TTIP – Wo liegt das Problem?

TTIP GrundlagenAm 17. Juni 2013 starteten am Rande des G8-Gipfels in Nordirland die Verhandlungen zum wohl bedeutendsten völkerrechtlichen Vertrag zweier Staatengemeinschaften. Mehr als drei Jahre sind nun vergangen, aber die Verunsicherungen sind nicht abgeebbt. Nachrichten weltweit kennen seither nur noch ein Thema, oder besser gesagt vier Buchstaben: TTIP. Es ist die Rede vom Wirtschaftsaufschwung, billigen Exporten über den großen Teich und Chlorhühnern im Supermarkt. Aber was ist TTIP genau und wie berechtigt sind unsere Ängste?

Bereits am 18. und 19. Juni 2013 folgte ein erneutes Treffen zwischen Merkel und Obama. Diesmal in der deutschen Hauptstadt Berlin. Neben dem Thema der atomaren Abrüstung wurde erstmals medienwirksam für das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen geworben. Außenminister Westerwelle sah in dem historischen Besuch den „symbolischen Startschuss“ für TTIP. Eine Annäherung, die zukünftig für mehr Wachstum und Beschäftigung auf beiden Seiten sorgen soll und von beiden Parteien ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen voraussetzt. Die Vertrauenskrise folgte fast zeitgleich mit den ersten TTIP-Protesten, als durch die, von Edward Snowden erbeuteten WikiLeaks-Dateien zutage kam, dass Deutschland und andere Staaten der europäischen Union schon seit Jahren im großen Stil von der NSA ausgespäht wurden. Während die deutsche Regierung noch mit einem nie unterzeichneten „No-Spy Abkommen“ zwischen der europäischen Union und der USA versuchte, die kritischen Stimmen im eigenen Land zu besänftigen, erhärtete sich infolge der WikiLeaks Veröffentlichungen der Verdacht, dass der gläserne Mensch bereits zur Realität geworden war und Datenschutz nur noch am Papier seine Gültigkeit besitzt.

„Ausspähen unter Freunden – Das geht gar nicht!“

-Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Ausspäh-Vorwürfen durch die NSA-

Das Verschweigen vollendeter Tatsachen und Merkels angeblicher Wunsch einer Verhältnismäßigkeit, mit der die Überwachungsprogramme betrieben werden sollten, aber nie wurden, wirkten sich in puncto Vertrauen nicht sonderlich förderlich aus. Die Auswirkungen zeigten sich in einer gestiegenen Verunsicherung und einer Vertrauenskrise zwischen der Regierung und dem Volk auf beiden Seiten des Atlantiks, die wiederum anhaltend zu einer Vielzahl von Gerüchten und Mutmaßungen führten. Letzteres ausgelöst, da bis zum heutigen Tag wenig gesicherte Informationen zu den Verhandlungsinhalten bekannt sind. Aber was ist nun TTIP, was macht es und was weiß man explizit darüber?

Wer von TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) spricht, setzt vermutlich historisch an jenen Sommertagen des Juni 2013 an, um die Ursprünge und Vorkommnisse seither zu erklären. Aber das ist nur die halbe Wahrheit! In Wirklichkeit begann die Geschichte des Freihandels und im weiterem Sinne auch die von TTIP mit Adam Smith, dem Begründer der modernen Ökonomie. Für ein Abkommen, dass diese Tage Tausende auf die Straße treibt, schuf er vor etwa 200 Jahren die Grundidee. Das Wesen des Freihandels basiert auf der Lehre des freien Wirtschaftsliberalismus. Demzufolge ist der Reichtum eines Landes umso größer, je weniger es sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischt. Das Gegenteil des Freihandels ist der Protektionismus – eine totale Abschottung nach außen, wie wir sie am deutlichsten in Nordkorea sehen, und die Abkehr davon in China und Südkorea beobachten konnten. Anfang des 19. Jahrhunderts machte Smiths Idee Schule. In England gründete sich eine Vereinigung gegen Getreidezölle, die die „Corn Laws“ zu Fall brachten. 1834 gründete sich der deutsche Zollverein, aus dem der innerdeutsche zollfreie Binnenmarkt hervorging, der wiederum als Grundpfeiler eines später geeinigten Deutschlands gilt. Weitere ähnliche Abkommen in Europa folgten, bis ein Netzwerk aus unterschiedlichen Freihandelsabkommen den Kontinent umspannte. Seither wurden Freihandelsunionen immer wieder neu gegründet und auch wieder aufgelöst – meist verursacht durch internationale Krisen wie militärische Konflikte und Finanzchrashs. Diese Vielzahl an Freihandelszonen mündete zunächst in einer Idee der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft), später der EG (Europäische Gemeinschaft) und schlussendlich der EU (Europäische Union). Nicht zuletzt wegen der Abschaffung der Zölle und dem freien Warenverkehr zwischen den Mitgliedsstaaten, gilt dieses Bündnis als großer Erfolg.

