Wenn das Walt Disney wüsste…

Endlich ist es soweit: Shanghai hat seit Juni diesen Jahres ein eigenes Disneyland! Trotz aller Neuigkeit, ist ein chinesischer Themenpark mit Goofy, Mickey Maus und Donald Duck nichts Neues – existiert ein Disney-Park in Peking unter dem Namen Shijingshan Freizeitpark doch bereits seit dem Jahr 1986. Eine Welt voller Wunder in der nichts so ist wie es scheint und Urheberrechte keinerlei Gültigkeit besitzen.
Schloss Shijingshan

Im Jahr 1986, als der Shijingshan Freizeitpark (北京石景山游乐园) in Chinas Hauptstadt Peking eröffnet wurde, war dies vermutlich einer der ersten offensichtlichen Annäherungen an der westlichen Definition von Freizeitvergnügen. Um was es sich bei diesem Park nun tatsächlich handelt, weiß scheinbar trotz jahrelangem Bestehen nicht einmal der Betreiber selbst. Irgendetwas zwischen einem ganzjährigen Jahrmarkt und Disneyland des schlechten Geschmacks. Wie unverschämt man sich hierbei am Original bediente, zeigt bereits das weithin sichtbare Wahrzeichen des Freizeitparks, das Dornröschenschloss.

Schneewittchen Shijingshan

Nicht viel besser wird es, sobald man den Hauptboulevard erst einmal verlassen hat. Besonders in den Mai-Feiertagen wurden die Parkwege von einer Vielzahl von Mitarbeitern in Kostümen nachgebildeter bekannter Figuren gesäumt. Sei es Schneewittchen und die sieben Zwerge eine Frau und sieben Zwerge,

Ente im Matrosenanzug Peking 2008

Donald Duck eine Ente im Matrosenanzug neben dem Maskottchen für die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking,

Fake Shrek

ein grüner Oger, der nicht zufällig Shrek aus dem gleichnamigen Film ist,

Fake Goofy

Goofy ein Cartoon-Hund,

Fake Doremon

ein katzenähnliches Wesen, das natürlich nichts mit der beliebten japanischen Figur Doraemon gemeinsam hat

Fake Hello Kitty

und eine weiße Katze mit einer Masche auf dem Kopf.

Epcot Shijingshan

Und was muss ein Fake-Disneyland neben all den Figuren und einem Märchenschloss noch haben? Natürlich ein Epcot Center – wenn es auch etwas kleiner ausgefallen ist, als das Original.

Shijingshan Park Touristen

Erst als 2007 ein Reporterteam von Japans Fuji TV den Shijingshan Freizeitpark besuchte, wurde dieser über Nacht einem großen Publikum außerhalb Chinas bekannt. Es waren natürlich nicht die Attraktionen, die auf den ersten Blick durchaus unterhaltsam erscheinen, sondern die Vielzahl an Urheberrechtsverletzungen die ihn berühmt machten. Bereits der Slogan „Disney ist zu weit weg, darum besuche den Shijingshan Freizeitpark“ lässt vermuten, dass Ähnlichkeiten mit den bekannten Figuren um Mickey Maus, Donald Duck und Shrek nicht nur beabsichtigt sind, sondern das Kernkonzept des Parks darstellen. Selbst der weltweit operierende Disney-Konzern wusste bis dahin nichts von der Existenz dieses Parks, obwohl dieser zum damaligen Zeitpunkt bereits beinahe 30 Jahre lang existierte.

Shijingshan verlassen

Trotz aller offensichtlichen Urheberrechtsverletzungen war die Einsicht vonseiten des stellvertretenden Geschäftsführers nicht sonderlich groß. Dieser räumte zwar ein, dass es keine Verträge zwischen Disney und dem Shijingshan Freizeitpark gäbe und die Figuren auch Ähnlichkeiten zu bekannten Vorbildern zeigten, aber bestritt vehement, dass es sich hierbei um Kopien handle. Obwohl seither nicht mehr viel über den Park berichtet wurde, zeigen aktuelle Bilder, dass Darstellungen von Mickey, Donald und Co mittlerweile mehrheitlich aus dem Park verschwunden sind, aber seither auch die Besucher ausbleiben und viele der Attraktionen völlig überaltert oder mittlerweile überhaupt geschlossen wurden.

