Das ist unser Nazi-Style

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Seien es Badges, Flaggen oder Helme – eine gewisse Begeisterung für Nazi-Devotionalien in Europa und Amerika musste sich nicht erst entwickeln. Die Mischung aus Sammelleidenschaft in Verbindung mit antisemitischem Rassenwahn ist schon lange irgendwie ein (kleiner) Teil unserer Gesellschaft. Dieses lukrative Geschäft mit unserer jüngeren geschichtlichen Vergangenheit schaffte es vor wenigen Jahren auch in Ostasien Fuß zu fassen. Ein Geschäftsmodell, das weniger mit dem ideologischen Wahn(sinn) wirbt, sondern auf die Unwissenheit der Menschen einerseits und der Gier nach Geld, Macht und Aufmerksamkeit andererseits setzt. Das Ergebnis ist der sogenannte Nazi-Style. Ein Trend, der nur wenig mit unserem Verständnis von Nazis gemein hat, aber dennoch eine große Gefahr in sich birgt.

Neo-Nationalismus hat vermutlich nie einen zuerkannten Anfang und wird wohl so schnell auch kein Ende nehmen. Juden- und Rassenhass gipfelten im zweiten Weltkrieg in der Hölle Europas und verstanden sich stets als Abgrenzung. Der Mitte der 70er Jahre aufkommende Nazi-Style der Punk-Subkultur hat damit wenig bis gar nichts mehr zu tun. Das Ziel ist es zu schockieren und gesellschaftliche Tabus zu brechen. Als prominente Beispiele dieser Zeit sind Jonny Rotten von den Sex Pistols in einem T-Shirt mit der Aufschrift „DESTROY“ und Siouxsie Sioux von Siouxsie and the Banshees, die bei ihren Auftritten um das eine oder andere Mal in S und M Kleidung in Verbindung mit einem Hakenkreuzarmband in Erscheinung trat, zu nennen.

Etwa ab den 1980er Jahren etablierte sich die „Nazi-Fashion“ in der asiatischen Pop- und Rock-Kultur. Die gängigsten Stilrichtungen sind „Swastikawaii“ (cute swatikska), dass das Symbol des Hakenkreuzes als Hauptmotiv benutzt und der „Führer-Chic“ – eine oft comichafte, verniedlichende Karikatur von Adolf Hitler.

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Mit 45.000 verkauften Exemplaren wurde die japanische Manga-Comic-Version von HitlersMein Kampf“ (jap. わが闘争) zu einem kleinen kommerziellen Erfolg.

Dass das wiedererkeimende nationalsozialistische Gedankengut im Pop- und Rock-Genre kein rein europäisch– und US-amerikanisches Problem darstellt, zeigte sich erneut Ende 2016 an der Kleidungswahl einer bislang populären japanischen Pop Gruppe. Keyakizaka46, eine Abspaltung der berühmten AKB46 Pop-Gruppe unter der Leitung eines hohen Aufsichtsratsmitgliedes für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, wurden national wie auch international heftig kritisiert, als sie während eines Halloween-Konzertes in nachempfundenen SS-Uniformen auftraten. Veröffentlichte Fotos zeigen Mitglieder der Band in an die nationalsozialistische SS-Einheit ähnelnden Uniformen und einer schwarzen Schirmmütze, auf der ein Adlerabzeichen prangt. Besonders kontrovers sind die Umstände, dass die Mehrheit der über 30 Mitglieder der J-Pop-Band selbst noch minderjährig sind, durch ihren Erfolg große Popularität unter Gleichaltrigen oder jüngeren japanischen Teenager genießen und Yasushi Akimoto, der Songschreiber und Producer der Band eine bedeutende Rolle in den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo innehat.

Kritik in den Social-Media Plattformen – allen voran auf Twitter folgte dem skandalösen Auftritt prompt.

„Nur weil du es nicht wusstest oder die Nazis selbst nicht in den Himmel lobst, gibt es dir noch lange nicht das Recht so etwas zu machen. In Anbetracht ihres Einflusses als „Idols“ ist das unverzeihlich.“

Twitter-User @batayanF3

Kurze Zeit später meldete sich auch Akimoto auf der Webseite von Keyakizaka46 zu Wort, der seine Verfehlungen als Produzent der Band zu tiefst bedauerte. Gleiches tat Sony, der Plattenverlag, der die japanische Gruppe bis heute unter Vertrag hält. Sony gab an, den Vorfall und die eigene Unwissenheit darüber zu tiefst zu bedauern, für die Zukunft daraus zu lernen und diesen Vorfall nicht mehr zu wiederholen.