Adam Smith Portrait

Adam Smith, der Ur-Vater von TTIP.

Die Idee, der alle Freihandelszonen, Wirtschafts– und Währungsunionen unterliegen ist der Abbau von Handelshemmnissen sowie von Import-Export Kontingenten zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten. Somit können sich die einzelnen Länder vermehrt auf ihre eigenen Stärken konzentrieren und müssen nicht alles selbst produzieren. Das mündet in Produkte besserer Qualität, die Preise für Konsumenten werden gesenkt und der Wettbewerb unter den Herstellern über Ländergrenzen hinweg garantiert Investitionen in die Forschung und führe schlussendlich zu Innovationen – zumindest im Idealfall. Der Aufstieg der Wohlstandsnationen begann damit, dass sich die Industrien gegen die Konkurrenz aus dem Ausland mit Schutzzöllen abschotteten. Ein Szenario, dass auch im Streit mit Chinas Überproduktion am Rohstoffmarkt als Option am Verhandlungstisch bereit liegt, um Produkte der europäischen– und US-amerikanischen Metallverarbeitungsbranche vor dem Wertverfall zu bewahren. Die Schutzzölle von Ländern wie zunächst Großbritannien und den USA, sowie später von  Japan und auch der Bundesrepublik Deutschland wurden erst gelockert und andere Staaten zum Freihandel gedrängt, als sie den Wettbewerb nicht mehr fürchten mussten. Aufsteiger wie China oder Südkorea folgten später dem britischen Beispiel. Jedoch vielen Ländern Afrikas blieb dieser Weg versperrt, weil sie überschuldet waren. Um weitere Gelder zu erhalten, machte der IWF (Internationaler Währungsfond) die Liberalisierung des Handels zur Bedingung. Anstatt eine eigene konkurrenzfähige Wirtschaft aufzubauen, kamen westliche Konzerne bei Aufträgen zum Zug und trieben die ohnehin schon wirtschaftlich ausgehungerten Länder in die Abhängigkeit des Westens. Nationale sowie internationale Konflikte am afrikanischen Kontinent trugen zur weiteren Verschuldung bei und förderten den Ausverkauf der Rohstoffe an die wohlhabende westliche Welt.

Sei es in der Arbeitswelt oder im Konsum: Durch die Globalisierung und dem Wettbewerb gilt es selbst eine Vorreiterrolle in der Welt einzunehmen oder zumindest mit den anderen Staaten Schritt zu halten. Fachleute halten es daher für zeitlich notwendig in Hinblick auf die Weltwirtschaftskrise, der hohen Arbeitslosigkeit und den neuen Wirtschaftsmächten in Ostasien, die unter anderem von eigenen, erst vor wenigen Jahren gegründeten Freihandelszonen profitierten, aufzuschließen. Ihnen zufolge müsse Europa jetzt nachziehen und sollten nicht länger zusehen, wie andere die Regeln für die Weltwirtschaft von morgen schreiben.

Das geplante EU-US Handelsabkommen (oder „TTIP„, Transatlantic Trade and Investment Partnership) ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen der europäischen Union und der USA, der eine umfassende Zusammenarbeit in vielen Wirtschaftsbereichen vorsieht. Obwohl ein Großteil der verhandelten Inhalte nach über drei Jahren noch immer nicht veröffentlicht wurde, gibt es mehrere bekannte Eckpunkte, auf die der Vertrag aufbauen soll. Dabei ist es laut Verhandlungsparteien das oberste Ziel Wirtschaftswachstum und ein Mehr an Arbeitsplätzen auf beiden Seiten des Atlantiks zu schaffen. Um einen Austausch von Waren und Personal zu ermöglichen ist, ganz im Interesse der EU, ein Diskriminierungsverbot vertraglich festzuschreiben. Das heißt: Was für Inländer gilt, soll auch für Ausländer gelten –  laut Verhandlungspartner besonders wichtig bei der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen und der wirtschaftlichen Entwicklung. Eine Regelung die nicht unumstritten ist, obwohl sie innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten schon lange zur Normalität gehört. Dies soll es mittelgroßen Firmen und Konzernen wie VW, die noch immer mit Handelsbarrieren am US-Automarkt zu kämpfen haben, erleichtern dort aktiv zu werden. Diese Barrieren beginnen schon beim Verzollen von Waren. Zwar sind die US-amerikanischen Zölle niedrig, aber bei Handelsvolumen von vielen Milliarden Dollar pro Jahr, ein durchaus ernstzunehmender wirtschaftlicher Faktor. Ein Handicap, mit dem bislang vor allem deutsche Firmen zu kämpfen haben, betragen doch deren EU-Exporte in die USA stolze 30 Prozent!

