TTIP: Das Ende unserer Landwirtschaft

ttip_landwirtschaftEuropas Landwirtschaft steckt in der Krise! Die Milchpreise sind im Keller und kleinere unrentable Bergbauernbetriebe müssen dem großen Konkurrenzdruck nachgeben und schließen. Darüber hinaus sorgen EU-Sanktionen gegen Russland für große Absatzschwierigkeiten. Das könnte aber erst der Anfang vom Ende bedeuten: Sollten tatsächlich derzeit gültige Standards der Agrar- und Landwirtschaftsindustrie auf beiden Seiten des Atlantiks infolge von TTIP angeglichen werden, droht ganzen Produktionszweigen der Landwirtschaft das Aus. Die irreversiblen Folgen von TTIP trifft die Landwirtschaft, die Lebensmittelerzeugung, den Lebensmittelhandel und schlussendlich die Konsumenten selbst.

Geht es nach einer Studie von „UnternehmensGrün„, einem Verband der grünen Wirtschaft, kann niemand auch nur annähernd so günstig produzieren wie die USA. Die Gründe liegen an den niedrigen Grenzwerten bei chemischen Rückständen, den größeren Anbauflächen und dem verbreiteten Einsatz von Gentechnik. Diesem Konkurrenzdruck wären Kleinbauern nicht gewachsen und würde eine weitere Industrialisierung der europäischen Landwirtschaft zur Folge haben. Die EU plane zwar tierische Nahrungsprodukte, die mit genveränderten Pflanzen gefüttert wurden zu kennzeichnen, aber dies verstoße nach Abschluss von TTIP gegen die Regeln des freien Wettbewerbs und würde von US-Seite Klagen in Milliardenhöhe gegen die EU-Agrarwirtschaft mit sich bringen.
So hat der US-Landwirtschaftsminister erst kürzlich einen genveränderten Apfel zugelassen, der mehr oder weniger nie verrottet und dessen Apfelspalten nie braun werden können. Trotz aller praktischen Vorteile sollte sich jeder ernsthaft fragen, ob man dieses und ähnliche Angebote auch hierzulande im Supermarkt haben möchte.

Die Befürworter beschwichtigen und preisen den sogenannten Investorenschutz als Win-Win Klausel an. Gegner dagegen sehen in dieser Paralleljustiz die existenzielle Gefahr für Klein- und Mittelbetriebe. Mario Ohoven, Präsident des Mittelstandverbandes schätzt, dass eine Klage vor dem Schiedsgericht im Mittel eine Summe von sechs Millionen Euro verschlingt. Eine Summe, die Großkonzerne vor keine Probleme stellt, aber das Gros an Klein- und Mittelbetriebe sich schlicht und einfach nicht leisten kann. Zudem spezialisierten sich mittlerweile internationale Großkanzleien auf diese Verfahren, um Unternehmen gezielt Möglichkeiten einer Klage aufzuzeigen. Obwohl es bereits jetzt über 1.400 sogenannte bilaterale Investitionsverträge zwischen einzelnen EU-Ländern, sowie neun Abkommen zwischen Mitgliedsstaaten und den USA gibt, sind sie erst durch die mögliche Aufnahme geheimer Schiedsgerichtsverfahren in TTIP in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Mithilfe der umstrittenen Schiedsgerichte könnten selbst schon geltende Verbote wieder rückgängig gemacht werden und mit einem Schlag im Zeitraum von mehreren Jahrzehnten mühsam erkämpfte Erfolge im Natur- und Umweltschutz zu Nichte machen.

„Europas Landwirte sind nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten unterlegen (…) für Teile der Landwirtschaft bedeutet das fast automatisch der Niedergang.“

– Studie von „UnternehmensGrün“

Die Studie von „UnternehmensGrün“ beruft sich auf eigene Analysen sowie Befragungen von kleinen und mittleren Betrieben. Das Fazit: TTIP in der jetzigen Fassung würde lediglich die großen Konzerne der Agrar- und Lebensmittelindustrie stärken. Durch Niederlassungen in beinahe allen Erdteilen der Welt haben sie ohnehin schon so gut wie alle Handelsbarrieren für sich überwunden und auch ohne zusätzliche Handelsabkommen gelangen mehr als die Hälfte aller US-Exportgüter nach Europa. Die restlichen 99% der kleineren Unternehmen werden in den Annahmen der EU-Kommission komplett ausgespart, kritisieren die Autoren der Studie. Aber auch in den USA würde TTIP das mögliche Szenario des Niederganges von Kleinst-und Mittelbetrieben um ein Stück näher bringen, weil TTIP die Bevorzugung regionaler Waren als Handelshemmnis ansieht und somit diese in Konkurrenz mit Großkonzernen in Bezug auf Menge und Preis treten müssten.