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Zwei Mädchen der japanischen Pop-Band „Keyakizaka46“ (jap. 欅坂46) in ihrer Nazi-Uniform.

Ein frommer Gedanke, betrachtet man eine ähnlich verunglückte Kostümwahl nur wenige Jahre zuvor. Damals galt der Ärger der Japaner dem Musiklabel Sony, dem Fernsehsender MTV und besonders den Mitgliedern der Gruppe Kishidan, nachdem diese im abendlichen Fernsehprogramm in nachempfundenen Nazi-Uniformen aufgetreten waren. Eine Entschuldigung folgte erst, nachdem das Simon-Wiesenthal Zentrum, dass sich der Aufspürung antisemitischer Aktivitäten verschrieben hat, seinen Schock und Bedauern öffentlich machte.

Doch auch im von der japanischen Besatzungsmacht geschichtlich gebeutelten Südkorea scheint das Mitgefühl für manche nur sehr begrenzt zu existieren. Unter dem Begriff der Trostfrauen mussten Frauen aus Korea und China während der japanischen Besatzungszeit schlimmste sexuelle Übergriffe durch japanische Soldaten über sich ergehen lassen. Ein Schicksal, das das Nachkriegskorea ähnlich stark erschütterte, wie das Erbe des Nationalsozialismus in Europa. Und dennoch schrecken manche Geschäftsleute nicht davor zurück die dunkelste Vergangenheit gewinnbringend zu vermarkten. So geschehen in Busan, die bis 2008 eine „Hitler Techno Bar“ mit Abbild Adolf Hitlers inklusive ausgestreckter Hand zum Hitlergruß, Einheimische wie auch Touristen zum Feiern einladen sollte. Unter dem Eindruck jüdischer Proteste wurde zunächst 2003 die Bar in „Ddolf Ditler-Bar“ und wenig später in „Caesar“ umbenannt, ehe sie um das Jahr 2008 endgültig einer Karaoke-Bar weichen musste.

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Die „Ddolf Ditler Techno Bar“ in Seoul. An einem Schild am Eingang wurde nochmals extra darauf hingewiesen, dass der Betreiber der Bar nicht die Absicht habe die NS-Ideologie zu unterstützen oder zu bewerben. Könnte diese Aufmachung tatsächlich noch missverstanden werden? Ps.: Der unten abgebildete Text wurde sinngemäß ins Englische übersetzt!

Die Hitler oder Ditler-Bar ist nur eine von mehreren Bars in Südkorea, die in den letzten Jahren eröffnet wurden. Eine der bekannteren war die Bar „The Fifth Reich“ in Seouls Shinchon Bezirk. Bereits am Eingang war für jedermann klar ersichtlich – der Führer ist hier Programm! Ein weiteres Hitler-Bildnis zeigte sich dem Besucher über der Bar, an der Kellner und Kellnerinnen mit Hakenkreuzarmbändern Getränke mit vielversprechenden Namen wie „Adolf Hitler and Dead“ mixen. Zumeist junge Studenten aus der unmittelbaren Umgebung trafen sich hier inmitten aus der Romantik nachempfunden Säulen, Statuen mit goldenen Reichsadlern und mit Naziinsignien geschmückten Vitrinen. Neben der Kassa wurden Anstecknadeln und Abzeichen als Souvenirs an die zahlreichen Kunden zum Kauf angeboten. Für viele mag es wie eine Ruhmeshalle für eine Person gewirkt haben, die sechs Millionen Juden in den Holocaust schickte. Aber wie so oft waren sich auch hier viele der Bedeutung, die sich hinter dem Namen Adolf Hitler verbarg, nicht bewusst. So auch der Stammkunde Chung Jae Kyung:

„Ich hasse sie nicht. Ich mag sie aber auch nicht. Aber wenigstens haben sie sich gut angezogen.“

-Stammkunde Chung Jae Kyung über Nazis und Adolf Hitler

Ein Statement, dass in westlichen Ländern am ehesten der Neo-Nazi Szene zuordenbar wäre, aber in Südkorea unter dem Namen „Nazi-Chic“ gebräuchlich ist. Es ist dies eine mehr als bedenkliche Faszination für den militärischen Kleidungsstil aus der Zeit des Nationalsozialismus.