Dumbo Ride Shijingshan

Der Eintritt beträgt heute umgerechnet 1,50€ und ist in Relation zu den Preisen eines Disneyland-Resorts fast geschenkt, müsste man nicht für jede Attraktion weitere 1.40€ – 8.00€ zahlen. Und was bekommt man dafür geboten? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Dumbo Elefanten Karussell?

Shrek Fake

Eine Fahrt mit der Shrek King Kong Schaukel?

Bugs Bunny Shijingshan

Oder Bugs Bunny auf einem LSD-Trip? Wobei es sich hier „natürlich“ nur um einen Hasen im Frack handelt und Ähnlichkeiten zu der Figur von Looney Tunes völlig von der Hand zu weisen sind.

Dreamworld Map Laos

Betrug ist zeitlos und Geschichte wiederholt sich in regelmäßigen Abständen! Genauso ergeht es dem Disneykonzern seit das südasiatische Land Laos verkündete, innerhalb eines neuen städteplanerischen Großprojekts mit dem Namen „Thaklek Dreamworld City“ ein eigenes Disneyland namens „Disney Laos“ zu errichten. Um die geltenden Copyright-Gesetze zu umgehen, ist man sich auch in Laos keiner Ausrede zu schade. Einem offiziellen Statement zufolge sieht Somijith Aliyaphaphone, einer der Vorstandsmitglieder und Miteigentümer des zukünftigen Parks, keine Konflikte mit den bestehenden Gesetzen, da seiner Meinung zufolge der geschützte Name „Disneyland“ hier keine Verwendung findet und „Disney Laos“ auch etwas gänzlich anderes sei und die Aufmachung sowie die Namensgebung  des Parks nichts mit dem bekannten Konzern gemeinsam haben. Es darf bezweifelt werden, dass Disney seiner Auslegung des geltenden Patentschutzes folgen wird.

Schloss Disney Shanghai

Zumindest in China dürfte sich die Diskussion um Urheberrechtsverstöße weitgehend beruhigt haben, seit das offizielle Disney nicht nur Produkte im Reich der Mitte verkauft, sondern im Juni 2016 ein eigenes Disney Resort in Shanghai eröffnet hat. Damit erhofft man sich neben einem großen Geldsegen, die Marke gegen Fälschungen und Fake-Resorts zu stärken. Dass der neue Markt mitunter durchaus Schwierigkeiten bereiten kann, beweisen wohl diese Bilder.

Trotz aller offensichtlichen und umfangreichen Verstöße gegen geltende Urheber- und Markenrechte bleibt die Frage, wie man sich als Unternehmen gegen staatlich genehmigte Fälschungen entgegenstellen kann. In der Musik- und Filmindustrie wurden uns die Entwicklungen sehr deutlich gezeigt: Um Ideen und Waren zu fälschen braucht es seit vielen Jahren keine gut organisierte Banden mehr, sondern lediglich einen Computer mit Internetanschluss. Das illegale Kopieren von Musik und der Betrug am Künstler sind längst zum Massenphänomen geworden, an dem P2P-Netzwerke wie Limewire oder Torrent gut verdienen. Wie weit darf ein Staat wie im Fall des Shijingshan Freizeitparkes gehen, um das Volk zu einem leistbaren Preis zu unterhalten? Und welche Qualität darf dabei erwartet werden? Welcher Preis ist hier fair und wieviel sind wir selbst bereit zu zahlen? Deine Meinung – wie immer ab in die Kommentare!


