Der Tag, als London starb

Police Constable with Protective Mask in Fog Polizist mit Atemmaske

London war schon immer bekannt für Nebelschwaden, die oftmals tagelang, den Städtern die Sicht und Luft raubten. Doch der Todesnebel von 1952 war mit keinem anderen Ereignis vergleichbar. Anfangs ein dichter Dunst aus Ruß führte er zur größten Katastrophe der Stadt seit der industriellen Revolution. Insgesamt starben innerhalb von fünf Tagen mehr als 4.000 und 8.000 weitere an den Folgen.

Nebel galt in London als nichts Besonderes und gehört zur Stadt fast genauso wie die Tower Bridge und der Big Ben einfach dazu – vor allem zwischen 1825 und 1925, als London die weltweit größte Stadt war, hatte sie mit großen Umweltproblemen zu kämpfen. Nach dem zweiten Weltkrieg, als sich die Bürger wieder Kohle zum Heizen leisten konnten und die zuvor elektrisch betriebenen Straßenbahngarnituren durch Omnibusse mit Verbrennungsmotoren ersetzt wurden, nahmen auch die Umweltbelastung und einhergehende Wetterphänomene wie der Smog, merkbar zu. Früher als Wintersmog bezeichnet, wandelte sich der Begriff  bis zum Ereignis von 1952 zur „Pea Soup“, Erbsensuppe. Der Name, den die Londoner diesem Wetterphänomen gaben, wenn  der Rauch der über eine Million zählenden privaten Kohleöfen über die Kamine ins Freie stieg, sich dieser mit den Rauch aus dem der Industrieanlagen und mit den feuchten Nebelschwaden über der Themse zu einem dichten, giftigen, nach Schwefel riechenden Cocktail vermischte. Und so war auch anfangs des 5. Dezember 1952 die Verwunderung nicht allzu groß, als zum wiederholten Mal dichte Nebelschwaden infolge einer Inversionswetterlage über der Stadt aufzogen. Zunächst von den Londonern als ortsüblicher Nebel abgetan, verringerte sich die Sichtweite bis zum 7. Dezember auf wenige Zentimeter. Streckte man den Arm aus, verbarg der Smog die Hände. Infolge des aufziehenden Smogs wurden Freiluftkonzerte abgesagt, da selbst der hellste Tag von der Dunstglocke über London verdunkelt wurde. Mittlerweile war man beinahe nirgends mehr vom Smog sicher. Selbst durch kleinste Spalten in Fenstern und Türen drang der Nebel in Innenräume, dass selbst die Vorstellung von „La Traviata“ im Sadler’s Wells aufgrund der eingeschränkten Sicht im Inneren des Gebäudes (!) bereits nach dem ersten Akt abgebrochen werden musste.

Skyline London 1953

Blick auf  London im Jahre 1953

Doch trotz aller apokalyptischen Vorzeichen, ahnten nur die wenigsten schlimmeres. Eines der ersten Anzeichen war, als den Bestattern die Särge und den Floristen die Blumen ausgingen. Ohne es zu merken, setzte auf den Straßen Londons ein Massensterben ein. Die Ambulanzen füllten sich mit Patienten, die über Atemwegs- sowie Herz-Kreislaufbeschwerden klagten. Inzwischen war auf den Straßen der Verkehr nahezu komplett zusammengebrochen, dass auch Krankenwagen nicht mehr eingesetzt werden konnten und die Patienten sich keuchend und hustend zum Krankenhaus aufmachten. Viele schafften den beschwerlichen Weg in der Giftwolke nicht mehr bis zur Notaufnahme und starben draußen. Ihre Lippen waren blau angelaufen, als wären sie erstickt – allein und in vom Smog verhüllter Dunkelheit.

Piccadilly Smog London im Smog

Nichts geht mehr am Londoner Piccadilly Circus

Bevor sie in dieser Nacht auf die Todeswolke stießen, begann der Abend für Barbara Fewster zusammen mit ihrem Verlobten und einem befreundeten Dirigenten mit einem netten Dinner in der Londoner Innenstadt. Doch kaum als sie das Restaurant auf dem Nachhauseweg nach Kingston verlassen hatten, geschah es: Der mittlerweile aufgezogene Nebel umgab sie wie eine dichte Mauer. Häuser, Autos, Menschen – es schien als wäre die ganze Stadt verschwunden. Einzig die Scheinwerfer der Autos wurden vom Nebel reflektiert. Fewster stieg aus dem Wagen aus und ging den Weg von 25 Kilometern Länge in ihrem Abendkleid vor dem Wagen her, um ihren Verlobten am Steuer durch die Nebelsuppe zu leiten. Manchmal entfernte sie sich nur wenige Meter vom Wagen und war für ihn im dichten Nebel  nicht mehr auszumachen. Aber auch nur kurz anzuhalten, war viel gefährlicher als irrend durch die Straßen Londons zu rollen, da die Rücklichter der Autos nicht früh genug zu erkennen waren, um einen Auffahrunfall zu verhindern.  Andere Augenzeugen berichteten, dass der Nebel so dicht war, dass sie nicht einmal mehr ihre Schuhe erkennen konnten. Die Sichtweite betrug demnach maximal 30 Zentimeter!

