Die unendliche Katastrophe von Bhopal

Wir schreiben die Nacht zum 3. Dezember 1984: In der Chemiefabrik der Union Carbide im indischen Bhopal kommt es aufgrund technischer Mängel infolge massiver Kosteneinsparungen zur größten Chemiekatastrophe aller Zeiten. Binnen zwei Stunden breitete sich über die Millionenstadt eine Decke aus Giftgas aus, die innerhalb der ersten 48 Stunden Tausende Todesopfer fordert. Der Chemiekonzern hat sich anschließend aus der Verantwortung zurückgezogen und hinterließ Krankheit und Elend in der Bevölkerung.
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Bhopal, die Hauptstadt des indischen Bundesstaats Madhya Pradesh war ein idealer Produktionsstandort für das indische Tochterunternehmen der amerikanischen Pestizidfabrik Union Carbide: Umweltstandards waren kaum vorhanden, Arbeiter als Tagelöhner gab es genug in den benachbarten Slums und staatliche Sicherheitsstandards galten im internationalen Vergleich als besonders niedrig. P. M. Butsch, einstiger Stadtplaner von Bhopal legte fest, dass giftige Industrien weit nordöstlich der Stadt zu platzieren seien, um Bewohner im Stadtzentrum im Falle eines Unfalls zu schützen. Das zuständige Management hatte enge verwandtschaftliche und freundschaftliche Kontakte zur Regierung und überging aus wirtschaftlichem Interesse seinen Ratschlag. P. M. Butsch wurde daraufhin strafversetzt und die Union Carbide durfte in der Stadt bauen. 1969 wurde die Produktion auf einem rund 35 Hektar großen Gelände, nur unweit der Bahnstrecke und den angrenzenden Slums errichtet.

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Ab 1977 hatte der Konzern nur etwa 2.500 Tonnen des Schädlingsbekämpfungsmittels Sevin produziert, obwohl die Anlage für eine Produktion von bis zu 5.000 Tonnen ausgelegt war. Da die Nachfrage in Indien Anfang der 80er Jahre stark rückläufig war, versuchte man über Kostensenkungen die Anlage weiterhin rentabel zu betreiben. Längere Wartungsintervalle, die Verwendung billiger Ersatzteile (Stahl statt Aluminium), Einsparung im Personalbereich, indem sukzessive Fachleute durch Hilfsarbeiter ersetzt wurden und zuletzt die Entsorgung der giftigen Chemikalien in Mulden der unmittelbaren Umgebung sorgten dazu, dass das Grundwasser stark mit krebserregenden Giftstoffen angereichert wurde und es zu mehreren gravierenden Zwischenfällen mit Verletzten und sogar Toten kam. Sogar eine Schließung der Fabrik wurde in Erwägung gezogen.

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1984 geschah das Undenkbare: Kurz nach Mitternacht des 3. Dezember entdeckte ein Kontrolleur ein Gasleck in einer der Anlagen und meldete dies der Leitstelle. Das Leck, das sich im Bereich mit den gefährlichsten Chemikalien der Anlage befand, wurde umgehend untersucht. Neben Phosgen, das im 1. Weltkrieg als chemische Waffe zum Einsatz kam, lagerte dort in riesigen unterirdischen Tanks der Pestizidbestandteil MIC. Aus einen der Rohre trat Gas aus, aber kleine Lecks und Störungen in der 15 Jahre alten Anlage gehörten mittlerweile zum Alltag. Da auch die Messinstrumente keine besorgniserregenden Druckänderungen in den Tanks anzeigten, kehrte man wieder unverrichteter Arbeit zurück zum Kontrollraum. Innerhalb weniger Minuten erfolgte ein zweiter Anruf. Die Überprüfung der Messinstrumente zeigte, dass der Druck in einem der MIC-Tanks innerhalb kurzer Zeit ins unermessliche gestiegen war. Um 20 Minuten nach Mitternacht eilten Arbeiter in den Lagerbereich, um den Grund für den plötzlichen Druckanstieg zu eruieren. Doch da war es bereits zu spät: Durch eine chemische Reaktion des MICs mit in den Tank eingedrungenem Wasser, ging das Flüssiggas in den gasförmigen Aggregatzustand über, erhitze sich und dehnte sich schlagartig aus. Der dicke Betonmantel um den Tank begann stark zu vibrieren und bekam Risse, bis das Sicherheitsventil dem Druck nachgab und das Gas unkontrolliert in das Röhrensystem der Anlage strömte.

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Zehn Minuten später läutete man die ersten Notfallmaßnahmen ein: Ein Gaswäscher sollte das austretende Gas neutralisieren. Aber infolge massiver Kosteneinsparungen war dieser seit einiger Zeit ausgeschalten und somit funktionsunfähig. Da MIC leicht entzündlich ist, sollte das Gas an einem weiteren Sicherheitssystem, einer Gasfackel vorbeiströmen. Da nur wenige Tage vor dem Unglück infolge von notwendig gewordenen Reparaturarbeiten ein rostiges Rohr ausgebaut wurde und seither nicht ersetzt worden war, strömte das Gas auch daran ungehindert vorbei und entwich in den Nachthimmel Bhopals. Jetzt gab es nur noch eine Möglichkeit, um die Bevölkerung Bhopals vor dem Gifttod zu bewahren: Mit Wasser das austretende Gas binden, bevor es die angrenzenden Wohnviertel der Metropole erreicht. Doch auch das allerletzte Sicherheitssystem konnte das Unglück nicht mehr abwenden. Da der Wasserstrahl der Sprinkleranlagen um den Auslass zu schwach war und somit das ausströmende Gas am oberen Schlotende nicht erreichte, traten 25-40 Tonnen MIC unter hohem Druck ungehindert in die Atmosphäre und legten sich wegen der höheren Masse als Luft wie ein todbringendes Tuch über die schlafende Stadt.

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Direkt neben der Fabrik der Union Carbide lagen bereits die ersten Wohnhäuser der 500.000 Einwohner zählenden Stadt, die infolge eines Südwestwindes als Erstes vom tödlichen Nebel erfasst wurden. Hustend und nach Luft ringend erwachten die Bewohner. Panik machte sich breit. Groß und Klein, Jung und Alt strömten in alle Richtungen der Stadt, um das nächstgelegene Krankenhaus zu erreichen. Die Menschen erbrachen, husteten oder kollabierten und viele starben noch auf der Straße. Hinzu kam, dass es durch die Einsparungen der vergangenen Jahre keinen Katastrophenschutzplan gab und somit viele Menschen in ihrer Unwissenheit direkt in die hochverdichtete weiße Gaswolke liefen. Die Ärzte in den anliegenden Krankenhäusern waren mit der Situation und dem plötzlichen Ansturm von derart vielen Patienten völlig überfordert. Dazu fehlten genauere Informationen, um welche Art von Gas es sich handelte und wie den Opfern geholfen werden kann. Innerhalb von nur zwei Stunden breitete sich das MIC auf einer Fläche von 65 eng besiedelten Quadratkilometern aus. In der Stadt herrschten apokalyptische Zustände.