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Weiterführende Links:
Bericht zum Freizeitpark vom japanischen Fernsehsender Fuji TV (08.08.2016, 01:18) – Japanisch, Deutsche Untertitel
Informationen über den Shijingshan Freizeitpark für Touristen (HP, Adresse, Telefon) (08.08.2016, 01:54) – Deutsch
CNN: Bericht zu den Hintergründen der Urheberrechtsstreeitigkeiten um den pekinger Freizeitpark (08.08.2016, 01:57) – Englisch
China Highlights: Touristeninformationen rund um Anfahrt, Öffnungszeiten, Preise und den einzelnen Attraktionen. China-freundlich! (08.08.2016, 01:59) – Englisch
Vielzahl an Bilder auf Flickr, die den Zustand des Parks nach 2008 dokumentieren (08.08.2016, 02:01)
Reisebericht eines Bloggers zum Shijingshan Park aus dem Jahre 2013 (08.08.2016, 01:29) -Englisch
Asiaobscura: Der Freizeitpark heute mit all den vorhandenen (Disney-Like) Attraktionen (08.08.2016, 01:31) – Englisch
Englischsprachiger Artikel, der alle Fernsehausschnitte zum Park nochmls zeigt und diese erläutert (08.08.2016, 01:33) – Englisch
Dailymail: Hintergründe zu den Urheberechtsverstößen (08.08.2016, 01:36) – Englisch
Leitartikel zum „Disney Laos“ mit Bezugname auf den pekinger Freizeitpark (08.08.2016, 01:38) – Englisch
Weitere seltsame Vergnügungsparks weltweit (08.08.2016, 02:08) – Englisch
Offizielle Seite der „Thaklek Dreamworld City“ (08.08.2016, 01:42) – Englisch
Aktuelle Bilder zu den Attraktionen des Shijingshan Vergnügungsparks (08.08.2016, 02:13) – Portugiesisch
Bericht eines Besuchers des Shanghai Disney-Resorts (08.08.2016, 02:15) – Enlisch
Probleme im Disney-Resort Shanghai mit Müll und Urin (08.08.2016, 01:48) – Englisch

Quellenangaben:
Titelbild: http://blog-imgs-96.fc2.com/n/i/w/niwaka2pow/691_20160504095105d82.jpghttp://www.disneyeveryday.com/wp-content/uploads/2011/02/N7-51_8x50973521-819×1024.jpg (07.08.2016, 20:47) – Mickey Maus im Disney  Resort im Vergleich zur Fake Maus im Shijingshan Freizeitpark / Bild mit Photoshop zugeschnitten.

 

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/31/Beijing_Shijingshan_Amusement_Park.JPG (07.08.2016, 20:50) – Dornröschenschloss im Shijingshan Freizeitpark in Peking.
https://i.yomyomf.com/wp-content/uploads/2011/05/Shijingshan-Amusement-Park-400×300.jpg (07.08.2016, 21:01) – Schneewittchen und die sieben Zwerge im Fake Disneyland.
http://www.japanprobe.com/2007/01/fake-donald-beijing.jpg (07.08.2016, 21:06) – „Donald Duck“ mit Maskottchen der olympischen Sommerspiele 2008 im pekinger Freizeitpark Shijingshan.
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:08) – Shrek-änliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 0:27).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:17) – Goofy-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 0:24).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:21) – Doraemon-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 2:54).
https://www.youtube.com/watch?v=0-JULFxB0sk (07.08.2016, 21:24) – Hello Kitty-ähnliche Figur im pekinger Freizeitpark / Bildsequenz aus dem Nachrichtenbeitrag von Fuji-TV (Youtube-Video 2:56).
http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956996.jpg (07.08.2016, 21:28) -EPCOT Center im Shijingshan Freizeitpark.
http://english.cri.cn/mmsource/images/2009/04/27/4354shijingshan.jpg (07.08.2016, 21:35) – Der Park während der Mai-Feiertage.
http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956891.jpg (07.08.2016, 21:37) – Geschlossene Verkaufsstände im Freizeitpark / Bildgröße weicht vom Original ab.
http://i2.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/dumboride.jpg?w=640 , http://i0.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/dumboride2.jpg?w=640 (07.08.2016, 21:41) – „Elephant Ride“ / Bilder mit Photoshop zugeschnitten.
http://i1.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/shrekride.jpg?w=640 (07.08.2016, 21:43) – King Kong Schaukel im Shijingshan Freizeitpark.
http://i1.wp.com/asiaobscura.com/wp-content/uploads/2011/02/bugsbunnycloseup.jpg?w=640 , http://cdn01.am.infobae.com/adjuntos/163/imagenes/011/956/0011956961.jpg (07.08.2016, 21:46) – Bugs Bunny mit roten Augen / Bilder mit Photoshop zugeschnitten.
https://mothersdirt.files.wordpress.com/2016/08/98370-laos-thakhek2bdream2bworld2bcity-1-plan-akanedevelopemntcom-702104.png , http://www.akanedevelopment.com/images/content__images/image_460x300a.jpg (07.08.2016, 21:56) – Plan der „Thaklek Dreamworld City“.
https://backpackerlee.files.wordpress.com/2016/06/shanghaidisney7.jpg?w=768&h=510 (07.08.2016, 21:57) – Dornröschenschloss im Disney-Resort Shanghai.