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Nazi-Chic ist vielmehr Teil der asiatischen Cosplayszene, als eine Verherrlichung der NS-Ideologie zu verstehen.

Kritik und Protest folgten. Jedoch zum Großteil nur aus den Reihen westlicher Ausländer. Es hat den Anschein, dass viele Koreaner den emotionalen Schritt des Mitgefühls für die Opfer des Holocausts nicht schaffen, obwohl das Land selbst unter der Besatzung Japans schwer zu leiden hatte. Für viele ist der Nationalsozialismus und der Holocaust ein Produkt des Westens, etwas das sich für Koreaner als sehr weit entfernt anfühlt und scheinbar mit ihnen wenig zu tun hat. Sie erachten es als ein rein europäisches Tabu-Thema, dass unter dem kulturellen Ballast nur wenig Raum für freie Interpretationsmöglichkeiten bietet.

Es dauerte einige Jahre und benötigte den Druck internationaler Organisationen, bis auch die koreanische Regierung den Druck auf die damaligen Eigentümer erhöhte, die Bar endgültig zu schließen. Und das, obwohl kein Gesetz in Südkorea die zur Schau Stellung von Nazi-Devotionalien explizit verbietet. Erst der Protest der israelischen und deutschen Botschaft erwirkte eine Umbenennung vom ursprünglichen Namen „Third Reich“ in „Fifth Reich“ und im Zuge dessen gelobte der neue Eigentümer Kim Kwang Tae Besserung, und die Nazi-Symbole zu entfernen. Den großen Versprechungen folgten kaum Taten: Die großen Reichsflaggen wurden abgehängt und das „Third Reich“ ging ins „Fifth Reich“ über. Alles andere wurde weitestgehend beibelassen. Das große Hitler-Portrait ließ er am angestammten Platz, da er laut eigener Aussage über kein Alternativbild verfügte. Und das Simon Wiesenthal Center? Das fühlte sich genauso wie die deutsche und israelische Botschaft übergangen, forderten sie doch eine gänzliche Schließung oder Denazifizierung des Lokals. Heute, 16 Jahre später erinnert nichts mehr an das „Fifth Reich“ von damals. Schon vor einigen Jahren ist das Lokal verkauft worden und unter einem neuen Eigentümer wurde wenig später ein neues Restaurant eröffnet – mit neuem Konzept gänzlich ohne nationalsozialistischen Nachgeschmack.

Ein guter Ruf ist Gold wert! – Ein Sprichwort ohne weiterer Daseinsberechtigung. Ähnliches dachte sich wohl auch die bis dahin mehr oder weniger unbekannte K-Pop BandPritz“ (프리츠) aus Südkorea, als sich das Management der Mädchenband zu diesem besonders geschmacklosen Kleidungsstil entschied: Die vier gecasteten Mitglieder mit den Namen Hana, Yuna, Ari und Shua – alle zwischen 18 und 24 Jahre alt hatten im Jahr 2014 ihren ersten Hit mit „Go Girls„, als im November des selben Jahres der Skandalauftritt mit den schwarz-roten Armbinden folgte. (Hier ist das Video zu sehen. Der Skandalauftritt startet ab Minute 4:11). Die Mädchenband gab an, sich bei dem Auftritt nichts gedacht zu haben, als sie mit an die NS-Zeit erinnernden Armbinden auftraten. Auch die Talentagentur Pandagram bestritt jeden beabsichtigten historischen Zusammenhang, obgleich bereits der Name „Pritz“ Gegenteiliges vermuten lässt. So steht Pritz nicht nur als mögliche Ableitung zum deutschen Wort Blitz, sondern für „Pretty Rangers In Terrible Zones„, was etwa so viel wie „Hübsche Jäger in schrecklicher Gegend“ heißt. Auch wenn der Auftritt tatsächlich entgegen unserer Vermutung nicht den Bekanntheitsgrad der noch jungen Gruppe fördern sollte, so hat sie eindrucksvoll Gegenteiliges bewirkt. National und international folgte eine Mischung aus Zorn, Spott und Ungläubigkeit als Reaktion auf die veröffentlichten Bilder. Manche sahen in den Armbinden sogar eine klare Referenz zu der ehemaligen faschistischen und antisemitischen Partei der „Pfeilkreuzler„, die zwischen den Jahren 1935 und 1945 in Ungarn bestand. Der Plattenfirma ist es ziemlich egal, ob Kritiker die Symbole mit ungarischen oder deutschen Nazis in Verbindung bringen. Für sie steht fest, dass die Inspiration des Symbols eines Kreuzes auf weißen Grund von einem Straßenschild herbeirührt. Ihrer Definition zufolge weisen die vier Pfeile des Kreuzes in alle vier Richtungen, um die grenzenlos glorreiche Zukunft der vier Mädchen zu symbolisieren. Keine Grenzen kennt zumindest ihr Einfallsreichtum, um auch in Zukunft mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Sei es in der Kostümwahl, oder auch den Stil anderer wie dem, der mittlerweile weltweit bekannten J-Pop/Metal BandBabyMetal“ zu imitieren.

