stattfinden. Aufgrund des aggressiven Lobbyings der Finanzwirtschaft will die EU auch Finanzdienstleistungen verhandeln, da Finanzregulierungen als Handelshemmnisse (die es nach Abschluss des TTIP-Vertrags nicht mehr geben darf) gesehen werden. Auf Druck der Finanzlobbys könnten diese Regulierungen zurückgenommen oder Zukünftige verhindert werden. Das betreffen Kapitalverkehrskontrollen, eine angemessene Besteuerung des Finanzsektors oder effektive Antigeldwäschevorschriften. Die deutsche Bankenbranche hat bereits selbst gesagt, dass sie über das Abkommen Vorschriften in den USA kippen möchte, die verhindern, dass Banken zu groß zum Pleitegehen sind. Damit wären alle Versuche umsonst gewesen, die Banken Im Falle einer zukünftigen grob fahrlässigen Verschuldung in die Pflicht zu nehmen.

Gründe für einen schnellstmöglichen Abschluss von TTIP gibt es für die USA viele und würde den Umfang dieses Artikels sprengen. Der Hauptgrund, der diesen Aufwand und alle Risiken rechtfertigt ist, wie soll es im 21. Jahrhundert auch anders sein, billige Energie. Bis zum Jahr 2020 sollen in den USA täglich bis zu 170 Millionen Kubikmeter Gas mittels der umstrittenen Fracking-Methode gefördert werden. Aufgrund dieser Überproduktion fiel der Gaspreis in den USA mittlerweile um die Hälfte des Preises des Nordseegases. Durch Fracking hat sich die USA innerhalb kürzester Zeit vom Gasimporteur zum Exporteur entwickelt und verhandelt jetzt in welche Region der Welt zukünftig geliefert werden soll. Billige Energie auf lange Zeit ist die große Begehrlichkeit von Industrie und Kommission in Europa und die USA können sich aussuchen wohin sie liefern – in den Osten von Asien oder doch nach Europa. Senkt man die geltenden Einfuhrzölle um ein oder zwei Prozent und baut ebenso Handelsbarrieren ab, die mit geltenden Sozial-und Umweltstandards beschrieben werden, kommt man auf die Summe von 100-120 Milliarden Euro, die sich die USA und EU von diesem Deal in Form von Einsparungen erwarten. Kritiker hingegen gehen davon aus, dass das Geld und das prognostizierte Wachstum von 0,5 Prozent nur den Großkonzernen zugutekommen und die Mittelschicht davon kaum etwas spüren wird. Ein Erfolg zu welchem Preis? Mit TTIP könnte die USA nicht nur ihr Gas exportieren, dass trotz allem in den USA weiterhin teurer sein würde als hier, sondern gleichzeitig die aus ihrer Sicht übertriebenen EU-Umweltstandards auf US-Niveau zurückschrauben und die Vorherrschaft der US-Industrie auf europäischem Boden zementieren. Zu diesem Zweck gibt es in den TTIP-Verhandlungsunterlagen den Punkt des „Investorenschutzes„, die es den US-Konzernen erlaubt bei Verstoß gegen den Vertrag (Errichtung von Handelsbarrieren) zu klagen. Manche mögen diese Angst als unbegründet ansehen, aber im Falle des Freihandelsabkommens zwischen Kanada, USA und Mexiko (NAFTA) ist genau das geschehen – sogar mehrmals. Als Mais infolge der Marktöffnung in Mexiko einen Preisverfall in hohem zweistelligen Prozentbereich erfahren hatte, versuchte die mexikanische Regierung durch Handelsbarrieren dem entgegen zu wirken und somit den Kleinbauern, die mit den Handelspreisen der großen US-Agrarkonzerne nicht mithalten konnten, das Überleben zu sichern. Die USA verklagte daraufhin den Staat Mexiko um mehrere Milliarden Dollar und bekam Recht! Es ist nicht verwunderlich, dass es die Mexikaner sind, die Europa davor warnt denselben Fehler zu machen.

Bauer in Mexiko

Zuvor noch für den Eigenverbrauch angebaut, schuften seit dem NAFTA-Abkommen tausende Kleinbauern für wenig Geld auf den Feldern der US-Agrarkonzerne.

Neben all den aufgezählten Eckpunkten des Vertrags, die nur einige der mutmaßlichen Schwerpunkte von TTIP darstellen, sind zum tatsächlichen Stand der aktuellen Verhandlungen bislang nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen. Weiterhin ist das Handelsmandat der EU geheim. Das EU-Parlament wird zum Stand der Verhandlungen zwar unterrichtet, ist aber ihrerseits zur Geheimhaltung verpflichtet. Ist der Vertrag einmal ausverhandelt müssen sie dem Text zur Gänze zustimmen oder ablehnen. Nationalparlamente werden in die Entscheidung nur eingebunden, wenn deren Kompetenzen vom Abkommen erfasst werden. Ein Vertragsabschluss ist zwar mit Ende des Jahres 2016 angesetzt, aber Branchenexperten zufolge wohl nicht mehr einhaltbar. Als zu groß gelten die Barrieren, zwischen denen sich die USA und die europäischen Union gegenüber stehen. Selbst ein Scheitern von TTIP ist nach momentanen Informationsstand (der leider sehr dürftig ausfällt) nicht gänzlich auszuschließen.