Containerschiff_Hanjin

Mit dem Wegfall der Zölle hofft die EU die Wirtschaft kräftig anzukurbeln und sich mit Waren „Made in EU“ am lukrativen US-Markt stärker zu etablieren.

Ein noch größerer Einschnitt in nationale Reglungen und sogleich Auslöser für eine Vielzahl von öffentlichen Massenkundgebungen auf beiden Seiten betrifft die geplante Vereinheitlichung von Standards und Regelungen. Grundsätzlich haben Regulatoren auf beiden Seiten des Atlantiks dieselben Ziele, erfüllen diese aufgrund von Traditionen aber oftmals unterschiedlich in Form und Qualität. Daraus entstehen Hürden auf beiden Seiten, die den Austausch von Waren und Dienstleistungen untereinander erheblich erschweren. Besonders gut zeigt sich dies am Begriff des Architekten: Während in Deutschland, Italien und Frankreich der Begriff geschützt ist und die damit verbundene Qualifikation nur durch ein Hochschulstudium mit anschließender mehrjähriger Praxis zu erreichen ist, kann sich in Schweden und Dänemark im Prinzip jeder als Architekt bezeichnen. Die Überprüfung derer erfolgt erst bei Einreichung des Bauantrages. In den USA ist es zwar sehr ähnlich zu unserem System, der Titel jedoch wird von einer ganz anderen Stelle vergeben. Diese unterschiedlichen Begriffsdefinitionen, die es selbst in der bereits stark regulierten europäischen Union gibt, zeigen die Schwierigkeiten mit denen man bei einer schriftlichen Festlegung von Regulatoren des TTIP-Vertrags konfrontiert ist. Experten der TTIP-Befürworter sehen darin zwar einen mühsamen Prozess, um einerseits die Interessen beider Seiten zu wahren und andererseits einen gemeinsam gültigen Text zu formulieren, aber eben auch den großen Vorteil bei der Entwicklung zukünftiger Standards von Beginn an zusammenzuarbeiten und somit mögliche Barrieren von Anfang an zu vermeiden. Gegner befürchten hingegen, dass demokratische Prozesse in den jeweiligen Ländern zuerst an international gültige Richtlinien (TTIP) angepasst werden müssen und somit internationales Recht über nationale Interessen gestellt wird. Eines dieser zukünftigen Themen könnte die Vereinheitlichung von Ladesteckern bei Elektroautos betreffen. Speziell darin sehen beide Handelsmächte in TTIP ihren großen zukünftigen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber die immer mächtiger und an Einfluss gewinnenden Wirtschaftsgröße Ostasiens. Zieht man in Anbetracht, dass immerhin fast 40 Prozent des globalen Welthandels zwischen der EU und der USA stattfindet, könnten unsere Firmen Vorreiterrollen für zukünftige Standards einnehmen, die anschließend auf anderen Märkten der Welt übernommen werden.

Die EU bestätigte erst unlängst, dass etwa 93% der Gespräche in den Vorverhandlungen mit Vertretern der Großkonzerne und Lobbys stattfinden. Aufgrund des aggressiven Lobbyings der Finanzwirtschaft will die EU auch Finanzdienstleistungen verhandeln, da Finanzregulierungen als Handelshemmnisse (die es nach Abschluss des TTIP-Vertrags nicht mehr geben darf) gesehen werden. Auf Druck der Finanzlobbys könnten diese Regulierungen zurückgenommen oder Zukünftige verhindert werden. Das betreffen Kapitalverkehrskontrollen, eine angemessene Besteuerung des Finanzsektors oder effektive Antigeldwäschevorschriften. Die deutsche Bankenbranche hat bereits selbst gesagt, dass sie über das Abkommen Vorschriften in den USA kippen möchte, die verhindern, dass Banken zu groß zum Pleitegehen sind. Damit wären alle Versuche umsonst gewesen, die Banken Im Falle einer zukünftigen grob fahrlässigen Verschuldung in die Pflicht zu nehmen.

