Kindesmissbrauch im Namen Jehovas

kindesmissbrauchÖffentlich prangern sie die katholische Kirche an, Fälle von sexuellem Missbrauch zu vertuschen. Bei ihnen, den Zeugen Jehovas – auch als JW.org oftmals bezeichnet, finden diese Verbrechen nicht statt. Um dieses Märchen aufrecht zu erhalten, versuchen sie mit allen Mitteln jegliche Zweifel an eine freie und friedliche Glaubensbewegung zu unterbinden. Eine Religionsgemeinschaft, die finanziellen Reichtum und Ansehen in der Welt über das Wohl der Mitglieder stellt.

Die Zeugen Jehovas sind den Meisten als von Haus-zu-Haus pilgernde Missionare bekannt, um den Ungläubigen das Wort Jehovas zu übermitteln. Das strenge Regelwerk, dass in ihrem Glauben für jede Situation des Alltagslebens eine Lösung bietet, beruht auf der „Neue-Welt Übersetzung“ der Bibel. Im Gegensatz zu vielen anderen Religionsgemeinschaften findet eine starke Trennung im Umgang zwischen Gläubigen und Ungläubigen statt, die sich neben privaten Kontakten auch auf Arbeits- oder Schulkollegen ausdehnt. In dieser für Außenstehende verborgenen Parallelgesellschaft wurden einer staatlichen Untersuchung in Australien zufolge seit 1950 mehr als 1.000 Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft des Kindesmissbrauchs beschuldigt. Und kein einziger Fall wurde je der Polizei gemeldet. Anstatt die Rechtsprechung in staatliche Hand zu übergeben zog man es vor, diese Vorfälle innerhalb der Gemeinschaft durch Kirchenälteste und deren Gesetzbuch „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“ zu lösen. Eine ganze Reihe an Kindesmissbrauchsermittlungen in den Kreisen der katholischen Kirche, sowie anderer Konfessionen, sorgen neben Europa auch in Australien seit mehreren Jahren für blankes Entsetzen.

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So sind sie uns alle bekannt: Für den Glauben opfern sie einen Großteil ihrer Freizeit. Aber nicht unbedingt freillig, wird doch von jedem Mitglied erwartet der Religionsgemenschaft bestmöglich zu dienen – vor allem finanziell!

Eines dieser Opfer, dass bei der Anhörung nur unter dem Synonym BCG auftreten wollte, erzählte der dort anwesenden Gerichtskommission, wie sie im Alter von 17 Jahren vom eigenen Vater, einem hohen Mitglied der Vereinigung sexuell missbraucht wurde. Auch ihre drei jüngeren, unmündigen Schwestern wurden zu Opfern. Obwohl andere Erwachsene von den Missbräuchen wussten, dauerte es sechs Jahre und drei Gerichtsverhandlungen, bis der Täter zur Rechenschaft gezogen wurde. Im Glauben der Zeugen Jehovas kann alleine das Gebet zu Jehova dazu führen, dass der Peiniger von einem ablässt. Diese Doktrin gab ihr die nötige Kraft, aber auch Angst über eine so lange Zeit zu schweigen.

„Ich betete immer zu Jehova, dass er Engel um mein Bett positioniert, die mich vor meinem Vater beschützen. Er half mir aber nicht und mein Vater machte immer weiter.“

– Aussage von BCG im Zeugenstand

Mittlerweile ist BCG 44 Jahre alt und verbrachte den Großteil ihrer Jugendjahre in Angst gegen ihren Vater auszusagen. Von der Gemeinschaft auszutreten und sich somit dem Peiniger zu entziehen, kam für sie nicht in Frage, da ihr seit der Kindheit eingebläut wurde, dass Gott jeden verlässt, der ihm nicht gehorcht. Außerdem sind alle nicht Gläubigen Sünder und der Kontakt mit ihnen ist nach Möglichkeit zu meiden – engste Familienmitglieder mit eingeschlossen. Schließlich vertraute sich BCG den Kirchenältesten an, der sie nach den Regeln der Zeugen Jehovas dazu aufforderte ihren Vater mit diesen Anschuldigungen zu konfrontieren. Der eigene Vater bedrohte sie daraufhin und behauptete von ihr verführt worden zu sein. Ihrem Peiniger gegenüber zu stehen verstärkte das Leid nur. Sie wurde daraufhin angewiesen, ihren Vater zu respektieren und niemandem von diesem Gespräch zu erzählen.

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Schläge im Namen des Herrn machen aus den Opfern schweigsame Individuen, die letztlich alles über sich ergehen lassen, bis der Missbrauch zur Routine wird.