Es sind zumindest die wenigen „Leaks„, die manches ansatzweise erahnen lassen. So gab es nach der dritten Verhandlungsrunde des vorangegangenen Jahres, die natürlich abermals hinter verschlossenen Türen stattfand, einen Aufschrei der TTIP-Gegner mit anschließendem Shitstorm im Netz. Der „geleakte“ und veröffentlichte TTIP-Text enthält die Vorschläge einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen den USA und der europäischen Union. John Clancey, Pressesprecher der Kommission hatte nach Bekanntwerden des Leaks das Papier als „Ohnehin bekannte Position“ der EU heruntergespielt und die Konsumentenschützer der CEO, die das Papier veröffentlichten, als „Feinde des Handels“ bezeichnet. Aus dem Dokument geht hervor, warum die Kommission einen positiven Abschluss der Verhandlungen um beinahe jeden Preis anstrebt: So soll die Kommission gemeinsam mit dem US-Handelsministerium in Zukunft bereits Verhandlungen aufnehmen, bevor neue EU-Richtlinien in Kraft treten. All das soll angeblich ganz im Sinne des guten Willens geschehen, um Handelsbarrieren erst gar nicht entstehen zu lassen. Auf Anfragen soll so schnell wie möglich ein Dialog aufgenommen werden und von einer „Schlanken Verwaltung“ abgewickelt werden. Hier ist der gesamte Umfang des Originaldokuments frei verfügbar.

Am Beispiel zukünftiger Feinstaubgrenzwerte würde das bedeuten, dass zuerst der Handelskommissar mit seinem US-Pendant den Dialog aufnimmt. Wird die neue Gesetzesänderung als Handelshemmnis wahrgenommen, tritt ein „Schlankes Schiedsgericht“ zusammen, um darüber abzustimmen. All das geschieht hinter verschlossenen Türen, wie auch zukünftige Entscheidungen des „Regulativen Kompensatzionsrates“ nicht öffentlich sind – und zwar schon lange bevor das EU-Parlament vom Vorhaben der Kommission überhaupt Bescheid weiß. Sehr wohl informiert – und zwar von Anfang an – sind die Interessensvertreter der Industrie! Seit diesem Leak, der nur als einer von vielen (aber noch immer viel zu Wenigen) gilt, hat die Verschwiegenheit der Verhandlungspartner, die ohnehin je kaum bereit waren ein ausführliches Statement abzugeben, nochmals zugenommen.

Chlorhuhn

Auch wenn behauptet wird, dass es ein Chlorhuhn aus US-amerikanischen Schlachtbetrieben bei uns nie geben wird, ist es denkbar, dass TTIP dies über das „Gleichheitsgebot“ zu einem späteren Zeitpunkt noch ermöglicht.

Das war der erste Teil des großen TTIP-Spezials! Wie denkst du zum Freihandelsabkommen mit den USA? Bist du ein Befürworter oder Gegner und welche Hoffnungen/Befürchtungen umgeben dich? Gerne würde ich auch wissen, welche Fragen rund um TTIP dich beschäftigen und worüber du noch unbedingt informiert werden möchtest. Wir werden in den nächsten Wochen darauf ausführlich eingehen. Das nächste TTIP-Spezial gibt es in rund zwei Wochen wieder und widmen uns dann verstärkt den genauen Inhalten der einzelnen Eckpunkte von TTIP und welche Auswirkungen diese auf unsere Zukunft haben könnten. Bis dahin verbleiben wir auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

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Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2016/04/22/13/02/ttip-1345714_960_720.jpg (28.08.2016, 01:59) – Logo Ortstafel TTIP Vs. Demokratie

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6b/Adam_Smith%2C_1723_-_1790._Political_economist_-_Google_Art_Project.jpg/492px-Adam_Smith%2C_1723_-_1790._Political_economist_-_Google_Art_Project.jpg (28.08.2016, 02:01) – Portrait von Adam Smith.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/cd/Containerschiff_Hanjin_Chicago.jpg/800px-Containerschiff_Hanjin_Chicago.jpg (28.08.2016, 02:02) – Containerschiff im Hafen.
http://www.trueten.de/uploads/ChiapasV2b4.jpg (28.08.2016, 02:04) – Mexikanische Bauern bei der Feldarbeit.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a4/Crapaudine-1.jpg (28.08.2016, 02:06) – Hühnchen auf Schneidebrett.

 

Unser Wunschkind aus dem Reagenzglas

Designer Baby_Puzzle
Es ist der Stoff unzähliger Horrorfilme, gleichzeitig die Hoffnung vieler: Mittels Gentechnik Krankheiten auslöschen, bevor sie überhaupt entstehen um somit den idealen Menschen zu schaffen. Ist dies bereits möglich, oder sind wir noch fern von jener Vorstellung? In wie weit kann man ein Designer Baby  – ein Kind nach Maß tatsächlich schon modellieren und wo sind die Grenzen des Machbaren?

Begriffe wie „Kinder nach Maß“ oder gentechnisch modellierte „Designerbabies“ lösen bei der Debatte um die Anwendung moderner Biomedizin am ungeborenen Leben wahre Hysterien aus. Es geht dabei um die Manipulation des Erbguts, ein Vorselektieren sowie der Schaffung eines idealen, wertvolleren Menschen. Themen, die reichlich in Science-Fiction Filmen thematisiert werden und wohl auch noch längere Zeit wenig mit der Realität gemeinsam haben – zumindest teilweise. Natürlich gibt es mittlerweile das Kind nach Maß, jedoch ist die moderne Medizin weit davon entfernt, was gemeinhin darunter verstanden wird.