feedlot

Ist das die Zukunft der europäischen Landwirtschaft? In den USA werden in 1 x 1,5 Meilen großen Freiluftgehegen, den sogenannten „Feedlot“ pro Jahr bis zu 500.000 Bullen innerhalb von drei bis vier Monaten schlachtreif gemästet. Normalerweise brauchen diese Tiere auf Weiden drei Jahre um schlachtreif zu werden.

Derzeit beträgt das Volumen im Export von Agrarprodukten und Nahrungsmitteln in die USA etwa 15 Milliarden Euro und der Import lediglich acht Milliarden. Doch dies könnte sich infolge von TTIP ändern, sobald alle Zölle und insbesondere die nichttarifären Handelshemmnisse wegfallen. Der unbegrenzte Zugang zum europäischen Markt würde vor allem den US-Großkonzernen nutzen, die im Mittel eine Fläche von 169 Hektar bewirtschaften und somit um ein 14-Faches größer als die der europäische Produzenten ausfallen. Im Gegensatz zu US-Firmen, deren Ausrichtung bereits jetzt zu einem großen Teil auf den Export ausgerichtet ist, beliefern mittelgroße europäische Unternehmen erstrangig den heimischen, regionalen Markt. Das würde die großen Konzerne, die schon lange mittels Massentierhaltung und Fütterung mit gentechnikverändertem Futter zu Mächten am globalen Wirtschaftsmarkt zählen, noch zusätzlich stärken.

Die Macht der US-amerikanischen Großbauernbetriebe lässt sich nicht nur mit ihrer schieren Größe erklären, sondern auch mit den im Vergleich zu Europa niedrigen Verbraucher- und Produktionsstandards. Während in Europa eine strenge Kennzeichnungspflicht herrscht und der Anbau beziehungsweise Import von gentechnisch veränderten Pflanzen nur beschränkt erlaubt ist, liegt in den USA dieser Anteil für Mais und Soja bei beinahe 100%.
In den USA gelten gentechnisch veränderte Organismen (GVO) als gleichwertig. Sie wachsen schneller, sind resistenter gegen Schädlinge und letztendlich ertragreicher wie auch gewinnbringender. Um der europäischen Landwirtschaft gegen die Konkurrenz aus Übersee das Überleben zu sichern, müsste den Tieren zumindest Genfutter verabreicht werden. Damit wäre der Kampf gegen genmanipulierten Mais, wie er besonders stark in den österreichischen Medien vertreten ist, mit einem Schlag verloren.

Überdies hinaus würde TTIP den Anbau und Handel von Bioprodukten besonders hart treffen: Während in Mitteleuropa trotz zumeist höherer Preise immer mehr Menschen auf Lebensmittel aus regionalem und biologischem Anbau setzen, würde eine Aufhebung der Kennzeichnungspflicht genmanipulierter Lebensmittel einen ganzen Wirtschaftszweig zugrunde richten und der Endverbraucher hätte letztendlich nicht einmal die Möglichkeit diese Produkte bewusst zu meiden. Besonders umstrittene Großkonzerne wie Monsato (der erst kürzlich vom Chemieriesen Bayer übernommen wurde), aber auch die US-amerikanische Farmlobby wird in Zukunft darauf drängen, gentechnisch verändertes Saatgut und Lebensmittel auf den europäischen Markt zu bringen. Die großen Konzerne schaffen damit zwar neue und billige Arbeitsplätze, aber auf der Gegenseite wird die Konkurrenz aus dem Wettbewerb direkt in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Diese Einschätzung zeigt auch die Studie der Tufts University, die von einem branchenübergreifenden langfristigen Verlust von bis zu 600.000 Arbeitsplätzen in der Europäischen Union ausgeht, da für einen Jobwechsel in eine fremde Branche oftmals die dafür nötige Qualifikation fehle und diese, wenn überhaupt, nur noch schwer nachzuholen sei. Die zukünftige Vernichtung bereits besetzter Arbeitsplätze kann daher nicht unbedingt mit zukünftigen neuen offenen Stellen kompensiert werden.