Bus Nebel

In Straßen von London ging die Sicht auf null

Fewster tastete sich stundenlang  Zentimeter um Zentimeter voran, ohne auch nur einen Anhaltspunkt in der Ferne auszumachen. Ein anderer Wagen tauchte fast aus dem Nichts auf und überholte sie. Nur einmal erspähten sie die Umrisse eines Baumes und etwas Merkwürdiges daneben. Es handelte sich um den Wagen, der sie zuvor überholte und scheinbar ohne Sicht auf den Baum aufgefahren war. Erst um etwa fünf Uhr morgens erreichten sie ihr Haus in Kingston. Als sie dort das Licht anmachten, trauten sie ihren Augen kaum. Ihr Gesicht, ihre Haare und komplette Kleidung waren vollkommen bis auf die Unterwäsche vom Nebel schwarz gefärbt.

Zu diesen Zeitpunkt ahnten die Londoner noch nicht, dass dieser Nebel, der in der Geschichte als „The Big Smoke“  – der große Rauch –  eingehen sollte, noch bis zum 9. Dezember andauern sollte und schlussendlich bis zu 12.000 Todesopfer forderte. Trotz der hohen Anzahl an Todesopfern brach während dieser schicksalhaften fünf Tage nie Panik unter der Bevölkerung aus, da diese an ähnliche Smogereignisse durchaus gewöhnt waren und die Folgen bis zum Aufklaren des 9. Dezembers völlig unterschätzten.

„Überall erkrankten die Leute. Sie sind einfach zusammengebrochen und konnten nicht mehr atmen.“

– Steve Deacon, Busfahrer (Zitat aus der BBC-Dokumentation „Killer Fog“ frei ins Deutsche übersetzt)

In einem Interview aus 2002 schilderte der damals als Bestattungsunternehmer arbeitende Stan Cribb die Geschehnisse der damaligen Tage. Zunächst ärgerten sich die Autofahrer über die schlechte Sicht. Es wirkte, als hätte jemand in unmittelbarer Nähe Autoreifen in Brand gesetzt. Als der Nebel immer dichter wurde und die Sicht gegen Null war, musste Cribb einen Trauerzug während der Fahrt abbrechen. Es war als wäre man blind gewesen. Man konnte sich laut seinen Schilderungen höchstens noch an den Rücklichtern des Vordermanns orientieren.

„Einer unserer Lieferwagen kam von einer Fahrt zurück. Dummerweise war ihm der ganze Verkehr von der Commercial Road auf den Brauereihof gefolgt – sogar Doppeldeckerbusse. Es habe Stunden gedauert, die Sackgasse wieder zu räumen.“

– ein Lastwagenfahrer der Charrington’s Brauerei

Obwohl Barry Lynch damals gerade einmal vier Jahre alt war, hat auch er die Nacht des 5. Dezembers noch gut in Erinnerung. Er machte sich mit seinen Eltern auf dem Weg vom Haus seiner Großeltern in Kentish Town nach Hampstead. Aufgrund der schlechten Sicht hielten sie brennende Fackeln in der Hand, die ihnen den Weg ausleuchteten. Die damals noch vorhandenen Ruinen des Bombenangriffs durch die Truppen Hitlers, der damals nur geringfügig vorhandene Individualverkehr und die allgemein unheimliche Stimmung waren für ein kleines Kind schon sehr beeindruckend.

Fakel in London

Polizisten versuchen mit Fackeln den Verkehr zu regeln

Am 9. Dezember wurden die Bewohner der Stadt endlich durch aufkommenden Wind aus Süd-West erlöst. Vor allem ältere Menschen fielen infolge der Ablagerungen von Rußpartikel und Schwefeldioxid in ihren Lungen dem Smog zum Opfer. Die Todeszahlen zwischen 55- und 65-jährigen stieg um 142 Prozent, die der 65- bis 75-jährigen auf bis zu 235 Prozent. Die Angehörigen brachten den Tod der zumeist in Vorfeld bereits chronisch Kranken nicht sofort mit dem Nebel der vergangenen Tage in Verbindung.  Erst allmählich zeigte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe: Gerichtsmediziner stellten fest, dass die Sterberate innerhalb dieser fünf Tage exorbitant angestiegen war. Insgesamt starben über 4.000 Menschen direkt und später weitere 8.000 an den Folgen. Über 100.000 erlitten Atemwegserkrankungen. Ein Ausmaß das mit der Cholera-Epidemie von 1854 und der Grippe-Epidemie von 1918 vergleichbar ist. Eine unbequeme Wahrheit, der sich die Regierung nur ungern stellen wollte.

Monet

Claude Modet: Das Parlament in London, 1904

Was machte aber den Wintersmog von 1952 so besonders? Wer kennt sie den nicht – Bilder von London, deren Abbildungen von einem Schleier getrübt scheinen. Bereits seit dem 13. Jahrhundert sind Probleme mit der Luftqualität in der Hauptstadt bekannt. So trieb es sogar Künstler wie den Maler Claude Monet in die Stadt um sich davon ein Bild zu machen – wortwörtlich!