„Durch die Entschlüsselung des Erbguts sind jetzt Kinder nach Maß möglich!“ Einerseits befeuern solche und ähnliche undifferenzierte Meldungen die Unsicherheit und Skepsis gegenüber den neuen medizinischen Möglichkeiten. Andererseits sind es die Mediziner, die zu beschwichtigen versuchen, um die Skeptiker ruhig zu stellen. Natürlich kann man kein Designer-Baby schaffen, indem man Gene zufällig zusammenschüttet. Fakt ist, dass wir noch nicht alle Gene kennen und von den wenigsten überhaupt wissen, welche Aufgabe sie erfüllen. Bei einer zukünftig möglichen Auswahl von Augen- und Haarfarbe ist das ein entscheidender Faktor. Ganz zu schweigen von den Umwelteinflüssen, die den Menschen ebenso stark formen. Gedankenspiele um eine genmanipulierende Beeinflussung ungeborenen Lebens beschäftigte auch Albert Einstein, als er diesbezüglich ein Gespräch mit Marilyn Monroe führte:

Marylin Monroe: „Wäre es nicht toll, wenn wir Kinder bekommen würden, so klug wie sie und so schön wie ich?“
Einstein erwidert: „Und was machen wir, wenn unsere Kinder so klug wie sie und so schön wie ich sind?“

– Albert Einstein und Marylin Monroe

Trotz aller Einschränkungen ist das Geschäft um das ideale Kind mittlerweile zu einem milliardenschweren Betätigungsfeld geworden. Vor allem in den USA gibt es bereits mehrere Zentren für Reproduktionsmedizin, die Samen- und Eizellen von ausgewählten Spendern anbieten. Mit Samen von Wissenschaftlern und Fotomodels wollen sie die betuchte Kundschaft anwerben, im Versprechen mit den nötigen Geldmitteln auch ein besseres Leben erkaufen zu können. Spender werden also nach bestimmten Attributen ausgewählt obwohl man weiß, dass bei der Entstehung des neuen Genoms väterliche und mütterliche Erbanlagen durchmischt werden und damit die Individualität des neuen Genoms ausmachen. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass sich bestimmte Erbanlagen, die sich bei den Eltern weniger stark ausgeprägt haben, bei dem eigenen Kind stärker ausprägen könnten oder umgekehrt.

Charlie_Jamie Rettungsgeschwister

Vielleicht gehören sogenannte „Rettungsgeschwister“ bereits in wenigen Jahren zur Normalität. Auch die künstliche Befruchtung wurde kurz nach der Legalisierung stark in den Medien thematisiert und kritisiert.

Sind Kinder nach Maß nichts als reine Gedankenspiele? Keinesfalls! – Sie sind bereits Realität geworden! Jedoch ist der Begriff  „Designerbaby“ sehr dehnbar und beinhaltet eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten. Geht es um die Möglichkeit der Eltern, sich gegen Kinder mit genetischen Veränderungen, die zu schweren Krankheiten führen zu entscheiden, dann ist das heute mithilfe der Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik bereits Realität. Die oft thematisierte und befürchtete Möglichkeit vorgeburtliche genetische Tests durchzuführen, um zum Beispiel das Risiko eines späteren Herzinfarkts zu bestimmen, sind jetzt und in absehbarer Zeit nicht möglich. Dass das Thema des idealen Menschen aus dem Reagenzglas mehr als nur heiße Luft ist, beweist das therapeutische Klonen – auch bekannt unter dem Namen „Rettungsgeschwister“. Dabei handelt es sich um einen Embryo, der geschaffen wird um embryonale Stammzellen zu gewinnen und damit einen kranken Menschen zu heilen, oder aber nur zu Forschungszwecken spezifisch hergestellt wird. Die Anwendung dieser Heilungsmethode ist in manchen Ländern bereits erlaubt, sollte aber bei künftigen Überlegungen einer Legalisierung gründlich hinterfragt werden. Geht es nach den Forschern, liegt die große Hoffnung der Genforschung im sogenannten „Genom-Editing“: Dabei wird die DNA mit molekularen Verfahren an einer bestimmten Stelle zerschnitten und anschließend das defekte Gen ausgetauscht oder repariert. Damit könnte man schwere Krankheiten bereits ausschalten, bevor sie überhaupt entstehen.

Baby_Reagenzglas

Auch wenn das Wunschkind aus dem Labor noch nicht machbar ist, so wird es bestimmt auch in Zukunft für reichlich Gesprächsstoff sorgen.

Während in Deutschland selbst die Pränataldiagnostik kritisiert wird, geht man in den USA einen ganzen Schritt weiter. Dort werden Babys im Labor gezüchtet und anschließend von Leihmüttern ausgetragen. Eines dieser Beispiele ist Mason. Mason war ein Embryo der besten genetischen Güteklasse und hat insgesamt vier Eltern: Jay, seinen biologischen Vater, Luke seinen sozialen Vater, Zoe, seine genetische Mutter und Elaine, die ihn letztendlich ausgetragen hat. Im Moment lebt er mit seinen beiden Vätern Jay und Luke in einem schönen Haus in der noblen New Yorker Upper East Side. Vor zweieinhalb Jahren entstand Mason aus dem Samen von Jay und einer Eizelle von Zoe, einer hübschen und schlauen Studentin von der Columbia Universität und reifte die ersten Tage in einer Petrischale im Labor einer Reproduktionsklinik heran. Etwa eine Woche nach der Befruchtung der Eizellen wachsen die Embryos im Labor unter idealen Bedingungen heran. Danach werden sie unter einem Mikroskop untersucht und nach Kriterien wie Zellteilung und Zellsymmetrie in die Kategorien „A“, „B Plus“ oder „C Minus“ eingeteilt, um der Tragemutter nur das beste Ausgangsmaterial einzusetzen.

„Er ist unser Wunschkind. Deshalb wollten wir ihn mit dem besten genetischen Ausgangsmaterial auf seinen Lebensweg schicken.“

-Luke, Masons sozialer Vater

Anders als in anderen Reproduktionskliniken der USA bleiben in Masons Klinik die Spenderinnen nicht anonym. In Katalogen und Videos kann man sich vorab über Herkunft, Talente, Ausbildung und Krankheiten informieren. Die Frauen sind meist jung, klug und wie Zoe meist musisch oder sportlich begabt. Die Spenderinnen erhalten pro Spende etwa umgerechnet 8.000 Euro als Vergütung.