Gründe für einen schnellstmöglichen Abschluss von TTIP gibt es für die USA viele und würde den Umfang dieses Artikels sprengen. Der Hauptgrund, der diesen Aufwand und alle Risiken rechtfertigt ist, wie soll es im 21. Jahrhundert auch anders sein, billige Energie. Bis zum Jahr 2020 sollen in den USA täglich bis zu 170 Millionen Kubikmeter Gas mittels der umstrittenen Fracking-Methode gefördert werden. Aufgrund dieser Überproduktion fiel der Gaspreis in den USA mittlerweile um die Hälfte des Preises des Nordseegases. Durch Fracking hat sich die USA innerhalb kürzester Zeit vom Gasimporteur zum Exporteur entwickelt und verhandelt jetzt in welche Region der Welt zukünftig geliefert werden soll. Billige Energie auf lange Zeit ist die große Begehrlichkeit von Industrie und Kommission in Europa und die USA können sich aussuchen wohin sie liefern – in den Osten von Asien oder doch nach Europa. Senkt man die geltenden Einfuhrzölle um ein oder zwei Prozent und baut ebenso Handelsbarrieren ab, die mit geltenden Sozial-und Umweltstandards beschrieben werden, kommt man auf die Summe von 100-120 Milliarden Euro, die sich die USA und EU von diesem Deal in Form von Einsparungen erwarten. Kritiker hingegen gehen davon aus, dass das Geld und das prognostizierte Wachstum von 0,5 Prozent nur den Großkonzernen zugutekommen und die Mittelschicht davon kaum etwas spüren wird. Ein Erfolg zu welchem Preis? Mit TTIP könnte die USA nicht nur ihr Gas exportieren, dass trotz allem in den USA weiterhin teurer sein würde als hier, sondern gleichzeitig die aus ihrer Sicht übertriebenen EU-Umweltstandards auf US-Niveau zurückschrauben und die Vorherrschaft der US-Industrie auf europäischem Boden zementieren. Zu diesem Zweck gibt es in den TTIP-Verhandlungsunterlagen den Punkt des „Investorenschutzes„, die es den US-Konzernen erlaubt bei Verstoß gegen den Vertrag (Errichtung von Handelsbarrieren) zu klagen. Manche mögen diese Angst als unbegründet ansehen, aber im Falle des Freihandelsabkommens zwischen Kanada, USA und Mexiko (NAFTA) ist genau das geschehen – sogar mehrmals. Als Mais infolge der Marktöffnung in Mexiko einen Preisverfall in hohem zweistelligen Prozentbereich erfahren hatte, versuchte die mexikanische Regierung durch Handelsbarrieren dem entgegen zu wirken und somit den Kleinbauern, die mit den Handelspreisen der großen US-Agrarkonzerne nicht mithalten konnten, das Überleben zu sichern. Die USA verklagte daraufhin den Staat Mexiko um mehrere Milliarden Dollar und bekam Recht! Es ist nicht verwunderlich, dass es die Mexikaner sind, die Europa davor warnt denselben Fehler zu machen.

Bauer in Mexiko

Zuvor noch für den Eigenverbrauch angebaut, schuften seit dem NAFTA-Abkommen tausende Kleinbauern für wenig Geld auf den Feldern der US-Agrarkonzerne.

Neben all den aufgezählten Eckpunkten des Vertrags, die nur einige der mutmaßlichen Schwerpunkte von TTIP darstellen, sind zum tatsächlichen Stand der aktuellen Verhandlungen bislang nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen. Weiterhin ist das Handelsmandat der EU geheim. Das EU-Parlament wird zum Stand der Verhandlungen zwar unterrichtet, ist aber ihrerseits zur Geheimhaltung verpflichtet. Ist der Vertrag einmal ausverhandelt müssen sie dem Text zur Gänze zustimmen oder ablehnen. Nationalparlamente werden in die Entscheidung nur eingebunden, wenn deren Kompetenzen vom Abkommen erfasst werden. Ein Vertragsabschluss ist zwar mit Ende des Jahres 2016 angesetzt, aber Branchenexperten zufolge wohl nicht mehr einhaltbar. Als zu groß gelten die Barrieren, zwischen denen sich die USA und die europäischen Union gegenüber stehen. Selbst ein Scheitern von TTIP ist nach momentanen Informationsstand (der leider sehr dürftig ausfällt) nicht gänzlich auszuschließen.