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NAFTA hat es gezeigt: Die soziale Gerechtigkeit lässt sich mit einem Abkommen, dass den ohnehin schon reichen Großkonzernen weitere Sonderrechte einräumt, nicht erfüllen.

Versucht man den Argumentationen der TTIP-Befürworter zu folgen, treten auffallend viele Parallelen zum folgenschweren NAFTA-Abkommen von 1994 zutage. Auch damals wurden eine Erhöhung des Realeinkommens und die Schaffung neuer Arbeitsplätze versprochen, aber tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten. Diesen und anderen Gefahren sind zukünftig sowohl europäische Biobauern, wie auch Mitarbeiter in landwirtschaftlichen Kleinst- und Mittelbetrieben ausgesetzt. Hier ein paar Beispiele:

Um den Ertrag zu steigern, ist es in den USA gängige Praxis Tiere mit Wachstumshormonen zu füttern. Mehrere Studien in Europa sehen die „Zucht“ von lebenden Fleischbergen als sehr kritisch und nicht wenige befürchten dadurch schwerwiegende gesundheitliche Risiken für den Endverbraucher. Um den europäischen Markt beliefern zu können, fordern Vertreter der US-amerikanischen Fleischindustrie infolge von TTIP jegliche Handelshemmnisse zu beseitigen. Das bedeute einen herben Rückschlag für die in der europäischen Gesellschaft beachteten Tierschutzorganisationen und nicht zuletzt für unsere Lebensmittelsicherheit.
Um hohe europäische Standards zu lockern bedarf es keine neuen Abkommen. Erst kürzlich erlaubte die Europäische Kommission die Einfuhr von mit Milchsäure behandeltem Fleisch aus den USA. Den Hintergrund dieser Einigung bildeten der langjährige Streit und die letztendliche erfolgreiche WTO-Beschwerde der USA, das Verbot um die Einfuhr von mit Hormonbehandelten Rindfleisch aus den USA aufzuheben. Die EU hielt letztendlich am Verbot fest, obwohl die WTO befand, dass es gegen mehrere Vertragsbestimmungen verstieß. Das US-Landwirtschaftsministerium feierte diese Einigung als „großen Sieg der Nahrungsmittelverarbeitung„. Fleisch aus den USA, aber auch aus Europa darf fortan mit Milchsäure dekontaminiert werden und bedarf keiner Kennzeichnungspflicht. Somit werden bereits jetzt Schutzmechanismen nach und nach abgebaut. In einem weiteren Schritt wurde die Überprüfung von Schweinefleisch auf Krankheiten gelockert, zeitgleich mit den in den USA gemachten Vorschlägen, die Standards für Geflügelfleisch zu modifizieren. Dies beinhaltete die Reduzierung von staatlichen Fleischinspektoren und eine Geschwindigkeitsanhebung der Fließbänder in den Schlachtbetrieben von 140 auf 170 Hühner pro Minute.

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Kleinstbetriebe wie Tirols Bergbauern sichern nicht nur die Versorgung der Region, sondern tragen auch einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege bei.

Der Schaden für den Endverbraucher ist aber beileibe nicht nur auf den europäischen Kontinent zu suchen: Vehement setzen sich die europäischen Unterhändler dafür ein, das US-Verbot für Rinder, Rindfleischprodukte und Futtermittelprodukte, welche Wiederkäuerzutaten enthalten und für den Rinderwahn verantwortlich gemacht werden, aufzuheben. Eine Maßnahme, die auf den BSE-Ausbruch in Europa ergriffen wurde.

Besonders im deutschsprachigen Raum wurde erst vor wenigen Jahren der Ruf der Fleischindustrie infolge mehrerer Lebensmittelskandale hart zur Probe gestellt. Letztendlich sind es die straffen Kontrollen und Qualitätsmerkmale wie das AMA-Gütesiegel, das Vertrauen auf beiden Seiten gibt. Sollte tatsächlich der europäische Markt für Billigfleisch aus den USA geöffnet werden, würden heimische Produzenten auf dem teureren Fleisch sitzen bleiben und das Qualitätsmerkmal eines AMA-Gütesiegels vom Markt nach und nach verdrängt werden. Gesunde Lebensmittel werden immer einen gewissen Preis haben. Geiz ist nicht immer geil – besonders bei der eigenen Gesundheit!