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Was ist MIC? MIC steht für Methylisocyanat und ist eine stark reaktive chemische Verbindung. Diese flüchtige und farblose Flüssigkeit weist in hoher Konzentration einen stechenden Geruch auf und ist stark tränenerregend. Es ist ab einer Temperatur von -7 °C leicht entflammbar und geht ab einer Temperatur von 38 °C in den gasförmigen Zustand über. Da MIC schwerer als Luft ist, legte es sich wie ein Leichentuch über die schlafende Stadt und tötete vorrangig Personen, die sich in Bodennähe aufhielten. Methylisocyanat verursacht schwere Verätzungen der Schleimhäute, Augen und Lungen. Darüber hinaus wurde in Bhopal überraschenderweise festgestellt, dass besonders viele Opfer starke Verätzungen der inneren Organe aufwiesen. MIC reagierte mit dem körpereigenen Wasser der Opfer und drückte Blut in die Lungenbläschen. Viele ertranken qualvoll an den eigenen Körperflüssigkeiten.

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Am Tag nach dem Unglück verflüchtigte sich das Gas über der Stadt und das ganze Ausmaß des Unglücks wurde sichtbar: In der Nacht vom zweiten auf den dritten Dezember 1984 starben vermutlich mehr als 3.000 Personen am ausströmenden MIC und mehr als 300.000 erleiden qualvolle Schmerzen. Noch am selben Tag beauftragte die indische Regierung die Sicherung des Fabrikgeländes und die Frage zu klären, ob womöglich noch weiteres Gas ausströmen könnte. Es bewahrheitete sich die schlimmste Befürchtung! Da aufgrund der sinkenden Nachfrage nach Pflanzenschutzmitteln die Produktion zeitweise eingestellt wurde und sich der Betrieb der Anlage auf Erhaltungsarbeiten beschränkte, lagerten in den unterirdischen Tanks noch riesige Mengen an unaufbereitetem MIC. Im Unglückstank Nr. 610 lag der Füllstand zuvor bei 75 %, obwohl die empfohlene Menge lediglich 50 % beträgt. Insgesamt verdampften in der Unglücksnacht mehr als 40 Tonnen MIC! Doch der Schrecken war noch nicht vorbei: Im Tank Nr. 611 lagerten weitere 30-35 Tonnen des tödlichen Gases!

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Die Frage war: Wenn Gas aus dem Tank Nr. 610 entwich, kann das auch bei dem anderen Tank passieren? Um jegliche Gefahr auszuschließen, entwickelten die Ingenieure einen mutigen wie auch riskanten Plan. Die Idee sah vor, die Produktion in der Fabrik wieder zu starten und das verbliebene MIC innerhalb weniger Tage zu verarbeiten. Dabei konnte selbst nach ihrer Einschätzung ein neuerliches Unglück nicht ausgeschlossen werden. Manche Experten erachteten ein zweites Bhopal sogar als sehr wahrscheinlich. Die Bewohner Bhopals empfanden diesen Plan, nur wenige Tage nach dem Unglück als ungeheuerliches Vorhaben und verließen daraufhin fluchtartig die Stadt. Selbst die Kranken zogen die Flucht dem Risiko vor, sofern sie nicht bettlägerig waren. Mit meterhohen feuchten Stoffbahnen versuchte man die größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten, und eventuell austretendes Gas innerhalb der Anlage zu halten. Die Stadt war zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wie ausgestorben und die wenigen Verbliebenden auf das Schlimmste vorbereitet. Es dauerte lange sieben Tage, bis das gesamte MIC zu Sevin verarbeitet werden konnte und die Bewohner in die Stadt zurückkehrten. Eine weitere Katastrophe konnte zum Glück abgewendet werden.

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Bereits wenige Tage nach dem Unglück entschloss sich Warren Anderson, der Vorstandsvorsitzende des US-amerikanischen Chemiekonzerns Union Carbide selbst nach Bhopal zu fliegen. Als die dortigen Behörden erfuhren, dass er die Verantwortung für die Fabrik trägt, ließ man ihn noch am Flughafen festnehmen – zumindest offiziell und medienwirksam. Tatsächlich brachte man ihn zum Union Carbide Gästehaus, das damals eines der schönsten Häuser Bhopals war, und ließ ihn bereits wenige Stunden später gegen eine Kaution von lediglich 18.000 Dollar frei. Noch am selben Tag trat er die Rückreise an. Viele indische Journalisten sahen darin eine Inszenierung der Regierung. Warren Anderson lebte bis zu seinem Tod im Jahre 2014 auf Long Island bei New York (USA) und wurde nie für die Katastrophe zur Verantwortung gezogen. Viele der Opfer sehen in ihm bis zum heutigen Tag einen Massenmörder, der für den Profit leichtfertig Zehntausende Todesopfer in Kauf nahm.

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Viele der Opfer wurden nach einem vergleichbar kurzen Krankenhausaufenthalt wieder entlassen. Meist lautete die Diagnose in den Krankenakten „Pneumonitis“ – Lungenentzündung. In Klammern wurde dann noch „dem Gas ausgesetzt“ beigefügt. Am Ende des Dokuments wurde das Wort „Improved“ angefügt.  Diese „Gebesserten“ fühlten sich oftmals zu schwach, um eigenständig vom Krankenhaus zurück nach Hause zu gehen! Hatten sie den Rückweg doch geschafft, konnten sie sich oft vor Schmerzen die nächsten drei Tage nicht mehr vom Bett erheben. Wirksame Medikamente für eine adäquate Nachbehandlung wurden nur selten oder in unzureichenden Mengen mitgegeben. Für die Behörden erhöhte jeder weitere akzeptierte Langzeitpatient den Druck, das Ausmaß der Krankheiten öffentlich zugeben zu müssen. Um die Auswirkungen vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu verbergen, wurde nur wenige Tage nach dem Unglück die Meldung, 1.064 Personen seien aufgrund des ausgetretenen MIC erblindet, dementiert. Der Regierung von Madhja Pradesh zufolge handelte es sich in all diesen Fällen nur um „vorübergehende Sehverluste“, aber keinesfalls um langfristige Schäden. Auch der Leiter des staatlichen Hamidia-Hospitals, Professor N. R. Bhandari konnte sich die vielen Haut-, Magen-, Leber- und Milzschmerzen nicht erklären. Der Chef des Krankenhauses, in dem mehr als 80.000 Gasopfer behandelt wurden, meinte: „Die Armen schieben alles aufs Gas!“