Es sind zumindest die wenigen „Leaks„, die manches ansatzweise erahnen lassen. So gab es nach der dritten Verhandlungsrunde des vorangegangenen Jahres, die natürlich abermals hinter verschlossenen Türen stattfand, einen Aufschrei der TTIP-Gegner mit anschließendem Shitstorm im Netz. Der „geleakte“ und veröffentlichte TTIP-Text enthält die Vorschläge einer zukünftigen Zusammenarbeit zwischen den USA und der europäischen Union. John Clancey, Pressesprecher der Kommission hatte nach Bekanntwerden des Leaks das Papier als „Ohnehin bekannte Position“ der EU heruntergespielt und die Konsumentenschützer der CEO, die das Papier veröffentlichten, als „Feinde des Handels“ bezeichnet. Aus dem Dokument geht hervor, warum die Kommission einen positiven Abschluss der Verhandlungen um beinahe jeden Preis anstrebt: So soll die Kommission gemeinsam mit dem US-Handelsministerium in Zukunft bereits Verhandlungen aufnehmen, bevor neue EU-Richtlinien in Kraft treten. All das soll angeblich ganz im Sinne des guten Willens geschehen, um Handelsbarrieren erst gar nicht entstehen zu lassen. Auf Anfragen soll so schnell wie möglich ein Dialog aufgenommen werden und von einer „Schlanken Verwaltung“ abgewickelt werden. Hier ist der gesamte Umfang des Originaldokuments frei verfügbar.

Am Beispiel zukünftiger Feinstaubgrenzwerte würde das bedeuten, dass zuerst der Handelskommissar mit seinem US-Pendant den Dialog aufnimmt. Wird die neue Gesetzesänderung als Handelshemmnis wahrgenommen, tritt ein „Schlankes Schiedsgericht“ zusammen, um darüber abzustimmen. All das geschieht hinter verschlossenen Türen, wie auch zukünftige Entscheidungen des „Regulativen Kompensatzionsrates“ nicht öffentlich sind – und zwar schon lange bevor das EU-Parlament vom Vorhaben der Kommission überhaupt Bescheid weiß. Sehr wohl informiert – und zwar von Anfang an – sind die Interessensvertreter der Industrie! Seit diesem Leak, der nur als einer von vielen (aber noch immer viel zu Wenigen) gilt, hat die Verschwiegenheit der Verhandlungspartner, die ohnehin je kaum bereit waren ein ausführliches Statement abzugeben, nochmals zugenommen.

Chlorhuhn

Auch wenn behauptet wird, dass es ein Chlorhuhn aus US-amerikanischen Schlachtbetrieben bei uns nie geben wird, ist es denkbar, dass TTIP dies über das „Gleichheitsgebot“ zu einem späteren Zeitpunkt noch ermöglicht.

Das war der erste Teil des großen TTIP-Spezials! Wie denkst du zum Freihandelsabkommen mit den USA? Bist du ein Befürworter oder Gegner und welche Hoffnungen/Befürchtungen umgeben dich? Gerne würde ich auch wissen, welche Fragen rund um TTIP dich beschäftigen und worüber du noch unbedingt informiert werden möchtest. Wir werden in den nächsten Wochen darauf ausführlich eingehen. Das nächste TTIP-Spezial gibt es in rund zwei Wochen wieder und widmen uns dann verstärkt den genauen Inhalten der einzelnen Eckpunkte von TTIP und welche Auswirkungen diese auf unsere Zukunft haben könnten. Bis dahin verbleiben wir auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

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Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2016/04/22/13/02/ttip-1345714_960_720.jpg (28.08.2016, 01:59) – Logo Ortstafel TTIP Vs. Demokratie

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/6b/Adam_Smith%2C_1723_-_1790._Political_economist_-_Google_Art_Project.jpg/492px-Adam_Smith%2C_1723_-_1790._Political_economist_-_Google_Art_Project.jpg (28.08.2016, 02:01) – Portrait von Adam Smith.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/cd/Containerschiff_Hanjin_Chicago.jpg/800px-Containerschiff_Hanjin_Chicago.jpg (28.08.2016, 02:02) – Containerschiff im Hafen.
http://www.trueten.de/uploads/ChiapasV2b4.jpg (28.08.2016, 02:04) – Mexikanische Bauern bei der Feldarbeit.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a4/Crapaudine-1.jpg (28.08.2016, 02:06) – Hühnchen auf Schneidebrett.