Zwar waren auch an vergangenen Tagen besonders hoher Luftverschmutzung bereits viele Menschen gestorben, dies aber meist erst nach wochenlanger Erkrankung im Krankenbett. Ein Nebel, der die Menschen scheinbar in wenigen Minuten regelrecht zu Tode würgt, hatte man bisher noch nicht gesehen. Kein einziges Einzelereignis des 2. Weltkriegs forderte in London so viele Todesopfer wie der „Great Smog“. Innerhalb einer einzigen Woche starben in Folge offizieller Aufzeichnungen 4.703 Personen, verglichen mit 1.852, die in derselben Woche des vorhergegangenen Jahres zu Tode kamen.

Um die genauen Umstände von 1952 zu verstehen, muss man zu allererst zwischen zwei Arten von Smog unterscheiden. Der eine ist der in London berühmte und auch für 1952 verantwortliche Wintersmog und der andere wird als Sommersmog, Photosmog oder auch Los Angeles-Smog bezeichnet, da er dort als erstes beobachtet wurde. Diese Form des Smogs ist zwar weniger gefährlich, tritt aber weitaus häufiger auf.

Damit überhaupt ein Wintersmog wie im Jahr 1952 entstehen kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Es muss eine Inversionswetterlage bestehen
  2. Die Luft muss knapp über dem Gefrierpunkt liegen
  3. Die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein
  4. Die Luft muss einen hohen Schwefeldioxidgehalt aufweisen
  5. Die Luft muss äußerst staub- und rußhaltig sein.

Infolge einer Inversionswetterlage kehrt sich das atmosphärische Temperaturgefälle in einer Höhe zwischen 800 und 1.000 Metern um. Warm Luft von unten steigt auf und kann infolge der noch wärmeren höher liegenden Luftschichten nicht mehr nach oben steigen und entweichen. Der Abtransport von Schadstoffen aus den Kohleöfen wird dadurch behindert und bleibt unter der warmen Luftschicht in Talnähe hängen. Es bildet sich eine giftige Smog-Wolke deren Wirkung sich infolge Windstille nochmals beträchtlich verstärkt. Normalerweise löst sich der Smog tagsüber wieder auf, sobald die Sonnenstrahlen den Boden erwärmen. Der Nebel von 1952 war jedoch so dicht, dass diese Strahlen die rußhaltige Nebeldecke nicht durchdringen konnten und sich der Nebel erst am 9. Dezember auflöste.

Inversionswetter

Entstehung einer Inversionswetterlage

Ein Hauptgrund dieser damals besonders schwerwiegenden Folgen liegt der eingesetzten minderwertigen Kohle zugrunde. Da sich die wirtschaftliche Lage Englands nach dem 2. Weltkrieg als besonders schwierig darstellte, wurde die geförderte hochwertige Kohle  ins Ausland exportiert und die Minderwertige in den Industrien und privaten Öfen Englands verheizt. Zusätzlich zum Temperatursturz infolge der Inversionswetterlage, hatte die Stadt bereits Tage zuvor mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen zu kämpfen, die den Ausstoß von Kohlendioxid infolge der zusätzlichen Anfeuerung der Öfen erhöhte.

SO2 Konzentration

Anstieg der SO2 Konzentration in den Dezembertagen 1952

Ein vom Minister MacMillan in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht kam elf Monate nach dem Smogereignis zum Schluss, dass das Unglück insgesamt 12.000 Todesopfer forderte. Da diese Zahl den Beamten des Gesundheitsministeriums zu hoch und unvertretbar erschien, verkürzte man den Beobachtungszeitraum auf die Tage zwischen 5. und 20. Dezember, damit alle nachfolgenden ungewöhnlichen Todesfolgen infolge von Atemwegserkrankungen nicht mehr in der Statistik aufschienen. Ebenso fürchtete man, dass rußarme Kohle für die breite Masse unerschwinglich sei und daher versuchte man von offizieller Seite den kurzzeitigen Anstieg an Todesopfer auf eine damals angeblich besonders starke Grippewelle zu schieben.

Smog Masks Paar mit Atemmasken

Nach dem Unglück von 1952 war das öffentliche Bewusstsein für das Problem geschärft – und Fotografen inszenierten Atemmasken sogar als Modeaccessoire.

Obwohl Tests zeigten, dass sie keinerlei Schutz vor dem giftigen Smog bieten, begann die Regierung in den Wintermonaten nach 1952 regelmäßig Gasmasken in der Bevölkerung zu verteilen. Vor allem um dem Anschein des Nichtstun und der Hilflosigkeit entgegen zu wirken. Als 1953 das London County Council einen umfassenden Bericht über die Smog-Katastrophe vorlegte, entgegnete der Kommunalminister Harold Macmillan, dass weitere Gesetzesänderungen nicht notwendig wären. Erst 1956 folgte mitunter aufgrund weiterer kleinerer Smogereignisse und dem wachsenden Druck der Bevölkerung zum „Clean Air Act“. Das Papier verbietet den privaten Gebrauch von pechhaltiger Kohle und führte sogenannte „Smokeless zones“ ein. Dies waren Stadtzonen in denen es den Privathaushalten verboten war den Rauch über den Schornstein zu entlassen – es sei den man verwende einen offiziell autorisierten raucharmen Brennstoff. Im zweiten „Clean Air Act“ wurde dieses Regelwerk nochmals verschärft, das unter anderem höhere Schornsteine vorschrieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten zeichnete sich dann auch tatsächlich eine Wirkung dieser Regelungen ab.