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Welches skandalöse Verhalten die Behörden von Bhopal an den Tag legten und wie gering die gesicherten Fakten selbst nach mehr als 30 Jahren sind, zeigte sich im Fall eines Medikaments mit Natriumthiosulfat. Dieses Mittel wurde damals kurz nach dem Unglück von Bhopal von US-Experten der Union Carbide als wirksames Behandlungsmittel gegen die Krankheitssymptome empfohlen. Da sich die Firmenleitung in Bhopal zum damaligen Zeitpunkt mit der US-Führung geeinigt hatte, dass es sich beim ausgetretenen Gas um MIC handelte, machte die Empfehlung keinen Sinn mehr, da das Mittel bei Vergiftungen mit Cyanid, einer tödlichen Blausäure eingesetzt wird. Ein interessanter Fakt, da erste Untersuchungen zeigten, dass beim Unglück womöglich auch Cyanid eine Rolle spielte und sich im Körper infolge des Kontakts, etwa mit Schwefel, zu einem Giftcocktail verwandelte. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine erste Sendung des Medikaments nach Bhopal unterwegs, die anschließend verschwand. Jüngere Ärzte glauben auch zu wissen wie: Sie vermuten, dass das Behandlungsmittel vorrangig an Minister und die elitäre Bevölkerung verteilt wurde.

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 Besonders die Slums, in denen sich die Armenhäuser wie an einer Perlenkette aneinanderreihen, eingepfercht zwischen den Werksmauern der Union Carbide und dem Bahndamm, traf es am schnellsten und schwersten. Dort hausen die ärmsten der Armen, vorwiegend Moslems, Personen der niedrigsten Kaste und die keiner Kaste zugeordneten Unberührbaren, denen man höchstens das Leben im Dreck und den Fäkalien zugesteht. Ein Job in der Düngemittelfabrik galt für viele als hohes Gut, oftmals die einzige Möglichkeit die Familie mit dem Nötigsten zu versorgen und den Kindern eine Zukunft außerhalb der Slums zu ermöglichen. Ihnen blieben die zahlreichen Missstände, die sich selbst im toxischen Trinkwasser vor der eigenen Armenhütte zeigten, nicht verborgen. Viele wussten über die zahlreichen Mängel der Fabrik und befürchteten schon seit längerer Zeit einen chemischen Super-GAU.

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Während Warren Anderson bis zuletzt auf die These beharrte, ein unzufriedener Mitarbeiter hätte die Anlage sabotiert und somit absichtlich das Wasser dem hochreaktiven MIC zugeführt, gingen unabhängige Experten davon aus, dass das Unglück auf von Menschen herbeigeführte technische Fehler zurückzuführen sei. Einer unabhängigen Expertenkommission wurde weder vonseiten der indischen Regierung ein Arbeitsvisum erteilt, noch von Union Carbide der Zutritt zum Werksgelände erlaubt. Somit konnte das Unglück bis heute nicht restlos aufgeklärt werden. Aufzeichnungen und Befragungen von in der Unglücksnacht tätigen Arbeitern legen die Vermutung nahe, dass in der Nacht während einer Leitungsspülung einer chemischen Aufbereitungsanlage unbemerkt größere Mengen Wasser mit MIC in Verbindung kam. Dieses begann anschließend mit explosiver Kraft zu kochen und wechselte infolge eines Temperaturanstiegs in den gasförmigen Aggregatzustand. Eigentlich hätte Wasser niemals mit dem gefährlichen MIC in Verbindung kommen dürfen, da im Normalfall die Wasser und MIC-Leitung voneinander getrennt zu führen sind. Um dennoch bei einer Zweifachnutzung der Leitungen ein solches Unglück zu verhindern, hätte zwischen den Rohren eine einfache Steckscheibe wie hier im Bild, genügt. Doch diese fehlte in der besagten Nacht. Da einfachste Sicherheitsmechanismen entweder fehlten oder abgeschalten waren, blieb dieser chemische Vorgang bis zum kritischen Punkt unbemerkt. Aber selbst die Frage, ob es sich bei dem ausgetretenen Gas „nur“ um MIC handelte, oder womöglich auch andere chemische Verbindungen im Spiel waren, konnte bis heute nicht gänzlich bewiesen werden.

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Schon kurz nach dem Unglück begann das Feilschen um die Opferzahlen und somit die Registrierung der Verletzten und Toten. Die Landesregierung des Staates Madhja Pradesh gab zunächst die Opferzahl mit 1.400 an, eine Zahl über die sich selbst die Zentralregierung wunderte und ihrerseits die Zahl von 2.500 bereits kurz nach der Todesnacht nicht mehr dementierte. Heute gehen Schätzungen unabhängiger Experten von 5.000 bis 10.000 Opfer aus, die unmittelbar oder innerhalb weniger Tage zu Tode kamen. Viele Personen flohen damals in Panik und bereits schwer gezeichnet in andere Städte und verstarben dort oder wurden auf Ladeflächen von Lastfahrzeugen geladen und in anonyme Massengräber beerdigt. Da die Beweislage oftmals unzureichend ist, es keinen Totenschein gibt, die Bestätigung eines Leichenschauhauses fehlte oder Opfer aus anderen Gründen nicht anerkannt wurden, blieb vielen jegliche Entschädigungszahlung verwehrt.

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Erst fünf Jahre nach der Katastrophe stimmte die Union Carbide America einer Entschädigungszahlung in der Höhe von 470 Millionen Dollar zu. Das entspricht etwa 500 Dollar für jeden Verletzten und 1.100 Dollar für jedes Todesopfer. In Anbetracht eines erwirtschafteten Jahresumsatz von etwa neun Milliarden Dollar kam damit der Konzern sehr glimpflich davon, zumal ein Passus die Forderung zukünftiger Entschädigungszahlungen im Vorhinein ausschließt. Im Jahre 2010 wurden ehemalige Manager der indischen Tochterfirma Union Carbide wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von lediglich je 2.000 Dollar verurteilt.

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Selbst mehr als 30 Jahre nach dem Unglück scheint die Stadt Bhopal nicht wieder zum gewohnten Leben zurückgefunden zu haben. Zu groß sind Not, Angst und Krankheit. Die Fehlgeburtenrate ist um einiges höher als im indischen Durchschnitt und besonders viele Kinder kommen mit Fehlbildungen zur Welt: Ohne Beine, ohne Hände, ohne Augen, … die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. In den Jahren nach dem Unglück, starben nach Schätzungen der indischen Regierung weitere 15.000-25.000 Menschen an den Folgen des ausgetretenen Gases und mehr als 150.000 leiden bis heute an massiven Gesundheitsschäden. Die Beschwerden umfassen Erblindung, Atembeschwerden, Krebserkrankungen, Hirnschädigungen und schwere Organschäden sowie Missbildungen bei Neugeborenen. Selbst mehr als 30 Jahre danach stirbt jede Woche zumindest eine Person an den Spätfolgen des größten Chemieunfalls der Geschichte. Zuvor gesunde Männer, die tagtäglich in der Fabrik Schwerarbeit verrichteten, waren bereits kurz nach der Katastrophe zu schwach, um beispielsweise ein Fahrrad über einen kleinen Hang zu schieben. Nicht wenige sehen in den Toten des dritten Dezembers die Glückseligen, die Überlebenden als die wahren Opfer.