Große Unklarheiten und Streitpunkte zwischen den befürwortenden Medizinern und deren Kritikern betreffen die Selektion und die Weiterverwendung der nicht eingesetzten, „minderwertigen“ Proben. Vor allem in Ländern wie Deutschland wird die Vorselektion oftmals mit den unmenschlichen Praktiken des Nationalsozialismus verglichen. Hier sei jedoch angemerkt, dass gerade im Nationalsozialismus die künstliche Befruchtung gegenüber der natürlichen Zeugung durch Geschlechtsverkehr zwischen Mann und Frau abgelehnt wurde. Doch gerade aus Deutschland gibt es eine Vielzahl an Paaren, die die gesetzlichen Regelungen ihres Landes zu umgehen versuchen, in dem sie sich mit ihren Kinderwunsch an eine der Reproduktionskliniken in den USA wenden. Dr. Michael Doyle, Gründer von CT Fertility, einer Fortpflanzungsklinik in Connecticut betreute alleine 2015 über 53 Kunden aus Deutschland. Tendenz steigend!

PID selektieren

Was soll mit den gesunden, aber ungeeigneten Proben geschehen? Ob das Selektieren von Proben noch ethisch vertretbar ist wird wohl weiterhin einer der großen Kritikpunkte an der Präimplantationsmethode bleiben.

Besondere Kontroverse löste der Fall um das in Großbritannien geborene Designer-Baby namens Jamie aus. Er wurde nicht künstlich gezeugt, um Idealvorstellungen seiner Eltern gerecht zu werden, sondern um das Leben seines vier Jahre älteren Bruders Charlie zu retten. Der erste Sohn des Paares litt an Blutarmut, der sogenannten Diamond Blackfan Anämie und wurde durch schmerzhafte Bluttransfusionen am Leben erhalten. Die Ärzte hielten eine Heilung für möglich, wenn es gelingt von einem geeigneten Spender Stammzellen aus dessen Nabelschnurblut in das Knochenmark von Charlie zu implantieren. Einen geeigneten Spender zu finden stellte sich als komplizierter heraus als angenommen, da niemand aus seiner Verwandtschaft dafür in Frage kam. Die Familie stellte einen Antrag bei der britischen Kontrollbehörde, um mehrere Eizellen befruchten zu lassen und anschließend diese auf eine mögliche Eignung als Spender zu überprüfen. Die Behörde lehnte eine Gendiagnose ab, da laut damaligen Bestimmungen eine Überprüfung nur rechtens sei, um eine mögliche Anämie-Erkrankung beim neuen Kind zu erkennen, nicht aber um lediglich eine Eignung zur Transplantation festzustellen. Die Chance, dass ein Paar durch natürliche Befruchtung ein Kind mit geeignetem Spendergewebe zur Welt bringt, liegt gerade einmal bei eins zu vier. Bei künstlicher Befruchtung mehrerer Eizellen und anschließender Vorselektion erhöht sich die Chance eines Erfolgs auf rund 98 Prozent.

Trotz aller Anfechtungen von Regierungs- und Kirchenvertretern und der daraus entstandenen öffentlichen Debatte um gentechnische Manipulation an Embryonen sowie der möglichen Züchtung menschlicher Ersatzteile, stehen die Eltern Jayson und Michelle Whitaker nach wie vor zu ihrer Entscheidung. Sie wollten sich selbst später nicht den Vorwurf machen, nicht alles probiert zu haben um ihren Sohn zu retten. Die Eltern, die nicht müde werden immer wieder zu erwähnen, dass sie sich ohnehin immer ein weiteres Kind wünschten, stehen nun vor dem Erfolg all ihrer Bemühungen. Heute gilt Jamies älterer Bruder von der Blutarmut geheilt. Mit dem Erfolg nahm nicht nur ihre Angst vor der Zukunft ab, sondern ließ auch die kritischen Stimmen Großteils verstummen.

im Jahr 2008 wurde im britischen Unterhaus ein Gesetz gebilligt das fortan unter anderem erlaubt, unter Einhaltung gewisser Auflagen sogenannte Rettungsgeschwister zu produzieren. Ähnliche Bestimmungen folgten bald in anderen europäischen Ländern. In Deutschland ist die In-Vitro-Ferti­lisation – die künstliche Befruchtung, zwar erlaubt, aber die Präimplantationsdiagnostik zur Selektion von Embryonen bis zum heutigen Tag gesetzlich verboten.

In-vitro-Fertilisation - Darstellung des Ablaufs einer  von der Eientnahme bis zum Embryonentransfer.

In-Vitro-Fertilisation: Darstellung des Ablaufs von der Eientnahme bis zum Embryonentransfer.

Diese damals neue Regelung nutzten auch die Eltern von Javier zu ihren Gunsten aus. Am 13. Oktober 2008 im Krankenhaus von Virgen del Rocío, in Sevilla geboren, konnte er seinen älteren Bruder Andrés Mariscal mittels genetisch passenden Stammzellen aus seinem Nabelschnurblut das Leben retten. Auch seine Eltern waren mit dem Problem konfrontiert, dass es zwar weltweit über elf Millionen Knochenmarkspender gebe, aber keiner mit ihm kompatibel war. Ähnlich wie im Fall Jamie aus Großbritannien, entgegneten die Eltern den Kritikern, die sich vor allem aus der katholischen Kirche und der konservativen Regierungsopposition zusammensetzten, mit ihrem Wunsch nach einem zweiten Kind. Einer Erklärung der Eltern zu Folge, sei er ein absolutes Wunschkind gewesen und rettete noch nebenbei das Leben seines Bruders.