Ein besonders aufsehenerregender Fall ereignete sich vor einigen Jahren um ein 26-jähriges Missbrauchsopfer in Kalifornien, dem schlussendlich eine Entschädigung von umgerechnet 25 Millionen Euro zugesprochen wurde. Diese Frau wurde zwischen den Jahren 1994 und 1995 im Alter von neun und zehn Jahren von einem Mitglied der Zeugen Jehovas sexuell missbraucht. Im Verfahren gegen ihren Peiniger Jonathan Kendrick gab sie zu Protokoll, dass es für die Ältesten der Zeugen Jehovas eine 1989 verfasste Richtlinie gebe, wie mit den Opfern und Tätern zu verfahren sei. Die Absicht dahinter ist nicht dem Wohle der Opfer untergeordnet, sondern die Fälle intern zu klären und nach außen hin geheim zu halten. Jim McCabe, Anwalt der Vereinigung bestreitet diesen Vorwurf. Seiner Aussage nach halten die Zeugen Jehovas Kindesmissbrauch genauso ungesetzlich wie der Rest der Welt und er bestreitet, dass ein Dokument existiere, das gegen diese Auffassung spreche. Bill Bowen, ein sogenannter Ehemaliger der Zeugen Jehovas sieht dies ganz anders. Seinen Quellen zufolge ist die Organisation im Besitz einer Liste mit fast 24.000 erfassten Namen mutmaßlicher Kinderschänder aus den eigenen Reihen. In diesem Register werden alle intern gemeldeten Vorkommnisse aufgelistet und unter Verschluss gehalten. Zum Wohle der Organisation natürlich!

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Nicht selten werden der Missbrauch sowie der Schutz der Kinder zum Thema in den hauseigenen Publikationen. Die Ratschläge richten sich beinahe immer auf die Gefahr außerhalb der Organisation, während die Verbrechen in den eigenen Reihen ignoriert werden.

Die Gründe, die zu Folge haben, dass Verbrechen in den eigenen Reihen der Zeugen Jehovas nicht gesühnt werden, liegen unter anderen am Bestreben unbeteiligte Glaubensbrüder und -Schwestern nicht mit negativen Einflüssen zu belasten. Kein Wunder also, dass innerhalb der Organisation das Problem des Kindesmissbrauchs durch meist hochrangige Mitglieder offiziell nicht existiert. Um die Täter innerhalb der Gemeinschaft zur Rechenschaft zu ziehen, anstatt diese der weltlichen Exekutive zu übergeben, stellt das „Gesetzbuch“ mit dem Titel „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“ einen Riegel vor jede weitere juristische Handlung. Dieses „Lehrbuch der Königreichsdienstschule“ wird jedem Ältesten bei Antritt seines Dienstes ausgehändigt und erst bei Amtsniederlegung wieder zurückgegeben. Die Gesetzestexte, die der Auslegung der Jehova-Bibel entsprechen sind Weisungen, wie mit Konflikten aller Art innerhalb der Gemeinschaft zu verfahren ist. Allen anderen Mitgliedern ist es verboten in diesem Buch zu lesen oder gar zu besitzen, obwohl es in unserem Zeitalter der Digitalisierung jederzeit und für jeden zur Verfügung steht.

Im Abschnitt „Teil 5c“ des Buches wird unter dem Titel „Missetat mit Weißheit und Barmherzigkeit behandeln“ genau geregelt, wie man im Falle eines Kindesmissbrauchs zu handeln hat. Der übergeordnete Grundsatz entstammt einer Bibelpassage aus dem Buch Matthäus:

„Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde!“

– aus dem Buch Matthäus 18:15-17

In der Auslegung der Zeugen Jehovas sollte das Opfer den ersten Schritt machen, um die „Angelegenheit“ zu bereinigen. Älteste können ihn dazu ermuntern. Erst danach sollten eine oder zwei weitere Personen hinzugezogen werden, um mit dem Opfer zu reden.

Heute weiß man, dass es sowohl bei den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche, wie auch der Zeugen Jehovas oftmals Mitwisser gab, aber fast immer eine Meldung nach außen hin ausblieb. Stattdessen vergingen oftmals viele Jahre des fast täglichen sexuellen Missbrauchs, bis sich die Opfer trotz Scham- und Angstgefühlen jemanden anvertrauten.

Jetzt könnte man zumindest denken, dass spätestens nach dem Gespräch zwischen dem Opfer und einem Geistlichen, beziehungsweise die um Rat hinzugezogenen Personen dem Missbrauchsopfer geholfen wird. Doch weit gefehlt! Laut Ältestenlehrbuch sollte es sich…

„…vorzugsweise um Zeugen der vorgeworfenen Missetat handeln oder um geachtete Brüder – in der Regel Älteste – , die das Beweismaterial untersuchen und Rat erteilen, wie die Angelegenheit bereinigt werden kann.“

– Zitat aus dem Buch „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“

In der Praxis wird man bei sexuellem Missbrauch nur selten einen oder gar zwei unabhängige Zeugen finden. Ganz zu schweigen von Beweisen. Im Text der Zeugen Jehovas heißt es zwar, dass im Falle von Beweismangel, in dem kein Komitee gebildet werden kann, zwei Älteste die Angelegenheit überprüfen sollten, aber das Hauptproblem bleibt die Beweisbarkeit.