 

Nach Olympia kamen die Bomben

1984 wurden mit Sarajevo zum erst zweiten Mal nach 1980 in Moskau, die olympischen Winterspiele in einem kommunistischen Land ausgetragen. Heute, mehr als 30 Jahre später ist der Vielvölkerstaat längst Geschichte – genauso wie der Traum von Olympia. Was nicht durch Bomben zerstört wurde, stemmt sich als mahnendes Denkmal und Symbol der Hoffnung  gegen die Witterung.
Sarajvo 1984 Logo

Es gibt drei historische Ereignisse, die Sarajevo bekannt machten. Während das Attentat von 1914 an den Thronfolger Österreich-Ungarns und die Belagerung der Stadt im Zuge des Bosnienkrieges zwischen 1992 und 1995 für Tod und Gewalt sorgten, verkörpert das dritte Ereignis den denkbar friedlichsten Gedanken und ließ selbst verfeindete Nationen des kalten Krieges im Sport wieder näher zusammen kommen.

Tom Sandberg

Während die Olympioniken wie der Norweger Tom Sandberg in der Skisprungarena noch bejubelt wurden, vergingen gerade einmal acht Jahre bis…

Sarajevo_Mine

… die olympischen Sportstätten von einst von Gefechtstruppen der bosnischen Serben im Zuge des Bürgerkrieges besetzt wurden. Der Berg Trebević diente den Streitkräften der Republika Srpska während der Belagerung Sarajevos als Artilleriestellung. Da die Berghänge einen idealen Blick auf die umliegende Stadt boten, waren diese besonders hart umkämpft und sind noch bis heute mit tausenden Minen übersät.

Bob-Bahn_Sarajevo

Zuerst im Krieg zerstört, dann vom Wald überwuchert – Die fast 1,3 Kilometer lange Bobbahn auf dem Berg Trebević führt heute durch einen von geborstenen und Einschusslöcher übersäten Betonkanal zu einer zerbombten Zuschauerarena. Wo Zuschauer die Strecke säumten und den mutigen Athleten auf ihren waghalsigen Ritt durch die Wälder bejubelten, hat die Natur mittlerweile den Platz zurückerobert, der ihr genommen wurde.

Bob-Bahn_Sarajevo_Ziel

Der Zieleinlauf diente damals als Kulisse für den überwältigenden Doppelgold-Erfolg der DDR im Zweier- und Viererbob. Heute ist er ein beliebtes Ziel für Fotografen und Grafitti-Sprayer.

Sprungschanze_Sarajevo

1984 gewann hier  der deutsche Jens Weißflog Gold im Parallelstil. Von den Skisprungschanzen auf dem Berg Igman sind nach dem Krieg nur noch Betonskelette übrig geblieben. Am 10. März 2010 wurden auf einer Pressekonferenz Entwürfe zur Rekonstruktion der Schanzen mit Tribünen für bis zu 50.000 Zuseher und einem Panorama-Restaurant vorgestellt. Die Kosten sollen sich schätzungsweise auf sieben bis zehn Millionen Euro belaufen.