Jamie und Javier waren die ersten Rettungsgeschwister in Europa, aber sicher nicht die Letzten. Derzeit gibt es allein in Großbritannien über ein Dutzend Elternpaare, die sich ein zusätzliches Kind wünschen, da eines ihrer Geschwister schwer krank sei. Überdies hinaus gibt es neben den kritischen und ermahnenden Worten von Seiten der katholischen Kirche und Wissenschaftler, auch Verständnis für die Entscheidung von Javiers Eltern. Der Jesuit Juan Masiá, einer der großen Bioethik-Experten sagte der  Zeitung „El-Mundo„, dass er die Methode nicht grundsätzlich ablehne, aber einen verantwortungsvollen Umgang fordere. Er ist sich sicher, dass die Eltern Javier genauso sehr lieben wie seinen jüngeren Bruder. Mittlerweile setzen auch Kronprinz Felipe und Prinzessin Letitzia auf die neue Behandlungsmethode. Sie ließen nach der Geburt ihrer Tochter Leonor, Stammzellen aus ihrem Nabelschnurblut entnehmen, um diese anschließend für den Fall einer schweren Krankheit bei einer Spezialfirma in den USA zu lagern.

Wie steht ihr zu diesen Experimenten am menschlichen Leben? Seht ihr darin die Chance auf eine zukünftige Heilung für Krebs, Alzheimer und andere unheilbare, sowie schwer behandelbare Krankheiten oder befinden wir uns damit auf dem besten Weg unsere Menschlichkeit zu verlieren? Wie weit soll man gehen und wie weit sind Eingriffe am ungeborenen Leben ethisch vertretbar? Wo liegen die Risiken eines Missbrauchs? Wie würdet ihr handeln, wenn ihr in der Lage von Javiers oder Jamies Eltern wärt? In Anbetracht der Brisanz des Themas bin ich dieses Mal besonders auf eure Rückmeldungen interessiert. All eure Gedanken zum Thema, gleich in die Kommentare!


Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: http://webiva-downton.s3.amazonaws.com/877/59/3/6877/puzzle_baby_flyaway.png (13.07.2016, 14:49) – Kindergesicht in Puzzlestücke aufgeteilt.

 

http://i4.thejournal.co.uk/incoming/article4368764.ece/ALTERNATES/s615b/E186B3E7-E699-3059-2D9D06DA1DDA5737.jpg (13.07.2016, 14:52) – Familienbild mit einem Rettungsgeschwister.
http://www.stoppt-pid-und-klonen.de/uploads/bilder/full/arzt_reagenzglas_630x3604.jpg (13.07.2016, 14:53) – Baby im Reagenzglas.
http://www.esanum.de/wp-content/uploads/2015/01/Praeimplantationsdiagnostik.jpg (13.07.2016, 14:55) – Graphische Darstellung der Präimplantationsmethode.
http://www.jameda.de/gesundheits-lexikon/bilder/medium/266341.jpg (13.07.2016, 14:57) – Erklärung einer In-Vitro-Fertilisation.

 

Die vielen Gesichter des Eiffelturms

Der Eiffelturm, ein einmaliges Bauwerk? Keinesfalls! Inmitten von Hochhäusern, auf Dächern, in Parkanlagen oder sogar mitten auf dem Feld – kaum ein Monument wurde so oft kopiert und neu interpretiert wie das Paris Wahrzeichen. Mittlerweile sind manche Kopien selbst zu architektonischen Ikonen geworden.
Eiffelturm_Paris

Seit 1889 steht er am westlichen Ende des Champ de Mars und lockt jährlich Massen an Touristen an. Dass der „300 Meter Turm“ auch heute noch Millionen an Touristen in seinen Bann zieht ist keinesfalls selbstverständlich, sahen doch die ursprünglichen Pläne vor, den Turm nach bereits 20 Jahren wieder abzubauen.

Bau_Gesamt_Eiffelturm_Paris

Seit seiner Erbauung zählt der Eiffelturm als öffentliches Gut – jeder darf das Monument ohne Erlaubnis kopieren, vervielfältigen oder neu interpretieren. Lediglich der Name „Eiffelturm“, sowie die aufwendige Beleuchtung des Designers Pierre Bideau sind geschützt. Wer sein Restaurant oder Hotel danach benennen will, muss je nach Größe eine Gebühr entrichten. Trotzdem steht das Pariser Monument keineswegs für sich allein: Schon kurz nach der Eröffnung am 31. März 1889 wurde das 324 Meter hohe Monument in zahlreichen Ländern nachgebaut. Google Maps Link hier

Las_Vegas

Diese 165 Meter hohe Kopie des Pariser Vorbilds ist nicht nur eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Glücksspielstadt, sondern noch dazu die größte Replik des Eiffelturms überhaupt. Gemeinsam mit anderen Wahrzeichen wie dem Louvre, dem Triumphbogen, einer Miniaturausgabe des Montgolfier Ballons und der Pariser Oper bildet er, umrahmt von noblen Casino- und Hotelanlagen ein Gesamtensemble Pariser Sehenswürdigkeiten ab. Ursprüngliche Pläne sahen sogar vor, die Kopie größer als das Original zu bauen. Doch die Nähe zum Flughafen durchkreuzte dieses Vorhaben und man beließ es bei einem Modell im Maßstab 1:2. Die feierliche Eröffnung des „Paris Las Vegas“ genannten Areals erfolgte 1999. Google Maps Link hier

Eiffel_Turm_Kabul

Sogar in der afghanischen Hauptstadt steht eine Replik des Pariser Wahrzeichens – wenn auch in nicht ganz so zentraler Lage wie das Original. Google Maps Link hier

Parizh

Ganze 50 Meter Höhe misst der Sendeturm im sibirischen Dorf Parizh (Paris) in der russischen Provinz Tscheljabinsk. Den Namen erhielt das Dorf 1842 von russischen Kosaken, als Erinnerung an den siegreichen Kampf der Truppen unter dem Zaren  Alexander I. gegen die französische Armee Napoleons. Viele Touristen werden sich in das kleine idyllische Dorf am Ural wohl nicht verirren. Deshalb wird der Turm im Maßstab 1:5 bislang nur als Handymast genutzt. Google Maps Link hier