Heute gehören die Nebelschwaden über der Themse genauso wie die zahlreichen Regentage nach wie vor zum alltäglichen Stadtbild, aber infolge viele weiterer Maßnahmen die, die Nutzung von privaten Schornsteinen verbietet, den Berufsverkehr aus der Innenstadt verbannt und selbst die Verwendung von Kohlegrills im Sommer unter Strafe stellt , die extrem hochgiftigen Dunstglocken über der Hauptstadt der Vergangenheit an. Einzig die Fassaden mancher unsanierten Gebäude der Stadt erinnern noch an den schwarzen Ruß der sich klebrig an jede Oberfläche haftete.

Obwohl es mittlerweile weltweite Bestrebungen gibt, die Luft in den Millionenmetropolen zu verbessern, wird trotzdem jedes Jahr von neuen C02 Rekordwerten in Städten Asiens, Amerika und Europa berichtet. Besonderes Augenmerk wurde in den letzten Jahren auf das wirtschaftlich aufstrebende China gelegt, aber auch auf, als sauber geltend europäische Metropolen wie Paris. Versuche der Verschmutzung Herr zu werden gibt es mittlerweile bereits genügend, aber welche bringt auch den tatsächlichen Wandel mit sich? Wie realistisch gestalten sich eurer Meinung nach festgelegte Feinstaubgrenzwerte? Was kann jeder Einzelne machen und welchen Weg sollten die großen Industrienationen in Zukunft gehen? Lass mich an deinen Ideen und Gedanken teilhaben und teile sie mit uns in den Kommentaren.


Weiterführende Links:
Spiegel Online – Fünf Tage im Todesnebel (23.03.2016, 00:33) – Deutsch
Wikiedia: Smog Katastrophe in London 1952 (23.03.2016, 00:35) – Deutsch
Artikel der BBC News – Days of Toxic darkness (23.03.2016, 00:36) – Englisch
Science-Blogs: Der Tag, als London starb (23.03.2016, 00:39) -Deutsch
Artikel auf MetOffice.gov (23.03.2016, 00:42) – Englisch
Bericht auf WDR.de (23.03.2016, 00:46) – Deutsch
The Guardian: 60 Jahre nach the Big Smoke – in Bildern (23.03.2016, 00:48) – Englisch
Artikel in „The Guardian“ zur Luftverschmutzung in London heute (23.03.2016, 00:51) – Englisch
Youtube-Dokumentation zum „Great Smog“ 1952 (23.03.2016, 00:52) – Englisch, Youtube
Artikel der „HistoryToday“ (23.03.2016, 08:24) – Englisch
Artikel des „The Telegraph“ (23.03.2016, 08:30) – Englisch
Fotostrecke des „Spiegel Online“ (23.03.2016, 08:31) – Deutsch
Audiobeitrag auf Bayern2 (23.03.2016, 08:33) – Deutsch
Die Londoner Luftqualität während d. olympischen Sommerspiele in der „Westdeutschen Zeitung“ (23.03.2016, 08:34) – Deutsch
Youtube-Dokumentation „The Killer Fog“ (23.03.2016, 08:36) – Englisch
Wikipedia-Artikel zur Innenstadtmaut (23.03.2016, 08:37) – Deutsch
Artikl zur Luftqualität in Manchester auf „Manchester Evening News“ (23.03.2016, 08:39) – Englisch
Wikipedia-Artikel zu Harold MacMillan (23.03.2016, 08:41) – Englisch
Wikipedia-Artikel zum Smog (23.03.2016, 08:42) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: http://cdn1.spiegel.de/images/image-641350-galleryV9-wsjv-641350.jpg (23.03.2016, 08:44) -Polizist mit Atemschutzmaske regelt den Verkehr in London 1953

 

http://www.theguardian.com/environment/gallery/2012/dec/05/60-years-great-smog-london-in-pictures (23.03.2016, 08:48) – Blick auf die Skyline von London im Jahre 1953
http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-great-smog-von-1952-toedlicher-nebel-ueber-london-fotostrecke-107685-11.html (23.03.2016, 08:50) – Piccadilly Circus im Nebel 1952
http://www1.wdr.de/stichtagdezembernullfuenf100~_v-TeaserAufmacher.jpg (23.03.2016, 08:51) – Londons Doppeldeckerbusse
http://i3.manchestereveningnews.co.uk/incoming/article8873511.ece/ALTERNATES/s1227b/h_00135633.jpg (23.03.2016, 08:53) – Polizist in London mit Fackel
http://scienceblogs.de/frischer-wind/2010/01/25/die-londoner-smogkatastrophe-von-1952/2/ (23.03.2016, 08:55) – Das Parlament in London von Monet
http://www.seewetter-kiel.de/bilder/wetter/hochwinter.jpg (23.03.2016, 12:25) – Grafik zur Entstehung einer Inversionswetterlage
http://scienceblogs.de/frischer-wind/2010/01/25/die-londoner-smogkatastrophe-von-1952/2/ (23.03.2016, 12:27) – Grafik zur SO2-Konzentration im Dezember 1952
http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-great-smog-von-1952-toedlicher-nebel-ueber-london-fotostrecke-107685-8.html (23.03.2016, 12:30) -Smogmaske als Mode Accessoire

 