Skisprungschanzenturm

Von dieser Kabine aus beobachteten die Sprungrichter die Skisprungbewerbe auf dem Berg Igman. Der Aussichtsturm ist seit den Gefechten der 90er Jahre verwüstet.

Sarajevo_Siegerehrung

Genau an dieser Stelle wurden die Schifahrer mit ihren Medaillen geehrt. Im Zuge des Bosnienkrieges richteten hier die Erschießungskommandos der Armee zahlreiche Gefangene hin. Die Einschusslöcher sowie die zerschossenen Olympiaringe des ehemaligen Siegerpodestes wurden mittlerweile saniert. Seither dient das Denkmal als beliebtes Fotosujet für Touristen.

Sports Complex_Sarajevo_zerstört

Die Olympiahalle Zetra (auch Zetra-Arena genannt) war ein Eisstadion, in dem die olympischen Eisschnelllauf- und Eiskunstlaufbewerbe durchgeführt wurden. 1992 in Folge eines Bombardements beinahe vollständig zerstört, wurde das Gebäude in den Kriegsjahren als Leichenhalle sowie Lagerhalle für Medizin und Hilfsgüter benutzt. Die Holzsitze der Tribünen wurden zum Bau der Särge der getöteten Zivilisten verwendet. Das Gelände um die Halle verwandelte sich zum Gräberfeld.

Sports Complex_Sarajevo_neu

Nach Ende des Krieges wurde festgestellt, dass die vorhandenen Fundamente der Sporthalle noch intakt waren, sodass 1997 die SFOR mit der Rekonstruktion des Gebäudes begann. Heute dient die Halle für eine Vielzahl an Veranstaltungen,  jedoch nicht mehr für den Eissport. Hierfür wurde in unmittelbarer Nähe eine eigene Eisfläche als überdachte Traglufthalle errichtet. Vor der Olympiahalle befindet sich heute eine großflächig angelegte Grab- und Gedenkstätte.

Wolf_Sarajevo

Sarajewouuu“ heulte das Maskottchen Vučko im Werbespot zu den Spielen 1984. Der Anblick der Ruinen bringt nicht nur ihn zum Heulen.

Station_Sarajevo

Von diesem Häuschen auf einer der Bergstationen Sarajevos aus, konnten die Athleten mit der Gondel ins Tal fahren. Heute lässt kaum noch etwas auf die ursprüngliche Nutzung schließen.

Hotel_Sarajevo1

Das olympische Hotel von Ignaz: 1984 wurden hier die Olympioniken untergebracht und ab 1992 zu einem Gefangenenlager umfunktioniert, in dem gefoltert und gemordet wurde.

Hotel_Sarajevo2

Was nicht im Krieg zerstört wurde, holt sich langsam die Natur zurück. Ein Betongerippe, das sich noch höchstens selbst trägt, sind nicht selten die letzten Überreste. Ein Wiederaufbau ist nicht nur eine Frage der Finanzierung, sondern vor allem die der zahlreichen versteckten Blindgänger. Ein Schicksal, dass dieses ehemalige Hotel mit den meisten Bauten der Sportstätte teilt.

Mahnmal_Sarajevo

Die olympischen Sportstätten sind weit mehr als nur Zeugnisse glücklicher Zeiten. Kriegsdenkmäler wie dieses im Skizentrum von Ignaz erinnern an die bosnischen Soldaten, die während des Bürgerkrieges in den Jahren 1992 bis 1995 auf den Hügeln Sarajevos ihr Leben ließen.

Während Sarajevo bis 1992 als Austragungsort zahlreicher internationaler Sportveranstaltungen genutzt wurde, liegt das viel jüngere Olympiagelände von Sotschi bereits heute brach. Es scheint sich, wenn auch aus völlig anderen Gründen, das Bild von verlassenen und verfallenen Olympia-Sportstätten zu wiederholen. Nicht aus Gründen bewaffneter Konflikte, sondern aus Überdimensionalität, Misswirtschaft und fehlender Nachnutzungskonzepte.