 

Wenn das Walt Disney wüsste…

Endlich ist es soweit: Shanghai hat seit Juni diesen Jahres ein eigenes Disneyland! Trotz aller Neuigkeit, ist ein chinesischer Themenpark mit Goofy, Mickey Maus und Donald Duck nichts Neues – existiert ein Disney-Park in Peking unter dem Namen Shijingshan Freizeitpark doch bereits seit dem Jahr 1986. Eine Welt voller Wunder in der nichts so ist wie es scheint und Urheberrechte keinerlei Gültigkeit besitzen.
Schloss Shijingshan

Im Jahr 1986, als der Shijingshan Freizeitpark (北京石景山游乐园) in Chinas Hauptstadt Peking eröffnet wurde, war dies vermutlich einer der ersten offensichtlichen Annäherungen an der westlichen Definition von Freizeitvergnügen. Um was es sich bei diesem Park nun tatsächlich handelt, weiß scheinbar trotz jahrelangem Bestehen nicht einmal der Betreiber selbst. Irgendetwas zwischen einem ganzjährigen Jahrmarkt und Disneyland des schlechten Geschmacks. Wie unverschämt man sich hierbei am Original bediente, zeigt bereits das weithin sichtbare Wahrzeichen des Freizeitparks, das Dornröschenschloss.

Schneewittchen Shijingshan

Nicht viel besser wird es, sobald man den Hauptboulevard erst einmal verlassen hat. Besonders in den Mai-Feiertagen wurden die Parkwege von einer Vielzahl von Mitarbeitern in Kostümen nachgebildeter bekannter Figuren gesäumt. Sei es Schneewittchen und die sieben Zwerge eine Frau und sieben Zwerge,

Ente im Matrosenanzug Peking 2008

Donald Duck eine Ente im Matrosenanzug neben dem Maskottchen für die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking,

Fake Shrek

ein grüner Oger, der nicht zufällig Shrek aus dem gleichnamigen Film ist,

Fake Goofy

Goofy ein Cartoon-Hund,

Fake Doremon

ein katzenähnliches Wesen, das natürlich nichts mit der beliebten japanischen Figur Doraemon gemeinsam hat

Fake Hello Kitty

und eine weiße Katze mit einer Masche auf dem Kopf.

Epcot Shijingshan

Und was muss ein Fake-Disneyland neben all den Figuren und einem Märchenschloss noch haben? Natürlich ein Epcot Center – wenn es auch etwas kleiner ausgefallen ist, als das Original.

Shijingshan Park Touristen

Erst als 2007 ein Reporterteam von Japans Fuji TV den Shijingshan Freizeitpark besuchte, wurde dieser über Nacht einem großen Publikum außerhalb Chinas bekannt. Es waren natürlich nicht die Attraktionen, die auf den ersten Blick durchaus unterhaltsam erscheinen, sondern die Vielzahl an Urheberrechtsverletzungen die ihn berühmt machten. Bereits der Slogan „Disney ist zu weit weg, darum besuche den Shijingshan Freizeitpark“ lässt vermuten, dass Ähnlichkeiten mit den bekannten Figuren um Mickey Maus, Donald Duck und Shrek nicht nur beabsichtigt sind, sondern das Kernkonzept des Parks darstellen. Selbst der weltweit operierende Disney-Konzern wusste bis dahin nichts von der Existenz dieses Parks, obwohl dieser zum damaligen Zeitpunkt bereits beinahe 30 Jahre lang existierte.

Shijingshan verlassen

Trotz aller offensichtlichen Urheberrechtsverletzungen war die Einsicht vonseiten des stellvertretenden Geschäftsführers nicht sonderlich groß. Dieser räumte zwar ein, dass es keine Verträge zwischen Disney und dem Shijingshan Freizeitpark gäbe und die Figuren auch Ähnlichkeiten zu bekannten Vorbildern zeigten, aber bestritt vehement, dass es sich hierbei um Kopien handle. Obwohl seither nicht mehr viel über den Park berichtet wurde, zeigen aktuelle Bilder, dass Darstellungen von Mickey, Donald und Co mittlerweile mehrheitlich aus dem Park verschwunden sind, aber seither auch die Besucher ausbleiben und viele der Attraktionen völlig überaltert oder mittlerweile überhaupt geschlossen wurden.