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2001 wurde die Union Carbide vom US-amerikanischen Chemieriesen DOW übernommen. Geändert hat sich seither nichts! Trotz zahlreicher Versprechen, die Umgebung von den hochgiftigen Altlasten zu befreien, rostet die Anlage weiterhin vor sich hin und sickern ungehindert Unmengen an austretende Chemikalien ins Grundwasser. Einer Studie des indischen Instituts für toxische Studien bestätigte, dass sich weiterhin rund 8.000 Tonnen Giftmüll auf dem ehemaligen Gelände der Union Carbide befinden. Obwohl einer Schweizer Expertenkommission zufolge die Reinigung und der Rückbau des gesamten Areals lediglich rund 30 Millionen Euro kosten würde und sich die indische Regierung vor Jahren bereit erklärte die Sache selbst in die Hand zu nehmen, hat sich bis heute am Status quo nichts geändert.

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Viele der Opfer sehen in den täglichen Qualen nur noch einen Antrieb: Die Verantwortlichen des Unglücks zur Rechenschaft zu ziehen. Teilerfolge gibt es sogar zu verbuchen, wenn auch die Ziele über die Jahre bescheidener wurden. So gibt es seit 2014 einmal alle zwei Tage für eine halbe Stunde Zugang zu sauberem Trinkwasser in den Slums. Mittlerweile fordert die Zentralregierung von Delhi unter dem Druck von Menschenrechtsaktivisten, zusätzliche 1,2 Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen von den USA. Dieser Rechtsstreit wird vermutlich noch Jahre dauern – Ausgang ungewiss.

Erst vor wenigen Wochen erlebten wir in Deutschland die Gefahr, die von großen Chemiekonzernen ausgeht, als drei Arbeiter bei BASF infolge einer Explosion starben. Wie realistisch ist nun die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Bhopals und wie können wir uns im Ernstfall schützen? Was können wir (Deutschland) aus 1984 lernen und besser machen? Nach der Bhopal-Katastrophe gab es kaum Unterstützung für die vielen Opfer und die Fabrikruinen sind selbst 30 Jahre nach dem Unglück noch tickende Zeitbomben: Welche Chancen siehst du für die Zukunft der Opfer und deren Nachfahren? Wie und was hätte Union Carbide, DOW und die Behörden anders machen sollen bzw. was würde bei einer Katastrophe dieser Größenordnung in Deutschland anders/besser ablaufen? Sind wir überhaupt darauf vorbereitet, oder sind die Anlagen heutzutage sicher genug, dass ein Unglück dieser Größenordnung auszuschließen sei? Deine Meinung – wie immer ab in die Kommentare!


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Weiterführende Links:
Srf: Artikel, Fotostrecke und Video-Clips zum Unglück von 1984. (05.11.2016, 07:52) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zum Unglück von Bhopal. (05.11.2016, 07:53) – Deutsch
Spiegel-Online: Fotostrecke zum Bhopal Unglück. (05.11.2016, 07:54) – Deutsch
The Toronto Star: Ausführlicher Artikel zu den Hintergründen und Ursachen der Katastrophe und dem Leben der Bewohner. Inklusive beeindruckender 360° Aufnahmen aus den Fabrikruinen. (05.11.2016, 07:56) – Englisch
India Environmental Portal.org: Eigene Seite mit (fast) allen Infos zum Unglück vor und nach 1984. Inklusiver Berichte der Opfer und erklärender Grafiken. (05.11.2016, 07:59) – Englisch
Spiegel-Online: Bericht zum Bhopal-Unglück aus dem Jahre 1985. Mit dem Stand der Ermittlungen und Mutmaßungen von damals. (05.11.2016, 08:01) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0014.jpg (05.11.2016, 00:09) – Erblindeter Mann infolge des Gasunglücks von Bhopal. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen.

 