Parque_Europa

Im Parque Europa der spanischen Ortschaft Torrejon de Ardoz bei Madrid stehen neben der Miniaturausgabe des französischen Originals noch 17 weitere Kopien bekannter europäischer Monumente. Die Gesamtfläche der Parkanlagen misst insgesamt 230.000m². Google Maps Link hier

Tokyo_Tower

Das Tokioer Wahrzeichen, der Tokyo Tower überstrahlt nicht nur die japanische Hauptstadt, sondern ist mit einer Gesamthöhe von 333 Metern sogar noch größer als das französische Vorbild. Als NHK als erster nationaler Fernsehsender im Jahr 1953 die erste Sendung ausstrahlte, brauchte man einen leistungsstarken Sendemast. Da nach damaligem technischen Standard der Glaube herrschte, dass die Hauptstadt sehr bald von einer Vielzahl an Sendemasten bebaut sein würde, entschloss man sich zu einen großen und leistungsstarken Sendeturm. 2012 wurde das weltberühmte Wahrzeichen vom nur unweit entfernt gelegenen 634 Meter hohen Tokyo Skytree als höchstes Gebäude der Stadt abgelöst. Google Maps Link hier

Hangzhou

Besonders beeindruckend ist die 108 Meter hohe Kopie im „Little Paris“ der chinesischen Metropole Hangzhou in der Provinz Zhejiang. Hier beließ man es nicht bei einem Turm alleine, sondern kopierte ab 2007 mehr oder weniger erfolgreich die gesamte Parkanlage, mitsamt der umliegenden Wohnhausarchitektur. Heute ist dieser rund 31km² große Stadtteil im „chinesischen Paris-Style“ von gerade einmal 2.000 Menschen bevölkert und mittlerweile wie viele andere Planstädte Chinas zu einer Geisterstadt verkommen. Ehemalige Geschäfte sind längst geschlossen, die ersten Siedler  längst weitergezogen und die eben erst errichteten Gebäude verfallen nach und nach. Das Zentrum um den Eiffelturm zieht heute neben frisch verheirateten Hochzeitspaaren, deren Geldbeutel nicht für ein romantisches Foto vor dem Original reichte, auch wieder mehr Bauern an, die die angelegten Felder in direkter Umgebung um den Turm bewirtschaften. Google Maps Link hier

Eiffel_Turm_Filiatra

Diese im Dorf Filiatra entstandene Eiffelturm Replik im Maßstab 1:18 ist von rein privater Hand erschaffen worden. Scheinbar konnte der griechische Arzt Harris Fournarakis (Harry Fornier), der überwiegend in den USA arbeitete, dem französischen Original nicht nahe genug sein. Aus diesem Grund baute er sich am Ortseingang von Filiatra seine eigene 26 Meter hohe Kopie. Google Maps Link hier

La_Dolce_Vita_Caffe

Zu einer Plakatwand zweckentfremdet wurde der Eiffelturm in Brisbane, Australien. Passend dazu der Name der Lokalität, vor der die oben gezeigte Plakatwand steht: La Dolce Vita Caffe. Google Maps Link hier

Fes_Tour_Eiffel

Ein besonders skurril anmutendes Beispiel zeigt sich dem Besucher in der marokkanischen Stadt Fès. Um die freundschaftliche Verbundenheit zwischen Frankreich und Marokko zu verdeutlichen, entschloss sich die Gemeinde zum Bau dieses Eiffelturms neben einer Hauptstraße der Stadt. Das etwas abgelegene Monument war lange Zeit im Bau und wurde erst vor kurzem mit einem Stern an der Turmspitze vollendet.

Hiiumaa_Eiffel_Tower

Nur das Beispiel aus Estland dürfte den Vorgängerbau in Skurrilität noch deutlich übertreffen. Abgelegen an der Küste der estnischen Insel Hiiumaa in der Ortschaft Reigi steht diese komplett aus Holz errichtete Interpretation eines Eiffelturms. Sicherheitsbedenken beschäftigen die dortigen Behörden schon seit Jahren, ein Umstand der beim Anblick der waghalsig anmutenden Konstruktion niemanden verwundern dürfte. Google Maps Link hier

torre_reformador

Das in der guatemaltekischen Hauptstadt gebaute, und als Reformationsturm bekannte Eiffelturm-Imitat erhebt sich 71,85 Meter über eine darunter befindliche Straßenkreuzung. Die in den USA aus galvanisierten Stahl hergestellte Konstruktion wurde bereits 1935 zu Ehren des Präsidenten Justo Rufino Barrios errichtet. Ursprünglich trug das an eine Rakete erinnernde Design an der Turmspitze eine Glocke, die 1986 durch einen Scheinwerfer ersetzt wurde. Google Maps Link hier

Petrin_Tower

Inmitten des gleichnamigen Parks entstand bereits im Jahr 1891, der als Petřín Lookout Tower bekannte achteckige Miniatur-Eiffelturm mit einer Gesamthöhe von 63,5 Metern Höhe. Anders als das Original wird der Turm nicht von vier stählernen Schrägstützen getragen, sondern von einem eigenen Geschoß, das als Zugangsbereich dient. Früher als Sendeturm in Verwendung, ist der Turm heutzutage eine beliebte Touristenattraktion. Alleine im Jahr 2014 zählte man auf der Aussichtsplattform mehr als 557.000 Besucher. Google Maps Link hier

Suzhou_Dong_Wu

Um die Summe von umgerechnet 537.000 Euro gibt es in der chinesischen Großstadt Suzhou ein besonders grell beleuchtetes Beispiel einer Eiffelturm-Interpretation zu bewundern. Entworfen vom französischen Designer Patrick Ferenczi erstrahlt der Dong-Wu Tower in 30.000 Farben aus über 3.600 Lampen.