Leitartikel zur Geschichte Fewster: Spiegel Online – Fünf Tage im Todesnebel (23.03.2016, 00:33) – Deutsch
Wikiedia: Smog Katastrophe in London 1952 (23.03.2016, 00:35) – Deutsch
Augenzeugenberichte aus dem Artikel der BBC News – Days of Toxic darkness (23.03.2016, 00:36) – Englisch
Leitartikel: Science-Blogs: Der Tag, als London starb (23.03.2016, 00:39) -Deutsch
Artikel auf MetOffice.gov (23.03.2016, 00:42) – Englisch
Bericht auf WDR.de (23.03.2016, 00:46) – Deutsch
The Guardian: 60 Jahre nach the Big Smoke – in Bildern (23.03.2016, 00:48) – Englisch
Artikel der „HistoryToday“ (23.03.2016, 08:24) – Englisch
Fotostrecke des „Spiegel Online“ (23.03.2016, 08:31) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zu Harold MacMillan (23.03.2016, 08:41) – Englisch
Wikipedia-Hintergründe zur Entstehung des Wintersmogs(23.03.2016, 08:42) – Deutsch
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Baotou: Chinas Hölle auf Erden

Radioaktiver SeeIn Zeiten massiver Umweltverschmutzung und dem einhergehenden Klimawandel wird der Ruf nach dem Ausbau grüner Energie immer lauter. Am Beispiel der Millionenstadt Baotou wird deutlich, dass Smartphones nicht „smart“ sind und die grüne Energie zum ökologischen Sargnagel werden könnte. Der weltweite Hunger nach Fortschritt mündete dort in einen radioaktiv verseuchten Schlackensee unglaublichen Ausmaßes.

Bringt man China mit massiver Umweltverschmutzung in Verbindung denkt man zuerst an den dichten gelblich-grauen Nebel der dortigen Millionenmetropolen. Verantwortlich gemacht werden fast immer die Kohlekraftwerke, die nach wie vor den Großteil der Energie liefern. Wurde das Problem viele Jahrzehnte verdrängt, ist mittlerweile auch die chinesische Regierung auf den Zug des Umweltschutzes aufgesprungen – zumindest den staatlich gesteuerten Nachrichtenkanälen zufolge. In Europa schon lange Zeit alltäglich, wird nun auch in China hinter den Slogans „Bio, Ressourcenschonend, Nachhaltigkeit und grüner Energie“ die Lösung aller Umweltprobleme gesucht. Bringt man bei uns die großen Windturbinen der Windparks und die Elektroautos auf den Straßen fast immer mit einem gesunden Ökosystem und Nachhaltigkeit in Verbindung, ist bei einer Rückverfolgung der Produktionskette dieses Bild nur schwer aufrechtzuhalten. Das Produkt der „Grünen Energie“ ist mittlerweile gut beworben und in den Köpfen der Menschen angekommen.

BAYAN OBO, CHINA – DECEMBER 21, 2010

Die Bayan-Obo Mine

Seien es Smartphones, Fernsehgeräte, Kameralinsen, Laptops, Elektroautobatterien oder Magnete für Windturbinen – sie alle haben einen gemeinsamen Ursprung. Dieser ist in Bayan Obo, eine Mine im autonomen Gebiet der inneren Mongolei der Volksrepublik China. Neben einer Erzlagerstätte befindet sich dort das weltweit größte Vorkommen an Seltenerdmetallen, auf die über 90% der weltweit abgebauten SEE (Seltenerdelemente) entfallen. 70 Prozent der bislang bekannten Weltreserven lagern allein auf dem Gelände dieser Mine. Geologen vermuten bei einem Gehalt von 3 – 5,4% an im Gestein enthaltenen Seltenerdmetallen, eine Gesamtmenge von etwa 35 Millionen Tonnen.  Das entspreche einer 270-fachen Abbaumenge von 2011. Daneben gibt es eine nicht unwesentlich große Menge von 470 Millionen Tonnen an Eisenerzvorkommen. Um die weltweite Nachfrage nach den Metallen zu decken sind allein in dieser Mine bis zu 6000 Arbeiter im Tagebau beschäftigt.

Obwohl der Ressourcenreichtum der Region tausenden Menschen das Überleben sichert, werden auch die einhergehenden Umweltprobleme zu einem immer ernsteren Thema. Der Erzabbau hat einem riesigen Wasserverbrauch zufolge, obgleich die dortigen Wasserreserven gerade einmal 1,6% der Gesamtmenge Chinas entsprechen. Das hat zur Folge, dass das Grundwasser durch den Abbau nicht nur verunreinigt wird, sondern dieses in immer tiefere Lagen absinkt. Das fragile Ökosystem mit den ausgedehnten Graslandschaften verödet nach und nach und hat eine Ausbreitung der Wüsten zur Folge. Aufgrund starker Winde, wird der Sand immer weiter ins Landesinnere verfrachtet und sogar bis nach Japan und Taiwan über das Meer geblasen.