http://www.indiaenvironmentportal.org.in/media/iep/infographics/Bhopal%20Gas%20Disaster/images/hot_spot.jpg (05.11.2016, 00:11) – Karte der Fabrikanlage von union Carbide; Kartenmaterial stammt von Google.maps (Bearbeitung beider Karten mit Photoshop).
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14705037464/in/album-72157645812162402/ (05.11.2016, 00:16) – Safety First – Warnung in der Pestizidfabrik von Bhopal (Bildgröße in Photoshop angepasst).
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14119398488/in/photolist-nvFBfY-nN1x89-nvHu7V-nNd2Ea-nLcJTC-7tKnXA-aKJLFF-7tDY3z-aKJnUz-632CHE-fuZ8Da-62XoVX-632EK5-7tFqvk-632FGs-7tDYgZ-aKJnkX-7tKobh-65A2Ty-7tHVME-7tFqLt-7tDYmD-FDiJMZ-65A5P5-7tKo2Y-62Xks2-cRjKTE-fuZ8Cz-65vAJ2-62XqS8-7tFqfi-5SEbhX-7tDYbF-7tDYek-632Cps-65A6Eo-7tKo7s-7tDYsz-7tFqEZ-7tFq88-kL4oWx-qSCSHH-nN9A7b-nvGMpp-kMQgZS-nvFp6M-nvJVWb-rPqRtz-nvJWz5-DyM37 (05.11.2016, 00:18) – Union Carbide Fabrik in Bhopal im Jahre 1985 (Bildgröße in Photoshop angepasst).
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/83d1693652.gif (05.11.2016, 00:20) – Grafik der Sicherheitssysteme, die das Unglück 1984 hätten verhindern können (Bildgröße in Photoshop angepasst). Vielen Dank an Bhopal.org!
Bild von Bhopal.org mit Erlaubnis zur Verfügung gestellt (05.11.2016, 00:27) – Mehrere Schwerverletzte in weiße Tücher gewickelt. (Bildgröße in Photoshop angepasst) Vielen Dank an Bhopal.org
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0014.jpg (05.11.2016, 00:30) – Erblindeter Mann infolge des Gasunglücks von Bhopal. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a2/Bhopal_Plant_7.JPG (05.11.2016, 00:33) – Tank Nr. 610. Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0 (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/dalbera/16944288732/in/photolist-rPiUHb-DyLUn-62Xsaz-DyLWB-DyLw9-7tDY52-632C4f-nN7WzE-632zTN-DyLsV-62XpGz-DyLe7-65zTxu-DyLk6-62XsEx-DyLHG-7tKnUf-7tHVYo-632yUL-DyLhf-7tFqGv-632Dxf-632yAA-DyLMP-aKJmQz-nvHABS-nN9BWd-nN3sso-nvFBfY-nN1x89-nvHu7V-nNd2Ea-nLcJTC-5SEbhX-7tKnXA-DyLRL-aKJLFF-7tDY3z-aKJnUz-sjPpug-632CHE-fuZ8Da-62XoVX-632EK5-DyLQq-7tFqvk-632FGs-DyLyY-DyLbM-7tDYgZ (05.11.2016, 00:39) – Mann vor seiner Hütte in einem Slum von Bhopal. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Bhopal_Gas_Warren_Anderson.jpg (05.11.2016, 00:41) – Warren Anderson vor einer Gruppe protestierender Inder. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://ndsharma.files.wordpress.com/2011/12/bhopalgas11.jpg (05.11.2016, 00:43) – Blinder Mann mit Kinder. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0007.jpg (05.11.2016, 00:45) – Opfer des Bhopal-Unglücks auf der Straße sitzend. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14305405224/in/photolist-nN7WzE-DyLsV-DyLe7-DyLk6-DyLHG-rPiUHb-DyLhf-DyLMP-62Xsaz-7tDY52-632C4f-632zTN-62XpGz-65zTxu-62XsEx-7tKnUf-7tHVYo-632yUL-7tFqGv-632Dxf-632yAA-aKJmQz-DyLRL-DyLQq-DyLyY-DyLbM-nvHABS-nN9BWd-nN3sso-nvFBfY-nN1x89-nvHu7V-nNd2Ea-nLcJTC-5SEbhX-7tKnXA-aKJLFF-7tDY3z-aKJnUz-sjPpug-632CHE-fuZ8Da-62XoVX-632EK5-7tFqvk-632FGs-7tDYgZ-7L1b2L-aKJnkX-7tKobh (05.11.2016, 00:48) – Alltagsszene aus einem Slum Bhopals. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.youtube.com/watch?v=7B4BiFeBKuQ (05.11.2016, 00:51) – Fehlende „Steckscheibe“: Abbildung aus der Dokumentation „51 – Sekunden vor dem Unglück – Der Chemie-Supergau von Bhopal.“ (Bildgröße in Photoshop angepasst)
http://bhopal.org/wp-content/uploads/2014/10/Event-Aftermath-0009.jpg (05.11.2016, 00:55) – Opfer des Gasunglücks werden abtransportiert. Bild wurde von Mr. Jaimini von Bhopal.org aufgenommen. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/dalbera/16325581883/in/photolist-qSCSHH-7tFqBe-7hRyLA-7tDYwg-nN9A7b-nvGMpp-7hMBEg-7tFqjp-nvFp6M-7tDYBM-7tDYzZ-65vFCv-nvJVWb-65vLkX-rPqRtz-65A5nq-7tDY78-nvJWz5-7tKodf-632BFE-65A7cs-7tHVJ1-8TxDMQ-65vCqx-9QA9Au-65zXnq-65vRVB-dTSiZP-DyM37-65vDxK-4RmM5C-65A3v3-62XmUa-65A2uW-7hMBCz-65vPZc-65vNSR-65vMrt-65zZgq-65A6Wh-65vG6i-boppu4-7tDYqt-kMQgZS-7tHVrW-65A7Xd-4RmMLA-dpsDm9-4RmM2G-65A8LL (05.11.2016, 00:57) – Graffiti auf der Fabriksmauer von Union Carbide / DOW. (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bhopal_plant?uselang=de#/media/File:Bhopal_Plant_5.JPG (05.11.2016, 01:00) – Verlassenes Fabriksgelände von Bhopal. Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0 (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bhopal_Plant_1.JPG?uselang=de (05.11.2016, 06:59) – Chemikalien im Labor der verlassenen Fabrik in Bhopal. Bild: Julian Nitzsche, CC-BY-SA 3.0 (Bildgröße in Photoshop angepasst)
https://www.flickr.com/photos/bhopalmedicalappeal/14120158967/in/photolist-nvKvjF-nNb7b7-nN14fW-nL89BE-bctxFM-bcty4R-bctzn2-bctAUH-b49q8p-b49pzp-bctyDP-b49par-bctzDP-bctADz-b49oYK-bctyxD-bctyZt-b49pRD-bctyhZ-bctycF-khHwWn-mZpUF-4C3Kon-6qruBT-95FmHf-fwugza-ynSjzh-cSQuA9-bctAk4-bctA7a-bctzee-bctzKg-bctA2p-bctz5H-vxnjy4-vfm3AJ-vfpFhL-vuFKKy-vfpU7b-dc2KVr-hKBoVD-nPWY74-nMZEZd-nMSXza-8L6DEc-nL7NS9-8qrNDT-nNecji-2PhBQ8-zuiSSu (05.11.2016, 07:02) – Frühe Proteste in Bhopal gegen Union Carbide USA. (Bildgröße in Photoshop angepasst)

 

Der Tag, als London starb

Police Constable with Protective Mask in Fog Polizist mit Atemmaske

London war schon immer bekannt für Nebelschwaden, die oftmals tagelang, den Städtern die Sicht und Luft raubten. Doch der Todesnebel von 1952 war mit keinem anderen Ereignis vergleichbar. Anfangs ein dichter Dunst aus Ruß führte er zur größten Katastrophe der Stadt seit der industriellen Revolution. Insgesamt starben innerhalb von fünf Tagen mehr als 4.000 und 8.000 weitere an den Folgen.

Nebel galt in London als nichts Besonderes und gehört zur Stadt fast genauso wie die Tower Bridge und der Big Ben einfach dazu – vor allem zwischen 1825 und 1925, als London die weltweit größte Stadt war, hatte sie mit großen Umweltproblemen zu kämpfen. Nach dem zweiten Weltkrieg, als sich die Bürger wieder Kohle zum Heizen leisten konnten und die zuvor elektrisch betriebenen Straßenbahngarnituren durch Omnibusse mit Verbrennungsmotoren ersetzt wurden, nahmen auch die Umweltbelastung und einhergehende Wetterphänomene wie der Smog, merkbar zu. Früher als Wintersmog bezeichnet, wandelte sich der Begriff  bis zum Ereignis von 1952 zur „Pea Soup“, Erbsensuppe. Der Name, den die Londoner diesem Wetterphänomen gaben, wenn  der Rauch der über eine Million zählenden privaten Kohleöfen über die Kamine ins Freie stieg, sich dieser mit den Rauch aus dem der Industrieanlagen und mit den feuchten Nebelschwaden über der Themse zu einem dichten, giftigen, nach Schwefel riechenden Cocktail vermischte. Und so war auch anfangs des 5. Dezember 1952 die Verwunderung nicht allzu groß, als zum wiederholten Mal dichte Nebelschwaden infolge einer Inversionswetterlage über der Stadt aufzogen. Zunächst von den Londonern als ortsüblicher Nebel abgetan, verringerte sich die Sichtweite bis zum 7. Dezember auf wenige Zentimeter. Streckte man den Arm aus, verbarg der Smog die Hände. Infolge des aufziehenden Smogs wurden Freiluftkonzerte abgesagt, da selbst der hellste Tag von der Dunstglocke über London verdunkelt wurde. Mittlerweile war man beinahe nirgends mehr vom Smog sicher. Selbst durch kleinste Spalten in Fenstern und Türen drang der Nebel in Innenräume, dass selbst die Vorstellung von „La Traviata“ im Sadler’s Wells aufgrund der eingeschränkten Sicht im Inneren des Gebäudes (!) bereits nach dem ersten Akt abgebrochen werden musste.