Neben Qualitätsbezeichnungen würden auch bisher geschützte Herkunftsbezeichnungen zu Opfern des Freihandels werden. Sollte in der nächsten Zeit das CETA-Abkommen tatsächlich ratifiziert werden, würden von vormals 1450 geschützten Herkunftsbezeichnungen, nur noch 160 weiterhin Bestand haben. In Österreich von 15 sogar nur noch drei. Infolge von TTIP würde sich diese Zahl kaum verbessern. Das könnte bedeuten, dass zum Beispiel in Zukunft die Kerne für das hochgelobte steirische Kürbiskernöl nicht nur auf den traditionsreichen Anbauflächen Österreichs geerntet werden, sondern unter der gleichen Bezeichnung aus dem Mittleren Westen der USA importiert werden dürfen.

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Die gegenseitige Anerkennung von Standards ist auch in den USA ein großese Streitthema.

In den USA verlässt man sich schon lange nicht mehr auf die Gentechnik alleine, um Pflanzen gegen Schädlinge widerstandsfähiger zu machen. Die Rückstände der dabei verwendeten Pestizide dürfen in den USA bis zu 500-mal so hoch sein wie in der EU. Von den 1.349 in den USA erlaubten Chemikalien sind heute in der EU nur noch deren elf erlaubt. Um dennoch einen Export in den europäischen Wirtschaftsraum zu ermöglichen sieht der Anfang 2015 veröffentlichte Vertragsentwurf der EU-Kommission eine Erhöhung europäischer Grenzwerte vor. Das würde bedeuten, dass anstatt elf, alle ihrer 1.349 Chemikalien auch auf unseren Feldern versprüht werden dürfen, da ein Verbot dessen in der Logik des TTIP-Abkommens als Handelshemmnis verstanden wird und bekämpft werden muss. Man darf annehmen, dass Schädlinge dadurch noch robuster und schneller widerstandsfähig gegen die eingesetzten Gifte werden und die Industrie bald nach noch höheren Dosen verlangen wird. Die Rückstände der Giftcocktails werden infolge zunehmen und durch die Nahrungsaufnahme in den körpereigenen Verdauungskreislauf geschickt. Von der schwangeren Frau, dem Kleinkind bis zum Greis.

„Wenn die EU-Regelung (Verbot der Einfuhr von Nahrungsmitteln mit Restbeständen hochschädlicher Pestizide) wie geplant umgesetzt wird, könnten damit US-amerikanische Landwirtschaftsexporte im Wert von über vier Milliarden USD in die EU blockiert werden, dazu kämen noch die Exporte von Pflanzenschutzwirkstoffen. Solche Maßnahmen gefährden die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft …“

– CropLife (USA)

Sollte es sich infolge von Untersuchungen herausstellen, dass eingesetzte Chemikalien in der EU, obwohl in den USA zugelassen, schwerste gesundheitliche Risiken darstellen, kann ein Verbot hierzulande eine Schadensersatzklage durch die USA in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Das wiederum bedeute, dass aus wirtschaftlichen Überlegungen etwaige notwendige Überprüfungen in Hinblick auf mögliche fällige Entschädigungszahlungen erst gar nicht veranlasst und somit demokratische Prozesse ausgehebelt werden. Die bloße Androhung möglicher kostspieliger Gerichtsverfahren schwebt somit über jeder staatlichen Regulierungsmaßnahme. Die Sprache aller bisherigen Freihandelsabkommen ist nicht bindend: Regierungen „sollten“ keine Maßnahmen zur Unterwanderung ergreifen und kein einziges Abkommen beinhaltet Mechanismen, die die Konzerne in die Pflicht nehmen, ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrzunehmen. Das internationale Menschenrecht ist weich, die Handelsabkommen hart.

Und da wäre noch das viel diskutierte Chlorhuhn, das die Unterschiede der Lebensmittelsicherheitsstandards zwischen der EU und den USA klar und deutlich zeigt. Während europäische Produzenten auf der gesamten Produktionslinie Sicherheit und Hygiene sicherstellen müssen, werden in den USA im letzten Produktionsschritt rohe Fleischwaren, wie Geflügelfleisch mit einer mikrobiellen Lösung (meist Chlordioxid) eingesprüht, um gefährliche Krankheitserreger abzutöten. Zahlreiche Berichte Betroffener zeugen von den Gesundheitsrisiken, die vom Kontakt der eingesetzten Gifte ausgehen. Von Haut- und Lungenkrankheiten ist die Rede, sowie auch von ätzenden Eigenschaften, die mitunter sogar Beton angreifen und zerfressen. Nicht selten wird die Chemikalie mit dem Abwasser entsorgt und kann in höheren Dosen zu Umweltschäden führen.