„Das Komitee sollte erst dann gegen jemanden vorgehen, wenn das Beweismaterial eindeutig für die Notwendigkeit spricht.“

– Zitat aus dem Buch „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“

Und als Beweismaterial gilt:

„Es muß zwei oder drei Augenzeugen geben, nicht nur Personen, die das wiedergeben, was sie gehört haben; gibt es nur einen Zeugen, kann nichts unternommen werden (5. Mo. 19:15; Joh. 8:17).“

– Zitat aus dem Buch „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“

Sollte das Komitee aus welchen Gründen auch immer dem Opfer tatsächlich glauben und den Peiniger verurteilen, kann dieser bei echter Reue (im Sinne des biblischen Glaubens) sogar gänzlich straffrei ausgehen. Ganz unabhängig von der Schwere des Verbrechens. Ansonsten wird der Beschuldigte von der Gemeinschaft verbannt. Dieser Urteilsspruch gilt bei den Zeugen Jehovas als Höchststrafe, als von Gott Jehova getrennt und kann nach einer gewissen Zeit der Sühne auch wieder zurückgenommen werden. Ein weltlicher Anspruch auf Gerechtligkeit ist für das Opfer in der Gerichtbarkeit der Zeugen Jehovas nicht vorgesehen. Um auch weiterhin Fälle von Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen intern klären zu dürfen, beruft sich die Organisation in den USA auf den ersten Verfassungszusatz. Sie nutzen dabei das in der Verfassung zugesprochene Recht der freien Glaubensausübung, um Informationen zu Sexualstraftätern nicht den Behörden übergeben zu müssen. Konkret wird der Vereinigung vorgeworfen, dass seit über 25 Jahren Anweisungen von höchster Stelle ausgegeben wurden, wie intern mit Sexualstraftätern umzugehen ist und wie diese Informationen den Behörden systematisch vorenthalten werden sollen. Nur die Führung der Zeugen Jehovas darf entscheiden, ob eine Person mit einer Vergangenheit als Kinderschänder auch als Sexualstraftäter einzustufen ist. Sie bilden damit in gewisser Weise einen Parallelstaat mit eigener Justiz.
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Die Zentrale der Zeugen Jehovas in Brooklyn, New York. Von hier aus werden mehr als acht Millionen Mitglieder geleitet.

Rundschreiben, die seit 1989 an Älteste geschickt wurden und auch von der Zentrale im New Yorker Stadtteil Brooklyn, dem Watchtower abgesegnet wurden, führten zu mehreren besonders tragischen Fällen, in denen Kinder über Jahre hinweg von den selben Personen regelmäßig sexuell missbraucht wurden. Beobachtern zufolge werten einige Älteste ihr Recht auf freie Glaubensausübung höher als das Wohl des Kindes, obwohl die Führung betont, stets mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Der interne Umgang mit den Tätern zeigt hier ein klar anderes Bild: Selbst nach diversen Gerichtsprozessen und Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe zeigt ein internes Rundschreiben, dass sich bis heute nicht viel geändert hat und die Täter unter dem Deckmantel der Religion noch immer vor echten Konsequenzen geschützt werden.
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Im Umgang mit Opfer und Täter hat sich seither wenig geändert.

Ob in Europa ein ähnliches Vorgehen gilt, ist aus meiner Sicht derzeit nicht zu beurteilen. Jedoch betont die JW.org in ihren zahlreichen Publikationen, dass es sich als „weltweite Einheit“ versteht, die auf gleiche Werte aufbaut.

Wo siehst du die Gefahren der Zeugen Jehovas? Welche Erfahrungen machtest du bisher mit dieser Religionsgemeinschaft oder kennst du selbst jemanden, der Mitglied bei den Zeugen Jehovas ist beziehungsweise war? Die Verknüpfung zwischen Glaube und Religion ist aktueller den je. Sei es die Diskussion um die Vollverschleierung in Verbindung mit Frauenrechten im Islam oder die Vorkommnisse in diversen katholischen Kinderheimen. Wie weit darf Religion gehen und wo sind die Grenzen? Wie kann man zukünftige Generationen Kinder und Jugendlicher vor kriminellen Machenschaften im Namen der Religion schützen? Freue mich wie immer auf eure zahlreichen Antworten! Bis dahin verbleiben wir wie immer auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

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Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/de/kind-missbrauch-angst-stop-1152327/ (24.09.2016, 16:52) – Kind mit Teddybär.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zeugen_Jehovas#/media/File:Evangeliza%C3%A7%C3%A3o.jpg (24.09.2016, 16:53) – Mitglieder der Zeugen Jehovas bei der Missionierung.
http://www.gesellschaft.dergloeckel.eu/2011/01/halleluja-top-secret-der-missbrauch-von-kindern-bei-den-zeugen-jehovas/ (24.09.2016, 16:55) – Zwei Ausschnitte aus einer Zeitschrift der Zeugen Jehovas zum Thema „Die Rute der Zucht“.
http://www.gesellschaft.dergloeckel.eu/2011/01/halleluja-top-secret-der-missbrauch-von-kindern-bei-den-zeugen-jehovas/ (24.09.2016, 16:57) – Zwei Titelblätter der Zeitschrift „Erwachet!“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zeugen_Jehovas#/media/File:Watchtower_Bible_%26_Tract_Society_(world_headquarters).jpg (24.09.2016, 20:36) – Zentrale der Zeugen Jehovas.