Skyline London 1953

Blick auf  London im Jahre 1953

Doch trotz aller apokalyptischen Vorzeichen, ahnten nur die wenigsten schlimmeres. Eines der ersten Anzeichen war, als den Bestattern die Särge und den Floristen die Blumen ausgingen. Ohne es zu merken, setzte auf den Straßen Londons ein Massensterben ein. Die Ambulanzen füllten sich mit Patienten, die über Atemwegs- sowie Herz-Kreislaufbeschwerden klagten. Inzwischen war auf den Straßen der Verkehr nahezu komplett zusammengebrochen, dass auch Krankenwagen nicht mehr eingesetzt werden konnten und die Patienten sich keuchend und hustend zum Krankenhaus aufmachten. Viele schafften den beschwerlichen Weg in der Giftwolke nicht mehr bis zur Notaufnahme und starben draußen. Ihre Lippen waren blau angelaufen, als wären sie erstickt – allein und in vom Smog verhüllter Dunkelheit.

Piccadilly Smog London im Smog

Nichts geht mehr am Londoner Piccadilly Circus

Bevor sie in dieser Nacht auf die Todeswolke stießen, begann der Abend für Barbara Fewster zusammen mit ihrem Verlobten und einem befreundeten Dirigenten mit einem netten Dinner in der Londoner Innenstadt. Doch kaum als sie das Restaurant auf dem Nachhauseweg nach Kingston verlassen hatten, geschah es: Der mittlerweile aufgezogene Nebel umgab sie wie eine dichte Mauer. Häuser, Autos, Menschen – es schien als wäre die ganze Stadt verschwunden. Einzig die Scheinwerfer der Autos wurden vom Nebel reflektiert. Fewster stieg aus dem Wagen aus und ging den Weg von 25 Kilometern Länge in ihrem Abendkleid vor dem Wagen her, um ihren Verlobten am Steuer durch die Nebelsuppe zu leiten. Manchmal entfernte sie sich nur wenige Meter vom Wagen und war für ihn im dichten Nebel  nicht mehr auszumachen. Aber auch nur kurz anzuhalten, war viel gefährlicher als irrend durch die Straßen Londons zu rollen, da die Rücklichter der Autos nicht früh genug zu erkennen waren, um einen Auffahrunfall zu verhindern.  Andere Augenzeugen berichteten, dass der Nebel so dicht war, dass sie nicht einmal mehr ihre Schuhe erkennen konnten. Die Sichtweite betrug demnach maximal 30 Zentimeter!

Bus Nebel

In Straßen von London ging die Sicht auf null

Fewster tastete sich stundenlang  Zentimeter um Zentimeter voran, ohne auch nur einen Anhaltspunkt in der Ferne auszumachen. Ein anderer Wagen tauchte fast aus dem Nichts auf und überholte sie. Nur einmal erspähten sie die Umrisse eines Baumes und etwas Merkwürdiges daneben. Es handelte sich um den Wagen, der sie zuvor überholte und scheinbar ohne Sicht auf den Baum aufgefahren war. Erst um etwa fünf Uhr morgens erreichten sie ihr Haus in Kingston. Als sie dort das Licht anmachten, trauten sie ihren Augen kaum. Ihr Gesicht, ihre Haare und komplette Kleidung waren vollkommen bis auf die Unterwäsche vom Nebel schwarz gefärbt.

Zu diesen Zeitpunkt ahnten die Londoner noch nicht, dass dieser Nebel, der in der Geschichte als „The Big Smoke“  – der große Rauch –  eingehen sollte, noch bis zum 9. Dezember andauern sollte und schlussendlich bis zu 12.000 Todesopfer forderte. Trotz der hohen Anzahl an Todesopfern brach während dieser schicksalhaften fünf Tage nie Panik unter der Bevölkerung aus, da diese an ähnliche Smogereignisse durchaus gewöhnt waren und die Folgen bis zum Aufklaren des 9. Dezembers völlig unterschätzten.

„Überall erkrankten die Leute. Sie sind einfach zusammengebrochen und konnten nicht mehr atmen.“

– Steve Deacon, Busfahrer (Zitat aus der BBC-Dokumentation „Killer Fog“ frei ins Deutsche übersetzt)

In einem Interview aus 2002 schilderte der damals als Bestattungsunternehmer arbeitende Stan Cribb die Geschehnisse der damaligen Tage. Zunächst ärgerten sich die Autofahrer über die schlechte Sicht. Es wirkte, als hätte jemand in unmittelbarer Nähe Autoreifen in Brand gesetzt. Als der Nebel immer dichter wurde und die Sicht gegen Null war, musste Cribb einen Trauerzug während der Fahrt abbrechen. Es war als wäre man blind gewesen. Man konnte sich laut seinen Schilderungen höchstens noch an den Rücklichtern des Vordermanns orientieren.

„Einer unserer Lieferwagen kam von einer Fahrt zurück. Dummerweise war ihm der ganze Verkehr von der Commercial Road auf den Brauereihof gefolgt – sogar Doppeldeckerbusse. Es habe Stunden gedauert, die Sackgasse wieder zu räumen.“

– ein Lastwagenfahrer der Charrington’s Brauerei

Obwohl Barry Lynch damals gerade einmal vier Jahre alt war, hat auch er die Nacht des 5. Dezembers noch gut in Erinnerung. Er machte sich mit seinen Eltern auf dem Weg vom Haus seiner Großeltern in Kentish Town nach Hampstead. Aufgrund der schlechten Sicht hielten sie brennende Fackeln in der Hand, die ihnen den Weg ausleuchteten. Die damals noch vorhandenen Ruinen des Bombenangriffs durch die Truppen Hitlers, der damals nur geringfügig vorhandene Individualverkehr und die allgemein unheimliche Stimmung waren für ein kleines Kind schon sehr beeindruckend.