Dumbo Ride Shijingshan

Der Eintritt beträgt heute umgerechnet 1,50€ und ist in Relation zu den Preisen eines Disneyland-Resorts fast geschenkt, müsste man nicht für jede Attraktion weitere 1.40€ – 8.00€ zahlen. Und was bekommt man dafür geboten? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Dumbo Elefanten Karussell?

Shrek Fake

Eine Fahrt mit der Shrek King Kong Schaukel?

Bugs Bunny Shijingshan

Oder Bugs Bunny auf einem LSD-Trip? Wobei es sich hier „natürlich“ nur um einen Hasen im Frack handelt und Ähnlichkeiten zu der Figur von Looney Tunes völlig von der Hand zu weisen sind.

Dreamworld Map Laos

Betrug ist zeitlos und Geschichte wiederholt sich in regelmäßigen Abständen! Genauso ergeht es dem Disneykonzern seit das südasiatische Land Laos verkündete, innerhalb eines neuen städteplanerischen Großprojekts mit dem Namen „Thaklek Dreamworld City“ ein eigenes Disneyland namens „Disney Laos“ zu errichten. Um die geltenden Copyright-Gesetze zu umgehen, ist man sich auch in Laos keiner Ausrede zu schade. Einem offiziellen Statement zufolge sieht Somijith Aliyaphaphone, einer der Vorstandsmitglieder und Miteigentümer des zukünftigen Parks, keine Konflikte mit den bestehenden Gesetzen, da seiner Meinung zufolge der geschützte Name „Disneyland“ hier keine Verwendung findet und „Disney Laos“ auch etwas gänzlich anderes sei und die Aufmachung sowie die Namensgebung  des Parks nichts mit dem bekannten Konzern gemeinsam haben. Es darf bezweifelt werden, dass Disney seiner Auslegung des geltenden Patentschutzes folgen wird.

Schloss Disney Shanghai

Zumindest in China dürfte sich die Diskussion um Urheberrechtsverstöße weitgehend beruhigt haben, seit das offizielle Disney nicht nur Produkte im Reich der Mitte verkauft, sondern im Juni 2016 ein eigenes Disney Resort in Shanghai eröffnet hat. Damit erhofft man sich neben einem großen Geldsegen, die Marke gegen Fälschungen und Fake-Resorts zu stärken. Dass der neue Markt mitunter durchaus Schwierigkeiten bereiten kann, beweisen wohl diese Bilder.

Trotz aller offensichtlichen und umfangreichen Verstöße gegen geltende Urheber- und Markenrechte bleibt die Frage, wie man sich als Unternehmen gegen staatlich genehmigte Fälschungen entgegenstellen kann. In der Musik- und Filmindustrie wurden uns die Entwicklungen sehr deutlich gezeigt: Um Ideen und Waren zu fälschen braucht es seit vielen Jahren keine gut organisierte Banden mehr, sondern lediglich einen Computer mit Internetanschluss. Das illegale Kopieren von Musik und der Betrug am Künstler sind längst zum Massenphänomen geworden, an dem P2P-Netzwerke wie Limewire oder Torrent gut verdienen. Wie weit darf ein Staat wie im Fall des Shijingshan Freizeitparkes gehen, um das Volk zu einem leistbaren Preis zu unterhalten? Und welche Qualität darf dabei erwartet werden? Welcher Preis ist hier fair und wieviel sind wir selbst bereit zu zahlen? Deine Meinung – wie immer ab in die Kommentare!