Selbst wenn der DBV (Deutscher Bauernverband) betont, dass infolge von TTIP regionale Bezeichnungen weiterhin geschützt werden und es keinen unkontrollierten Import von Fleischprodukten aus den USA geben wird, gibt es ob dieser beruhigend klingenden Worte noch genügend Zweifler. Viele Interessensgruppen, etwa die der Milchbauern, sehen eine schwindende Unterstützung durch den Bauernverband. Produzieren für den Weltmarkt, Handel als Allheilmittel ist nicht im Sinne kleiner und mittlerer Betriebe. Sie sehen im DBV vorrangig einen Interessensvertreter für die BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) und ein Machtinstrument der Bundesregierung, die unermüdlich betont, dass infolge TTIP die in Europa gültigen Standards nicht gesenkt werden und das Freihandelsabkommen als Wachstumsmotor für Beschäftigung und Wirtschaft fungieren wird.

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Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Obgleich die US-Präsidentschaftswahl derzeit die Medien dominiert und TTIP bis nach der Wahl eine kurze Verschnaufpause einlegt, werden 2017 die Demonstrationen gegen die Freihandelsabkommen mit den USA unvermindert fortgesetzt werden.

Welche Auswirkungen TTIP auf die europäische Landwirtschaft tatsächlich hat, bleibt abzuwarten. Trotzdem: Studien, die sich diesem Thema gewidmet haben, zeigen ein düsteres Bild für europäische Bauern. Sei es in Europa oder den USA, Studien beider Seiten gehen gesamtheitlich von einem Verlustgeschäft für den EU-Raum aus, während die US-Agrarwirtschaft wachsen wird. Bereits der europäische Binnenmarkt und die Einheitswährung wurden im Namen der Arbeitsplätze verkauft. Warum sollte es bei TTIP anders sein? Eine weitere Deregulierung und erneute Senkung sozialer und ökologischer Standards wird kaum für eine wirtschaftliche Erholung beitragen.
Peter Pascher vom Bauernverband versucht zu beruhigen: All diese Studien beruhen auf derzeitige Annahmen. TTIP ist noch nicht ausverhandelt und daher mögliche Auswirkungen noch nicht vorhersehbar. Man müsse abwarten, bis TTIP steht!

Oder anders gesagt: Warten, bis die Würfel gefallen sind und die Entscheidungen als Schicksal annehmen!

In Mexiko warten die Menschen schon seit 1994 auf wirtschaftliche Verbesserungen, die der Mittelschicht damals versprochen wurde und sich als Utopie erwiesen. NAFTA, die Vertragsblaupause für TTIP ist auch als Warnung an Europa zu verstehen: Während in der US-amerikanischen Fertigungsindustrie infolge der Abwanderung großer Automobilkonzerne ins Billiglohnland Mexiko, Millionen von Arbeitsplätzen vernichtet wurden, schuften Mexikaner tagtäglich für einen Hungerlohn in deren Fabriken. Die soziale Ungerechtigkeit wurde seither massiv vorangetrieben, die regionale Landwirtschaft zerstört und Millionen von Migranten auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben in den Norden vertrieben. Während Mexiko in der Liga der Entwicklungsländer massiv zurückgeworfen wurde, leben amerikanische Großkonzerne den Traum der jährlich erwirtschafteten Rekordgewinne auf den Rücken der mexikanischen Billiglöhner. Daraus sollten wir lernen, dass es nicht unser vorrangiges Ziel sein kann, die Vertragstexte von TTIP und zukünftigen Handelsabkommen umzuschreiben, sondern die Konzernermächtigungsabkommen im vollen Umfang zu verhindern. Die Erfahrungen von Staaten wie Australien und Indonesien sollten uns lehren, wie schwer es fällt einmal beschlossene Regeln in Freihandelsabkommen im Nachhinein wieder auszusetzen.

Hier geht es zum 1.Teil des TTIP-Spezials: TTIP – Wo liegt das Problem?