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Die K-Pop BandPritz“ kurz nach dem skandalträchtigen Auftritt im Jahre 2014: Gut zu sehen sind die Armbinden der „glorreichen Zukunft„. Ob Absicht oder nicht, eine Ähnlichkeit zum Symbol der Pfeilkreuzler (Link) ist wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.

Der koreanische „Nazi-Style“ hat nicht nur die Pop- und Rock-Kultur für sich entdeckt, sondern sich mittlerweile auch das Massenmedium Fernsehen zunutze gemacht. Eine vor einigen Jahren ausgestrahlte Fernsehwerbung zeigt eine koreanische Frau in Nazi Uniform mit Geräuschen von Artilleriefeuer in Hintergrund, die der Werbung zu Folge genau weiß, wie sich Frau zu pflegen hat. Und wie? – Natürlich mit einer Gesichtscreme, die die Haut pflegt und bleicht um somit der idealen Rasse (Anspielung an den nordischen– oder arischen Rassentypus) zu entsprechen. Besonders hier zeigt sich abermals wie nahe Ignoranz und mögliche Anzeichen von NS-Fanatismus beieinanderliegen können.

“Even Hitler didn’t unite the East and West.“

-Aussage eines koreanischen Werbeclips für Hautcreme aus dem Jahre 2008

Ein weiteres Beispiel für misslungenes „Nazi-Cosplay“ in Südkorea folgte nur ein Jahr später in der Hauptstadt Seoul. Die anwesenden Passanten mögen wohl nicht schlecht gestaunt haben, mitten an einem kalten Jännertag auf eine Gruppe gut gebauter, halbnackter Koreaner zu treffen. Diese Männer im Militäroutfit mit dem Reichsadler auf der Militärmütze waren keine Fanatiker der NS-Ideologie, sondern gerade dabei das Computerspiel „Karma II“ zu promoten. Dabei stellt sich auch hier das Eine um das andere Mal die Frage, wie weit Werbung gehen darf und ob eine ausgestreckte Hand zum Hitlergruß vielleicht schon weit über die Toleranzgrenze hinaus geht.

Wenn auch diese hemmungslose Profitgier in einer rücksichtslosen, nach Aufmerksamkeit strebenden Welt Grund zur Sorge geben sollte, gelten diese Vorfälle in Korea und Japan im Gegensatz zu manch modernem Geschäftsmodell in Südostasien, als traurige Einzelerscheinungen. Dazu zählen unter anderem das indische Geschäft „Hitler Batteries„, das Kosmetikgeschäft „Hitler & Co Basilaromah„, das Bekleidungsgeschäft „Hitler„, „Hitler’s Cafe„, das dem „Kentucky Fried Chicken“ nachgeahmte „H-Ler Chicken Fry“ Restaurant im thilandischen Ubon Ratchathani und bis vor wenigen Jahren das „Soldatenkaffee“ im indonesischen Bandung. (Der jeweilige Standort wurde mit Google-Maps verlinkt)

Trotz mächtigem und aller demokratischen Grundrechten unterdrückendem Militärregime gilt immer noch Thailand als Hochburg der Verbreitung von Nazi-Devotionalien. Dazu sehr gut ins Bild passend verhält es sich mit dem Blogger Henry und seiner Nichte, die er im Urlaub in Thailand treffen wollte. Sie, eine Musikerin hatte sich auf der einen Kopfseite ein Peace-Zeichen rasieren lassen und auf der anderen Seite ein Hakenkreuz! Viele Jugendliche dort kennen die Bedeutung des Hakenkreuzes in der westlichen Welt überhaupt nicht – und die Gründe mögen vielschichtig sein, haben aber in der Regel mit dem westlichen Neo-Nationalsozialistischen Gedankengut kaum etwas zu tun. Dennoch wird dieser Trend mit Sorge betrachtet, erfreuen sich doch Hetzschriften wie „Mein Kampf“ in genau diesen Ländern reißendem Absatz.