Heute noch eine Ausnahme, aber bald schon Alltag? – Wie kann man die erbaute Gigantomanie zukünftiger Großveranstaltungen nachträglich nutzen? Oder ist Sotschi gar nur der Anfang? Seit 2010 gibt es Pläne, die Hügel um Sarajevo von den Minen zu säubern und die zerstörten Skisprunganlagen zu erneuern. Wie sollte man eurer Meinung mit dem Erbe des Krieges umgehen? Als Mahnmal an den Krieg belassen oder einen Neustart wagen? Sarajevo in zehn Jahren – ein Ort der Trauer oder der Freude? Schreibt mir eure Meinungen und Eindrücke in die Kommentare!


Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Olympische_Winterspiele_1984#/media/Datei%3ASarajevo_Olympic_Symbol.jpg (22.05.2016, 07:07) – Zerschossenes Siegerpodest Sarajevo 1984.

 

http://www.vice.com/de/read/von-den-winterspielen-1984-in-sarajevo-sind-nur-noch-ruinen-uebrig (22.05.2016, 07:09) – Logo der olympischen Spiele v. Sarajevo in der gleichnamigen Stadt.
http://m.welt.de/vermischtes/article121333557/Die-lebensgefaehrlichen-Reste-von-Olympia-1984.html (22.05.2016, 07:11) – Umjubelter Tom Sandberg in der Schisprungarena.
http://www.vice.com/de/read/von-den-winterspielen-1984-in-sarajevo-sind-nur-noch-ruinen-uebrig (22.05.2016, 07:15) – Vorsicht Minen!
http://yomadic.com/sarajevo-bobsled-track/ (22.05.2016, 07:16) – Ruinen der olympischen Bobbahn.
http://www.vice.com/de/read/von-den-winterspielen-1984-in-sarajevo-sind-nur-noch-ruinen-uebrig (22.05.2016, 07:18) – Zieleinlauf der olympischen Bobbahn von 1984.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympia-1984-ruinen-der-spiele-in-sarajewo-fotostrecke-111047.html (22.05.2016, 07:19) – Ruinen der großen und kleinen Sprungschanze.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympia-1984-ruinen-der-spiele-in-sarajewo-fotostrecke-111047-10.html (22.05.2016, 07:21) – Sprungrichterturm nach dem Bosnienkrieg.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympia-1984-ruinen-der-spiele-in-sarajewo-fotostrecke-111047-2.html (22.05.2016, 07:22) – Siegerpodest nach Renovierung.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/42/1984_Winter_Olympics_Sarajevo_Sports_Complex_1995-06-09_2.JPEG (22.05.2016, 07:24) – Zerstörte Zetra-Arena mit Gräberfeld.
http://www.thewire.com/global/2014/02/scenes-sarajevo-olympics-and-after-war/357793/ (22.05.2016, 07:28) – Zeta-Halle und Gedenkstätte nach Wiederaufbau.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympia-1984-ruinen-der-spiele-in-sarajewo-fotostrecke-111047-5.html (22.05.2016, 07:30) – Maskottchen „Vučko“ an der Zetra-Halle.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympia-1984-ruinen-der-spiele-in-sarajewo-fotostrecke-111047-15.html (22.05.2016, 07:31) – Zerstörte Bergstation in Sarajevo.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/olympia-1984-ruinen-der-spiele-in-sarajewo-fotostrecke-111047-6.html (22.05.2016, 07:33) – Ruinen eines Hotels am Berg Ignaz.
http://www.urbexplayground.com/blog-tags/olympic (22.05.2016, 07:34) – Zerfallenes Hotel am Berg Ignaz.
http://www.vice.com/de/read/von-den-winterspielen-1984-in-sarajevo-sind-nur-noch-ruinen-uebrig (22.05.2016, 07:35) – Blick aus einem der zerfallenen Hotels nahe der olympischen Bobbahn.
http://www.vice.com/de/read/von-den-winterspielen-1984-in-sarajevo-sind-nur-noch-ruinen-uebrig (22.05.2016, 07:37) – Grabdenkmal am Skizentrum von Igman.