Fakel in London

Polizisten versuchen mit Fackeln den Verkehr zu regeln

Am 9. Dezember wurden die Bewohner der Stadt endlich durch aufkommenden Wind aus Süd-West erlöst. Vor allem ältere Menschen fielen infolge der Ablagerungen von Rußpartikel und Schwefeldioxid in ihren Lungen dem Smog zum Opfer. Die Todeszahlen zwischen 55- und 65-jährigen stieg um 142 Prozent, die der 65- bis 75-jährigen auf bis zu 235 Prozent. Die Angehörigen brachten den Tod der zumeist in Vorfeld bereits chronisch Kranken nicht sofort mit dem Nebel der vergangenen Tage in Verbindung.  Erst allmählich zeigte sich das wahre Ausmaß der Katastrophe: Gerichtsmediziner stellten fest, dass die Sterberate innerhalb dieser fünf Tage exorbitant angestiegen war. Insgesamt starben über 4.000 Menschen direkt und später weitere 8.000 an den Folgen. Über 100.000 erlitten Atemwegserkrankungen. Ein Ausmaß das mit der Cholera-Epidemie von 1854 und der Grippe-Epidemie von 1918 vergleichbar ist. Eine unbequeme Wahrheit, der sich die Regierung nur ungern stellen wollte.

Monet

Claude Modet: Das Parlament in London, 1904

Was machte aber den Wintersmog von 1952 so besonders? Wer kennt sie den nicht – Bilder von London, deren Abbildungen von einem Schleier getrübt scheinen. Bereits seit dem 13. Jahrhundert sind Probleme mit der Luftqualität in der Hauptstadt bekannt. So trieb es sogar Künstler wie den Maler Claude Monet in die Stadt um sich davon ein Bild zu machen – wortwörtlich!

Zwar waren auch an vergangenen Tagen besonders hoher Luftverschmutzung bereits viele Menschen gestorben, dies aber meist erst nach wochenlanger Erkrankung im Krankenbett. Ein Nebel, der die Menschen scheinbar in wenigen Minuten regelrecht zu Tode würgt, hatte man bisher noch nicht gesehen. Kein einziges Einzelereignis des 2. Weltkriegs forderte in London so viele Todesopfer wie der „Great Smog“. Innerhalb einer einzigen Woche starben in Folge offizieller Aufzeichnungen 4.703 Personen, verglichen mit 1.852, die in derselben Woche des vorhergegangenen Jahres zu Tode kamen.

Um die genauen Umstände von 1952 zu verstehen, muss man zu allererst zwischen zwei Arten von Smog unterscheiden. Der eine ist der in London berühmte und auch für 1952 verantwortliche Wintersmog und der andere wird als Sommersmog, Photosmog oder auch Los Angeles-Smog bezeichnet, da er dort als erstes beobachtet wurde. Diese Form des Smogs ist zwar weniger gefährlich, tritt aber weitaus häufiger auf.

Damit überhaupt ein Wintersmog wie im Jahr 1952 entstehen kann, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  1. Es muss eine Inversionswetterlage bestehen
  2. Die Luft muss knapp über dem Gefrierpunkt liegen
  3. Die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein
  4. Die Luft muss einen hohen Schwefeldioxidgehalt aufweisen
  5. Die Luft muss äußerst staub- und rußhaltig sein.

Infolge einer Inversionswetterlage kehrt sich das atmosphärische Temperaturgefälle in einer Höhe zwischen 800 und 1.000 Metern um. Warm Luft von unten steigt auf und kann infolge der noch wärmeren höher liegenden Luftschichten nicht mehr nach oben steigen und entweichen. Der Abtransport von Schadstoffen aus den Kohleöfen wird dadurch behindert und bleibt unter der warmen Luftschicht in Talnähe hängen. Es bildet sich eine giftige Smog-Wolke deren Wirkung sich infolge Windstille nochmals beträchtlich verstärkt. Normalerweise löst sich der Smog tagsüber wieder auf, sobald die Sonnenstrahlen den Boden erwärmen. Der Nebel von 1952 war jedoch so dicht, dass diese Strahlen die rußhaltige Nebeldecke nicht durchdringen konnten und sich der Nebel erst am 9. Dezember auflöste.

Inversionswetter

Entstehung einer Inversionswetterlage

Ein Hauptgrund dieser damals besonders schwerwiegenden Folgen liegt der eingesetzten minderwertigen Kohle zugrunde. Da sich die wirtschaftliche Lage Englands nach dem 2. Weltkrieg als besonders schwierig darstellte, wurde die geförderte hochwertige Kohle  ins Ausland exportiert und die Minderwertige in den Industrien und privaten Öfen Englands verheizt. Zusätzlich zum Temperatursturz infolge der Inversionswetterlage, hatte die Stadt bereits Tage zuvor mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen zu kämpfen, die den Ausstoß von Kohlendioxid infolge der zusätzlichen Anfeuerung der Öfen erhöhte.

SO2 Konzentration

Anstieg der SO2 Konzentration in den Dezembertagen 1952

Ein vom Minister MacMillan in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht kam elf Monate nach dem Smogereignis zum Schluss, dass das Unglück insgesamt 12.000 Todesopfer forderte. Da diese Zahl den Beamten des Gesundheitsministeriums zu hoch und unvertretbar erschien, verkürzte man den Beobachtungszeitraum auf die Tage zwischen 5. und 20. Dezember, damit alle nachfolgenden ungewöhnlichen Todesfolgen infolge von Atemwegserkrankungen nicht mehr in der Statistik aufschienen. Ebenso fürchtete man, dass rußarme Kohle für die breite Masse unerschwinglich sei und daher versuchte man von offizieller Seite den kurzzeitigen Anstieg an Todesopfer auf eine damals angeblich besonders starke Grippewelle zu schieben.

Smog Masks Paar mit Atemmasken

Nach dem Unglück von 1952 war das öffentliche Bewusstsein für das Problem geschärft – und Fotografen inszenierten Atemmasken sogar als Modeaccessoire.

Obwohl Tests zeigten, dass sie keinerlei Schutz vor dem giftigen Smog bieten, begann die Regierung in den Wintermonaten nach 1952 regelmäßig Gasmasken in der Bevölkerung zu verteilen. Vor allem um dem Anschein des Nichtstun und der Hilflosigkeit entgegen zu wirken. Als 1953 das London County Council einen umfassenden Bericht über die Smog-Katastrophe vorlegte, entgegnete der Kommunalminister Harold Macmillan, dass weitere Gesetzesänderungen nicht notwendig wären. Erst 1956 folgte mitunter aufgrund weiterer kleinerer Smogereignisse und dem wachsenden Druck der Bevölkerung zum „Clean Air Act“. Das Papier verbietet den privaten Gebrauch von pechhaltiger Kohle und führte sogenannte „Smokeless zones“ ein. Dies waren Stadtzonen in denen es den Privathaushalten verboten war den Rauch über den Schornstein zu entlassen – es sei den man verwende einen offiziell autorisierten raucharmen Brennstoff. Im zweiten „Clean Air Act“ wurde dieses Regelwerk nochmals verschärft, das unter anderem höhere Schornsteine vorschrieb. In den darauffolgenden Jahrzehnten zeichnete sich dann auch tatsächlich eine Wirkung dieser Regelungen ab.