Das war der zweite Teil des großen TTIP-Spezials! Wie denkst du über TTIP in Verbindung mit der europäischen Agrarpolitik? Welche Gedanken, Befürchtungen umgeben dich, oder bist du selbst in der Landwirtschaft tätig und somit direkt davon betroffen? Dieser Tage spricht fast jeder nur noch über CETA: Wie wird es nun deiner Meinung nach weitergehen und kann dieses Abkommen überhaupt noch gekippt werden? Deine Meinung, wie immer in die Kommentare!
Das nächste TTIP-Spezial gibt es in wenigen Wochen wieder und widmen uns dann erneut den genauen Inhalten der einzelnen Verhandlungspunkte und welche Auswirkungen diese auf unsere Zukunft haben könnten. Bis dahin verbleiben wir auf Facebook oder hier in den Kommentaren!

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Weiterführende Links:
Zeit Online: Mehr Wachstum durch TTIP ist ein Märchen. (16.10.2016, 22:04) – Deutsch
Attac: Grundlegende Informationen zu TTIP. (16.10.2016, 22:05) – Deutsch
Informationsbroschüre der internationalen Union der Lebensmittel-, Landwirtschafts-, Hotel-, Restaurant-, Café-, und Genussmittelarbeiter-Gewerkschaften (UIL): Handelsabkommen, die die Demokratie gefährden. (16.10.2016, 01:24) – Deutsch/PDF
TTIP-stoppen: Menschenrechte sind unverhandelbar. (16.10.2016, 01:29) – Deutsch
Umweltinstitut.org: Auswirkungen von TTIP auf den Umweltschutz. (16.10.2016, 01:31) – Deutsch
Umweltinstitut.org: Folgen von TTIP für Wirtschaft und Beschäftigung. (16.10.2016, 01:32) – Deutsch
Zeit-Online: Bedrohung Europas Bauern und Verbraucher durch TTIP (16.10.2016, 01:35) – Deutsch
Umweltinstitut.org: Allgemeine Informationen im Bezug zu TTIP und der Demokratie. (16.10.2016, 22:04) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zum transatlantischen Freihandelsabkommen. (16.10.2016, 22:16) – Deutsch
Wikipedia-Artikel zum nichttarifärem Handelshemmnis. (16.10.2016, 22:18) – Deutsch
European Commission: Fakten zu TTIP von Seiten der Befürworter. (16.10.2016, 22:19) – Deutsch/PDF
LobbyPedia: Gemeinnützige Organisation, die sich intensiv mit allen Bereichen rund um TTIP befassen. (16.10.2016, 22:29) – Deutsch
Stellungnahme des DBV (Deutscher Bauernverband) zum Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. (16.10.2016, 22:31) – Deutsch/PDF
Konrad Adenauer Stiftung: Die Auswirkungen von TTIP – Teil2 (16.10.2016, 22:32) – Deutsch/PDF
Informationen zur Studie von „UnternehmensGrün“. (16.10.2016, 22:33) – Deutsch
Die Presse: Laut einer US-Studie kostet TTIP bis zu 600.000 Arbeitsplätze in Europa. (16.10.2016, 22:35) – Deutsch

Quellenangaben:
Titelbild: https://pixabay.com/static/uploads/photo/2016/04/22/13/02/ttip-1345714_960_720.jpg (16.10.2016, 01:39) – Logo Ortstafel TTIP Vs. Demokratie (Abänderung auf „Landwirtschaft“ und Farbänderung mit Photoshop)


https://de.wikipedia.org/wiki/Feedlot#/media/File:Feedlot-1.jpg (16.10.2016, 21:46) – Feedlot in Texas.
https://de.wikipedia.org/wiki/Armut#/media/File:Jakarta_slumlife55.JPG (16.10.2016, 21:52) – Slum-Bewohner in Jakarta.
https://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaft#/media/File:Bauernhaus_Entlebuch_01.JPG (16.10.2016, 21:54) – Schweizer Bauernhof in Entlebuch.
https://stop-ttip.org/wp-content/uploads/2015/07/11350917_10155972919990107_1040364319490926793_n.jpg (16.10.2016, 21:58) – Handshake zwischen der EU und den USA.
https://stadtrabe.wordpress.com/2015/10/10/ttip-demo-berlin-2015/#jp-carousel-1180 (16.10.2016, 22:00) – Foto der TTIP-Demo in Berlin 2015. © Carlo Wanka.