Sie kennen zwar den Namen Adolf Hitler und auch seine Verbindung mit der Swastika, empfinden es aber trotzdem als „cool“ oder „rebellisch“ dieses in voller Größe auf dem T-Shirt zu tragen. Natürlich könnte man annehmen, dass hier eine Missinterpretation der Swastika im Buddhismus vorliegt, aber viel näher liegt vermutlich eine Verbindung zum verrückten Hasen Jolly Roger und Darth Vader, dem Bösewicht aus Star Wars. So, oder so, sie sind alle auf ihre ganz bestimmte Weise einfach nur „Bad Ass„.

„Es ist nicht unbedingt so, dass ich Hitler mag, aber er sieht lustig aus und die T-Shirts sind bei Jugendlichen sehr beliebt.“

-Aussage eines thailändischen T-Shirt Verkäufers zu CNN News

Möchte man den Berichten anderer Thailandtouristen Glauben schenken, ist der Trend der Swastika schon längst von einfachen T-Shirts auf nachgebaute Wehrmachtshelme, eigene Moped-Klubs, Hotels und Restaurants übergegangen, die sich der Geschichte des Dritten Reiches mehr oder weniger eingehend widmen. Hitler und das Hakenkreuz auf roten Grund kommen bei den Jugendlichen an und lässt sich gut zu Geld machen. Sie haben aber leider sehr häufig keine Ahnung über die wahre Bedeutung, die hinter der Symbolik steckt! Für sie ist es ein Stück Geschichte – nicht mehr, nicht weniger!

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Mit Adolf Hitler lässt sich bei Thailands Jugend gutes Geld verdienen – und das ganz offiziell und legal!

Ein Trend, der sicher bedenklich ist, aber in keinster Weise mit westlichem Antisemitismus zu vergleichen ist. Sie tragen SS und Hitler T-Shirts, leugnen aber in der Regel den Holocaust nicht – ehestens aus blankem Unwissen, das am Besten mit den Verschwörungstheorien wie der ersten Mondlandung oder dem 11. September 2001 zu vergleichen ist. Das Absetzen von eigenen abstrusen Theorien und Erklärungsversuche zu historischen Ereignissen durch „Laienforscher„, hat nicht nur die westliche Welt ergriffen und hier wie dort schon längst jede Tabugrenze überschritten. Aber denkt man hierzulande an den Umgang mit der Symbolik eines Che Guevara oder Mao Zedong und wie ihr geschichtliches Erbe vermarktet wird, sind die Thais und ihr Unwissen sogar beinahe entschuldbar. Oder welcher Europäer kennt die Bedeutung der „Flagge der aufgehenden Sonne“ – in Japan als Kyokujitsuki (旭日旗) bekannt? Und wer weiß, dass die Verwendung dieser Flagge ähnliche Verstimmungen in den ehemals von Japan besetzten Ländern Korea und China hervorruft? Manchmal sind es doch wir selbst, die sich der Weltgeschichte etwas genauer widmen sollten. Nichtsdestotrotz wird eine Che Guevara Pop-Gruppe oder ein Stalin-Restaurant in Europa auch hoffentlich in Zukunft eine surreale Vorstellung bleiben. Manchmal ist doch noch weniger mehr.

Wie siehst du den neu entfachten Nazi-Trend in Asien? Wie weit darf Werbung und Marketing gehen und ab wann werden eindeutig Tabugrenzen überschritten? Oder sollte es diesbezüglich für ein von braunem kulturellem Ballast unvorbelastetes Asien keine klaren Regeln geben? Schließlich sind auch die ehemaligen Revolutionsführer Che Guevara und Mao Zedong verehrte Kunstikonen in Europa. Die genauen geschichtlichen Hintergründe zu diesen beiden Personen scheinen hier in Europa, wie Adolf Hitler in Asien kaum von Relevanz zu sein. Und das in Anbetracht von geschätzten 45 Millionen Todesopfer, die durch Mord und Folter während der Herrschaft Maos zu Tode kamen. Wie ist deine Meinung dazu? Bin wie immer auf eure zahlreichen Antworten gespannt und verbleibe wieder bis zum nächsten Mal auf Facebook oder hier in den Kommentaren.