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Weiterführende Links:
Bericht zum Freizeitpark vom japanischen Fernsehsender Fuji TV (08.08.2016, 01:18) – Japanisch, Deutsche Untertitel
Informationen über den Shijingshan Freizeitpark für Touristen (HP, Adresse, Telefon) (08.08.2016, 01:54) – Deutsch
CNN: Bericht zu den Hintergründen der Urheberrechtsstreeitigkeiten um den pekinger Freizeitpark (08.08.2016, 01:57) – Englisch
China Highlights: Touristeninformationen rund um Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise und den einzelnen Attraktionen. China-freundlich! (08.08.2016, 01:59) – Englisch
Vielzahl an Bilder auf Flickr, die den Zustand des Parks nach 2008 dokumentieren (08.08.2016, 02:01)
Reisebericht eines Bloggers zum Shijingshan Park aus dem Jahre 2013 (08.08.2016, 01:29) -Englisch
Asiaobscura: Der Freizeitpark heute mit all den vorhandenen (Disney-Like) Attraktionen (08.08.2016, 01:31) – Englisch
Englischsprachiger Artikel, der alle Fernsehausschnitte zum Park nochmls zeigt und diese erläutert (08.08.2016, 01:33) – Englisch
Dailymail: Hintergründe zu den Urheberechtsverstößen (08.08.2016, 01:36) – Englisch
Leitartikel zum „Disney Laos“ mit Bezugname auf den pekinger Freizeitpark (08.08.2016, 01:38) – Englisch
Weitere seltsame Vergnügungsparks weltweit (08.08.2016, 02:08) – Englisch
Offizielle Seite der „Thaklek Dreamworld City“ (08.08.2016, 01:42) – Englisch
Aktuelle Bilder zu den Attraktionen des Shijingshan Vergnügungsparks (08.08.2016, 02:13) – Portugiesisch
Bericht eines Besuchers des Shanghai Disney-Resorts (08.08.2016, 02:15) – Enlisch
Probleme im Disney-Resort Shanghai mit Müll und Urin (08.08.2016, 01:48) – Englisch

Quellenangaben:
Titelbild: http://blog-imgs-96.fc2.com/n/i/w/niwaka2pow/691_20160504095105d82.jpghttp://www.disneyeveryday.com/wp-content/uploads/2011/02/N7-51_8x50973521-819×1024.jpg (07.08.2016, 20:47) – Mickey Maus im Disney  Resort im Vergleich zur Fake Maus im Shijingshan Freizeitpark / Bild mit Photoshop zugeschnitten.

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/31/Beijing_Shijingshan_Amusement_Park.JPG (07.08.2016, 20:50) – Dornröschenschloss im Shijingshan Freizeitpark in Peking.
https://i.yomyomf.com/wp-content/uploads/2011/05/Shijingshan-Amusement-Park-400×300.jpg (07.08.2016, 21:01) – Schneewittchen und die sieben Zwerge im Fake Disneyland.
http://www.japanprobe.com/2007/01/fake-donald-beijing.jpg (07.08.2016, 21:06) – „Donald Duck“ mit Maskottchen der olympischen Sommerspiele 2008 im pekinger Freizeitpark Shijingshan.
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:08) – Shrek-änliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 0:27).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:17) – Goofy-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 0:24).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:21) – Doraemon-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 2:54).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:24) – Hello Kitty-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 2:56).
http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956996.jpg (07.08.2016, 21:28) -EPCOT Center im Shijingshan Freizeitpark.
http://english.cri.cn/mmsource/images/2009/04/27/4354shijingshan.jpg (07.08.2016, 21:35) – Der Park während der Mai-Feiertage.
http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956891.jpg (07.08.2016, 21:37) – Geschlossene Verkaufsstände im Freizeitpark / Bildgröße weicht vom Original ab.
http://i2.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/dumboride.jpg?w=640 , http://i0.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/dumboride2.jpg?w=640 (07.08.2016, 21:41) – „Elephant Ride“ / Bilder mit Photoshop zugeschnitten.
http://i1.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/shrekride.jpg?w=640 (07.08.2016, 21:43) – King Kong Schaukel im Shijingshan Freizeitpark.
http://i1.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/bugsbunnycloseup.jpg?w=640 , http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956961.jpg (07.08.2016, 21:46) – Bugs Bunny mit roten Augen / Bilder mit Photoshop zugeschnitten.
https://mothersdirt.files.wordpress.com/2016/08/98370-laos-thakhek2bdream2bworld2bcity-1-plan-akanedevelopemntcom-702104.png , http://www.akanedevelopment.com/images/content__images/image_460x300a.jpg (07.08.2016, 21:56) – Plan der „Thaklek Dreamworld City“.
https://backpackerlee.files.wordpress.com/2016/06/shanghaidisney7.jpg?w=768&h=510 (07.08.2016, 21:57) – Dornröschenschloss im Disney-Resort Shanghai.