Sucre_Eiffel_Turm

Sollte es ein Original-Imitat geben, dann steht dieses zweifelsfrei in Bolivien. Gustave Eiffel, der Erbauer des Eiffelturms in Paris entwarf 1906 eine dem Eiffelturm nachempfundene Stahlkonstruktion, die drei Jahre später fertiggestellt wurde. In den ersten Jahren nach der Erbauung diente der Turm als Wetterstation und ist heute eine beliebte Touristenattraktion. Google Maps Link hier

Blackpool_Tower

Ideengeber war auch beim britischen Blackpool Tower der Eiffelturm in Paris. Nach dem Besuch der Pariser Weltausstellung gab der Bürgermeister John Bickerstaffe den Turm in Auftrag. Der in weiten Zügen an das französische Vorbild ähnelnde Turm  wurde im Jahr 1894 fertiggestellt. Die wohl größten Unterschiede zum Original liegen im Größenverhältnis von 1:2 und, dass der Turm nicht freistehend ist, sondern auf ein Gebäude aufgesetzt wurde. Google Maps Link hier

New_Brighton_Tower

Der New Brighton Tower in England wurde irgendwann zwischen 1898 und 1900 eröffnet und diente vorrangig zur Überwachung. Mit einer Gesamthöhe von 173 Metern galt er als höchster Turm Englands und musste bereits 1919 aufgrund von für den Eigentümer nicht aufzubringender Geldmittel für entstandene Instandhaltungskosten, abgetragen werden. Das darunter befindende vierstöckige Backsteingebäude stand bis zum Jahr 1969, als dieses durch einen Großbrand bis auf die Grundmauern niederbrannte und in Folge darauf ebenfalls abgerissen werden musste.

Ismaning

Der hölzerne Radio-Sendeturm nahe Ismaning ging bereits 1932 in Betrieb und wies eine Höhe von 156 Metern auf. Hierbei waren die ausfahrbaren Arme an der Turmspitze noch nicht mitgerechnet. 1977 sollte der Turm erneut generalüberholt werden, jedoch wurde er stattdessen aus Gründen der Rentabilität am 16. März 1983 abgerissen. Google Maps Link hier

Watkins_Tower

Um im Höhenwettbewerb mit der französischen Hauptstadt mitzuhalten, entschlossen sich auch die Briten zum Bau eines eigenen Stahlturms in der Hauptstadt Londons. Die Pläne waren von Ehrgeiz getrieben, sollte der Turm das Pariser Vorbild letztlich sogar um ganze 100 Meter Höhe (Gesamthöhe 358 Meter) übertreffen. 1891 begonnen, wurden die Bauarbeiten am Watkins Tower nach nur 47 Metern erreichter Höhe eingestellt und der unvollendete Turm bereits zwischen den Jahren 1904 und 1907 wieder abgerissen. Heute befindet sich an genau dieser Stelle das weltbekannte Wembley Stadion.

Funkturm_Berlin

Der Berliner Funkturm ist ein ehemaliger Sendeturm der vom Architekten Heinrich Straumer geplant und  zwischen den Jahren 1924 und 1926 erbaut wurde. Rechtzeitig zur Berliner Funkausstellung  wurde der Sendeturm mit dem Nicknamen „Langer Lulatsch“ eingeweiht und ist heute ein geschütztes Objekt und beliebter Touristenmagnet in der deutschen Hauptstadt. 1935 folgte eine ganz große Premiere: Von den dortigen Sendeanlagen wurde das erste offizielle Fernsehprogramm ausgestrahlt. Entgegen der ursprünglichen Verwendung befinden sich heute in etwa 52 Metern Höhe ein Restaurant und auf geschätzten 152 Metern eine Aussichtsplattform. Zuletzt wurde der Turm 1987 rundumerneuert – zum 750 Jahr-Jubiläum der Hauptstadt Berlin. Google Maps Link hier

Window_Of_The_World

Das „Window Of The World“ im westlichen Teil der chinesischen Stadt Shenzhen ist ein 48 Hektar großer Themenpark mit über 130 Nachbildungen weltbekannter Touristenattraktionen. Der 1997 eröffnete Park wird von einem 108 Meter hohen Eiffelturm dominiert. Google Maps Link hier

Lahore_Eiffel_Tower

Der Eiffelturm in Bahria Town im pakistanischen Lahore ist mit einer Höhe von rund 80 Meter der dritthöchste Eiffelturm der Welt. Der Turm lässt sich in drei Zonen gliedern: Restaurant, Kaffee und eine Aussichtsplattform. Leicht mit einem eingebauten Lift bis zur Plattform erreichbar, steht einem Dinner im Restaurant mit Weitblick nichts mehr in Weg.

Eiffel_Turm_Gomez_Palacio

Dieses Exemplar im Maßstab 1:6 in der mexikanischen Ortschaft Durango steht im Vergleich zum Original, in einer etwas unattraktiveren Umgebung. Das im Jahr 2007 von der französischen Gemeinschaft gespendete Monument empfängt auf der Aussichtsplattform bis zu maximal 16 Besucher gleichzeitig. Die Gesamthöhe beträgt immerhin rund 58 Meter und wird ähnlich wie das Original bei Nacht hell erleuchtet. Leider häufen sich auch die Fälle von Vandalismus in den letzten Jahren, der sich vermehrt in den Stützen zeigt und schlussendlich die gesamte Konstruktion schwächt.