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Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: http://asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/05/nazicosplay1.jpg (04.02.2017, 03:01) – Zwei junge koreanische Männer im Nazi-Cosplay Kostüm. Vielen Dank an Andy/Dean, die mir diese Bilder zur Verfügung stellen!

http://scd.observers.france24.com/files/images/manga_Mein_Kampf-couverture_0.jpg (04.02.2017, 03:03) – Titelbild des japanischen Mangas über Hitlers „Mein Kampf“. Vielen Dank an das Team von „The Observers – France 24“.
https://i.guim.co.uk/img/media/ab458f45f470423f3bf8456f2a7ae5bc274cb86a/0_0_1277_766/master/1277.jpg?w=1920&q=55&auto=format&usm=12&fit=max&s=11fad750349590fc968fab3070682cb4 (04.02.2017, 03:04) – Zwei Mädchen der J-Pop Band „Keyakizaka46“ im Nazi-Outfit.
http://www.pusanweb.com/feature/hitlerbar/Apr23-04.jpg, http://www.pusanweb.com/feature/hitlerbar/Apr23-03.jpg (04.02.2017, 03:16) – Ddoif Ditler Techno Bar in Busan von der Außenfassade gesehen (Beide Grafiken im Microsoft Paint zusammengeführt). Der Dank geht an Jeff von Koreabridge, der mir dieses Bildmaterial zur Verfügung gestellt hat und mich mit wertvollen Informationen versorgt hat.
http://asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/05/nazicosplay5-500×280.jpg (04.02.2017, 03:20) – Junge Frau im Nazi-Cosplay. Vielen Dank an Andy/Dean, die mir diese Bilder zur Verfügung stellen!
http://cfile5.uf.tistory.com/image/260DA4405457A0AB17A550 (04.02.2017, 03:07) – Mitglieder der K-Pop Band „Pritz“ kurz nach derem skandalträchtigen Auftritt im November 2014. Alle Rechte am Bild verbleiben beim „C-Studio“.
https://www.flickr.com/photos/l_amande/6786192564/in/photolist-57ic6m-bkF1C5-Mp16Ah-PLYMy8 (04.02.2017, 03:23) – „Ronald McHitler“ in Thailand.

 

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Drogeriemarke DM: Hier bin ich Mensch, in China kaufe ich ein!

fake DM China
Nach Ikea, Apple und Golman Sachs hat es nun auch die deutsche Drogeriemarktkette DM erwischt. Plagiatoren zufolge wurde in einem Einkaufszentrum der chinesischen Metropole Shenyang eine detailgetreue Nachbildung einer DM Filiale entdeckt. Im Gegensatz zum „IFONE“,  „Dolce & Banana“, „Adadas“ oder „SQNY“ hat man sich nichteinmal die Mühe gemacht vom Original ein kleinwenig, und sei es dem Namen, abzuweichen. Sogar der bekannte Werbeslogan „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“ prangt über den Eingang. Perfektion im High-End Bereich. Diese Qualität zeigt sich nicht nur in der Aufmachung, sondern auch im inneren des Geschäftes und nicht zuletzt an den Artikeln. Im Gegensatz zu Chinas gefälschten Apple-Produkten, finden sich in der DM-Kopie überwiegend die Originalwaren der deutschen Drogeriekette.

Die Beliebtheit der Marke DM in China ist auch hierzulande kein großes Geheimnis mehr. Spätestens seit dem Skandal um verunreinigtes Baby-Milchpulver in China, wuchs die Sorge um das wohl des eigenen Kindes. Die Mütter der zahlungskräftigen Mittelschicht decken sich daher mit Babynahrung der Marke „Made in Germany“ ein. Da es in China keine DM-Filialen gibt, wird das Säuglingsmilchpulver, bevorzugt von der Marke „Aptamil“, im großen Stil nach China verschickt.