Kohle Transport

Kohletransport über Bergpässe – Copyright Toby Smith/Unknown Fields

Die Weiterverarbeitung der abgebauten Erze erfolgt nahe der über zwei Millionen Einwohner zählenden Stadt Baotou (包头). Nur etwa 20 Fahrminuten vom Stadtzentrum entfernt, befindet sich, was gewiss als Hölle auf Erden zu bezeichnen ist. Vor riesigen Fabrikanlagen der Baotou Steel Rare Earth Group, die mit ihren rauchenden Schloten den Himmel vergrauen und die Umgebungsluft in einen latenten Schwefelgeruch hüllen, befindet sich der weltweit größte Abwassersee der Welt vorgelagert. Die Fabrikanlagen des Stahlkonzerns sowie einige Chemiefabriken, bilden eine graue Silhouette die einer Großstadt gleicht. Obwohl sich diese, im Grau des Nebels versteckt, erst dahinter erstreckt. 1950 zählte die Stadt Baotou noch 97.000 Einwohner, infolge der Industrieansiedlungen ist die Bevölkerung bis heute auf über zwei Millionen angewachsen.

Baotou

Blick vom Schlackensee auf die Industrieanlagen von Baotou – Copyright Toby Smith/Unknown Fields

Findet in Bayan Obo der Abbau statt, werden in Baotou unter Anwendung von Unmengen an Chemikalien und Wasser in aufwendigen Verfahren die Seltenerdmetalle vom Muttergestein gelöst. Für rund eine Tonne der Seltenerdmetalle entstehen 75 Tonnen an hochgiftigem Abwasser. Das kontaminierte, zähflüssige Abwasser, bestehend aus schwach radioaktiven Stoffen, Schwermetallen, sonstigen toxischen Chemikalien und Reste der Seltenerdmetalle wird über die zahlreichen Leitungen in den „Wei-Kuang“ (尾矿坝) genannten Abwassersee gepumpt und lagert sich dort allmählich in Form eines hochgiftigen Schlamms ab. Der „schwarze See“, der auch auf Google Maps sehr gut zu erkennen ist, hat innerhalb von 50 Jahren eine unglaubliche Größe von zehn Quadratkilometer erreicht und erhebt sich im Mittel um 30 Meter von der Umgebung. Diese Ausmaße entsprechen in etwa dem Volumen von 92.000 Schwimmbecken olympischen Ausmaßes. Um den See herum führen breite Transportstraßen, um die Anlieferung der Erze mittels dieselbetriebener Lastwägen zu ermöglichen. Die Umgebung gleicht mittlerweile einer einzigen Mondlandschaft, deren Verödung nicht einmal Bäume trotzen konnten. Die Gefahr für Umwelt und Bevölkerung geht nicht nur vom See selbst aus, sondern vor allem vom Fakt, dass die Abwässer unkontrolliert in tiefere Bodenlagen sickern können. Dies hat zur Folge, dass das Grundwasser durch die Konzentration an Schwermetallen vergiftet wird und sich das toxische Gemisch um jedes Jahr den nur zehn Kilometer entfernt gelegenen „Gelben Fluss“ um etwa 300 Meter nähert. Der „Huang He“ (i. Anm.: Der Gelbe Fluss) ist einer der größten Flüsse Chinas und die wichtigste Wasserquelle des Nordens. Seine Verschmutzung wäre ein noch größeres Unglück als die Umweltkatastrophe des „Songhua-Flusses“ von 2005. Eine bereits sehr akute Gefahr ist bereits Realität geworden: Durch den nicht zeitgemäß optimierten Abbau der Seltenerdmetalle landen große Mengen davon im See und verstrahlen die Umgebung mit einer dreimal höheren Hintergrundstrahlung als normal üblich. Thorium, ein hochradioaktives Abfallprodukt das in hohen Mengen im See landet, könnte in Zukunft für die atomare Stromerzeugung nutzbargemacht werden und dann im See abgebaut werden. Die lockere Schichtung der hochgiftigen Abwässer und der „SEE“ haben zufolge, dass sie von Wind leicht in die Umgebung getragen werden können und sich infolge Regens in den zuvor nicht kontaminierten Böden ablagern.

Ofen Baotou

Bild aus einer der großen Industrieanlagen Baotous – Copyright Toby Smith/Unknown Fields

Um sich selbst ein Bild von der Umweltzerstörung in Baotou und Umgebung zu machen, machte sich eine Projektgruppe namens „Unknown Fields Division“ auf dem Weg dorthin. Die Gruppe bestehend aus Architekten und Designer bereisen weltweit entlegene Orte um diese zu dokumentieren. Bei deren Anfahrt an den sonst weitgehend geheim gehaltenen Ort, wurden sie zu ihrer Überraschung von keinerlei Wachposten angehalten. Tim Maughan, ein mitgereister Reporter der BBC nannte den verstörenden und fürchterlichen Anblick, der sich ihm beim ersten Anblick des Sees bot, als wahrgewordene „Hölle auf Erden“

 

Um den Grad der Verschmutzung zu verdeutlichen, nahmen sie Proben der Schlacke mit um diese einerseits im Labor zu untersuchen und anderseits Ming Vasen in unterschiedlichen Größen zu formen. Der Zweck bestand darin, dass dem Verbraucher verdeutlicht werden sollte, welchen Einfluss jeder Einzelne auf die Umwelt nimmt. Jede Vase entspricht in ihrer Größe, jenem Anteil des Schlackenabfalls, der beim Abbau des im jeweiligen Gerät verbrauchten Seltenerdmetalls angefallen ist. Die drei Vasen stellen den Akku eines Smartphones, ein ultradünnen Laptop und die Zelle eines Elektroautos dar und wurden im Zuge einer Ausstellung im „Victoria & Albert Museum“ ausgestellt.