Neben dem Eiffelturm wurde kürzlich auch das österreichische Dorf Hallstatt sowie die Skyline von Manhattan in China kopiert. Wie stehst du dem Nachbau von Wahrzeichen gegenüber?  Wie weit sollte man gehen und wann hat man die Grenze des guten Geschmacks überschritten? Welche Faszination verbirgt sich, dass besonders der Eiffelturm so oft kopiert / neu interpretiert wurde? Und wie ist deine persönliche Meinung im Bezug zur Nachhaltigkeit und Nachnutzung in Anbetracht der teils brachen Umgebung beziehungsweise der entstandenen Geister (-plan) städte im Speziellen in China? Deine Gedanken – Ab in die Kommentare!


Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: http://www.spiegel.de/fotostrecke/pariser-eiffelturm-nachbauten-aus-aller-welt-fotostrecke-112422-3.html (02.07.2016, 02:17) – Feldarbeit im chinesischen Hangzhou neben der Eiffelturm-Replik.

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f7/Eiffelturm,_Paris,_France.jpg (02.07.2016, 02:21) – Zentraler Blick auf den Eiffelturm in Paris.
http://momentum-magazin.de/de/125-jahre-eiffelturm-bauwerksgeburtstag/ (02.07.2016, 02:22) – Die einzelnen Bauphasen des Pariser Eiffelturms (Beide Bilder in Photoshop noch manuell zusammengeschnitten).
http://d1vmp8zzttzftq.cloudfront.net/wp-content/uploads/2012/05/replica-of-eiffel-tower-at-the-paris-hotel-on-las-vegas-boulevard-las-vegas-nevada-1600×1066.jpg (02.07.2016, 02:24) – Paris Las Vegas.
http://lollitop.magicgate.eu/media/LollitopMagicgate_003/lollitop_10__afghanistan_october_2010_files_a10_25587471.jpg (02.07.2016, 02:25) – Turm in Kabul im Nebel.
http://s00.yaplakal.com/pics/pics_original/3/7/7/6938773.jpg (02.07.2016, 02:27) – Sendeturm im sibirischen Dorf Parizh.
http://polpix.sueddeutsche.com/bild/1.1884257.1392053963/900×600/eiffelturm-plagiate-nachbau-turm-eiffel-tower-tour.jpg (02.07.2016, 02:29) – Eiffelturm des Parque Europa in Spanien.
https://okayadrienne.files.wordpress.com/2013/09/img_2093.jpg (02.07.2016, 02:30) – Tokyo Tower in Japan.
http://www.foynd.com/wp-content/uploads/2015/05/paris-in-china-2.jpg (02.07.2016, 02:32) – Blick auf „Little Paris“ in China mit Eiffelturm-Kopie.
http://static.panoramio.com/photos/large/59660816.jpg (02.07.2016, 02:35) – Eiffelturm in Filiatra/GRE.
1.bp.blogspot.com/-28EdbLnUGtw/VQwh71fDWII/AAAAAAAAFaQ/eMbbYAZyYco/s1600/SAM_6296.JPG (02.07.2016, 02:37) – Plakatwand des „La Dolce Vita Caffe“ bei Nacht.
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https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4d/Hiiumaa_Eiffeli_torn_2013.jpg (02.07.2016, 02:41) – Hölzerner Eiffelturm auf der Insel Hiiumaa in Estland.
http://static.panoramio.com/photos/original/61335791.jpg (02.07.2016, 02:43) – Der „Torre Reformador“ in Guatemala.
http://www.theladytravels.com/wp-content/uploads/2012/11/Prague-Petrin-Tower-.jpg (02.07.2016, 02:45) – Petrin Lookout Tower im Prager Petrin Park.
http://www.hindustantimes.com/rf/image_size_800x600/HT/p1/2014/01/29/Incoming/Pictures/1177929_Wallpaper2.jpg (02.07.2016, 02:47) – Dong-Wu Tower in der chinesischen Stadt Suzhou.
http://static.panoramio.com/photos/large/45169183.jpg (02.07.2016, 02:48) – Torre Eiffel von Gustave Eiffel in Bolivien.
http://www.hotelsblackpool.net/userfiles/blackpool_tower.jpg (02.07.2016, 02:51) – Blick vom Meer auf den britischen Blackpool Tower.
https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/originals/41/5c/0a/415c0ad36702f9d58c7defcff6545493.jpg (02.07.2016, 02:52) – Alte Fototgrafie des New Brighton Towers.
https://files1.structurae.de/files/photos/2328/ismaning02.jpg (02.07.2016, 02:47) – Schwarz-weiß Fotografie des Radio-Sendeturms nahe Ismaning.
http://static.messynessychic.com/wp-content/uploads/2016/02/Watkin_tower_first_stage-2.jpg (02.07.2016, 02:56) – Unvollendeter Watkins Tower.
http://www.funkturm-messeberlin.de/media/de/ccg/ccg_media/ccg_image/ccg_apps/ccg_mam/ccg_bildergalerien_funkturm/ccg_funkturm_aussichtsplattform/mam_192535_304775_Fancybox_1200px.jpg (02.07.2016, 02:58) – Blick auf den Berliner Funkturm.
https://tominshenzhen.files.wordpress.com/2012/03/img_9636.jpg (02.07.2016, 02:59) – Eiffelturm-Replik im chinesischen „Window of The World“ in Shenzhen.
http://67.media.tumblr.com/75feba0f7434650d26ef146ead861150/tumblr_nw3dmcoz3f1uck9lto1_1280.jpg (02.07.2016, 03:01) – 80 Meter hoher Eiffelturm im pakistanischen Lahore.
http://www.milenio.com/region/Jorge-Herrera-Caldera-Durango-Campillo_MILIMA20141003_0137_3.jpg (02.07.2016, 03:02) – Eiffelturm im mexikanischen Durango bei Nacht.

 

Wikipedia-Artikel über den Tokyo Tower (02.07.2016, 03:37) – Englisch
Wikipedia-Artikel zum Torre del Reformador (02.07.2016, 03:39) – Englisch