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Aufnahme der DM-Filiale in China

Und wie es meist ist, folgt auf eine Nachfrage auch ein Markt mit einem Netzwerk von Geschäftsleuten an deren Spitze. Eine dieser Marktstrategien wird über die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten des Internets abgewickelt. Chinesische Studenten, die in Österreich oder Deutschland studieren dienen dabei als Versuchskanninchen für die „Big Player“ am chinesischen Markt. Das einzige, dass benötigt wird ist das Internet. Über bekannte chinesische Gratis-Bloganbieter wird ohne allzugroße Vorkenntnisse ein eigener Blog erstellt. Normalerweise als eine Art Tagebuch im Gebrauch, wird dieser als Verkaufsoberfläche aufgebaut. Vernetzt mit anderen Blogs und Social Media Diensten aus China tritt man mit tausenden Müttern aus ganz China in Kontakt. Das einzige, dass man jetzt noch machen muss ist, sich mit denen in Verbindung zu setzen (Mobile Chat Apps) um dem potentiellen Kunden die Produkte anzupreisen. Angeboten wird hier mehr als reine Säuglingsnahrung: Schuhe, Kleidung usw. Aber das große Geschäft wird trotzdem vor allem mit dem bekannten Milchpulver aus Deutschland gemacht. Da Milchpulver nicht vom Ausfuhrverbot betroffen ist und darüberhinaus Pakete bis zu einem Gewicht von etwa 8 Kilogramm ohne weiteres verschickt werden dürfen, ist das Geschäft auch nicht als illegal zu bezeichnen. Geschützt ist nur das Höchstgewicht – hindert aber niemanden 20 oder mehr Pakete an einem Tag an unterschiedliche Adressen zu verschicken. Die Ware wird in China oftmals um den doppelten deutschen Einkaufspreis weiterverkauft und ist mit den dortigen Marktpreisen für deutsches Milchpulver der Marke „Aptamil“, trotzdem noch sehr günstig. In Anbetracht der zahlreichen Lebensmittelskandale und der damit verbundenen Unsicherheit, ist das Geschäft trotz allen Aufwands als Win-Win Situation für alle Beteilgite zu sehen. Den Eltern werden die Sorgen um ihren Säugling (etwas) genommen und für die Studenten dient die erwirtschaftete Gewinnspanne als gute Finanzierungsmöglichkeit des Auslandsstudiums.

Viele DM Filialen in Deutschland haben auf den Andrang bereits reagiert und eine pro Kopf Höchstabnahme-Quote eingeführt, um sich vor einem plötzlichen Leerstand der eigenen Filiallager zu schützen. Der Anonymität wegen, weichen auch immer mehr auf Onlineplattformen wie „Amazon“ und dergleichen aus. Hier kann man im Schutze der Anonymität auch größere Bestände kaufen – vor allem bei Angeboten. Ist der Verkauf einmal gut angelaufen, bleibt das dem einen oder anderen  Marktbeobachter in China nicht verborgen und diese versuchen im nächsten Schritt diesen Markt im großen Stil zu erobern. Wenn der Markt vorhanden ist, die errechnete Gewinnspanne groß ist, und sogar der Markt mit all seinen Risiken bereits im Vorfeld ausgetestet wurde, gibt es immer wieder genügend skruppellose Geschäftemacher, die trotz Copyright-Bestimmungen die lizensierten Hersteller um Millionenbeträge hintergehen.

Der Schaden für die deutsche Marke DM dürfte nicht unerheblich ausfallen, vor allem, da die Marke ein großes Vertrauen unter nationalen sowie internationalen Kunden genießt. DM Chef Erich Harsch zeigte sich von der Kopie der Filiale überrascht. Laut seiner Aussage erwägt DM in nächster Zeit keinerlei Expansionspläne nach China, noch wurde um Erlaubnis gefragt, Drogeriemärkte mit dem Dm – Logo und Claim in China zu betreiben. Ob gegen das Plagiatgeschäft vorgegengen wird, ist zur jetzigen Zeit noch offen. Wie ähnliche Fälle bereits zeigten, sind die Erfolgsausichten im Falle einer Klage als ohnehin sehr gering einzustufen.