Ming Vase

Die fertigen Ming-Vasen im „Victoria & Albert Museum“ – Copyright Toby Smith/Unknown Fields

Bei einer Führung durch eine der stahlverarbeitenden Firmen Baotous wurde dem Team von „Unknown Fields Division“ erläutert, dass dort vor allem das Seltenerdmetall „Cer“ verarbeitet wird. Dieses Metall findet meist Anwendung in der Glaspolitur von Smartphones, dem Einfärben von Glas sowie auch in der Erzeugung von Katalysatoren. Im Zuge ihrer Führung machte sie jedoch ein Aspekt stutzig: Trotz der enormen Größe und jährlichen Produktionsmenge, befand sich zum Zeitpunkt ihrer Führung kein einziger Arbeiter vor Ort. Bei nur allzu kritischen Fragen wichen die Führer aus oder hüllten sich in Schweigen. Offiziell hieß es nur allzu oft, dass die Fabriken für einige Zeit ihre Produktion drosseln würden, um fällige Wartungsarbeiten durchzuführen, beziehungsweise die gesetzlichen Umweltschutzauflagen zu erfüllen. Der Verdacht ist jedoch vielmehr, dass ein Produktionsstopp als Ventil für die Preisregulierung benutzt wird, um den Preis der Ware auch bei geringerer Nachfrage hoch zu halten und somit vor einem Wertverfall zu schützen. Ein weiteres Element, das dort gewonnen wird ist „Neodym“. Es dient ebenfalls wie das „Cer“ zur Glaspolitur bei Smartphones und Tablets sowie auch bei der Produktion von Lasern und Magneten geringen Gewichtes. Es findet Anwendung in der Unterhaltungselektronik bei Ohrknöpfen (in Anm.: Kopfhörer, die im Ohr getragen werden), in Computerfestplatten, am anderen Ende der Versorgungskette in der Erzeugung von Windturbinen mit ihren benötigten starken Magnetfeldern und in modernen Elektroautomotoren.

Trotz der widrigen Lebensumstände leben nach wie vor viele Menschen in den, um den Schlackensee gelegenen Dörfern. Wenn auch die Bevölkerungszahl von Dörfern wie Xingguang Sancun innerhalb von zehn Jahren von 3000 auf nunmehr 200 gesunken ist, wollen sie bleiben. Im Jahr 2008 wendete die Stadt Baotou und die Betreiberfirma „Baogang“ rund 500 Millionen Yuan auf, um die Bauern der umliegenden  Dörfer umzusiedeln. Jedoch verließen nur die wenigsten ihre alten Behausungen. Trotz der Verschmutzung und der gesundheitlichen Risiken würden sie infolge der Umsiedlungen noch zusätzlich ihr Stück Land, und damit jede Lebensgrundlage verlieren. Die neuen Wohnungen wären viel besser als ihre alten Häuser, jedoch die Kompensationszahlungen viel zu gering um davon ein neues Ackerland zu erwerben.

Lageplan Baotou

Satellitenkarte von Baotou

Als der See in den 1960er Jahren angelegt wurde, bemerkten die Bewohner der Dörfer noch nichts von den aufkommenden Problemen. Jedoch in den darauffolgenden Jahrzehnten wurden die Ernteerträge immer geringer. Seit den 80er und 90er wachsen nur noch verdorrte Pflanzen. Selbst auf den entfernteren Feldern beträgt der Ertrag nur etwa 70% der normal ortsüblichen Menge. Nutztiere wie Schweine und Schafe wurden krank. Den Schafen wuchsen überlange Zähne, bis sie nichts mehr essen konnten und verhungerten. Eine Vielzahl der Menschen leiden seither an Osteoporose und Zahnausfall. Die Krebsrate ist ebenfalls gestiegen. Durch die Luft- und Wasserverschmutzung ist das Immunsystem stark geschwächt und die Menschen für Krankheiten anfällig geworden. Obwohl die Bewohner genau wissen, dass das Trinkwasser verseucht ist, trinken sie es. Für viele sind die Trinkwasserkanister aus den Supermärkten einfach nicht leistbar. Auch die Regierung erkannte das Problem der Wasserversorgung und veranlasste die Brunnen tiefer zu graben. Da das Abwasser des toxischen Sees bereits in tiefe Lagen vorgedrungen ist, sind auch tief gelegene Brunnen bereits nach kurzer Zeit verschmutzt.

Die traurige Ironie um den riskanten Abbau und der einhergehenden großen Verschmutzung besteht darin, dass die Seltenerdmetalle nicht nur in den Unterhaltungsmedien wie Flat Screens und Smartphones Verwendung finden, sondern vor allem in der hochgelobten grünen Technologie, wie in Antrieben für Elektroautos, Solarzellen und Windturbinen. Da stellt sich sogar die Frage, wie „gefährlich“ oder unter welchen Aspekt von „Gefahr“ die Atomenergie im Vergleich dazu zu sehen ist! Allein in China muss in Anbetracht der Ausbaupläne von grüner Energie, der Abbau entweder sauberer und dadurch auch teurer werden, oder noch weitere hochgiftige Schlackenseen entstehen.