Heute gehören die Nebelschwaden über der Themse genauso wie die zahlreichen Regentage nach wie vor zum alltäglichen Stadtbild, aber infolge viele weiterer Maßnahmen die, die Nutzung von privaten Schornsteinen verbietet, den Berufsverkehr aus der Innenstadt verbannt und selbst die Verwendung von Kohlegrills im Sommer unter Strafe stellt , die extrem hochgiftigen Dunstglocken über der Hauptstadt der Vergangenheit an. Einzig die Fassaden mancher unsanierten Gebäude der Stadt erinnern noch an den schwarzen Ruß der sich klebrig an jede Oberfläche haftete.

Obwohl es mittlerweile weltweite Bestrebungen gibt, die Luft in den Millionenmetropolen zu verbessern, wird trotzdem jedes Jahr von neuen C02 Rekordwerten in Städten Asiens, Amerika und Europa berichtet. Besonderes Augenmerk wurde in den letzten Jahren auf das wirtschaftlich aufstrebende China gelegt, aber auch auf, als sauber geltend europäische Metropolen wie Paris. Versuche der Verschmutzung Herr zu werden gibt es mittlerweile bereits genügend, aber welche bringt auch den tatsächlichen Wandel mit sich? Wie realistisch gestalten sich eurer Meinung nach festgelegte Feinstaubgrenzwerte? Was kann jeder Einzelne machen und welchen Weg sollten die großen Industrienationen in Zukunft gehen? Lass mich an deinen Ideen und Gedanken teilhaben und teile sie mit uns in den Kommentaren.


Weiterführende Links:
Spiegel Online – Fünf Tage im Todesnebel (23.03.2016, 00:33) – Deutsch
Wikiedia: Smog Katastrophe in London 1952 (23.03.2016, 00:35) – Deutsch
Artikel der BBC News – Days of Toxic darkness (23.03.2016, 00:36) – Englisch
Science-Blogs: Der Tag, als London starb (23.03.2016, 00:39) -Deutsch
Artikel auf MetOffice.gov (23.03.2016, 00:42) – Englisch
Bericht auf WDR.de (23.03.2016, 00:46) – Deutsch
The Guardian: 60 Jahre nach the Big Smoke – in Bildern (23.03.2016, 00:48) – Englisch
Artikel in „The Guardian“ zur Luftverschmutzung in London heute (23.03.2016, 00:51) – Englisch
Youtube-Dokumentation zum „Great Smog“ 1952 (23.03.2016, 00:52) – Englisch, Youtube
Artikel der „HistoryToday“ (23.03.2016, 08:24) – Englisch
Artikel des „The Telegraph“ (23.03.2016, 08:30) – Englisch
Fotostrecke des „Spiegel Online“ (23.03.2016, 08:31) – Deutsch
Audiobeitrag auf Bayern2 (23.03.2016, 08:33) – Deutsch
Die Londoner Luftqualität während d. olympischen Sommerspiele in der „Westdeutschen Zeitung“ (23.03.2016, 08:34) – Deutsch
Youtube-Dokumentation „The Killer Fog“ (23.03.2016, 08:36) – Englisch
Wikipedia-Artikel zur Innenstadtmaut (23.03.2016, 08:37) – Deutsch
Artikl zur Luftqualität in Manchester auf „Manchester Evening News“ (23.03.2016, 08:39) – Englisch
Wikipedia-Artikel zu Harold MacMillan (23.03.2016, 08:41) – Englisch
Wikipedia-Artikel zum Smog (23.03.2016, 08:42) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: http://cdn1.spiegel.de/images/image-641350-galleryV9-wsjv-641350.jpg (23.03.2016, 08:44) -Polizist mit Atemschutzmaske regelt den Verkehr in London 1953

 

http://www.theguardian.com/environment/gallery/2012/dec/05/60-years-great-smog-london-in-pictures (23.03.2016, 08:48) – Blick auf die Skyline von London im Jahre 1953
http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-great-smog-von-1952-toedlicher-nebel-ueber-london-fotostrecke-107685-11.html (23.03.2016, 08:50) – Piccadilly Circus im Nebel 1952
http://www1.wdr.de/stichtagdezembernullfuenf100~_v-TeaserAufmacher.jpg (23.03.2016, 08:51) – Londons Doppeldeckerbusse
http://i3.manchestereveningnews.co.uk/incoming/article8873511.ece/ALTERNATES/s1227b/h_00135633.jpg (23.03.2016, 08:53) – Polizist in London mit Fackel
http://scienceblogs.de/frischer-wind/2010/01/25/die-londoner-smogkatastrophe-von-1952/2/ (23.03.2016, 08:55) – Das Parlament in London von Monet
http://www.seewetter-kiel.de/bilder/wetter/hochwinter.jpg (23.03.2016, 12:25) – Grafik zur Entstehung einer Inversionswetterlage
http://scienceblogs.de/frischer-wind/2010/01/25/die-londoner-smogkatastrophe-von-1952/2/ (23.03.2016, 12:27) – Grafik zur SO2-Konzentration im Dezember 1952
http://www.spiegel.de/fotostrecke/der-great-smog-von-1952-toedlicher-nebel-ueber-london-fotostrecke-107685-8.html (23.03.2016, 12:30) -Smogmaske als Mode Accessoire

 

Leitartikel zur Geschichte Fewster: Spiegel Online – Fünf Tage im Todesnebel (23.03.2016, 00:33) – Deutsch
Wikiedia: Smog Katastrophe in London 1952 (23.03.2016, 00:35) – Deutsch
Augenzeugenberichte aus dem Artikel der BBC News – Days of Toxic darkness (23.03.2016, 00:36) – Englisch
Leitartikel: Science-Blogs: Der Tag, als London starb (23.03.2016, 00:39) -Deutsch
Artikel auf MetOffice.gov (23.03.2016, 00:42) – Englisch
Bericht auf WDR.de (23.03.2016, 00:46) – Deutsch
The Guardian: 60 Jahre nach the Big Smoke – in Bildern (23.03.2016, 00:48) – Englisch
Artikel der „HistoryToday“ (23.03.2016, 08:24) – Englisch
Fotostrecke des „Spiegel Online“ (23.03.2016, 08:31) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zu Harold MacMillan (23.03.2016, 08:41) – Englisch
Wikipedia-Hintergründe zur Entstehung des Wintersmogs(23.03.2016, 08:42) – Deutsch