Wie dieser Fall zeigt kann ein hohes Wirtschaftswachstum auf vielen Wegen erreicht werden. Die Produktion und der Verkauf von Plagiaten ist ein beteutender Wirtschaftszweig im Reich der Mitte geworden, welcher entscheidend zum Haushalt des Landes beiträgt. Offiziel ist diesem der Kampf angesagt worden, aber eigentlich ist ein hohes Wirtschaftswachstum das Standbein für Macht, Reichtum und Schutz vor sozialer Unzufriedenheit und sichert der pekinger Regierung die Macht und Kontrolle im Lande.

Um euch ein ungefähres Gefühl zu geben, welche Ausmaße die Verbreitung der Plagiate bereits annehmen, habe ich darunter noch ein paar Statistiken als Überblick zusammengestellt:

Wirtschaftlicher Schaden:
2006: 5 Milliarden Euro
2007: 7 Milliarden Euro
2009: 6,4 Milliarden Euro
2011: 7,9 Milliarden Euro
2013: 7,9 Milliarden Euro
Quelle: VDMA
Was wird plagiiert?
Komponenten: 64 %
Design: 56 %
Komplette Maschinen: 51 %
Ersatzteile: 44 %
Kataloge, Broschüren: 35 %
Bedienungsanleitungen: 16 %
Verpackungen: 12 %
Quelle: VDMA

Und darüberhinaus hat sich das Geschäftsfeld der Plagiatvertreiber ebenfalls stark geändert. Die Herstellung sowie der Verkauf finden nicht in kleinen abgelegenen Häusern, irgendwo im Asien oder Südamerika statt – sondern unter uns. Ganz selbstverständlich werden diese Waren auch in Ö. und D. auf Jahrmärkten angeboten oder in der Türkei, Spanien und Süditalien in eigenen Hotelshops zum Verkauf angeboten. Ganz offensichtlich und öffentlich! Daher ist der Plagiatsmarkt einer der aufstrebendsten Tätigkeitsfelder für viele Unternehmen. Die Frage stellt sich daher, wie man den Fluss an Fälschungen austrockenen könne. Und macht es Sinn, die Unternehmer zu verfolgen. Oder sollte man besser beim Endabnehmer (auch  in Europa) zuerst ansetzen, die den Markt als Abnehmer erst ermöglichen? Wie sollten die geschädigten Unternehmen reagieren? Könnte ein Fall wie der von DM auch als guter Test gesehen werden? – Noch bevor man tatsächlich in den ausländischen Markt expandiert, kennt man die Bandbreite an Interessenten und kann die Marktchancen für ein bestimmtes Produkt sehr genau abschätzen. Oder ist es einfach Betrug, an dem nichts gutgeheißen werden kann und deshalb mit aller Härte zu prozessieren sei?

Bin wie immer sehr auf eure Meinung gespannt, daher schickt mir eure Antwort unten als Kommentar! Braucht ihr weitere Informationen zu diesem Thema? – Dann folgt meinen links unten!


Weiterführende Links:
Wikipedia (09.10.2015, 00:02) – Deutsch
Bericht in „Die Welt“ (09.10.2015, 00:03) – Deutsch
Artikel in „Die Wirtschaftswoche“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Weiterführender Artikel „Die Wirtschaftswoche“ mit Statistik (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht über Goldman Sachs in „The Guardian“ (09.10.2015, 00:08) – Englisch
Leitartikel von „Handelsblatt“ mit Hintergründen und dem Video von NTV (09.10.2015, 00:10) – Deutsch
Hintergründe zum Goldman Sachs-Plagiat in China im „Manager Magazin“ (09.10.2015, 00:11) – Deutsch
Video auf „Focus Online“ (09.10.2015, 00:14) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild:
https://diggerfortruth.wordpress.com/2015/09/14/fake-leaders-for-fake-people/ (09.10.2015, 00:18)
http://www.auhofcenter.at/shops/dm-drogerie-markt/ (09.10.2015, 00:18)
Bericht in „Die Welt“ (09.10.2015, 00:03) – Deutsch
Artikel in „Die Wirtschaftswoche“ (09.10.2015, 00:04) – Deutsch
Weiterführender Artikel „Die Wirtschaftswoche“ mit Statistik (09.10.2015, 00:05) – Deutsch
Bericht über Goldman Sachs in „The Guardian“ (09.10.2015, 00:08) – Englisch
Leitartikel von „Handelsblatt“ mit Hintergründen und dem Video von NTV (09.10.2015, 00:10) – Deutsch