Vor allem beim „Cer“ und „Neodym“ stellt sich die Frage, warum diese als „Seltenerdmetalle“ bezeichnet werden. Obwohl über 90% der weltweiten Nachfrage durch den dortigen Abbau gedeckt wird, lagern lediglich 30% der bisher weltweit bekannten Rohstoffmengen in den dortigen Minen. Sie sind also alles andere als wirklich selten! Die Antwort liegt in den meist hohen Umweltstandards anderer Teile der Welt. Um den Abbau erst kostengünstig zu gestalten und somit die Endgeräte für die breite Masse leistbar zu machen, werden hohe Umwelt- und Gesundheitsrisiken in Kauf genommen. China als Werkbank der Welt zu bezeichnen war noch nie treffender! Es zeigt uns, dass das Monopol an Seltenerdmetallen weniger mit Geologie, sondern vielmehr mit dem Willen ein höheres Risiko für Gesundheit und Umwelt einzugehen. Für ein sauberes Europa, müssen andere Länder unseren Schmutz übernehmen – sei es beim Recycling oder bereits in der Produktion.

Vor allem der Endverbraucher sollte sich dringend Gedanken über sein eigenes Nutzerverhalten machen. Früher verwendeten wir edle Metalle und schätzten die Geräte als etwas Wertvolles. Heute verwenden wir noch seltenere, und noch schwerer abzubauende Metalle, nur um sich im zwei Jahres Rhythmus ein neues anzuschaffen!

Die Unterhaltungsindustrie fordert uns auf, viel Geld in die immer neueste Technik zu investieren. Der Kunde folgt den leeren Versprechungen! Es wird versprochen, dass alles einfacher, schöner, besser und einfacher wird. Wie kann man schlussendlich tatsächlich wirtschaftlicher Leben und was braucht man wirklich? Ist eine Trendumkehr noch möglich? Und was kann deiner Meinung jeder einzelne dazu beitragen? Wie viele Schlackenseen und lebensunwürdige Plätze wird sich der Mensch noch schaffen und wie viele davon kann unsere Welt noch tragen? Eines ist sicher: Baotou ist vielleicht der Anfang, aber zu einer Regel darf und kann es nicht werden! Freue mich auf jeden Fall auf deine Ideen und Denkanstöße in den Kommentaren!


Weiterführende Links:

Quellenangaben:
Titelbild: http://www.unknownfieldsdivision.com/img/projects/summer2014/worlds-largest-rare-earth-mineral-refinery_radioactive-waste-lake_03_liam-young.jpg (07.01.2016, 00:25)
http://www.unknownfieldsdivision.com/img/projects/summer2014/1-20101220-Unknown_Fields-0011-1120×747.jpg (07.01.2016, 00:37) – Die Bayan-Obo Mine
http://www.unknownfieldsdivision.com/img/projects/summer2014/1-20101220-Unknown_Fields-0011-1120×747.jpg (07.01.2016, 01:07 – Kohletransport über Bergpässe
https://www.youtube.com/watch?v=bxjq0LBsd94  – Youtube Video vom Schlackensee in 4K (07.01.2016, 00:51) – Englisch
Schlackensee von Baotou auf „Google Maps“ (06.01.2016, 23:50)
http://www.unknownfieldsdivision.com/img/projects/summer2014/worlds-largest-rare-earth-mineral-refinery_radioactive-waste-lake_01_liam-young.jpg (07.01.2016, 00:33) – Blick vom Schlackensee auf die Industrieanlagen von Baotou
http://www.theguardian.com/environment/gallery/2015/apr/15/rare-earthenware-a-journey-to-the-toxic-source-of-luxury-goods#img-5 (07.01.2016, 01:02) – Bild aus einer der Industrieanlagen Baotous#
Wikipedia-Artikel zu Baotou (06.01.2016, 23:37) – Deutsch
Leitartikel aus ORF.at „Auf der dunklen Seite des Fortschritts“ (06.01.2016, 23:38) – Deutsch
Bilder zum Film „Technology“ und Infos zu „Rare Earthware“ der „Unknown Fields Division“ (06.01.2016, 23:43) -Englisch
Schlackensee von Baotou auf „Google Maps“ (06.01.2016, 23:50)
Leiartikel auf „BBC.com“ – The dystopian lake filled by the world’s tech lust (06.01.2016, 23:52) – Englisch
„Stimmen aus china.de“ – Selten unnachhaltig – Selten erden und Umweltverschmutzung in China (06.01.2016, 23:55) – Deutsch
„Stimmen aus china.de“ – Chinas seltene Erden im Sonderangebot? (06.01.2016, 23:57) – Deutsch
Bericht von „Asienhaus“ zum Bergbau in der inneren Mongolei (07.01.2016, 00:04) – Deutsch/PDF
Wikipedia-Artikel zur Bayan-Obo Mine(07.01.2016, 00:06) – Deutsch
Artikel des „Deutschlandradio Kultur“ – Die wahren Kosten der seltenen Erden  (07.01.2016, 00:10) – Deutsch
Artikel des „Spiegel-Magazins“ zur Songhua Fluss Katastrophe (07.01.2016, 00:12) – Deutsch
Artikel des „Guardian.com“ – Rare Earthenware (07.01.2016, 00:13) – Englisch