 

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18 Kommentare zu “TTIP: Das Ende unserer Landwirtschaft

  1. Sevus Wolf,
    wieder ein großer Wurf, der Dir heute gelungen ist.
    Sehr informativ, gehaltvoll.
    Ich darf Dir und den hoffentlich sehr zahlreichen Lesern noch einen Link schicken, zu einer Website „amerika21.de“

    Im Beitrag geht es um die Ziele von Chemieriesen wie DOW, Bayer-Monsanto, Pioneer, die mit „Freihandelsabkommen“ die Bauern zwingen werden, bzw. berets gezwungen haben, das Saatgut dieser Konzerne ausschliesslich benutzen zu müssen.
    https://amerika21.de/analyse/159029/fta-patentierung-lebensformen

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für die netten Komplimente! Habe den Artikel auch auf Facebook nochmals gepostet, damit er für mehr Leser schneller sichtbar ist. Vielen Dank dafür!

      Schöne Grüße,
      Da_Wolf

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  2. Hallo oekobeobachter,
    Vielen Dank für dein positives Feedback! In wenigen Wochen wird mein 3. TTIP-Spezial folgen! Freue mich dann auf ein Wiedersehen!

    Noch eine schöne Woche,
    Da_Woche

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  3. Hallo Wolf,
    auch ich finde deinen Beitrag sehr gut gelungen. Vor allem werden die Folgen deutlich, was passiert, wenn TTIP verwirklicht wird.
    Nur wird die EU nicht schon indirekt dazu gezwungen bei TTIP mitzumachen?
    Denn was passiert, wenn die EU dem Vertrag nicht zustimmt? Wenn sich Amerika dann einen anderen Partner sucht, kann es passieren, dass die EU nach und nach vom Welthandel ausgeschlossen wird.

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    • Niemand wird vom Welthandel ausgeschlossen.
      Selbst die finsterste Diktatur hat genug Handelspartner.

      Das die EU vom Handel abgehängt wird, suggerieren bloß die Konzerne, um den Otto-Normalverbraucher in Angst und Schrecken zu versetzen.

      Entscheidend (für das Shoppen oder Verreisen) ist doch nur, ob Dein Geld in Deiner Brieftasche konvertibel ist.

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      • Ja, das mag schon sein! Aber auf der anderen Seite kann ich auch die Interessen der Konzerne etwas nachvollziehen. In Ländern, in denen es aus Gründen des Umweltschutzes und der aufgeweichten Menschenrechte ein Einfaches ist, billigst zu produzieren, können unsere Erzeugnisse auf Dauer nur schwer mithalten. Diese Konkurrenz – speziell aus Fernost wird aufgrund ihrer wachsenden Bedeutung auf ihr Recht am Weltmarkt mitzumischen, weiterhin pochen. Möglichkeiten sich gegen Handelsbeschränkungen zur Wehr zu setzen gibt es schließlich genug! Erst wenn wir es selbst schaffen, die Barrieren auf ein zu verantwortendes Mittelmaß herabzusetzen, können wir dieser Macht etwas entgegensetzen. Als Beispiel: Eine Waschmaschine von Miele mag zwar vielleicht nicht nur teurer, sondern auch hochwertiger sein, aber eine Maschine zu einem Viertel dieses Preises ist meist nicht vier Mal schlechter als das teure Markenprodukt. Speziell mit „Made In China“ zeigt sich bei vielen Geräten, dass mittlerweile oftmals billigere Geräte (Huawei, Xiaomi) durchaus mit teuren Produkten mithalten können. Erst mit einem freien Handel könnte man auch ein breiteres Angebot für bisher nur schlecht erschlossene Länder anbieten und diese auch der dortigen Kaufkraft angleichen. Ein Beispiel: Ein VW-Passat kostet aufgrund von Importbeschränkungen und hohen Zöllen auf westliche Automobile in Südkorea bis zu 25% mehr als hierzulande. Das heißt aber nicht, dass das Auto mehr kann oder besser ist als in Europa. Und aus diesen Gründen ist die Marke VW nur für die reiche Oberschicht erschwinglich und gilt als absolutes Statussymbol. Die Frage ist hier lediglich ob und in welchem Umfang ein Normalbürger bereits ist geltende schützende Richtlinien für diese Form des freien Handels aufzugeben und ob der einfache Bürger davon überhaupt einen Vorteil aus diesen Abkommen für sich suggerieren kann. Aus diesem Grund kann ich zwar die wirtschaftlichen Interessen hinter CETA und TTIP verstehen, aber trotzdem keinesfalls unterstützen. Zu deiner Aussage zu Beginn: Natürlich haben wir und werden wir aufgrund unserer wirtschaftlichen Bedeutung immer genügend Handelspartner haben. Die Frage stellt sich lediglich, ob wir auf Dauer mit denen auch mithalten können oder wir zu reinen Konsumenten gegenüber den immer größeren, mächtigen und skrupellos operierenden Großkonzernen aus Fernost werden.

        Gefällt 2 Personen

    • Hallo Mary,

      Wie es bereits mein Vorredner sagte, wird sich keine Wirtschaftsmacht es leisten können die Kaufkraft Europas zu ignorieren. Die EU wird in Zukunft noch viele weitere Handelsabkommen mit anderen Ländern schließen und ebenso die USA oder Kanada. Die Frage ist nur zu welchen Konditionen. Sollte CETA tatsächlich nicht zustande kommen, wird sich freilich jemand anderes die sprichwörtlichen Rosinen aus dem Kuchen picken. Aber die generelle Frage ist ohnehin, ob diese „Rosinen“ für uns Normalbürger, oder für jemand gänzlich anderes gedacht sind. Nicht umsonst sprechen viele Kritiker vom „Konzernermächtigungsabkommen“, von dem wie der Name schon sagt, in erster Linie die ohnehin schon reichen Konzerne profitieren. Verlagert sich die Produktion von Deutschland nach z.B. China, profitiere ich freilich wenig von neuen Absatzrekordern der deutschen Konzerne. Werden Waren aus dem Ausland in Deutschland günstiger, hilft es mir auch nur sehr wenig, wenn aufgrund hoher Arbeitslosigkeit die Kaufkraft für die vielen neuen Produkte nur bedingt vorhanden ist. Schlussendlich dürften fremde Konzerne in unserem Land nach deren Konditionen günstig produzieren und diese Waren verkaufen – nicht nur in Deutschland. Welche Auswirkungen dies haben kann, zeigt schon allein der Wunsch der USA in Europa das Frackingverbot auszuhebeln. Der Erfolg / Misserfolg von CETA wäre in dieser Hinsicht natürlich auch für ein zukünftiges TTIP-Abkommen weisend. Wie sich TTIP nach der US-Wahl entwickeln wird, wird sich zeigen müssen, vor allem da der Zuspruch für CETA auf beiden Seiten des Atlantiks schon immer um einiges größer war und eventuell trotzdem noch scheitern könnte.

      Gefällt 1 Person

      • Danke für die ausführliche Antwort. Ich glaube, das ist echt ein Thema über das man ewig diskutieren kann, weil es sehr schwäre alle zufrieden zu stellen…
        Aber mal sehen, wie es sich nach der Wahl entwickelt.

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  4. Pingback: Schon wieder CETA, – Alles nur Satire

  5. Mit Donald Trump als Präsident wird TTIP nicht geben. Er will ja aus den Verhandlungen aussteigen.
    Mal sehen, ob er es durchziehen kann oder nicht.
    Egal, ich finde deinen Beitrag super und informativ.

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    • Hallo Eva,
      Bei all den Unsicherheitsfaktoren die mit Trump als US-Präsident (finde es noch immer so unglaublich den Namen TRUMP und US-PRÄSIDENT in ein und denselben Satz zu nennen), gibt es bereits mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Sieger: Die Gegner von TTIP! Man spricht zwar von EU-Seite momentan nur von einer „Verschiebung“ des Handelsabkommens, aber ich glaube nicht, dass man jetzt TTIP auf vier oder acht Jahre aufschiebt. Werde dazu noch dieses Jahr einen eigenen Artikel verfassen und hier bzw. auf der eigenen Facebook-Seite veröffentlichen.

      Gefällt 1 Person

  6. Wir sind auf dem Weg in die Neue Welt Ordnung. Ziel ist die Installierung eines globalen Sozialismus. Sie wollen die Wirtschaft zu Fall bringen, sie wollen eine Inflation und den Bürgerkrieg. Den Bürgerkrieg werden sie nutzen für neue Sicherheitsgesetze und die Installierung der Faschistischen Neuen Welt Ordnung!

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  7. Pingback: TTIP ist tot | Mothers Dirt

  8. Pingback: TTIP ist tot - Mothersdirt

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